Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Niederlassungsberatung: Ich rate davon ab, Arzt in Deutschland zu werden
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hennetschi
03.02.2008, 18:29
Bin ganz, aber angenehm erstaunt, daß sich jetzt die Diskussion wieder am Thema orientiert;-)
Der Vergleich Praxis und Werkstatt hinkt in mehrfacher Hinsicht.
Keine Werkstatt würde für eine viel zu niedrige Kostenpauschale irgendeinen Reparaturauftrag annehmen. Ein Arzt muß das aber sogar völlig unabhängig von der Morbidität. Derzeit 36 bis 44€ pro Kopf. Egal, wie oft der Patient in der Praxis erscheint und vielleicht auch zeitintensiv behandelt wird. Das ärztliche Gespräch als ein Mittel der Therapie in vielen Fällen wird zu einer belang- und kostenlosen Unterhaltung degradiert.
Direktabrechnung mit dem Patienten nach GOÄ (je nach Lage einfacher Satz bis xxl) käme für fast alle Patienten billiger.
Die Konditionen der Versicherungen würden sich über Angebot und Nachfrage regeln.
Schon ein Versuch der Direktabrechnung mit dem Patienten würde außerdem aufzeigen, wie insuffizient, inkompetent und gefräßig die meisten kranken Kassen sind!
Es ist halt so, wie es mit Versicherungen immer ist: Statistik. Während des Studiums war ich aus Kohlemangel einige Zeit nicht krankenversichert.
Wie hoch ist denn die Wahrscheinlichkeit, dass dir, sagen wir mal innerhalb eines Jahres, als gesunder Mensch (zwischen 20 und 30) etwas so schlimmes passiert, dass du finanziell in den Ruin getrieben wirst?
Und damit meine ich jetzt nicht vom Auto angefahren werden und so etwas, denn das zahlt die gegnerische Haftpflichtversicherung (aber auch das ist sehr unwahrscheinlich).
Dies soll kein Post sein, welches einen nicht vorhandenen Versicherungsschutz verharmlost, es soll nur eine Anmerkung sein.
Da kenne ich jemanden, der als - bis dahin - voellig gesund geltender 29jaehriger, ploetzlich eine Herzchirurgische Not-OP brauchte, um zu ueberleben. Was haette ihm so eine Statistik genutzt?
rate mal
03.02.2008, 18:41
Na hervorragend! Stell dir vor deine Kfz-Werkstatt baut mist und statt die Sache mit den Leuten zu klären musst du dich an irgendeine "Eintreiberfirma" wenden, was natürlich ohne Anwalt kaum möglich sein wird. Wie oft wirst du diese Firma aufsuchen, nachdem du einmal unzufrieden warst?Es gibt mehrere Unternehmen, die echtes Factoring für Arztpraxen anbieten und es gibt Arztpraxen, die das anwenden..
Es gibt allerdings auch einige Urteile (auch vom BGH) wegen Schweigepflichtsverletzungen dazu.
Deshalb weisen die Unternehmen, die das anbieten, extra darauf hin, dass man dafür vorher das schriftliche Einverständnis des Patienten einholen muss.
Pass also immer schön auf, was Du unterschreibst, wenn Du Dich als Privatpatient behandeln lässt:
Es gibt da einerseits die Erklärung darüber, dass Du mit der Weitergabe von Daten zwecks Rechnungserstellung einverstanden bist (das wäre ohne Deine Zustimmung auch eine Schweigepflichtsverletzung), aber für eine Weitergabe von Daten wegen eines echten Factorings müsstest Du eine extra Einverständniserklärung unterschreiben.
Also, immer schön alles (auch das Kleingedruckte) lesen, bevor man etwas unterschreibt. Das gilt nicht nur beim Versicherunbgsvertreter, sondern auch in der Arztpraxis.
rate mal
03.02.2008, 18:46
Schon ein Versuch der Direktabrechnung mit dem Patienten würde außerdem aufzeigen, wie insuffizient, inkompetent und gefräßig die meisten kranken Kassen sind!Na also, sag ich doch: Die gesetzliche Krankenversicherung ist an der ganzen Misere unseres Gesundheitswesens schuld. Weg damit!!!!!!!!!!
Erst wenn es hier nur noch Privatpatienten gibt, kann man den jungen Kollegen wieder raten, sich in Deutschland niederzulassen!
hennetschi
03.02.2008, 18:53
@ rate_mal
Sie haben mich falsch verstanden. Direktabrechnung mit einem Kassenpatienten ist nicht gleich Privatabrechnung mit einem Privatpatienten.
Es muß die gesetzliche Krankenversicherung auch in allen Ewigkeiten noch geben, nur muß diese besser arbeiten. Anständige Honorare. Andere Tarife. Was weiß ich. Das geht mich auch nichts an. Eine allgemeine Privatversicherungspflicht lehne ich ab. Das können doch viele aus der sogenannten Solidargemeinschaft gar nicht bezahlen.
rate mal
03.02.2008, 18:55
Direktabrechnung mit dem Patienten nach GOÄ (je nach Lage einfacher Satz bis xxl) käme für fast alle Patienten billiger. Wie stellen Sie sich dann konkret die Abrechnung mit Ihren Kassenpatienten vor?
hennetschi
03.02.2008, 19:02
Nach dem einfachen Satz der GOÄ. Der Patient wird dann sehen, ob ihm seine kranke Kasse alle versprochenen Leistungen auch erstattet. Das ist auch, was die Arztkosten betrifft, sehr transparent. Ähnlich wie in Frankreich.
rate mal
03.02.2008, 19:05
Nach dem einfachen Satz der GOÄ. Der Patient wird dann sehen, ob ihm seine kranke Kasse alle versprochenen Leistungen auch erstattet. Das ist auch, was die Arztkosten betrifft, sehr transparent. Ähnlich wie in Frankreich.Soweit ich weiß, werden Hausärzte in Frankreich mit einer Pauschale bezahlt. Ich meine, es seien etwa 20 Euro pro Konsultation.
Und niedergelassene Fachärzte gibt es meines Wissens in Frankreicht kaum.
astrophys
03.02.2008, 19:07
Da kenne ich jemanden, der als - bis dahin - voellig gesund geltender 29jaehriger, ploetzlich eine Herzchirurgische Not-OP brauchte, um zu ueberleben. Was haette ihm so eine Statistik genutzt?
Hast du eine Versicherung gegen Elementarschäden? Nein? Ich kenne jemand, dem ist das Haus weggespült worden, obwohl in dieser Gegend seit Menschengedenken kein Hochwasserschaden bekannt war. In einem Höhengebiet auch wenig wahrscheinlich.
Dieser jemand hätte besser eine solche Versicherung gehabt, entgegen jeder Statistik...
rate mal
03.02.2008, 19:07
Nach dem einfachen Satz der GOÄ. Der Patient wird dann sehen, ob ihm seine kranke Kasse alle versprochenen Leistungen auch erstattet. Und Sie erklären Ihren Patienten vorher, welche der Leistungen, die Sie ihm verkaufen wollen, seine Kasse erstatten wird?
@astrophys:
vor die Wahl gestellt, entweder das Haus zu verlieren und in finanzielle Not zu geraten oder eine OP zu erhalten um des nackten Ueberlebens willen - was wuerdest Du vorziehen? Kann man das auf dieselbe Stufe stellen? Fuer mich haben Leib und Leben Vorrang.
hennetschi
03.02.2008, 19:17
Und Sie erklären Ihren Patienten vorher, welche der Leistungen, die Sie ihm verkaufen wollen, seine Kasse erstatten wird?
ne, das ist doch nicht meine Sache, ihm die Kosten zu erklären. Außerdem wird das ganze Arzt-Patienten-Verhältnis wieder anständiger. Im Sinne des ärztlichen Ethos. Der Arzt kann sich wieder seiner Berufung zuwenden! Alle sind zufrieden, nur die Dienstwagen der Bonzen werden wohl kleiner ausfallen;-)
hennetschi
03.02.2008, 19:20
jede Konsultation für 20€ ist deutlich besser als unsere deutschen Kopfpauschalen für ein gesamtes Quartal.
hennetschi
03.02.2008, 19:33
Und Sie erklären Ihren Patienten vorher, welche der Leistungen, die Sie ihm verkaufen wollen, seine Kasse erstatten wird?
Jetzt habe ich erst gelesen, daß Sie von verkaufen gesprochen haben.
Ich werde als Arzt niemals meine Heilkunst verkaufen. Das meine ich sehr ernst. Und ich werde ganz offen gegen ein nahegelegenes MVZ vorgehen, indem ich den Unterschied zwischen Patient und Kunde darlege, basta;-)
Wir beide, so denke ich, wissen genau, daß ein anständiger Arzt nichts verkauft. An manchen Tagen denke ich, daß es einige Patienten gibt, die meine Hilfe nie in Geld aufwiegen können und müssen. Das ist gut so.
Direktabrechnung mit dem Patienten nach GOÄ (je nach Lage einfacher Satz bis xxl) Wie darf ich das "je nach Lage" bitte verstehen? Heißt das, bei GKV-Patienten würden Sie immer nur GOÄ 1,0fach berechnen und die XXL-Rechnungen bekämen nur Ihre Privatpatienten?
hennetschi
03.02.2008, 19:51
Wie darf ich das "je nach Lage" bitte verstehen? Heißt das, bei GKV-Patienten würden Sie immer nur GOÄ 1,0fach berechnen und die XXL-Rechnungen bekämen nur Ihre Privatpatienten?
Meine Privatpatienten bekommen 2,3fach, die aufwendigen, mit Begründung xxl;-) Sie wissen schon, wie ich das meine, oder?
Meine Privatpatienten bekommen 2,3fach, die aufwendigen, mit Begründung xxl;-) Sie wissen schon, wie ich das meine, oder?Ich tippe mal auf rothaarige Pädagoginnen mit Doppelnamen ;-)
Aber damit haben Sie meine Frage nicht beantwortet:
Würden Sie bei Kassenpatienten immer nur GOÄ 1,0fach nehmen?
Ich tippe mal auf rothaarige Pädagoginnen mit Doppelnamen ;-)
wohl eher deren Kinder ;-) so als Pädiater...
und total offtopic @ hennetschi: ich hab mir Deine/Ihre (?) Homepage mal angeschaut und wollt nur sagen, dass ich die Art sehr schön finde!
hennetschi
03.02.2008, 20:03
Ich tippe mal auf rothaarige Pädagoginnen mit Doppelnamen ;-)
Aber damit haben Sie meine Frage nicht beantwortet:
Würden Sie bei Kassenpatienten immer nur GOÄ 1,0fach nehmen?
Bei Kassenpatienten ist laut Sozialgesetzbuch... nichts anderes möglich. Das würde aber locker reichen, um in den meisten Fällen anständig, effektiv und transparent zu arbeiten. Dann auch ethisch einwandfrei!
Das wollen die Kassen nicht, das wollen die Politiker nicht, das will die KV nicht! "Nur" Patient und Arzt hätten etwas davon. Schon merkwürdig.
@Eilika:
Ne, ne, anstrengend sind die Mütter, nicht die Kids. :-))
Vor allem die, die immer so große Angst vor den Antibiotika haben und auf Globuli und Nosoden stehen. Die sind der allergrößte Alptraum der Kinderdocs.
Und die Rechnung geht ja auch an die Eltern und nicht an den Nachwuchs.
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