PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Niederlassungsberatung: Ich rate davon ab, Arzt in Deutschland zu werden



Seiten : 1 [2] 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21

hennessy
05.11.2007, 07:04
was würde uns dann voran bringen?
Solange z.B. Vorstands-Mitglieder von Krankenkassen im Bundestag sitzen und quasi ihre eigenen Gesetze machen, werden wir demonstrieren können, wie wir wollen, es wird sich nichts ändern.
Zitat eines Vorstandes im Gespräch mit Zahnärzten: "Ach, Euch Zahnärzterles zahlen wir doch aus der Portokasse!"
Die einzige Chance, die wir haben, sind unsere Patienten. Leider spukt immer noch das Halbgott-in weiß-Image und die Millionärs-Fantasie in den Köpfen rum. Und hier wäre ein Ansatzpunkt. Wenn wir erreichen könnten, dass die Patienten nach jeder abgeschlossenen Behandlung eine Rechnung bekämen wie überall anderswo auch, dann wäre dies z.B. schon mal ein Riesenschritt. Die Patienten müssen z.B. aufgeklärt werden, wo überhaupt ihre Beiträge landen. Seht Euch mal die Verwaltungsgebäude der kranken Kassen an, seht Euch auch an, wer arbeitet und wer geschickt Arbeit vortäuscht.
Diesen Grabenkrieg führe ich seit über 10 Jahren hier bei mir in meiner Praxis. Ergebnis: Immer mehr Patienten gehen selbst in die Verwaltungsgebäude und werden hier auch mal laut, wenn es sein muss.
Im Sozialgesetzbuch steht z.B. drin: "Die Leistung muss ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein und darf das Maß des Notwendigen nicht überschreiten". Diesen Satz hören meine Patienten jeden Tag. Ausreichend heißt: Schulnote 4! Wollt Ihr so behandelt werden? Wehrt Euch!

Wenn wir unsere Patienten auf unsere Seite bekommen, dann haben wir eine Chance. Aber dazu gehört Mut, Geduld und nicht zuletzt eine gehörige Portion Zeit. Eine Mentalität nach dem Motto: "Es bleibt ja eh, wie es ist, wir haben keine Chance" ist hier kontraproduktiv.

Bitte diskutiert wenigstens darüber, auch mit Euren Patienten!!!!! Das ist der erste Schritt.

gruß
hennessy

tarumo
05.11.2007, 07:24
Dabei werden aber einige Fakten unterschlagen und die Situation von Herrn Kroll einseitig dargestellt, z.B. der Umstand, daß die ÄK Westfalen-Lippe sowohl die Ausbildung von Allgemeinmedizinern bezuschußt (die bezahlt immerhin die Hälfte meiner aktuellen Stelle) als auch als auch Praxisübernahme/-neugründung mit Prämien unterstützt wird.


Ist das denn wirklich die ÄK? Oder doch die KV? Zumindest hier im Süden werden die Stellen von der KV bezuschusst.

Wie dem auch sei, in beiden Fällen wird die Stelle ja nicht, wie man vielleicht denken könnte, von Vater Staat (oder gar den Krankenkassen) finanziert, sondern aus Beiträgen der Zwangsmitglieder. Die ÄK bzw. KVen finanzieren sich ausschließlich aus Beiträgen der Zwangsmitglieder.
Auch das ist geradezu ein genialer Schachzug der Politik!
Als großer Wohltäter ausgeben und den Ärzten, die aus finanziellen Gründen nicht mehr ausbilden können oder wollen, hintenrum die Ausgaben wieder aufs Auge drücken.
Sollen die blöden Ärzte doch ihre Nachwuchsförderung selbst bezahlen, wenn schon keiner mehr den Beruf ergreifen will.

tarumo
05.11.2007, 07:38
Im Sozialgesetzbuch steht z.B. drin: "Die Leistung muss ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein und darf das Maß des Notwendigen nicht überschreiten". Diesen Satz hören meine Patienten jeden Tag. Ausreichend heißt: Schulnote 4! Wollt Ihr so behandelt werden? Wehrt Euch!

gruß
hennessy
Dem gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen. Alles ist so im Gesetzbuch nachzulesen. Und die anderen Ideen, die noch mittelfristig auf uns zukommen (Reduzierung der Krankenhäuser um ¼, Zerschlagung der flächendeckenden Versorgung, Abschaffung der niedergelassenden Fachärzte) ist ja im Buch von Professor L. nachzulesen. Manchmal pflegen deutsche Politiker ja ihre wirren Ideen in Büchern niederzulegen, damit hinterher keiner behaupten kann, er habe nichts gewusst.

Man sollte übrigens im Hinterkopf behalten, dass Professor L. vom Rhön-Konsortium einen hohen fünfstelligen Betrag im Jahr erhält (jedem kleinen Beamten würde man dies als Bestechung auslegen). Also, wenn immer die Diskussion auf Fallzahlen kommt, auch daran denken. Was würde man sagen, wenn ALDI-Vetreter und Co. per Gesetz Mindestbesuchszahlen für Lebensmittelgeschäfte festlegen wollten????

Monas_Pseudo
05.11.2007, 07:40
...... Wenn wir erreichen könnten, dass die Patienten nach jeder abgeschlossenen Behandlung eine Rechnung bekämenwie überall anderswo auch, dann wäre dies z.B. schon mal ein Riesenschritt. .....

Es geht diesen niedergelassenen Kollegen aus den Facharzt.de-Foren um die Direktabrechnung mit allen Patienten. Sie wollen auch mit den Kassenpatienten wie mit Privatpatienten abrechnen.

Sie wollen allen Patienten (auch den Kassenpatienten) eine GOÄ-Rechnung ausstellen, die von den Patienten direkt, d. h. ohne eine Überprüfung durch eine Krankenkasse oder Versicherung, an den Arzt bzw. ein von ihm beauftragtes Factoring-Unternehmen (=Inkasso-Unternehmen) bezahlt werden soll.

Dazu hat es letztes Jahr auch eine Bundestagspetition des "Bündnis Direktabrechnung" gegeben:

http://itc.napier.ac.uk/e-Petition/bundestag/view_petition.asp?PetitionID=265

Im Bundestags-Onlineforum zu dieser Petition hat ein Kollege diese Forderungen sehr prägnant auf den Punkt gebracht: Link (http://itc.napier.ac.uk/e-Petition/bundestag/view_comment.asp?PetitionID=265&CommentID=115506&Filter=thread&View=100)


ich fordere neben den genannten positionen in der petition die leistungsgerechte honorierung meiner aerztlichen arbeit und fuer alle transparenz!

daher fordere ich die abschaffung des sachleistungssystems und folgere die notwendigkeit der kostenerstattung, die nur ueber den weg der direktabrechnung zu verifizieren ist: jeder patient moge nach aufklaerung entscheiden, welche leistungen er vom arzt moechte, und muß diese auch bezahlen. damit reguliert sich das bisherige sozialschmarotzertum wesentlich! im nachhinein kann sich der pat. die angefallenen kosten von einer versicherung je nach vertrag erstatten lassen! das im sgb V fortgeschriebene bismarcksche system der sozialversicherung ist 130 jahre alt und gehört auf einen haufen der geschichte! es geht so nicht weiter! wir brauchen direktabrechnung mit dem patienten, der unser kunde ist wir brauchen schweigerecht- und pflicht wir brauchen freiberuflichkeit!!! wir brauchen keine 253 krankenkassen wir brauchen keine ""kassenärztliche vereinigung als körperschaft des öffentlichen rechts"" wir brauchen wie überall auf der welt das direkte verhältnis vom arzt zum patient, und der patient muß das auch finanzieren! wie er das dann mit einer versicherung regelt, kann nicht das problem des arztes sein!!!

Achtung, die Seiten aus dem Bundestagsforum werden extrem langsam geladen!

tarumo
05.11.2007, 08:09
Eine solche Situation wird natürlich von den Kassen und der Politik gefürchtet wie Tageslicht von den Vampiren. Dann müsste nämlich erklärt werden, wo das ganze Geld hingekommen ist. Zu den Ärzten nämlich nicht (Die Quartalspauschale liegt z.Zt. irgendwo zwischen 30 und 60 EUR, dafür kann der Versicherte mitsamt seiner Familie ein ganzes Quartal beliebig oft zum Arzt kommen, Medikamente eingeschlossen).
Rechnung an Patient? Ja-bitte!!!! Ich glaube, ein Patient würde sich verschaukelt vorkommen, wenn er 1,20 EUR für eine ärztliche Beratung in Rechnung gestellt bekommen würde, und 10 ct. für die zweite. Oder würdet Ihr einem Mechaniker vertrauen, der für 2,50 EUR die Bremsen repariert hat? Wat nix kost, dat is ooch nix, sagt man in Köln.

Wer noch Zweifel hat: schon mal gefragt, warum die Chipkarten der GKV im Nicht-EU-Ausland gar nicht und innerhalb der EU nur zähneknirschend akzeptiert werden? Eigentlich müsste man sich doch darum reißen wie um eine Kreditkarte. Das suggeriert zumindest die Werbung. In Wirklichkeit kommt sich auch ein Arzt in Tunesien (in Florida sowieso) vergackeiert vor, wenn er dann von einer Gesundheitskasse solche Beträge überwiesen bekommt (und selbst die noch verzögert).

Ist den irgendjemand hier, der sein Auto immer von der Versicherung reparieren lässt, ohne Mitsprache bei der Werkstattwahl- und ohne Erhalt einer Rechnung?

Kadarka
05.11.2007, 08:21
werden denn Zuschüsse zur Praxisgründung gezahlt?
Und wer bringt das Geld denn auf?

Polemik ist ein großes Wort, manchmal ist es aber sinnvoll etwas sehr deutlich zu formulieren.
Mir ist ein Spruch auf einem Transparent in Berlin am 22.09. erinnerlich. Der ging sinngemäß in etwa:
"Diesmal merken wir es vor dem Reichstagsbrand"

Es ist manchmal hilfreich nach den Hintergründen zu fragen;-)

Und nun noch ein Schlückchen

Doktor_No
05.11.2007, 08:26
wie viele haben denn eigentlich ihre kassenzulassung inzwischen abgegeben?

Weltbester_Karlsson
05.11.2007, 12:26
in der Sache hat Kollege Kroll durchaus recht, aber sein Beitrag oben ist polemisch und unseriös; ich hab was gegen Bauernfänger (oder solche, die es gerne wären ;-)). Zur obengenannten kritischen Selbstreflexion gehört auch, daß man nicht auf selbsternannte Heilsbringer hereinfällt.

Aber unglaubwürdige Wichtigtuerei wie im Eingangspost oder selbstgerechtes Geschwafel in Internetforen bringt uns auch nicht voran.

Vielleicht erläuterst Du uns mal, welche Absichten genau Du Herrn Kroll unterstellst, wenn Du ihm zum Vorwurf machst, sein Beitrag sei polemisch.

Ich für meinen Teil lese aus dieser Polemik nur die allgemeine Frustration bzw. Verbitterung über die Zustände in diesem Lande heraus, die unter den niedergelassenen Ärzten mittlerweile erschreckende Ausmaße angenommen hat.

Ich finde seinen Beitrag inhaltlich wichtig und richtig. Er sollte als Warnung verstanden werden an die nachfolgende FÄ-Generation. Außerdem sehe ich die Tatsache dass bzw. die Art und Weise wie Du Dich über jenen Beitrag echauffierst als Indiz für das "Nicht-Wahrhaben-Wollen" wie man in der medizinischen Psychologie die Erstreaktion eines Patienten auf eine schlimme Diagnose beschreibt.

Doktor_No
05.11.2007, 12:44
die zustände sind aber jedem bekannt, der in den letzten 10 jahren sein studium aufgenommen hat, und wenn sich jemand damit nicht beschäftigt hat, kann man nur sagen: dumm von dem oder der...

und wenn FÄ, die noch die zeiten prä seehofer, schmidt, lauterbach et al. genießen durften, jetzt den katzenjammer anstimmen, tritt ein generationskonflikt zu tage: "unsere" generation trat in dem bewusstsein an, in einem durch und durch korrumpierten system (und zwar auch und grade von ärzten und sog. standesvertretern) unter den vorzeichen einer in weitem masse unprofessionellen durchökonomiesierung mit sozialistischen strukturen als unterbezahlte aushilfs*****$ arbeiten zu müssen, "wir" haben gestreikt und sind schon in unserer studienzeit auf die strasse gegangen (stichwort lucky-streik 96/97). immerhin gab es dann die abschaffung des AIP und den TV-Ä.
bevor jetzt jemand sagt: ja, aber ihr habt auch die gewissheit gehabt , einen job zu finden, ihr konntet die klappe aufmachen: irrtum, bis ca. 2002 hat man uns auch gesagt, dass wir keine stelle finden würden!

solange die deutschen ärzte sich gegenseitig anfeinden, die verzahnung klinik/praxis und vieles andere mehr nicht funktionieren, die pharmaindustrie von uns gezwungenermassen als fortbilder hingenommen wird, solange wir uns von der KV, der politik, unseren chefs und krankenkassen verar$chen lassen, solange wird sich auch null ändern, ausser dass "wir" jüngere alternative berufsfelder aufsuchen oder auswandern.

ein polemischer rundumschlag ohne selbstkritik und ohne adäquate vorschläge taugt da vielleicht für einen fdp-stammtisch, aber nicht für konkrete lösungsansätze.

Weltbester_Karlsson
05.11.2007, 13:07
"unsere" generation trat in dem bewusstsein an, in einem durch und durch korrumpierten system (und zwar auch und grade von ärzten und sog. standesvertretern) unter den vorzeichen einer in weitem masse unprofessionellen durchökonomiesierung mit sozialistischen strukturen als unterbezahlte aushilfs*****$ arbeiten zu müssen,

Ergo: Die neue Ärztegeneration ist eine Horde masochistischer Ja-Sager, Strebernaturen obendrein (bedingt durch den NC), die nichts anderes können haben als "Telefonbücher" stupide auswendig zu lernen um nach ihrer Ausbildung als hirn- und willenlose Marionetten im deutschen Gesundheits-Kasperle-Theater zu fungieren. Dieses traurige Bild erinnert ein wenig an die Zustände im 3. Reich.


solange die deutschen ärzte sich gegenseitig anfeinden, die verzahnung klinik/praxis und vieles andere mehr nicht funktionieren, die pharmaindustrie von uns gezwungenermassen als fortbilder hingenommen wird, solange wir uns von der KV, der politik, unseren chefs und krankenkassen verar$chen lassen, solange wird sich auch null ändern, ausser dass "wir" jüngere alternative berufsfelder aufsuchen oder auswandern.

Full ACK


ein polemischer rundumschlag ohne selbstkritik und ohne adäquate vorschläge taugt da vielleicht für einen fdp-stammtisch, aber nicht für konkrete lösungsansätze.

Er taugt aber um die Leute wachzurütteln und zu sensibilisieren für ihre Situation. Sicher, wenn sie sich sowieso schon ihrer Lage bewusst sind (s.o.) dann war mein Posting so überflüssig wie unsere Damen und Herren Politiker.

Hellequin
05.11.2007, 13:18
Ergo: Die neue Ärztegeneration ist eine Horde masochistischer Ja-Sager, Strebernaturen obendrein (bedingt durch den NC), die nichts anderes können haben als "Telefonbücher" stupide auswendig zu lernen um nach ihrer Ausbildung als hirn- und willenlose Marionetten im deutschen Gesundheits-Kasperle-Theater zu fungieren. Dieses traurige Bild erinnert ein wenig an die Zustände im 3. Reich.

Nö, die ganzen alten Niedergelassenen sind die Ja-Sager.
Die haben nämlich eine ständige Verschlechterung der Arbeitsbedingungen
in den Krankenhäusern hingenommen, weil sie darauf vertraut haben sich dann als Niedergelassener eine goldene Nase zu verdienen. Die Probleme der Niedergelassenen sind nicht nur von außen verursacht worden, das haben die Niedergelassenen in den 70er und 80er Jahren ordentlich mit selber heruntergewirtschaftet.

Und in den letzten 2-3 Jahren hat sich zumindestens in der Kliniklandschaft mehr bewegt als in den 20 Jahren davor. Das ging vorallem von den jungen Ärzten aus, nicht von den bequemen alten Säcken.

actin
05.11.2007, 13:29
Nö, die ganzen alten Niedergelassenen sind die Ja-Sager.
Die haben nämlich eine ständige Verschlechterung der Arbeitsbedingungen
in den Krankenhäusern hingenommen, weil sie darauf vertraut haben sich dann als Niedergelassener eine goldene Nase zu verdienen. Die Probleme der Niedergelassenen sind nicht nur von außen verursacht worden, das haben die Niedergelassenen in den 70er und 80er Jahren ordentlich mit selber heruntergewirtschaftet.@Hellequin: :-top :-top:-top:-top:-top

Peter_1
05.11.2007, 14:26
Und in den letzten 2-3 Jahren hat sich zumindestens in der Kliniklandschaft mehr bewegt als in den 20 Jahren davor. Das ging vorallem von den jungen Ärzten aus, nicht von den bequemen alten Säcken.

Das einiges schiefläuft, ich denke da sind sich alle einig, Hellequin hat aber auch meine Zustimmung, vieles was schiefläuft ist auch durch unsere eigenen Standesvertreter verursacht! Beim Ärztestreik waren es vor Allem die jungen die aufbegehrt haben, kann ich selber aus eigenem Erleben bestätigen. Immer ausschließlich und alleinig die Politik und die bösen Kassen zu adressieren reicht lange nicht aus. Bei vielen Dingen können wir uns auch an die eigene Nase fassen und unsere eigene Standesvertretung mal gehörig in den Hintern treten! Ich meine, die Bezüge die ein KV Vorsitzender bekommt sind auch nicht gerade ohne! Warum gibt es nach wie vor keinerlei Überprüfung bzw. Evaluation von Weiterbildungsermächtigten, warum sind z.B. die Fortbildungskurse der Ärztekammern für Assis so schweine-teuer...etc. Warum werden junge Ärzte nach wie vor auch gerne von den eigenen Kollegen ausgebeutet? Klar muss man auch gegen Kassen und Politik vorgehen die uns gängeln! Diese Diskussion ist ja auch im Gange, aber unsere selbstverantworteten Defizite, die auch vielen jungen Kollegen den Spass an der Arbeit vergällen, die werden wenig diskutiert.

hennessy
05.11.2007, 14:36
Nö, die ganzen alten Niedergelassenen sind die Ja-Sager.
Die haben nämlich eine ständige Verschlechterung der Arbeitsbedingungen
in den Krankenhäusern hingenommen, weil sie darauf vertraut haben sich dann als Niedergelassener eine goldene Nase zu verdienen. Die Probleme der Niedergelassenen sind nicht nur von außen verursacht worden, das haben die Niedergelassenen in den 70er und 80er Jahren ordentlich mit selber heruntergewirtschaftet.

Wogegen hätten die auch groß demonstrieren sollen? Rein subjektiv war da noch alles oder besser gesagt fast alles im grünen Bereich. Ich kann jetzt zwar nur für die Zahnmedizin sprechen, aber wenn ein Patient in die Praxis gekommen ist und gesagt hat: "Von Ohr zu Ohr bitte Alles neu!" und die Kasse hats bezahlt, warum hätte man da unzufrieden sein sollen? Es gab keine Zulassungsbeschränkung, keine Budgetierung, keine Ärzteschwemme etc. Das wäre Jammern auf einem sehr hohen Niveau gewesen.
Und später dann hatten viele sicherlich den Ernst der Lage nicht erkannt, da gebe ich Dir vollkommen recht. Wenn man damals stringenter gegen neue Gesetze vorgegangen wäre, nach dem Motto: "Wehret den Anfängen", dann hätte man evtl einiges verhindern oder abmildern können. Aber es ist müßig, über Vergangenes zu diskutieren, der Fokus muss nach vorne gerichtet sein. Wir können ja aus den Fehlern unserer Vorväter lernen.
Und ich bin immer noch der Meinung, dass wir unsere Patienten viel mehr mit integrieren müssen. Lasst sie doch mal schätzen, was ihre Behandlung so kostet und sagt ihnen dann die tatsächlichen Preise. Das kommt immer gut.
Ich hab mal eine Zeit lang fiktive Rechnungen ausgestellt, um darzustellen, wie teuer die Behandlung gewesen wäre. Es gab absolut niemanden, der auch nur annähernd richtig geschätzt hatte. Zumindest kamen alle gehörig ins Überlegen, wo denn die Beiträge gelandet sein könnten.
gruß
hennessy

Doktor_No
05.11.2007, 14:36
@helle: so siehts aus!!!!!!!!!!!!!!!!!

gruss no, der sich lebhaft an diskussionen mit seinem vater, einem vertreter der "alten" niedegelassenengeneration erinnert, wo genau die inhalte dieses threads immer und immer wieder thematisiert werden/wurden...

tarumo
05.11.2007, 15:25
@hennessy

Full ACK! Wie schon Seehofer sagte: ein Stand, der seinen eigenen Nachwuchs so schlecht behandelt, hat es nicht besser verdient! Und wenn man sieht, wie selbst einem PJler hier das Taschengeld abgesprochen wird…

Ich lege übrigens Wert darauf, dass die KV *NICHT* die Interessenvertretung der niedergelassenen Ärzte ist. Vom Gesetzgeber ist ihr die Rolle der Gängel..ääh, Aufsichtsbehörde zugedacht, und nichts weiter. Das steht auch so im SGB. Und die Interessen des Staates gegen die Ärzte durchsetzen machen sie sogar sehr gut.

Aber es ist verzeihlich, das nicht zu wissen, ein Großteil der Ärzte weiß das nicht und unterstützt die Schikane noch mit dem eigenen (Zwangs)beitrag.

Die Vergütung vom KBV-Chef liegt über der des Bundeskanzlers…finanziert von den niedergelassenen Ärzten.

hennessy
05.11.2007, 16:40
@hennessy
...Ich lege übrigens Wert darauf, dass die KV *NICHT* die Interessenvertretung der niedergelassenen Ärzte ist. Vom Gesetzgeber ist ihr die Rolle der Gängel..ääh, Aufsichtsbehörde zugedacht, und nichts weiter. Das steht auch so im SGB. Und die Interessen des Staates gegen die Ärzte durchsetzen machen sie sogar sehr gut.

Aber es ist verzeihlich, das nicht zu wissen, ein Großteil der Ärzte weiß das nicht und unterstützt die Schikane noch mit dem eigenen (Zwangs)beitrag.
....
Hilf mir bitte weiter! Was wolltest Du mir damit sagen?

pillepalle321
05.11.2007, 19:12
also einfach zu verlangen, alle patienten sollten ihre rechnungen erstmal selbst bezahlen ist ja wohl das ignoranteste überhaupt!!

ist denjenigen nicht bewusst, dass ein großteil der deutschen bevölkerung dazu überhaupt nicht in der lage ist? dass sich dann erst eine richtige zweiklassenmedizin entwickelt?
mir scheint, einige wollen hier amerikanische zustände...
wem es nur um seinen geldbeutel geht, der sollte dann wohl wirklich auswandern!

vergesst mal eines nicht: gesundheit ist ein menschenrecht! und wer sich aussucht mediziner zu werden (niemand hat euch dazu gezwungen), der sollte sich seiner gesellschaftlichen rolle als erbringer eines fundamentalen grundrechts bewusst sein!
motzen ist ja gerne erlaubt, und einiges könnte besser gestaltet werden, aber wer nur an seine eigenen pfründe denkt hat meine tiefste verachtung!

ps: was wäre theoretisch an einem modell auszusetzen, bei dem der klassische niedergelassene Facharzt abgeschafft wird, dafür fachärzte für ein gutes gehalt (!) in polikliniken/ärztezentren/wieauchimmergenannt angestellt sind. und das bei festen arbeitszeiten, wie gesagt sicherem guten gehalt, geringem schreib/bürokratiekram aber leider ohne porsche in der garage...?
einige niedergelassenen FÄ ohne PP wären froh darüber, und auch ich, der keinen papi hat, dessen praxis zur hälfte von PP frequentiert wird, die ich mal übernehmen kann fände das nicht schlecht.

Relaxometrie
05.11.2007, 19:25
also einfach zu verlangen, alle patienten sollten ihre rechnungen erstmal selbst bezahlen ist ja wohl das ignoranteste überhaupt!!
Ich glaube, Du hast da etwas falsch verstanden. Oder habe ich etwas überlesen? Wo steht, daß alle Patienten erstmal selbst zahlen sollen?

Doktor_No
05.11.2007, 19:44
ps: was wäre theoretisch an einem modell auszusetzen, bei dem der klassische niedergelassene Facharzt abgeschafft wird, dafür fachärzte für ein gutes gehalt (!) in polikliniken/ärztezentren/wieauchimmergenannt angestellt sind. und das bei festen arbeitszeiten, wie gesagt sicherem guten gehalt, geringem schreib/bürokratiekram aber leider ohne porsche in der garage...?
einige niedergelassenen FÄ ohne PP wären froh darüber, und auch ich, der keinen papi hat, dessen praxis zur hälfte von PP frequentiert wird, die ich mal übernehmen kann fände das nicht schlecht.

na das ist doch genau das was ein grossteil der politik möchte,de facto staatsmedizin.
in einem freien beruf erschließt sich mir der sinn dieses vorhabens nicht, vielleicht solltest du noch einmal über die definition eines freiberuflers nachdenken...
eine 2klassenmedizin gibt es schon, das ist fakt. und solidarisch und gerecht ist das gkv-system aufgrund des demographischen wandels lange nicht mehr, ich sehe jedenfalls nicht ein, warum ich mit meinen beiträgen in einem defizitären system (jedenfalls wird mir das immer gesagt, warum die kk teilweise 14 monatsgehälter zahlen verstehe ich nicht...) leistungen an anderen finanziere, die zum teil niemals beiträge gezahlt haben, gleichzeitig aber die leistungen insgesamt immer weiter beschnitten werden?!
keine frage, man kann das so machen:im MVZ eine grundversorgung für alle, mit angestellten die weniger verdienen, aber einen sicheren job haben. dann aber bitte keine einmischung in die privat-praxis: denn als "freier" arzt kann ich in meiner praxis zu meinen konditionen praktizieren, und wenn meine PP`s das als zu teuer empfinden muss man verhandeln oder sie gehen woanders hin. das nennt man marktwirtschaft, sozialismus sollte man da vor der tür lassen.
dann muss man aber auch den leuten ehrlich sagen, dass es diese high-end-medizin nur für die geben wird, die es sich leisten können!

momentan finanzieren die PP`s in einem kapitalfinanzierten system,das nicht defizitär ist, den medizinischen fortschritt und die verfügbarkeit für gkv-patienten zu einem gutteil mit.ist das unsolidarisch? gleichzeitig wird auf die "bösen" privaten eingeprügelt,die "was besseres sein wollen".
machdir doch mal klar, dass viele abteilungen nur aufgrund der privbatliquidation bestehen können (stichwort benchmarking).

klar, ich habe diesen beruf ergriffen um ALLEN meinen patienten eine adäquate therapie zukommen lassen zu können,und das ist auch mein tägliches bestreben (als kliniker), aber ich sehe jeden tag leute, denen in einem kaputten system immer noch von kassen und politik suggeriert wird, alles sei für alle immer und überall verfügbar und das auch unbegrenzt. ich bin aber nicht bereit, dieses spiel mitzuspielen.
die grundfrage ist doch,ob man ein gewinnorientiertes system will,dann muss man ehrlich sein und offen sagen: das erfordert von JEDEM privaten finanziellen einsatz und verzicht für die meisten,die sich exklusivität nicht leisten können.
oder man will ein system, das für alle gleich gut ist, dann kann man sich von dem gewinngedanken getrost verabschieden und bestraft im endeffekt alle: privater einsatz wird nicht honoriert, schema F eben, ein klima das noch in keinem themenfeld für motivation, innovation und ehrgeiz gesorgt hat, ergo fortschrittshemmend, das kann sich gerade deutschland immer weniger leisten: zu wenig akademiker, zu wenig gute forschung, zu viel bürokratie, zu überaltert.

wir sollen die quadratur des kreises bewerkstelligen: immer mehr fälle in immer kürzerer zeit für immer weniger geld mit minimalen komplikationen und maximalen heilungsraten in immer weniger betten mit immer weniger personal (stichwort pflegenotstand) in immer weniger krankenhäusern mit immer mehr validierten (stichwort EBM und QM) therapien und standards durchschleusen, das aber bitte AZG-konform und inadäquat bezahlt.

ich will gerne viel und hart arbeiten, ich will aber perspektiven und chancen, auch finanzieller art. ja,ich halte mich für einen teil einer leistungselite, der elitenbegriff ist für mich alles andere als negativ besetzt. ich will mich nicht von politikern, standesvertretern, kassenfuzzies, pharmariesen, gewerkschaftsheinrichs etc.pp gängeln lassen. ich will für gute, ehrliche arbeit natürlich gutes geld verdienen. ich will abends sagen können: heute habe ich für meine patienten gut gearbeitet, egal ob kasse oder privat.
selbst im krankenhaus muss ich heute rechnen und entwscheiden: kann ich bspws. diesem patienten ein CT machen lassen oder sprengt das das DRG und er bekommt ein röntgen konventionell?! DAS ist doch daneben.

just my 2 cents