Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Niederlassungsberatung: Ich rate davon ab, Arzt in Deutschland zu werden
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Hi Chris,
als erstes bitte ich um Nachsicht wenn etwas mit dem Zitieren nicht funzt. Bin Frischling.
In einem anderen Forum gab es früher mal sehr tiefgreifende Diskussionen auch um
Wenn der GF bzw. die Aktionäre eine gute Rendite haben wollen, braucht das MVZ einen guten Ruf bei Patienten. Dieser Ruf wird auch stark von der Qualität seiner Ärzte abhängen, und die haben ihren Preis.
Der "Gesundheitsmarkt" ist relativ eindeutig nachfrageorientiert. Hier ist es schwer mit dem Guten Ruf zu argumentieren. Das funktioniert nur in einem wirklich freien Markt. Und genau dieser wird auf absehbare Zeit Illusion bleiben.
In meinem Vorposting habe ich versucht die wirtschaftliche Abhängigkeit darzustellen. In einem solchen Szenario wird es keinen Marktpreis geben. Zumindest nicht so lange wie die "Preise" einer Black Box entspringen.
Non Profit Unternehmen funzt auch nicht da diese immer zu einer Wettbewerrbsverzerrung führen. Ausserdem steht die Frage welche Leistungen den staatlich sanktioniert in einer solchen Versorgungsform erbracht werden sollen?
Neue leistungskataloge oder Positivlisten mit einer harten Abgrenzung sind in der Medizin nicht machbar. Behaupte ich einfach mal;-)
Ein Abrechnen mit der Versicherung finde ich persönlich nicht als Mittel der Wahl.
Ich stelle mir in einer direkten Arzt-Patientenbeziehung immer ein Geben und Nehmen vor.
Transparent Ehrlich direkt. (Vertrag kommt von vertragen...auch ein Zitat )
Mit der Versicherung kommt wieder ein Dritter hinzu, mit dem der Doc eigentlich nichts zu schaffen hat.
Die meisten Dres. haben doch moderate Zahlungsziele.
Jedoch bleibt beim Aldi oder an der Tanke auch der Korb rsp. der Rüssel leer, wenn der Leistung keine Gegenleisung folgt.
Der Patient darf ruhig wissen, welchen Umsatz der Doc mit einer Behandlung generiert.
Auch das schaft vertrauen in die persönliche Beziehung und ein wenig dient es auch der Kontrolle(Durchlauferhitzer und Abrechnungsoptimierer).
Bis bald
Noch mal meine Meinung;-)
ich denke auch, dass kommunale betreiber mit einem guten management und unter öffentlicher beteiligung und kontrolle durchaus von solchen versorgungsstrukturen profitieren könnten, aber mein vorschlag: warum macht man dann die beschäftigten nicht zu teilhabern ihres eigenen MVZ`s/ ihrer eigenen klinik etc.?
Aus der ersten Zeile ergeben sich schon mal Mitesser. Managment wäre eine nichtärztliche Aufgabe;-(
Öffentliche Beteiligung war eigentlich noch nie als kostensenkender Faktor im Spiel;-(
Teilhaber im eigenen MVZ hat sicher auch seinen Schleuder. Das soll schlimmer als eine EHE sein;-)
Ausserdem entstand hier die Abkürzung TEAM
Toll
Ein
Anderer
Macht´s.
Spass Beiseite.
Egal in welcher Versorgungsform, unter den Prämissen des reinen Marktes geht wohl nur die Einzelpraxis.
Wenn nämlich ALLE Förderungen wie auch immer gearteter Kooperationen entfallen, dürfte diese Organisationsform um einiges besser aufgestellt sein.
Bei mehr als einem kommt es immer zu Effizienzverlusten. (wegen des TEAM)
Insofern ist es sinnvoll alle Alternativen zu disskutieren, aber dann mit allem Für und Wider.
Bis bald
Ehemaliger User 20130505
06.11.2007, 12:08
....Sie sind Arzt.
Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte da eine wichtige Einschränkung vornehmen.
Sie sind Arzt in Deutschland.
Das ist etwas anderes als Arzt in Schweden, in der Schweiz, den USA oder Australien.
Der Wert Ihrer Qualifikationen, der Wert Ihrer Arbeit wird hier anders geschätzt..... Als in der ambulanten Patientenversorgung tätiger Arzt ist man in Schweden an einer Vardcentral eines Landstings angestellt.
Eine schwedische Vardcentral ist nichts anderes als ein kommunales/landkreiseigenes MVZ.
Die Ärztegehälter an schwedischen Vardcentralen liegen sowohl brutto als auch netto/kaufkraftbereinigt etwa im Bereich der Ärzte-Grundgehälter nach den TV-Ä.
deutsche MVZs = Fegefeuer? ;-)
schwedische MVZs = Ärzteparadiese? ;-)
Ärztegehälter in Schweden:
http://www.sfai.se/Fackligt/Lonestatistik_2006.pdf
doktachen
06.11.2007, 16:05
aber der hat sehr viel publiziert (allerdings mehr über gesundheitsökonomie, als er in harvard war, in köln hat er es als unfallchirurgischer assi nur ein jahr ausgehalten, war aber auch keiner traurig drüber, munkelt man... :-)) )
@doktor no + chris06
Einen Preis gibt's für den, der uns allen den Titel der HABILITATIONSSCHRIFT des Herrn Professor nennen kann, und vielleicht noch eine Quelle, wo ich sie denn dann mal nachlesen kann....... :-oopss
Ich interessiere mich nämlich sehr für Gesundheitsökonomie.
:-D
Ehemaliger User 20130505
06.11.2007, 16:28
Ich interessiere mich nämlich sehr für Gesundheitsökonomie.Ich auch. :-)
...Titel der HABILITATIONSSCHRIFT ......interessiert mich nicht :-))
Einen Preis ... ....brauch ich nicht :-D
Eine Warnung ist eine Warnung ist eine Warnung. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn ich jmd. vor etwas warne, möchte ich ihn davor bewahren, einen Fehler zu begehen. Da braucht es keine Verbesserungsvorschläge. Aus Kroll's Worten lese ich die Warnung an die nachfolgende Generation, sich um keinen Preis der Welt niederzulassen.Mit Verlaub, das ist ziemlicher Nonsens, denn 1. als Pauschalaussage so nicht haltbar, 2. sehr einseitig und 3. absolut nicht konstruktiv.
Dies war für _Dich_ nicht neu, schön und gut, aber dann solltest Du bitteschön so fair sein und Dich ruhig verhalten bzw. den Thread ignorieren, wenn Du weiter nichts Produktives zum Thema zu sagen hast. Ansonsten stehst Du nämlich den Dir so verhassten "Wichtigtuern" in nichts nach. Just my 2 cents und nix für ungut.Den Teufel werd ich tun, wenn hier irgendwer undifferenzierte Pauschalaussagen ins Forum stellt, die für Unerfahrene gefährlich irreführend sein können, lasse ich das ganz bestimmt nicht unkommentiert ;-)
pillepalle321
06.11.2007, 23:29
ich muss schon sagen, einige scheinen so hochwohlgeboren sein, dass sie nicht mehr in der lage sind die soziale lage vieler leute zu erkennen!
ich rede hier nicht von irgendwelchen abstrakten armutsbegriffen, sondern ich rede einfach davon, dass ein riesiger haufen menschen in deutschland leider nicht ein paar tausender auf der kante hat, sondern eher in der miese, und deren lohn, gegen den das einstiegsgehalt eines AA ein traum ist, gerade so ausreicht, um irgendwie über die runden zu kommen. natürlich leiden die nicht hunger! aber selbst die 10euro raxisgebühr reichen doch schon aus, dass viele einen eigtl notwendigen arztbesuch rausschieben. wie soll denn das bitte erst werden, wenn daraus locker (mit folgenden behandlungen) einige hunderte bis tausende euros werden???!!!
wer sowas verkennt, lebt doch vollkommen an der realität vorbei!!! nur weil manch einer von geburt an finanziell so gut gestellt ist, sollte er/sie nicht vergessen, dass dies nicht den normalfall darstellt (ja, tatsächlich!)
schmarotzer gibt es immer, aber ist es denn richtig, genau diejenigen dann an gegenmaßnahmen leiden zu lassen, die eben nicht schmarotzen?
diese mentalität, die sich ja nicht nur aufs gesundheitswesen bezieht, sondern auf das gesamte sozialwesen, und sich in dtschl immer mehr ausbreitet macht mir wirklich angst!
wie gesagt: wandert bitte in die usa aus, da könnt ihr in eurer schönen reichen scheinwelt leben, und müsst euch mit dem elend, auf dessen kosten ihr "vollkommen freie ärztliche entscheidungen" für bessergestellte treffen könnt, nicht beschäftigen!
tut mir leid, dass das so provokativ ausfällt, aber ich weiß nicht, wie man manch einen sonst zur räson bringen soll!!
apropos kuba: die steilvorlage muss ich einfach nutzen, steht doch kuba mit seinem wirklich krassen arztbedingungen (gehalt 30euro/monat) im bereich der medizinischen grundversorgung vor ihrem nördlichen nachbarn usa mit seiner superteuren spitzenmedizin!
ich sage: weder wollen wir hier kubanische verhältnisse, noch amerikanische, deshalb kann es keine komplette behandlungsfreiheit geben, auch wenn es noch so frustrierend ist! wer soll das bezahlen? wer kann das bezahlen? wer kann das nicht bezahlen? das ist doch der punkt!
wie bereits erwähnt: GESUNDHEIT IST MENSCHENRECHT!!!! verdammt nochmal! und wenn das geld eben nicht ausreicht, um alle spitzenmedizinisch zu versorgen, dann müssen halt abstriche gemacht werden, aber doch nicht, indem ich einen teil gar nicht mehr versorge!!!!
übrigens: als wenn die bedingungen die leute abschrecken würden... davon, dass weniger menschen medizin studieren möchten als dürfen sind wir ja wohl noch weit entfernt, von wegen, es gäbe irgendwann keine ärzte mehr...
p.s: zu entsprechenden bedingungen könnte ich es mir sogar sehr gut vorstellen in einem mvz zu arbeiten, allerdings stehe ich mvzs in der hand von aktionären sehr kritisch gegenüber.. wieso nicht öffentliche? (und jetzt killt mich!)
Kackbratze
07.11.2007, 05:24
Ich frage mich manchmal einfach nur, warum die Politiker nicht erkennen können, dass Gesundheit und Bildung zum Einen Menschenrechte sind und zum Anderen Dinge sind, mit denen man NICHT Gewinn machen kann.
Der Gewinn entsteht an anderer Stelle und ist den beiden "Systemen" nicht direkt zuordbar.
Warum kann man dann nicht einfach sagen, dass diese beiden Teile nunmal defizitär geführt werden müssen, damit vernünftige Ergebnisse dabei am Ende rauskommen?
Doktor_No
07.11.2007, 06:18
ich muss schon sagen, einige scheinen so hochwohlgeboren sein, dass sie nicht mehr in der lage sind die soziale lage vieler leute zu erkennen!
hast du gestern den themenabend auf arte gesehen? sehr interessant und erschreckend...
ich rede hier nicht von irgendwelchen abstrakten armutsbegriffen, sondern ich rede einfach davon, dass ein riesiger haufen menschen in deutschland leider nicht ein paar tausender auf der kante hat, sondern eher in der miese, und deren lohn, gegen den das einstiegsgehalt eines AA ein traum ist, gerade so ausreicht, um irgendwie über die runden zu kommen.
keine frage, aber im vergelich zu anderen ländern/anderen vergleichbar langen studiengängen ist unser gehalt ein witz!
natürlich leiden die nicht hunger! aber selbst die 10euro raxisgebühr reichen doch schon aus, dass viele einen eigtl notwendigen arztbesuch rausschieben.
doch, viele leiden hunger! armut wird vererbt, ebenso wie das eigene gesundheitsverhalten, hierzu gab es vor ca. 1,5 monaten ein extra-ärzteblatt, solltest du mal lesen!
wie soll denn das bitte erst werden, wenn daraus locker (mit folgenden behandlungen) einige hunderte bis tausende euros werden???!!!
werden es ja meistens, und genug PP`s könnten das auch nicht bar bezahlen, die bekommen aber auch eine rechnung, die sie einreichen, und dafür macht man vorher einen behandlungsvertrag...
wer sowas verkennt, lebt doch vollkommen an der realität vorbei!!! nur weil manch einer von geburt an finanziell so gut gestellt ist, sollte er/sie nicht vergessen, dass dies nicht den normalfall darstellt (ja, tatsächlich!)
schmarotzer gibt es immer, aber ist es denn richtig, genau diejenigen dann an gegenmaßnahmen leiden zu lassen, die eben nicht schmarotzen?
absolut einverstanden, nur begünstigt das derzeitige system schmarotzer und bestraft diejenigen, die wirklich bedürftig sind!
diese mentalität, die sich ja nicht nur aufs gesundheitswesen bezieht, sondern auf das gesamte sozialwesen, und sich in dtschl immer mehr ausbreitet macht mir wirklich angst!
stimmt!!!!!!!
wie gesagt: wandert bitte in die usa aus, da könnt ihr in eurer schönen reichen scheinwelt leben, und müsst euch mit dem elend, auf dessen kosten ihr "vollkommen freie ärztliche entscheidungen" für bessergestellte treffen könnt, nicht beschäftigen!
schon mal dagewesen? ich schon, die scheinwelt gibt es natürlich, aber arbeite doch mal in einem vorort bspws. von new york als resident...
tut mir leid, dass das so provokativ ausfällt, aber ich weiß nicht, wie man manch einen sonst zur räson bringen soll!!
tja, vielleicht bietet sich ja eine partei-karriere bei oskar L. an?
apropos kuba: die steilvorlage muss ich einfach nutzen, steht doch kuba mit seinem wirklich krassen arztbedingungen (gehalt 30euro/monat) im bereich der medizinischen grundversorgung vor ihrem nördlichen nachbarn usa mit seiner superteuren spitzenmedizin!
"sicko" gesehen? ich möchte dennoch nicht in einer diktatur leben, in der mir vom "maximo lider" verboten wird, rindfleisch zu essen, weil das für die touris aufgehoben wird...
ich sage: weder wollen wir hier kubanische verhältnisse, noch amerikanische, deshalb kann es keine komplette behandlungsfreiheit geben, auch wenn es noch so frustrierend ist! wer soll das bezahlen? wer kann das bezahlen? wer kann das nicht bezahlen? das ist doch der punkt!
Das system IST pleite, und DU wirst das mit deinen beiträgen weiter alimentieren (ICH leider auch!)
wie bereits erwähnt: GESUNDHEIT IST MENSCHENRECHT!!!! verdammt nochmal! und wenn das geld eben nicht ausreicht, um alle spitzenmedizinisch zu versorgen, dann müssen halt abstriche gemacht werden, aber doch nicht, indem ich einen teil gar nicht mehr versorge!!!!
wer hat denn das "gar nicht mehr" behauptet?
@ pillepalle
Du redest hier von Menschenrechten. Das aktuelle System hat zu folgendem geführt, was eigentlich menschenverachtend ist. Befürwortest Du das?
1) Abschaffung der freien Arztwahl (QM, DMP etc)
2) Abschaffung der flächendeckenden medizinischen Versorgung
3) Abschaffung der optimalen medizinischen Versorgung (im Gesetz steht „ausreichend“)
4) Abschaffung der Therapiefreiheit
5) Absolute Unterordnung der Behandlung unter wirtschaftliche Interessen von Dritten
6) Vorenthaltung einer Therapie, wenn es für die Kassen kein wirtschaftliches Interesse daran gibt.
Krasses Beispiel hierfür ist übrigens die Diskussion um die Medikation gegen Makuladegeneration. Blindengeld zahlt nämlich das Land und nicht die Kasse und deswegen gibt’s von der Kasse nix.
Genau, Gesundheit IST Menschenrecht, und deswegen hilft es relativ wenig, wenn der Doktor pleite ist. Dann ist nämlich keiner mehr da für die Gesundheit.
Übrigens haben auch Ärzte Menschenrechte, nämlich das Recht auf Familienleben und das Recht, von der Arbeit auch leben zu können.
Zweitens: ich kann mich nicht erinnern, dass hier jemand VORKASSE a la USA gefordert hätte. Die simple Forderung ist eine RECHNUNG. Die kann man dann prüfen, einreichen und meistens ist noch vor dem Zahlungsziel die Kohle da. Auch ein Privatpatient hat nicht mal eben 20.000 EUR für einen Zyklus Chemo bei der Hand.
Und, wie gesagt, bei unseren Nachbarn klappts doch auch.
Übrigens ist Nahrung auch ein Menschenrecht. Dennoch findet es niemand verwerflich, dass der Bäcker von seiner Arbeit leben will.
Das Prinzip, was wir hier haben, hießt Sachleistung und wurde, wie ein User bei aerzteforum.de treffend bemerkt hat, für Asylbewerber verworfen, weil es gegen die Menschenrechte verstößt. Menschenrechte???
Und nochmal zu den MVZ:
Ein Vergleich mit Schweden verbietet sich eigentlich. Dort wurden die MVZ etabliert, um die Versorgung in einem dünn besiedelten Gebiet sicherzustellen. Bei uns werden die MVZ gefördert, um eine flächendeckende Versorgung aus ökonomischen Gründen (wo bleiben die Menschenrechte?) zu zerstören. Somit müsste man eher mit der Situation in der DDR nach 1945 vergleichen.
Weltbester_Karlsson
07.11.2007, 07:54
Mit Verlaub, das ist ziemlicher Nonsens, denn 1. als Pauschalaussage so nicht haltbar, 2. sehr einseitig und 3. absolut nicht konstruktiv.
Sorry aber Du sprichst in Rätseln. Natürlich handelt es sich bei Kroll's Thesen um seine persönliche Meinung, die per se immer einseitig sein muss, weil es sich eben um eine Einzelmeinung handelt. Was ist daran bitte verwerflich?
Dir mache ich jedoch zum Vorwurf, dass Du Dich an seiner Polemik festbeißt und ihn kpl. ins Lächerliche ziehst, obwohl an seinen Aussagen durchaus was dran ist, was auch Du selbst in diesem Thread schon zugegeben hast.
Den Teufel werd ich tun, wenn hier irgendwer undifferenzierte Pauschalaussagen ins Forum stellt, die für Unerfahrene gefährlich irreführend sein können, lasse ich das ganz bestimmt nicht unkommentiert ;-)
Jawohl! Gib dem Rattenfänger keine Chance!
Um zu verdeutlichen, wie ungerecht das jetzige System der GKV ist, hier noch ein Beispiel (die im Forum anwesenden Augenärzte können das sicher bestätigen).
Die meisten Vorsorgeuntersuchungen in der Augenheilkunde gehen nicht „auf Kasse“. Irgendein Ökonom hat mal ausgerechnet, dass umfassende Screenings hier nur eine Rattenschwanz an teueren Medikamenten und Therapien nach sich ziehen würden (in anderen Fächern zahlt die Kasse, wenn sie sich dadurch später Einsparungen erhofft). Daß das Blindengeld nicht von den Kassen, sondern vom Land gezahlt wird, ist sicher nur ein Zufall und würde nie, nie, nie von einer Ulla, Karlchen oder Knieps bestätigt werden.
Was heißt das?
GKV-Versicherte können auf den Erhalt ihrer Sehkraft hoffen, wenn sie in der Lage sind, die entsprechenden Untersuchungen als IGeL selbst zu bezahlen. Arme haben kein Recht auf Sehkraft. In den USA sind Arme nicht versichert und bekommen keine Leistung. In Deutschland sind die Armen auch versichert, die Kassen nehmen das Geld und die Leistung erfolgt trotzdem nicht. Gerecht?
Die PKVen zahlen anstandslos, nehmen oft geringere Prämien UND machen noch Gewinne. Wenn es nicht die Einkommensgrenze gäbe, würde sich irgendwann keiner mehr der GKV „anvertrauen“. Trotz Rechnung….
Zweites Beispiel: Das Medikament (nennen wir es B) gegen Makuladegeneration. Neu auf dem Markt, wirksam…und den Kassen zu teuer. Großes Geschrei. Zahlen wir nicht…ist uns zu teuer. Die Industrie soll gefälligst billig verkaufen. Macht sie aber nicht. Daß wir in der oft geforderten liberalen Marktwirtschaft leben, wo niemand zu Dumpingpreisen gezwungen werden kann (oder muß Mercedes auch zum Trabbipreis verkaufen?), wird erst mal verdrängt.
Zum Glück gibt es noch Medikament C. Viel billiger. Gleiche Wirkung (ob die Pharmakokinetik und die Wirksamkeit exakt gleich sind, kann ich nicht beurteilen), aaaber: off-label. Also betreiben die Kassen und das BMG die Zulassung als off-label.
Was nicht gesagt wird: bis zum Erscheinen von Medikament B war Medikament C den Kassen erstens auch zu teuer und, zweitens, off-label. Also: zahlen wir nicht. Regress für Arzt wg. off-label-use, und Patient zahlt entweder selbst, oder wird blind. Und jetzt auf einmal nicht mehr?
HEUCHELEI PUR!
Leute, die ein solches System als gerecht empfinden, sind wohl naiv, uninformiert (oder beides) oder Anhänger des politisch-verwaltungstechnischen Gesundheitskomplexes.
Um es nochmal klarzustellen:
Es fordert niemand, Teile der Bevölkerung von der med. Versorgung auszuschließen. Fakt ist aber, das dies heute geschieht, und zwar auf Betreiben der Kassen und der Politik (nicht der Ärzte!) und dagegen gilt es sich zu wehren.
Warum haben Leute, die im Osten, auf dem flachen Land (oder beides) wohnen, arm (IGeL) ,alt oder chronisch krank sind, kein Recht auf einen Arzt mehr?
Den schwarzen Peter der Rationierung hat die Politik den Ärzten zugeschoben und die hat ihn genommen. Und den gilt es zurückzugeben.
Wenn ein Patient eine Rechnung bekommt („ich zahle jeden Monat 500 EUR und erstattet werden mir zwofuffzich“) wird irgendwann ein Nachdenken einsetzen, die Leute werden den Kassen wütend die Bude einrennen und es muß dann auch die Politik eingreifen. Und es hoffentlich zum besseren wenden.
Zu Kuba:
Hätten wir dort auch Spitzenmedizin, wenn die Ärzte in ein Land ihrer Wahl ausreisen dürften? Bekommt der Arzt, der Maradona und Co. behandelt, wirklich nur 30 EUR? Und werden Parteimitglieder und Devisen(bar)zahler wirklich nicht dem gewöhnlichen Volk vorgezogen oder besser behandelt, wie es auch in der DDR war? Fragen über Fragen…
Außerdem wünscht sich doch niemand hier US-amerikanische Verhältnisse. Ich für meinen Teil begnüge mich mit der Forderung nach Schweizer oder französischen Verhältnissen.
Doktor_No
07.11.2007, 11:55
Ich für meinen Teil begnüge mich mit der Forderung nach Schweizer oder französischen Verhältnissen.
ich hoffe du meinst verhältnisse in den kliniken und nicht niedergelassen, besonders in frankreich zum teil erschreckend!!!!!!!!!!!!!1
O._Graf.
07.11.2007, 12:38
Ich fordere niederländische Verhältnisse:
Deutsche Ärzte in wandern in die Niederlande aus
(http://www.heute.de/ZDFmediathek/inhalt/17/0,4070,3970321-5,00.html)
Anderer Link zu diesem Video (http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/Deutsche_Aerzte_wandern_aus/15566?inPopup=true#)
Monas_Pseudo
07.11.2007, 14:05
Ich empfehle das Auswandern nach Schweden:
Arbeiten als Humani in Schweden:
http://www.lg.se/templates/Page.aspx?id=8526
Arbeiten als Zahni in Schweden:
http://www.lg.se/templates/Page.aspx?id=8528
Sorry aber Du sprichst in Rätseln. Natürlich handelt es sich bei Kroll's Thesen um seine persönliche Meinung, die per se immer einseitig sein muss, weil es sich eben um eine Einzelmeinung handelt. Was ist daran bitte verwerflich?Daß als Überschrift groß drübersteht BERATUNG ;-)
Wenn ich jemanden beraten will, dann indem ich alle Fakten berücksichtige und umfassend informiere, gell?
Wenn Kroll seine Energie mehr darin investierte, Verbesserungvorschläge zu entwickeln, wäre uns damit eher geholfen als durch Pamphlete :-keks
aber selbst die 10euro raxisgebühr reichen doch schon aus, dass viele einen eigtl notwendigen arztbesuch rausschieben.
Das widerspricht meiner Erfahrung; wenn jemand zum wiederholten Male (!) nachts um 3 (!) wegen analem Juckreiz in meiner Notaufnahme auftaucht oder ein anderer Patient um 20 Uhr, weil ihm seit 2 Wochen die Nase etwas wehtut, dann ist die Praxisgebühr bestimmt nicht zu hoch.
Im übrigen sind Sozialhilfeempfänger von der Praxisgebühr ausgenommen.
pillepalle321
07.11.2007, 19:05
ha, auf den verweis zu oskar hab ich ja nur gewartet... :-D
@ evil. natürlich kennst du VIELE Leute, denen die 10 euro wurscht sind, aber dass du die anderen nicht kennenlernst liegt ja in der natur der sache....
ich muss übrigens anmerken, dass ich das bestehende system hier nicht verteidige, die hier aufgezählten missstände bedürfen keines weiteren kommentars...
bezüglich ökonomie nochmal:
vollkommen richtig: will ich ein gutes gesundheitssystem ist es natürlich defizitär! daher macht es ja auch sinn, das ganze mit steuern zu finanzieren, wie (meines wissens nach) in skandinavien.
richtig ist aber auch, dass man sich den ökonomischen zwängen nunmal auch beugen muss. dass bedeutet nicht, dass ich kalkuliert leute draufgehen lass, aber das bedeutet, dass ich halt leider tatsächlich nicht immer die beste therapie durchführen kann, wenn sie zu teuer ist!
andersrum gedacht: täte ich dies, würde mir auf der anderen seite das geld fehlen, günstigere therapien in massenanwendungen durchzuführen.
hart gesagt: entweder wenig leuten teuer das leben retten, dafür die masse draufgehen lassen, oder umgekehrt...!!!
dass das eine extrem problematische ethisch-moralische zwickmühle ist, leuchtet jedem ein!
allerdings ist es auch ein luxusproblem, denn bspweise in kuba sind halt bestimmte therapien/diagnseverfahren erst gar nicht möglich, weswegen auch die diskussion um dessen kosten entfällt - im gesellschaftlichen resultat aber ein ähnliches resultat der gesundheit der masse der bevölkerung erhält wie bei uns!
ein patient mit spezieller seltener erkrankung mit teurer therapie, ist dann aber in kuba halt einfach geliefert...und das kann nun wirklich kein vorbild sein.
DASS WIR aber dieses luxusproblem haben sagt auch noch etwas anderes: eigentlich wäre in unserem land tatsächlich genug geld da, um auch solche hohen kosten aufzuwenden, sonst gäbe es ja gar keine diskussion darum.. da kommen wir jetzt wieder zu den strukturellen problemen!
ich muss übrigens sagen, dass ich einige hier falsch verstanden habe, ich dachte tatsächlich, dass hier ein us-amerikanisches modell bevorzugt wird..
in jedem falle gibt es einiges an unserem system zu ändern, ich finde allerdings, man sollte nicht nur an seine eigenen pfründe denken, sondern an die gesamtheit, und da ist nun mal das ziel die bestmögliche gesundheit für die gesamte bevölkerung.
das mancheiner seine praxis lieber wie eine bäckerei betreiben möchte ist ja ok, aber in einem guten gesundheitssystem wird es niemals möglich sein, dass alle beteiligten (ärzte, pharmaindustrie, patienten, ministerien usw.) komplett zufrieden sind. und der staat macht nunmal die regeln...
übrigens gibt es nur noch recht wenige bäckereien, wo wirklich ein bäckermeister so wirtschaften kann, wie es ihm passt. kamps, und wie die ketten alle heißen, wird ja jeder kennen, und bei sowas gibts gar kein bäcker mehr - is also nicht so das ideale vorbild...
p.s.: weder hab ich den themenabend, noch habe ich sicko gesehen.
O._Graf.
08.11.2007, 05:43
Ich hoffe du meinst verhältnisse in den kliniken und nicht niedergelassen, besonders in frankreich zum teil erschreckend!!!!!!!!!!!!!Und die Assi-Gehälter an französischen Kliniken sind auch zum Heulen: :-heul
1. Berufsjahr: ca. 16 000 Euro brutto pro Jahr
2. Berufsjahr: ca. 18 000 Euro brutto pro Jahr
3. bis 5.Berufsjahr: ca. 25 000 Euro brutto pro Jahr
Doktor_No
08.11.2007, 06:27
krass...
dachte die wären höher. ein freundvon mir ist im elsass, macht allerdings auch viele dienste, der geht im schnitt mit 3700 netto nach hause.
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