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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Niederlassungsberatung: Ich rate davon ab, Arzt in Deutschland zu werden



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hennessy
28.04.2008, 07:11
Beratungsunternehmen, die die Bonität potentieller Patienten vor der Behandlung checken, gibt es schon längst:
...
diese factoring-Unternehmen verlangen i.d.R. ziemlich viel Geld für ihre Dienste. Etliche Prozente des Gesamtumsatzes. In der Zahnmedizin sogar noch von den Laborkosten, die ja ein reiner Durchlaufposten sind.
Also: Wer sich mit dem Gedanken trägt, factoring einzuführen: Erst mal genau ausrechnen, ob es sich auch wirklich lohnt.

Bonitätsprüfungen können auch anderweitig durchgeführt werden und viele Patienten sind nicht sehr begeistert, wenn das evtl. über Jahre gewachsene Vertrauensverhältnis dergestalt zerstört wird und suchen sich einen anderen Behandler.

rate mal
28.04.2008, 09:00
Man könnte seine Behandlung natürlich auch über einen Kredit finanzieren, den man selbst aufgenommen hat. Es gibt auch Firmen, die auf Kredite für ärztliche Behandlungen spezialisiert sind. Nur alt sollte man da lieber nicht sein. :-heul

Ich hab mir mal einen 68Jährigen vorgestellt, der nach einem Unfall 10 000 Euro für eine OP braucht und für eine Kreditanfrage (http://www.medkred.de/medkred/extern/angebot_ext.jsp) folgende Daten eingegeben:

Behandlung im Fachbereich: Orthopädie und Unfallchirurgie

Finanzierungssumme in Euro: 10 000

Laufzeit: 36 Monate

Geburtsdatum: 01.01.1940

Art der Restschuldversicherung: Schutz bei Tod:

Ergebnis der Anfrage: "Bei dem gewählten Restschuldversicherung darf das Alter des Patienten 64 Jahre nicht überschreiten." :-))



o.k., dann verzichtet Opi eben auf die Restschuldversicherung und trägt das Risiko, vor der vollständigen Rückzahlung des Kredits zu sterben, selbst: ;-)

Neue Anfrage:

Behandlung im Fachbereich: Orthopädie und Unfallchirurgie

Finanierungssumme in Euro: 10 000

Laufzeit: 36 Monate

Geburtsdatum: 01.01.1940

Art der Restschuldversicherung: "Keine Restschuldversicherung.Ich trage alle Risiken selbst."

Ergebnis der Anfage: "Leider ist ein Fehler aufgetreten". :-))

rate mal
28.04.2008, 09:12
Also: Wer sich mit dem Gedanken trägt, factoring einzuführen: Erst mal genau ausrechnen, ob es sich auch wirklich lohnt.
Damit da keine Missverständnisse aufkommen: Mein Hinweis auf die Existenz von Factorinangeboten für Arztpraxen sollte keine Werbung dafür sein, sondern eine Warnung an alle Patienten - und das ist irgendwann jeder von uns - in Arztpraxen immer schön aufzupassen und alles ganz genau zu lesen, was man da unterschreibt.

Ich finde die Aushöhlung der Schweigepflicht durch solche Praktiken sehr bedenklich und wenn wir eine Liberalisierung des Gesundheitsmarkts nach den Vorstellungen des weltbesten Karlsson bekämen, würden solche Praktiken zunehmen.

Und das machten dann womöglich dieselben Ärzte bzw. Ärztegruppen, die jetzt ihre Patienten auffordern, gegen die geplante Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eCard) zu protestieren, weil sie dadurch zu gläsernen Patienten würden. :-wand

Weltbester_Karlsson
28.04.2008, 15:11
(…Sachleistungss-System…) Könntest Du das genauer ausführen?
http://www.arztwiki.de/wiki/Sachleistung


Nein, hätten wir nicht. Wir hätten ein System, in welchem marktwirtschaftliche Grundlagen über allem anderen stünden, nichts weiter.
Einfaches Beispiel: angenommen, die "Leistungsträger" stehen im direkten Wettbewerb zueinander. Die "Guten" verlangen mehr Kohle für ihre Leistungen, als die "Schlechten". Können sie sich ja auch erlauben, schließlich gibt es keine Aufsichtsbehörden, alles ist durch die Nachfrage reguliert. Marktwirtschaft eben. Das führt mittelfristig dazu, daß die Ärzteschaft sich unterteilt, wie der Automarkt. Es wird die "KIA"-Ärzte und die "Mercedes"-Ärzte geben. Gut, die gibt es auch jetzt genauso, aber momentan kann jeder es sich leisten, von einem "Mercedes"-Arzt behandelt zu werden. Kommt der Endsieg der Marktwirtschaft, wird sich das ändern. Dann gehen die Ärmeren zum "Daihatsu"-Doktor, während der "Bentley"-Spezialist nur die Reichen behandelt. Denn es ist ja nun medizinisch notwendig, eine Behandlung durch irgendeinen Arzt zu erfahren. Soll es aber ein guter Arzt werden - dann blech mal schön. Such Dir schon mal einen Bankberater als Kooperationspartner aus, der dann die Kreditwürdigkeit eines Patienten checkt, bevor Du ihn behandelst.
Meines Erachtens ergeben sich aus einem echten Wettbewerb zwischen Behandlern mehr Vorteile für den Patienten als Nachteile. Nach dem altbekannten Motto "Konkurrenz belebt das Geschäft" ist in einem solchen System jeder bestrebt, sein bestes zu geben, sich adäquat weiterzubilden, etc. Ich habe im Übrigen nicht die Abschaffung der allgemeinen Behandlungspflicht gefordert.

hennessy
28.04.2008, 15:12
Damit da keine Missverständnisse aufkommen: Mein Hinweis auf die Existenz von Factorinangeboten für Arztpraxen sollte keine Werbung dafür sein, sondern eine Warnung an alle Patienten - und das ist irgendwann jeder von uns - in Arztpraxen immer schön aufzupassen und alles ganz genau zu lesen, was man da unterschreibt.

Ich finde die Aushöhlung der Schweigepflicht durch solche Praktiken sehr bedenklich und wenn wir eine Liberalisierung des Gesundheitsmarkts nach den Vorstellungen des weltbesten Karlsson bekämen, würden solche Praktiken zunehmen.

Und das machen dann womöglich die selben Ärzte bzw. Ärztegruppen, die jetzt ihre Patienten auffordern, gegen die geplante Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eCard) zu protestieren, weil sie dadurch zu gläsernen Patienten würden. :-wand
absolut d ´accord! ;-)

condorito
28.04.2008, 15:49
Meines Erachtens ergeben sich aus einem echten Wettbewerb zwischen Behandlern mehr Vorteile für den Patienten als Nachteile. Nach dem altbekannten Motto "Konkurrenz belebt das Geschäft" ist in einem solchen System jeder bestrebt, sein bestes zu geben, sich adäquat weiterzubilden, etc. Ich habe im Übrigen nicht die Abschaffung der allgemeinen Behandlungspflicht gefordert.

1.Geh mal zu 1 Monat z.B. zu nem Labormediziner und du wirst sehen,zu WAS "Konkurrenz belebt das Geschäft" fähig ist.
2. Der Gedanke führt nur noch zu einer weiteren Aufspaltung der Ärzteschaft und damit zu noch geringer "Schlagkraft" bezüglich berufspolitischer Fragen.
3. Allgemein herrscht Fortbildungspflicht.Beispielsweise seien die "Organzentren"genannt, bei denen man neben vielen anderen Dingen unter anderm auch ein konsequenter Fortbildungsplan vorgelegt werden muss.
4. Die Vorteile ergeben sich,wie bereits oben schon gepostet, nur für die besserverdienende Klientel. Sehr hippokratischer Gedanke.
5. Das jeder sein bestmöglichstes gibt,sollte ja eigentlich nicht extra aufgeführt werden müssen.

Evil
28.04.2008, 18:30
Meines Erachtens ergeben sich aus einem echten Wettbewerb zwischen Behandlern mehr Vorteile für den Patienten als Nachteile. Nach dem altbekannten Motto "Konkurrenz belebt das Geschäft" ist in einem solchen System jeder bestrebt, sein bestes zu geben, sich adäquat weiterzubilden, etc. Ich habe im Übrigen nicht die Abschaffung der allgemeinen Behandlungspflicht gefordert.
Wie soll denn bei Behandlungspflicht ein echter Wettbewerb entstehen? Wettbewerb heißt auch, daß ich mir die Rosinen rauspicken darf, sprich: ich behandel nur noch junge Leute mit toller Prognose, und der multimorbide Opi kann sehen, wo er bleibt. Das wird er dann aber wohl nicht als Vorteil empfinden :-))

Abgesehen davon machst Du denselben Fehler wie die Politiker mit der Bahn, die glauben, in einem System mit Versorgungsauftrag lösen sich durch Privatisierung und Wettbewerb alle Probleme von selbst.

John Silver
28.04.2008, 18:33
@Weltbester-Karlsson:

Es ist zumindest naiv, zu glauben, daß in einem "leistungsorientiert" bezahlten System jeder geradezu aus der Haut fährt, um "gut" zu sein. Du willst Dich nicht mit dem amerikanischen System befassen, solltest Du aber. Denn all der Unsinn, den Du hier propagierst, ist dort größtenteils schon umgesetzt worden, und das Resultat ist ziemlich ernüchternd.

Weltbester_Karlsson
29.04.2008, 19:37
1.Geh mal zu 1 Monat z.B. zu nem Labormediziner und du wirst sehen,zu WAS "Konkurrenz belebt das Geschäft" fähig ist.
Ich habe keinen Einblick in die Arbeitsbedingungen eines Labormediziners, doch Leistungsdruck und Unterbezahlung, wenn Du darauf abzielst, können u.a. dann entstehen, wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt. Hierzu verweise ich auf mein früheres Posting in diesem Thread: Zuviele Ärzte in D (http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showpost.php?p=619944&postcount=303)

2. Der Gedanke führt nur noch zu einer weiteren Aufspaltung der Ärzteschaft und damit zu noch geringer "Schlagkraft" bezüglich berufspolitischer Fragen.
Wenn meine Forderungen in allen Punkten konsequent durchgesetzt würden, hätte "die Ärzteschaft" eine bessere Position als heute. Damit würde sich die Frage nach der "Schlagkraft" erübrigen.

3. Allgemein herrscht Fortbildungspflicht.Beispielsweise seien die "Organzentren"genannt, bei denen man neben vielen anderen Dingen unter anderm auch ein konsequenter Fortbildungsplan vorgelegt werden muss.Über Sinn, Unsinn und Lerneffekt von unter Zwang durchgeführten Weiterbildungsmaßnahmen könnte man streiten. Ich weiß nur, wie es mancherorts in der Praxis läuft und kann mich nur wundern, dass Du das ernsthaft als Argument ins Feld führst.

4. Die Vorteile ergeben sich,wie bereits oben schon gepostet, nur für die besserverdienende Klientel.Hier bin ich vollkommen anderer Meinung.

5. Das jeder sein bestmöglichstes gibt,sollte ja eigentlich nicht extra aufgeführt werden müssen.
Ich denke die jüngere Geschichte hat gezeigt, wie es um die Arbeitsmoral und die Leistungsfähigkeit des Menschen bestellt ist, wenn er in ein System gezwungen wird, das ihm nur minimale Entscheidungs- und Handlungsspielräume für sein berufliches Wirken lässt. Es mag sein, dass es Menschen, gibt, die solch feste "Führungsschienen" brauchen, um überhaupt Leistung zu bringen, doch akademisch gebildete und frei denkende Menschen, wie z.B. Ärzte, zähle ich persönlich eigentlich nicht dazu.

Weltbester_Karlsson
29.04.2008, 19:41
Wie soll denn bei Behandlungspflicht ein echter Wettbewerb entstehen? Wettbewerb heißt auch, daß ich mir die Rosinen rauspicken darf, sprich: ich behandel nur noch junge Leute mit toller Prognose, und der multimorbide Opi kann sehen, wo er bleibt. Das wird er dann aber wohl nicht als Vorteil empfinden :-))
Ich sprach mich mit meinen Forderungen nicht explizit für einen absolut freien Wettbewerb (i.S. von Freiwirtschaft) aus. Wir praktizieren in D eine soziale Marktwirtschaft. Diese basiert auf gewissen Regulationsmechanismen, die Entgleisungen, die der Markt nicht alleine regeln kann, verhindert.

Abgesehen davon machst Du denselben Fehler wie die Politiker mit der Bahn, die glauben, in einem System mit Versorgungsauftrag lösen sich durch Privatisierung und Wettbewerb alle Probleme von selbst.
Ich halte den Vergleich zwischen Bahn und Gesundheitswesen für sehr weit hergeholt.

Weltbester_Karlsson
29.04.2008, 19:46
@Weltbester-Karlsson:

Es ist zumindest naiv, zu glauben, daß in einem "leistungsorientiert" bezahlten System jeder geradezu aus der Haut fährt, um "gut" zu sein. Du willst Dich nicht mit dem amerikanischen System befassen, solltest Du aber. Denn all der Unsinn, den Du hier propagierst, ist dort größtenteils schon umgesetzt worden, und das Resultat ist ziemlich ernüchternd.
Ich weiß nicht, inwieweit Du schon Erfahrungen als Freiberufler sammeln durftest/konntest. Bei mir sind es inzwischen 12 Jahre (mit Unterbrechungen). Ich denke ich kann sehr wohl beurteilen, was es heißt eigenverantwortlich mit seiner Dienstleistung für andere da zu sein und für seine Arbeit am Ende gerade zu stehen. Ich denke Du kannst Dir nicht einmal ansatzweise vorstellen, welche Dynamik und Leistungskraft, welche Potenziale in einem System stecken, in dem sich jeder nach seinen Fähigkeiten und Interessen frei entfalten kann.

Evil
29.04.2008, 21:20
Ich sprach mich mit meinen Forderungen nicht explizit für einen absolut freien Wettbewerb (i.S. von Freiwirtschaft) aus. Wir praktizieren in D eine soziale Marktwirtschaft. Diese basiert auf gewissen Regulationsmechanismen, die Entgleisungen, die der Markt nicht alleine regeln kann, verhindert.
Na, das ist ja mal wieder sowas von schwammig formuliert, Du könntest glatt Politiker werden.

Ich halte Dich für recht blauäugig: einerseits Wettbewerb, andererseits nicht... wie weit soll ich reguliert werden, darf ich nur die Risiken eines Freiberuflers tragen, oder hab ich auch einen Vorteil? Wenn ja, welchen?

Ich bleib dabei, mit dem Gesundheitssystem kann der Staat kein Geld verdienen, ich kenne kein einziges Beispiel, wo das jemals funktioniert hat.

John Silver
29.04.2008, 21:55
Ich weiß nicht, inwieweit Du schon Erfahrungen als Freiberufler sammeln durftest/konntest. Bei mir sind es inzwischen 12 Jahre (mit Unterbrechungen). Ich denke ich kann sehr wohl beurteilen, was es heißt eigenverantwortlich mit seiner Dienstleistung für andere da zu sein und für seine Arbeit am Ende gerade zu stehen. Ich denke Du kannst Dir nicht einmal ansatzweise vorstellen, welche Dynamik und Leistungskraft, welche Potenziale in einem System stecken, in dem sich jeder nach seinen Fähigkeiten und Interessen frei entfalten kann.

Ich muß keine Erfahrungen als Freiberufler sammeln, um zu wissen, wie bestimmte wirtschaftliche Modelle funktionieren. Ich bleibe dabei: Deine Vorstellungen davon, wie die Kiste läuft, sind ziemlich naiv, trotz Deiner Erfahrung. Eine leistungsorientierte Bezahlung und Wettbewerb funktionieren nicht in einem System, welches eine Grundversorgung der Bevölkerung, und nicht die Gewinnmaximierung, zum Ziel hat. Ich empfehle Dir nochmals, Dich mit dem amerikanischen System auseinanderzusetzen. Insbesondere solltest Du die "Paying-for-perfomance"-Kiste in Augenschein nehmen. Und Dir die Gründe anschauen, warum sie nicht so funktioniert, wie man es sich erhofft hat. Entweder hat man einen offenen Markt mit freier Konkurrenz verschiedener Dienstleister, die auf die Gewinnmaximierung aus sind - dann aber auch mit Zweiklassenmedizin (und zwar mit einer, gegen die die hierzulande bejammerten Unterschiede zwischen Privat- und Kassenpatienten wie ein Kindergeburtstag wirken); oder aber man versucht, möglichst vielen Menschen eine möglichst gute und flächendeckende Versorgung zukommen zu lassen - dann aber ohne den Anspruch, damit viel Geld zu machen.

Ich sage nicht, daß Punkte wie die direkte Abrechnung zwischen Arzt und Patient falsch seien. Ich bin aber sehr wohl der Meinung, daß Forderungen nach Wettbewerb unter den Ärzten keinen Sinn haben. Ein solcher Wettbewerb hätte keine Auswirkungen auf die Qualität der Versorgung, aber eben sehr wohl auf die Zugänglichkeit derselben. Wenn sowieso ein drastischer Ärztemangel droht, insbesondere in ländlichen Gebieten, frage ich mich, wem der Wettbewerb nützen soll.

Weltbester_Karlsson
02.05.2008, 09:32
Entweder hat man einen offenen Markt mit freier Konkurrenz verschiedener Dienstleister, die auf die Gewinnmaximierung aus sind - dann aber auch mit Zweiklassenmedizin (und zwar mit einer, gegen die die hierzulande bejammerten Unterschiede zwischen Privat- und Kassenpatienten wie ein Kindergeburtstag wirken); oder aber man versucht, möglichst vielen Menschen eine möglichst gute und flächendeckende Versorgung zukommen zu lassen - dann aber ohne den Anspruch, damit viel Geld zu machen.
De-facto haben wir doch schon eine Zweiklassenmedizin! Und ich bin auch der Meinung, dass es nicht anders geht. Nicht dass ich mir nicht wünschen würde, dass möglichst viele, wenn nicht alle Menschen Zugang zu moderner Spitzenmedizin haben sollten, so ist diese beim jetzigen Stand der medizinischen Kunst (hohe Spezialisierung, hohe Technisierung) und mit der Altersstruktur unserer Gesellschaft sowie der naturgemäß hohen Multimorbidität im Alter einfach nicht mehr bezahlbar für alle, auch nicht in einem so reichen Land wie dem unsrigen.

Die Folgen der ungehemmten und ungebremsten Gewinnmaximierung sind auch mir bewusst. Ein sehr schönes Beispiel hierfür ist übrigens aktuell hier nachzulesen: Günter Wallraff undercover beim Lidl-Brötchen-Zulieferer (http://www.zeit.de/2008/19/Wallraff-19)

John Silver
02.05.2008, 18:12
:-)) Entschuldige, aber ein Blick über den Tellerrand des deutschen Medizinalltags ist in Deinem Fall geradezu schreiend nötig. Wir haben eine Zwei-Klassen-Medizin? Du hast keine Ahnung, was das ist. Das, was in Deutschland jeder Penner bekommt, bekommen in den meisten Ländern nur ein Paar Prozent der Bevölkerung, die, die wirklich Kohle haben. Schau mal nach USA, oder Rußland, oder Brasilien. DAS ist Zwei-Klassen-Medizin. Und genau das gilt es zu vermeiden.

Das aktuelle Versorgungsniveau kann man durchaus aufrechterhalten. Aber bestimmt nicht im Rahmen eines gewinnorientierten Konkurrenzsystems.

Weltbester_Karlsson
03.05.2008, 09:10
:-)) Entschuldige, aber ein Blick über den Tellerrand des deutschen Medizinalltags ist in Deinem Fall geradezu schreiend nötig. Wir haben eine Zwei-Klassen-Medizin? Du hast keine Ahnung, was das ist. Das, was in Deutschland jeder Penner bekommt, bekommen in den meisten Ländern nur ein Paar Prozent der Bevölkerung, die, die wirklich Kohle haben. Schau mal nach USA, oder Rußland, oder Brasilien. DAS ist Zwei-Klassen-Medizin. Und genau das gilt es zu vermeiden.

Das aktuelle Versorgungsniveau kann man durchaus aufrechterhalten. Aber bestimmt nicht im Rahmen eines gewinnorientierten Konkurrenzsystems.
Weil Polemik so schön ist und weil Du es uns so prima vormachst, tanz ich jetzt auch mal wieder mit (Yeah, Polemik rocks!):

Ein oberflächlicher Blick aufs amerikanische Gesundheitswesen offenbarte mir Folgendes:
Die Gesundheitskosten pro Kopf sind in USA ungefähr doppelt so hoch wie in D und die Effizienz in D dagegen beinahe weltspitze. Der US-Bürger hat trotz dieser vergleichsweise hohen Kosten pro Kopf eine im Schnitt weitaus geringere Lebenserwartung als der Bundesbürger. Die Arzt- und Facharztdichte in D ist beinahe doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Industriestaaten. Das Einkommen eines Arztes in USA liegt je nach Qualifikation und persönlichen Fähigkeiten um ein Vielfaches höher als das seiner Kollegen in D.

Was schließen wir daraus? Die Zeche für die im internationalen Vergleich hochwertige Versorgung unserer Kranken zahlen derzeit unsere Ärzte. Das liegt u.a. daran, dass wir es hier offenbar mit einer Generation von hoffnungslosen Sozialromantikern zu tun haben, die der irrigen Meinung sind ihre aufopferungsvolle Haltung würde zwar nicht momentan, aber ganz sicher irgendwann von der Gesellschaft honoriert. Dazu gesellen sich zum einen historisch gewachsene Zwänge und zum anderen die jüngsten Reformen im Gesundheitswesen, die dafür sorgen, dass vor allem niedergelassene Ärzte sich zwar mit vollen Wartezimmern und einer 80-Stunden-Woche, am Ende des Monats aber trotzdem mit einem dicken Minus auf der Abrechnung konfrontiert sehen.

Aber gut, wir wollen das ja so und es ist prima, dass es der bundesdeutschen Bevölkerung im internationalen Vergleich gesundheitsmäßig so gut geht. Da kann man auch weiter ungeniert auf Kosten seiner Gesundheit leben, schmausen und schlemmen, Ski fahren, Motorrad fahren, rauchen und was weiß ich noch alles, der treudoofe deutsche Arzt steht schließlich allzeit Gewehr bei Fuß und richtet's am Ende wieder, und zwar zum Nulltarif. "Geiz ist geil!" Und unser Mediziner-Nachwuchs ist ganz vorne dabei um das Ganze noch zu toppen. Die wissen nämlich ganz genau was auf sie zukommt und haben sich bewusst für diesen Beruf entschieden, ganz nach dem Motto: "Es lebe die Selbstausbeutung! Es lebe die Selbstkasteiung!"

Yeah, Polemik really rocks!

Evil
03.05.2008, 09:30
Hübsche Polemik, Deinem beleidigten Adlerauge ist allerdings entgangen, daß der Schatzinselpirat durchaus ein paar handfeste Argumente gebracht hat, die Du leider versäumt hast zu entkräften.

Und dies
mit einer Generation von hoffnungslosen Sozialromantikern zeugt auch nicht sehr von tiefem klinischen Einblick, denn Du mußt schon seeehr lang suchen, um bei einem klinisch tätigen Arzt auch nur eine Spur von Romantik zu finden. Das Problem liegt in übersteigertem Pflichbewußtsein.



Kurzum: Dein Vorschläge sind grundsätzlich vollkommen zutreffend, sie sind ja auch nicht neu. Es hapert an der konkreten Umsetzung, und um da weiterzukommen, braucht's mehr als
Ein oberflächlicher Blick
Also, begib Dich in das System, um die wirklichen Schwachpunkte zu finden, dazu genügen amtliche Statistiken und Internetforen nicht, dann diskutieren wir weiter.

hennessy
03.05.2008, 09:56
....Das liegt u.a. daran, dass wir es hier offenbar mit einer Generation von hoffnungslosen Sozialromantikern zu tun haben, die der irrigen Meinung sind ihre aufopferungsvolle Haltung würde zwar nicht momentan, aber ganz sicher irgendwann von der Gesellschaft honoriert. .....
Polemik hin oder her, aber das ist ja sowas von an den Haaren herbei gezogen. Warst Du eigentlich schon mal länger als ein paar Stunden in einer Klinik oder in einer Landarztpraxis? Von Sozialromantik hab ich da noch nie was gesehen.

Es sei denn, man bezeichnet die Tatsache, dass aus Personal- und Raummangel immer wieder Patienten im Stationsbad oder auf dem Flur abgestellt werden müssen und nur notdürftig betreut werden können, als romantisch. Oder dass es im Wartezimmer des Landarztes nach Kuhmist und Arbeiterschweiß duftet.

Uns Ulla bekommt ja davon nix mit. Sie wird ja per Geleit-Service zu den besten Privatärzten gekarrt und kann dort in ihrem hochgestochenen Deutsch über die geschmackvolle Einrichtung der Warte-Lounge parlieren.

LasseReinböng
03.05.2008, 10:21
Nur mal so kurz am Samstagmorgen zum Thema 2-Klassen-Medizin: Ja, es gibt sie, aber sie betrifft in erster Linie die Ärzte in den Praxen, weniger die Patienten !

Wer seinen Lebensunterhalt mit der Behandlung von GKV-Patienten bestreiten muß, wird in diesem System gnadenlos verheizt. Das alles funktioniert nur noch, weil die meisten Ärzte durch hohe laufende Kredite quasi in ihrer Praxis auf Lebenszeit festsitzen und diesem System nicht entfliehen können.

rate mal
03.05.2008, 11:24
Wer seinen Lebensunterhalt mit der Behandlung von GKV-Patienten bestreiten muß, wird in diesem System gnadenlos verheizt. Wer zwingt uns denn dazu? Die Welt ist groß und Schweden und Aistralien suchen immer Ärzte. Dumm nur, dass man auch dort überwiegend GKV-Patienten behandeln muss. :-))