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Philip_MHH
10.12.2023, 14:07
also ich muss sagen, dass ich als Assi immer Fach- und Oberärzte, auch Chefärzte hatte, die mir im laufenden Betrieb sowohl handwerkliches beigebracht haben, also auch Theorie. Wobei ich da so ehrlich sein muss, dass ich da auch nie Basics zu hören bekommen habe (bzw. musste), da ich einfach selbst auch immer am Ball geblieben bin. Eher so Theorie im Sinne von Vertiefung etc.
Halte ich jetzt als Ausbildender genau so. Ich spreche Basics sicher an , wenn etwas fehlt, aber das kaue ich nicht vor, Basiswissen muss sitzen, bzw. selbst erworben werden. Dann gibts aber keine ergänzenden Input, Erklärung wie was funktioniert und handwerkliches natürlich sowieso… in der Arbeitszeit und mich nach Feierabend.

Trenn
10.12.2023, 14:32
Müssen die denn dann auch unbezahlte Überstunden machen und sehen es vielleicht nicht ein, nur dann etwas beigebracht zu bekommen, wenn sie sich das damit "erkaufen"?

Das ist aber immer noch günstiger als in ne Fortbildung für 300€/Tag zu hocken, wo man vielleicht eine Nachfrage stellen kann, weil auch noch 100 andere Teilnehmer Fragen haben. Ich bringe gerne das Beispiel vom Degum Sono Kurs. Zwei Tage Praktikum, bist auch nur bei den Sonos vom Arbeitstag dabei, zahlst aber für 2*5h 300€. Muss auch deine Freizeit opfern. Könntest das gleiche auch an deinen Dienstfreien Tagen "kostenlos" in der Klinik kriegen. Bildung ist eine Investition in die Zukunft. Später die Zeit rein zu investieren um Defizite aufzuholen kostet viel mehr, da der Stundenlohn höher ist.😜

freak1
10.12.2023, 16:38
Für sowas hat man Fortbildungstage...

Miss_H
10.12.2023, 18:45
Für sowas hat man Fortbildungstage...
Und die Klinik zahlt mindestens die Kursgebühr. Bei uns ist es nicht möglich den ganzen Tag nur zu sonographieren, noch hätte ein Oberarzt die Zeit mir alles im Detail zu erklären.

ehem-user-19-05-2025-1430
10.12.2023, 19:03
Ohne jetzt genau auf die einzelnen Punkte einzugehen sieht man auch hier wieder das Kern des Problems bzw. das Drama unseres Berufsstands.

So lange diese massive Selbstausbeutung als normal hingenommen wird bzw. das "Schützen der Pfründe" derjenigen bei denen die Selbstausbeutung zumindest zum Teil schon hinter sich liegt nicht aufhört wird sich nichts an den miserablen Bedingungen ändern.

Und ich muss ehrlich sagen, ich glaube das wird nichts bei uns. Was bleibt? Nische suche, Beruf wechseln, auswandern... Wie schon immer... oder natürlich "in seine Bildung investieren"...im Feierabend nach der 60h..... nach 3 Jahren Abi, mindestens 6.5 Jahre Studium, oft Promotion und jahrelanger Facharztausbildung....

anignu
10.12.2023, 22:23
Bzgl. Kurse und Weiterbildung an sich: das kann man nicht vergleichen. Ich hab in meiner Weiterbildung auch eine gute Anleitung bzgl. Sonographie bekommen, aber das war und ist nichts im Vergleich zu den Kursen. Nur in den Kursen ging es explizit um PRF, Frequenzen etc. um damit zu lernen wie man ein Bild in der Duplex- oder Triplexsonographie wirklich gut macht. Mit dem Wissen aus den Kursen konnte man dann wieder fleißig weiter üben.
Für mich besteht die Weiterbildung, bzw. das Wissen das man später hat, aus dem was man vor Ort lernt und ZUSÄTZLICH aus Kursen. Ich will weder das Eine, noch das Andere missen. Und auch später, nach der Weiterbildung, sind Kurse noch wichtig. Diese Dinge darf und soll man nicht gegeneinander ausspielen sondern braucht beides.

OhDaeSu
20.12.2023, 18:21
Die Präsidentin des Pflegerats (https://www.bibliomed-pflege.de/news/dpr-chefin-vogler-das-ist-nur-der-anfang-1) zu den vorläufigen Eckpunkten des Pflegekompetenzgesetzes:


Pflegefachkräfte mit einem Master könnten neben der Verordnung von Hilfsmitteln künftig unter Umständen auch bestimmte Arzneimittel verordnen. Diese Arzneimittel sollen anhand einer Positivliste geprüft werden, so Lauterbach. Das Feststellen der Diagnose und das Ansetzen eines Medikamentes bleibe aber ärztliche Tätigkeit. Reicht Ihnen das?

Wir steigen erstmal mit Folgeverordnungen ein und schauen, wie sich das entwickelt.


Nur Entlastung bei den nicht genuin ärztlichen Tätigkeiten .... ist klar :-angel

Endoplasmatisches Reticulum
20.12.2023, 19:04
........

Dooly
20.12.2023, 19:16
4 Ausbildungssäulen nur für Pflege klingt für mich völlig insane. Examinierte, Examinierte mit Weiterbildung, Bachelors und zukünftig Masters? Und dann noch PAs …
https://youtu.be/fnLhwH6Ut-A?si=ASYn9GSc5p1pgYZS Pressekonferenz vom BMG mit Lauterbach zu dem Pflegekompetenzgesetz von gestern.

Endoplasmatisches Reticulum
20.12.2023, 19:30
........

anignu
20.12.2023, 22:05
Bzgl. "Verordnung von Medis": wenn ich das richtig gelesen hab, wird das Medikament weiterhin vom Arzt angesetzt oder abgesetzt. Nur die Verordnung kann durch die Pflegekraft dann erfolgen. Also wenn das Medikament ausgeht dass die Pflegekraft selbständig nach den ärztlichen Vorgaben das Medikament verordnen kann... Die Pflegekraft darf also einen Zettel ausfüllen damit die ärztliche Anordnung erfüllt wird. Da fühl ich mich jetzt nicht angegriffen.

Und bzgl. Hilfsmittel: wenn ich als Chirurg zu Patienten gerufen werde die internistisch liegen (aus gutem Grund!) und nebenbei noch eine chronische Wunde haben und dafür Hilfsmittel brauchen... dann ist es meist sinnvoller wenn eine Wundtherapeutin die Hilfsmittelverordnung ausfüllt als der Internist. Sorry, aber DER hat überhaupt keine Ahnung von den Hilfsmitteln die es da braucht und auch kein Interesse sich da auch nur halbwegs einzulesen oder sich damit zu beschäftigen. Insofern macht auch das Sinn. Auch wenn im Bereich der chronischen Wunde die ärztliche Expertise einen unschätzbaren Wert hat, entsprechende Wundtherapeuten mit entsprechender Erfahrung sind da auch nicht zu unterschätzen und übertreffen mit ihrem Wissen über eben die chronische Wunde sicherlich 95% der Ärzte.

Es gibt Bereiche in denen macht es absolut Sinn dass entsprechende Pflegekräfte gewisse Dinge auch dürfen. Die muss man sich halt ganz genau anschauen.

Endoplasmatisches Reticulum
20.12.2023, 22:37
........

anignu
20.12.2023, 23:05
Wenn Chirurgen keine Ahnung von Wunden haben
Internisten haben keine Ahnung von Wunden. Patienten mit primär internistischem Problem, das sie umbringen kann, haben aber gern mal nebenbei chronische Wunden. Und dann ist der Internist für die Heilmittelverordnung zuständig hat davon aber keine Ahnung. Klar kann ich nun als Chirurg sagen "lass mich das machen, ich mach gern die Heilmittelverordnung für Patienten für die ich primär nicht zuständig bin und ihr einfach sagt uns interessiert das nicht". Als Chirurg Papierkram für internistische Patienten machen. Klar. :-keks
Bzgl. chronischen Wunden arbeite ich gern mit Wundtherapeuten zusammen. Die haben ihr Wissen, ich hab mein Wissen. Zusammen bekommt der Patient eine gute Versorgung.

Der Knackpunkt war ja aber OhDaeSus Hervorhebung. Physician Assistants, die sonographieren, ZVKs legen, mitoperieren und Sprechstunden machen, haben dich neulich nicht gestört.
Sprechstunde alleine macht keinen Sinn. Hab ich das ernsthaft geschrieben? Unterstützung gern, alleine macht keinen Sinn weil man in der Sprechstunde ja eine Diagnose festlegt, die weitere Therapie festlegt oder auch entscheidet keine Therapie mehr zu machen etc... das ist hoheitlich ärztliche Tätigkeit.
Einfache Sonographien, ZVKs, OP-Assistenz... hab ich kein so großes Problem damit. ZVK noch am Meisten weil das schon ziemlich invasiv ist.

Ich hab halt so Dinge schon erlebt und sehr positiv erlebt. Duplexsonographie als Screening auf Carotis-Stenose oder zum Ausschluss einer PAVK war in unserer gefäßchirurgischen Praxis (dem Krankenhaus angegliedert) üblich dass das die Gefäßassistentinnen machen. Pflegekräfte/MFAs mit spezieller Weiterbildung zur Gefäßassistentin. Wenn die Zeit hatten, haben die auch schonmal eine Anamnese in den Computer reingeschrieben. Und wenn es tatsächlich Carotis-Stenosen gab, haben wir uns ärztlicherseits diese genauer angesehen. Das war eine mega Entlastung, ich war damals als Weiterbildungsassistent beschäftigt, super froh dass es diese gab und konnte mich wirklich auf auf schwierigere Befunde wie eine unauffällige Carotis oder einen Patient mit tastbaren Fußpulsen konzentrieren. Ich hab trotzdem elendig viele Patienten geschallt und jeden Tag gesehen. Krass intensive Weiterbildungszeit...

Und um es nochmal zu schreiben: ich hab einfach in meinem Leben schon diese Assistenzberufe kennen lernen dürfen, auch in meiner Weiterbildungszeit. Und die haben mir eher das Leben erleichtert als mir irgendwas weggenommen.
Es mag Fälle und auch Persönlichkeiten geben bei denen das anders ist. Es mag PAs geben die durchsetzen dass sie dauernd im OP assistieren und dann den WBAs die Eingriffe bzw. Erfahrung wegnehmen. Genauso wie es bei den ärztlichen Kollegen A... gibt die dauernd in den OP drängen und die Ellenbogen ausfahren. Aber grundsätzlich seh ich das Ganze nicht so ausschließlich negativ wie ihr.

Tramaldol
20.12.2023, 23:11
Es gibt aber einfach nicht genug Personal bei der Vielzahl an Kliniken, den demorgraphischen Veränderungen, der Feminisierung der Medizin und ihren Folgen, insofern werden PAs kommen und "in die Bresche springen" und auch ein möglicher Grund sein für eher stagnierende Löhne bei Ärzten.

In GB werden beispielsweise jetzt weniger Hausärzte gesucht, weil die HAusarztpraxen statt Ärzte PAs einstellen. Auch die Vertretungsstellen gibt es weniger. Das drückt die verhandelbaren Löhne.
Die Nachricht des TAVI-durchführende PA ist eher eine "Ente", die Nachricht wurde von dem britischen Krankenhaus korrigiert und nochmals extra daraufhingewiesen, dass dies unter Aufsicht eines Cardiologen erfolgte.
Ich denke nicht, dass TAVI in absehbarer Zeit hauptsächlich durch PAs durchgeführt werden.

rafiki
21.12.2023, 04:05
insofern werden PAs kommen und "in die Bresche springen" und auch ein möglicher Grund sein für eher stagnierende Löhne bei Ärzten.


Mein Reden seit langem. Wer jetzt als Arzt nicht im Prekären bleiben will, sollte sich Qualifikationen und handfeste Expertise zulegen, die ihn aus der Masse abheben und echt wertvoll machen. Ein FA-Abschluss allein tut das meistens nicht. Und an die Assis: A....backen zusammenkneifen, aufhören zu jammern, sondern arbeiten und lernen: ansonsten viel Spaß in der Zukunft mit der PA-u. a.-Konkurrenz um Posten und Löhne.

Dooly
21.12.2023, 06:25
Das Ziel vom Pflegekompentenzgesetz soll zum einen sein Kompetenzen nutzen, die allerdings derzeit noch gar nicht existieren, und andererseits die Pflege attraktiver zu machen. Anwerben aus dem Ausland, ausgebildete Kräfte zurück in den Beruf holen. Eine neue Ebene zu konstruieren, die vom Stelleninhalt vielleicht mehr Leute anspricht, nützt bei dem Problem nichts, dass niemand mehr in der ursprünglichen Pflege arbeiten will. Die Leute fehlen dann weiterhin in der Langzeitpflege, in den Pflegediensten, auf den Stationen in den Krankenhäusern etc.
Kann mir vorstellen, dass PAs irrelevanter werden und das Studium noch sinnloser als derzeit.

Endoplasmatisches Reticulum
21.12.2023, 08:21
...........

rafiki
21.12.2023, 10:07
werden ärztliche Funktionsträger höchstens schulterzuckend zusehen und säufzen

Vor oder nach dem gierigen Schlucken? :prost:

freak1
21.12.2023, 12:34
Wie bitte? Die Aufsichtsratsposten sind doch kaum vergütet und da sitzen sie doch nur wegen der sozialen Verpflichtung!

Stuntman Mike
21.12.2023, 17:19
Ich finde es reichlich befremdlich, wenn Oberärzte bei der Visite ihre Stationsärzte durch die Patientenzimmer jagen und ihnen jeden Furz der Behandlung diktieren, als wären sie zu blöd eine Banane zu öffnen, aber sich dann mit plakativer Respektschwere an die 20jährige Pflegerin Sarah wenden und sie zu ihrer Expertise befragen, welche Wundauflage sie denn empfehlen würde. Das habe ich so oft erlebt - und es spricht weniger für die Pflege, als dass es vor allem die Farce zur Schau stellt, die wir Weiterbildung nennen.
Schön auf den Punkt gebracht. So ein Verhalten regt mich auch immer extrem auf…