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Avalanche
08.05.2008, 16:04
Es geht mir nicht um Gewinnmaximierung, sondern um einen einigermaßen freien Wettbewerb mit Kompromissen. Was wir derzeit haben ist Planwirtschaft auf Kosten der Ärzteschaft
Soweit einverstanden- Oder auch: Der Niedergelassene Arzt wie auch das Krankenhaus, sind "Unternehmer" die den allg Gesetzen der Marktwirtschaft unterliegen. Dies aber nur auf der Soll Seite, dh wenn die ihre Rechnungen bezahlen, auf der Haben Seite ist der Markt weitgehend durchreguliert.
Das nur mal im Hinterkopf behalten.

Meine Vorstellung beruht auf mehr oder weniger freiem Wettbewerb,
Ob es den in einem System was auch nur annähernd die Ansprüche und die Finanzierungsmodalitäten wie in D hat, überhaupt geben kann - und zwar so geben, dass dieser Wettbewerb überhaupt den Namen verdient - ist die grosse Frage, die ich eher mit "nein" zu beantworten neige.

Bsp: In den USA werben Radiologen damit, dass bei Ihnen die Mammo bds für 4 Wochen zu nem Sondertarif zu bekommen ist. "Get your Mammography now and save $20" O Plakat in Naples, Florida so gesehen. Dies *ist* freier Wettbewerb, dh der Doc macht den Preis den der Markt hergibt oder von dem er annimmt, dass er ihn hergeben wird.

Will man sowas nicht, will man dass Preise und Beiträge reguliert sind und bleiben, will man eine "flächendeckende" Versorgung (die es je nach Region in den USA als Konsequenz solcher freien Märkte dann auch nicht überall mehr gibt!), wenn man dies alles will, dann kann man fast denknotwendig die Docs auch nicht ihre Preise frei bestimmen lassen, bzw auch nicht "die Märkte" entscheiden lassen und dann brauchen wir uns über "Wettbewerb" und freies Unternehmertum auch nicht mehr ernsthaft zu unterhalten. Bleibt dann noch ein Lippenbekenntnis bzw eine Worthülse.

aus dem sich automatisch ergibt, dass erfolgreiche Behandler mehr verdienen als weniger erfolgreiche
Hier müsste ich nun nach der ganz präzisen Definition für den "erfolgreichen Behandler" fragen. Was sind da ganz präzise die Kriterien und vor allem: Wer setzt die?

Warum habe ich, diese Diskussion betreffend, bei Dir und evil den Eindruck, dass Ihr nur entweder schwarz oder weiß sehen wollt? Ich möchte einen freien Markt und den Wettbewerb unter den Behandlern.
Vllt weil es da gar kein "bunt" gibt. Freier Markt hat ganz klare Konsequenzen für die Docs aber auch für die Art der Versorgung. Sie müssen in manchen Gegenden der USA >30 Meilen fahren um einen Facharzt zu finden, der überhaupt Leute annimmt, die in einem Health Plan versichert sind. Denn genau dies IST freier Markt.

Was nicht funzt ist so zu tun als mache man den Markt frei um ihn dann über irgendwelche Indirekta zwecks Abfederung der bösen Konsequenzen wieder zu regulieren. Dann isser nicht frei.

Wer "freier Markt mit freiem Wettbewerb" sagt, redet von einem im Kern vollkommen anderen System als wir es haben.

Ich will das gar nicht mal in "dies ist besser, jenes schlechter" werten, es ist aber unumgänglich, dass man sich darüber im klaren ist was man da fordert: Einen *freien* (Kuschel)markt mit Sicherheitsnetzen, denn gibt es für *keinen* wirklich freien Unternehmer, darüber sei man sich im klaren und dementsprechend stellt er auch sein Verhalten und vor allem ... seine Kalkulation ein. Das *muss* er so tun. Man übertrage dies mal 1:1 auf Patienten und dann kommt man blitzartig zu der Frage: "Welche rechnen sich, welche rechnen sich nicht?".
Alles, was diese Frage wie auch immer abkoppelt, ist kein freier Markt mehr.

Selbstverständlich ist dafür Sorge zu tragen, dass das nicht auf Kosten der Patienten geht.
Schön. Was heisst das in der Konsequenz?

Patienten, die mit ihrem Geld wirtschaften müssen (weil sie Maßnahmen, die den Rahmen ihrer Möglichkeiten nicht übersteigen, selber tragen müssen), werden künftig ihren Behandler sorgfältiger und mehr als bisher nach qualitativen Gesichtspunkten aussuchen.
Welche sind das ganz genau, diese qualitativen Gesichtspunkte?
Ich frag mal ganz frech provokant: 22jhrg Pat, der im nativ Rö eine Gonarthrose hatte, die ich bei einem körperlich schwer belastenden mit ca 60-70j erwarte. Spielt seit dem 5 Lj 3 mal wöchentlich Fussball. Was man diesem Pat raten sollte, ist eigentlich klar. Aber er erklärte mir: "Mein Doc ist Spitze, der hat mir das Knie wieder fitgespritzt, jetzt kann ich weiter spielen".

Was IST denn medizinische Qualität wenn du die mal - ganz Marktwirtschaftlich - aus der Sicht des - nicht Patienten - sondern dann muss es *Kunden* heissen, betrachtest?

Ich sage dir ganz offen was ich denke: Ich halte diesen Spruch vom Wettbewerb der Qualitäten für ein ganz grosses Ammenmärchen, weil nämlich kaum jemand in der Lage ist, diese ominöse Qualität wirklich festzuzurren. Wer hat denn da die Deutungshoheit? Der Doc? Der Patient? Jemand anderes?. Und je nach subjektiver Sicht: wer hat recht?

Ist der Rat an meinen 22jhrg Fussballer aufzuhören sich die Gelenke zu zerschinden "objektiv qualitativ" nun gut oder grosser Unfug, weil er dem Pat ein stück "Lebensqualität" wegnimmt und daher die "fit spritze" nicht in Wirklichkeit das Bessere?

Weil die Patienten gleich den Arzt ihres Vertrauens aufsuchen, werden Mehrfachkonsultationen wegfallen.
Das halte ich für sehr optimistisch gedacht. Ist aber ein anderes, recht vielschichtiges Thema: Wer ist "Arzt meines Vertrauens" und wie funktioniert das mit dem ominösen Vertrauen?

Hierdurch (und weil sich künftig jeder dreimal überlegt, ob er überhaupt zum Arzt geht)
Das kann doch kein ernstzunehmendes Ziel einer ernstzunehmenden Gesundheitspolitik sein, dass ich mir dreimal überlege ob ich überhaupt den Doc aufsuche.

Der Behandler hat wieder mehr Zeit für den einzelnen Patienten, was sich wiederum auf die Compliance und die Patientenzufriedenheit auswirkt.
Da ist sicher was dran, bzw: Compliance ... kommt schon wieder extrem darauf an: Compliance wozu?
Bei Menschen, dem du sagst: "Du musst DICH ändern um gesund zu werden", hast du mit ganz anderen Compliance Problemen zu kämpfen als mit dem, dem du das nicht sagst aber die Tablette verkaufen kannst, die zumindest temporär das sich ändern müssen herauszögert ... um sich dann mit dem Compliance Problem der Einnahme herumzuschlagen ;-)
Und das ist nur die Oberfläche von "Compliance".

Es tut mir leid, ich will dich nicht bashen, aber mit solchen Begriffen hantiert sich sehr einfach, sie müssen aber mit wirklichem, echten Leben gefüllt sein, damit man sieht oder erkennt, dass sich mit ihnen in der Medizin nur auf einer recht oberflächlichen Ebene hantieren lässt: Nämlich der, die den Einzelfall ausblendet und den Doc zum "Leistungserbringer" und dem Patienten zum "Versicherten" bzw "Leistungsanforderer" macht.

Es ist nicht von ungefähr, dass eine wahre Flut von Begriffen wie "Compliance" "Management (mit diversen präfixen wie Zeit-, Patienten-, etc Managment), "Wirtschaftlichkeit" "Bonus/Malus" und wie sie alle heissen die med Fachbätter und die Sprache der Mediziner infiziert haben: Und wir haben uns da auf etwas eingelassen (was sich an unserer eigenen Benutzung dieser Begriffe wiederspiegelt) auf das wir uns nie und nimmer hätten einlassen dürfen, wenn wir mal ehrlich sind.
Viele haben aber geglaubt - und glauben dies noch heute - dass wenn sie sich darauf einlassen, dass es dann schon irgendwie ginge und Ihnen das Überlebensvorteile bringt.
Das stimmt sogar zum Teil, aber dann haben wir einen ganz speziellen Praxis und Arzttyp vor uns, der seine Praxisführung genau auf die Leistungen massschneidern muss - ohne dabei in die Vertikal oder Horizontalvergleichsfallen zu laufen - die "sich rechnen". Das sind zb kaum die Gesprächsleistungen (die zunehmend in Pauschalen aufgehen), soviel ist schon mal sicher.

Wir sollten aber schon aufpassen, dass das hantieren mit diesen verführerischen Begriffen - sie geben einem ja den Schein gesundheitsökonomischer Kompetenz und wer hat die nicht, wenn nicht wir Docs?, jau! - uns nicht wirklich versaut.

Und schliesslich: Einen freien Markt haben wir erst, wenn das Morbiditätsrisiko nicht mehr von den Docs, sondern von den Versicherungen voll getragen wird.
Diese Woche kam ein Brandbrief der KV Westfalen Lippe wegen massiv gestiegener Arzneimittelausgaben im ersten Quartal 08 in die Praxen geflattert. Die Docs werden gebeten, dem doch bei ihren künftigen Verodnungen Rechnung zu tragen. Was das heisst, ist wohl klar.

ciao, Avalanche

Weltbester_Karlsson
18.05.2008, 11:54
Bsp: In den USA werben Radiologen damit, dass bei Ihnen die Mammo bds für 4 Wochen zu nem Sondertarif zu bekommen ist. "Get your Mammography now and save $20" O Plakat in Naples, Florida so gesehen. Dies *ist* freier Wettbewerb, dh der Doc macht den Preis den der Markt hergibt oder von dem er annimmt, dass er ihn hergeben wird.
Siehst Du, genau das meinte ich, als ich damals sagte, man könne die Verhältnisse in D nicht direkt mit den Verhältnissen in USA vergleichen. Was Du hier als abschreckendes Beispiel in die Diskussion einführst, wäre bei uns durch einschlägige Beschränkungen des freien Wettbewerbs zugunsten einer sozialen Marktwirtschaft und des Verbraucherschutzes (speziell in diesem Fall die entsprechenden Paragraphen von UWG und HWG) erst gar nicht möglich. Deren Abschaffung hatte ich nie gefordert, vielmehr die (Wieder-)Einführung marktwirtschaftlicher Elemente in den Bereich der medizinischen Dienstleistungen.

Und mit diesem Satz
Wer "freier Markt mit freiem Wettbewerb" sagt, redet von einem im Kern vollkommen anderen System als wir es haben. outest auch Du Dich als Schubladendenker, der im Laufe einer Diskussion gefallene Schlagworte reflexhaft in die Kategorien einsortiert, die ihm aufgrund seiner vorgefassten Meinung geradezu zwanghaft vorgegeben sind. Von mir angeführte und mit Beispielen untermauerte Regularien der sozialen Marktwirtschaft, eine von mir ins Spiel gebrachte Behörde, die im Interesse der Öffentlichkeit über die Wirksamkeit der am Markt angebotenen Heilverfahren wacht, das Argument mit der allgemeinen Behandlungspflicht und schließlich die aus Steuermitteln zu finanzierende Solidarität der Gemeinschaft mit sozial Schwächeren (Stichworte: teure Heilverfahren, chronisch Kranke, Hartz IV-Empfänger, Geringverdiener, etc.), all das zählt nichts angesichts der grausamen, Schrecken einflößenden Fratze "Freier Markt". Sorry, Avalanche, Du hast Dir viel Mühe gegeben, Deinem Beitrag einen sachlichen Anstrich zu geben, doch auch Deine scheinbaren Argumente basieren zumindest in der ersten Hälfte Deines Postings großteils auf jenem Zerrbild "freier Markt = böse".


Zitat: "Weil die Patienten gleich den Arzt ihres Vertrauens aufsuchen, werden Mehrfachkonsultationen wegfallen."
Das halte ich für sehr optimistisch gedacht. Ist aber ein anderes, recht vielschichtiges Thema: Wer ist "Arzt meines Vertrauens" und wie funktioniert das mit dem ominösen Vertrauen?
Nochmal: Der mündige Bürger handelt eigenverantwortlich. Wer eigenverantwortlich handelt, informiert sich (wir leben heute schon in einem Zeitalter der jedem jederzeit frei zugänglichen Information). Wer informiert ist, kann besser beurteilen, wem er vertrauen kann und wem er besser nicht vertraut bzw. wann er fachmännische Hilfe benötigt und wann nicht. Und nicht zuletzt: wer sich für seine Gesundheit persönlich verantwortlich fühlt und aus diesem Grund gut informiert ist, der ändert sein Verhalten dahingehend, dass er auch langfristig gesund bleibt. Das ist m.E. der wichtigste und zugleich kostengünstigste Faktor eines funktionierenden Gesundheitswesens. Hochspezialisierte, kostenintensive medizinische Maßnahmen wären nicht notwendig, wenn sich die Menschen so verhielten, dass sie gar nicht nicht erst krank werden (Schlagworte: Rauchen, Fehl-/Überernährung, Bewegungsmangel und daraus resultierende Volksseuchen, mit denen wir es als (zukünftige) Ärzte in D doch zu 90% zu tun haben). Ich behaupte nicht, dass marktwirtschaftliche Elemente das Allheilmittel auf dem Weg dorthin seien, aber zumindest ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Man ziehe sich das einmal rein: Wir diskutieren hier vornehmlich über die Folgen des Wohlstands (Zivilisationskrankheiten sowie Geburtenrückgang bei gleichzeitig längerer Lebenserwartung und Multimorbidität) und die Frage, wer letztenendes dafür zu blechen hat. Während 80% der Weltbevölkerung mit ganz anderen Problemen kämpft. Da erscheinen unsere eigenen plötzlich wie Kindergarten dagegen, um auch mal dieses Bild zu gebrauchen. Die Deutschen haben geschätzte 5 Billionen Euro (5.000.000.000.000 Euro) auf der hohen Kante und da wagt es einer zu fordern, der Einzelne sollte stärker finanziell für den Erhalt seiner Gesundheit gerade stehen. Ein sozialer Skandal, das!

Ärzte müssen sich in meinen Augen ganz im wörtlichen Sinne mehr als Dienst-Leister verstehen. Sie leisten mit ihrem Know-How und ihrer Erfahrung den Hilfe suchenden und/oder auf Hilfe angewiesenen Menschen einen Dienst. Der Behandler hat diese Leistung zu erbringen, genauso wie der Patient dazu verpflichtet ist, sich hierfür in angemessener Weise erkenntlich zu zeigen. Ist ihm dies (aus unterschiedlichen Gründen) nicht zuzumuten, hat die Gemeinschaft für ihn einzustehen, und zwar 1) weil es unsere christlich geprägte Ethik gebietet 2) weil der Gemeinschaft aus der Gesundheit bzw. dem Wohlergehen ihrer Mitglieder indirekt Vorteile erwachsen, 3) weil es im Interesse der Gemeinschaft liegt, eine hochqualifizierte, hochspezialisierte Berufsgruppe zu unterhalten, die sich mit den differenzierteren Themen des menschlichen Krankheitsgeschehens und ihrer Heilkunde auskennt und 4) last but not least: ebenfalls in angemessener Weise. Dies nur nochmal zum besseren Verständnis meiner Auffassung von Solidarität, falls ich hier missverstanden wurde.

Heute profitiert eine Gemeinschaft, deren Mitglieder größtenteils an Wohlstandskrankheiten leiden, davon, dass ihre medizinisch qualifizierten Fachkräfte mit Hilfe gesetzlicher Druckmittel und moralischen Daumenschrauben in verstärktem und auf Dauer unerträglichem Maße dazu genötigt werden, ihre Dienstleistungen weit unter Wert oder sogar teilweise unentgeltlich zu erbringen. Von Arzneimittelregressen und ähnlichen Geschichten möchte ich gar nicht erst anfangen. Die Gemeinschaft schmarotzt sich in D sozusagen auf Kosten ihrer Ärzteschaft durch, um es mal ganz provokativ auszudrücken. Damit muss endlich Schluss sein und darum habe ich (auf Nachfrage) konkrete Vorschläge gemacht, die jedoch in den Köpfen einiger Diskussionsteilnehmer bloß als Fratze wahrgenommen wurden. Mag sein, dass ich einige Dinge missverständlich rübergebracht habe. Ich werde an mir arbeiten, sowohl an meiner Ausdrucksweise und auch an meinem Diskussionsstil, versprochen. Ich erwarte aber von einigen anderen hier im Gegenzug, dass sie sich von ihrem reflexhaften Schubladendenken ablösen.


Diese ganze Diskussion führt doch zu nichts! Geht lieber ein Bier trinken und genießt das Frühlingswetter! Manche Meinung oder Vorstellung ist zu fest gefahren, um Sie mit Argumenten umzustoßen. Vielmehr brauch es dazu oft Zeit und Erfahrung. Also lasst Ruhe einkehren und beginnt Eure Diskussion in einem Monat wieder auf einem sachlichen Niveau.
100% Zustimmung. Diese Diskussion führt zu nichts. Wie es evil bereits mehrmals sagte. Und ohne theoretische Kenntnisse über die Funktionsweise des menschlichen Körpers und seiner Krankheiten kein wirklicher Durchblick im öffentlichen Gesundheitswesen der Bundesrepublik Deutschland. Nicht nur das: Um einen wirklich tiefen und fundierten Einblick in die Zusammenhänge und Mechanismen dieses speziellen Bereiches der Volkswirtschaft zu bekommen, muss man mindestens 5, 10, 25 Jahre, besser noch: ein ganzes Medizinerleben lang als winziges Rädchen im großen Getriebe des Systems funktioniert haben.

Dies als (zugegebenermaßen zynisches) Schlusswort, ich verabschiede mich hiermit aus diesem Forum. Es gibt hier zu viele Dinge, die mich einfach stören, allen voran die allgemeine Tendenz des Bashing, wenn jemand eine in den Augen Mancher absonderliche Meinung vertritt (die User Hippokrates2 oder MatzeXXL werden ebenfalls ein Liedchen davon singen können). Diese Auffassung von Pluralismus widert mich persönlich an. Wenn jemand nicht die Größe hat, auch über scheinbar abwegige oder abstruse Meinungen eines Mitmenschen hinwegzusehen und sich im Schutz der relativen Anonymität eines Internetforums zu Äußerungen versteigt, die die Persönlichkeit und die Würde seines Gegenübers herabsetzen, der ist es in meinen Augen nicht wert, einen Beruf auszuüben, in dem er voll und ganz im Dienst dieser seiner Mitmenschen steht, und zwar vorbehaltslos (soviel zu Hippokrates).

Und zu sowas
(aus dem Zusammenhang gerissenes) Zitat von Weltbester_Karlsson "Wir leben leider in einem Land, dessen Bevölkerung zusehends verdummt."
Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. fällt mir dann leider gar nichts mehr ein.

rate mal
18.05.2008, 12:29
.Nochmal: Der mündige Bürger handelt eigenverantwortlich. Wer eigenverantwortlich handelt, informiert sich (wir leben heute schon in einem Zeitalter der jedem jederzeit frei zugänglichen Information). Wer informiert ist, kann besser beurteilen, wem er vertrauen kann und wem er besser nicht vertraut bzw. wann er fachmännische Hilfe benötigt und wann nicht. Und nicht zuletzt: wer sich für seine Gesundheit persönlich verantwortlich fühlt und aus diesem Grund gut informiert ist, der ändert sein Verhalten dahingehend, dass er auch langfristig gesund bleibt.Darin stimme ich Dir weitgehend zu. Nur das hier "...der ändert sein Verhalten dahingehend, dass er auch langfristig gesund bleibt." würde ich ändern in: ...der verhält sich so, dass er seine Gesundheit möglichst lang und gut erhält bzw. möglichst wenig schädigt.


Hochspezialisierte, kostenintensive medizinische Maßnahmen wären nicht notwendig, wenn sich die Menschen so verhielten, dass sie gar nicht nicht erst krank werden (Schlagworte: Rauchen, Fehl-/Überernährung, Bewegungsmangel und daraus resultierende Volksseuchen, mit denen wir es als (zukünftige) Ärzte in D doch zu 90% zu tun haben). Ich behaupte nicht, dass marktwirtschaftliche Elemente das Allheilmittel auf dem Weg dorthin seien, aber zumindest ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Das "...kostenintensive medizinische Maßnahmen wären nicht notwendig, wenn sich die Menschen so verhielten, dass sie gar nicht nicht erst krank werden (Schlagworte: Rauchen, Fehl-/Überernährung, Bewegungsmangel und daraus resultierende Volksseuchen,).... würde ich etwa so ausdrücken:
....wären dann nicht mehr in dem Umfang wie heute nötig, wenn sich die Menschen gesundheitsbewusster verhielten...

John Silver
19.05.2008, 15:44
Hochspezialisierte, kostenintensive medizinische Maßnahmen wären nicht notwendig, wenn sich die Menschen so verhielten, dass sie gar nicht nicht erst krank werden...

Hihi. Und hätt' die Oma einen Schwanz, wäre sie Opa.

Ich warte noch immer auf einen Kommentar zu meinem Einwand: Wenn die Menschen gezwungen werden, für Behandlung extra zu zahlen, werden die Menschen nicht etwa bewußter leben und auf ihre Gesundheit achten, sondern schlicht den Arztbesuch solange hinauszögern, bis es nicht mehr geht; anschließend werden sie ins Krankenhaus eingeliefert, in einem Stadium, welches sehr teure Therapiemaßnahmen erfodert. Die Gesamtrechung wird sehr hoch, fünf- bis sechsstellig, und dann wird entweder die Allgemeinheit dafür aufkommen müssen, oder die Rechnung wird gar nicht bezahlt. Auf diese Weise steigen die Ausgaben, oder die Einnahmen sinken, oder beides. Auf jeden Fall sind dann die Patienten diejenigen, die die Arschkarte ziehen. Ja, teilweise sind sie selbst schuld, aber das sind sie immer, und das werden sie immer sein. Das wirst Du merken, wenn Du genug Kontakt mit echten Patienten hattest.

Das Problem in Deinem Plan ist, daß Du Dich immer um das Benennen der Konsequenzen drückst. Nenne mir die Konsequenzen, die für einen Patienten entstünden, wenn er sich so verhält, wie ich es beschrieben habe, also wie so ziemlich jeder Patient sich verhält und verhalten wird. Die einzige Konsequenz, die ich bisher sehe, ist die, daß den Menschen der frühzeitige Zugang zur ärztlichen Versorgung stark erschwert wird, wodurch in vielen Fällen die Chance vertan wäre, den Menschen zu helfen, die Erkrankung zu heilen, oder zumindest die Lebensqualität bzw. Lebenszeit effektiver zu verbessern. Die Menschen werden letztlich in Deinem System fürs Kranksein bestraft.

Natürlich verhalten sich sehr viele Menschen sehr ungesund, sie sollten weniger fressen, weniger saufen, nicht rauchen und Sport treiben. Darüber kann man nicht streiten, das ist eine Tatsache. Aber wer bist Du, daß Du so anmaßend wirst, zu bestimmen, wer für welches Verhalten bestraft werden soll?

Wenn hierauf wieder nur allgemeine Floskeln als Antwort kommen, disqualifizierst Du Dich endgültig als Diskussionspartner.

el_corazón
23.05.2008, 09:32
Interessanter Artikel der FTD zum Verdienst der Niedergelassenen. Steht so manches wahre Wort drin...
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Was%20%C4rzte/358269.html

Leelaacoo
23.05.2008, 14:45
Na nu rechne mal....

Reinertrag Allgemeinärzte wird mit 104 000 Euro/ Jahr angegeben. Davon gingen noch Steuern und Rente ab...Bei Steuerklasse 1 kommst du auf rund 55 000 Euro/ Jahr netto, davon sind noch nicht unerhebliche Rentenvorsorgen zu zahlen. Als Niedergelassener Allgemeinmediziner mit durchaus möglicher 70-80h-Woche kommst du locker bei 45 000 Euro/ Jahr raus...wieso soll das bitte viel sein? Und das Risiko trägt man alleine...ich frage mich, ob die Versicherungen (KK, Rechtsschutz etc.) überhaupt schon abgezogen sind, das geht aus dem Bericht allerdings nicht hervor...dann ist es nochmal deutlich weniger.

Oder verstehe ich das falsch? Ich jedenfalls empfinde es als zu wenig für die sehr verantwortungsvolle Aufgabe nach langem Studium und mit Facharztausbildung + unternehmerischem Risiko. Vielleicht bin ich aber auch nur nicht (mehr) altruistisch genug.

LG Lee

LasseReinböng
23.05.2008, 15:15
Na nu rechne mal....

Reinertrag Allgemeinärzte wird mit 104 000 Euro/ Jahr angegeben. Davon gingen noch Steuern und Rente ab...Bei Steuerklasse 1 kommst du auf rund 55 000 Euro/ Jahr netto, davon sind noch nicht unerhebliche Rentenvorsorgen zu zahlen. Als Niedergelassener Allgemeinmediziner mit durchaus möglicher 70-80h-Woche kommst du locker bei 45 000 Euro/ Jahr raus...wieso soll das bitte viel sein? Und das Risiko trägt man alleine...ich frage mich, ob die Versicherungen (KK, Rechtsschutz etc.) überhaupt schon abgezogen sind, das geht aus dem Bericht allerdings nicht hervor...dann ist es nochmal deutlich weniger.

Oder verstehe ich das falsch? Ich jedenfalls empfinde es als zu wenig für die sehr verantwortungsvolle Aufgabe nach langem Studium und mit Facharztausbildung + unternehmerischem Risiko. Vielleicht bin ich aber auch nur nicht (mehr) altruistisch genug.

LG Lee

Mal abgesehen von der Arbeitsbelastung - 45000 Euro netto /Jahr finde ich überhaupt nicht schlecht. Welche Berufsgruppen verdienen schon derartige Summen ?

Das Problem ist nur...das sind Durchschnittsgehälter...ich habe sowohl in meiner Familie als auch im näheren Bekanntenkreis meiner Eltern zuviele Beispiele von Praxen gesehen, die weniger als 45000 Euro netto /Jahr erwirtschaften...signifikant weniger, sodaß ich es gut nachvollziehen kann, wenn Assistenzärzte nicht unbedingt wild auf eine spätere Niederlassung sind, da zumindest hinsichtlich des Einkommens keine Verbesserung zu erwarten ist.

Medusi
23.05.2008, 15:30
*seufz* .... Mein Mann ist im 3. Jahr der Weiterbildung Innere/Allgemeinmed. Ganz idealistisch wollen wir eine Landarztpraxis an der Ostsee übernehmen. Die Frage ist, sollten wir das auch ? Wenn ich so lese und höre, welche Entwicklung die Bürokratie und Vergütung in den letzten Jahren genommen hat (und es ist eine weitere Steigerung abzusehen) frage ich mich: sind wir masochistisch genug uns das anzutun ?

el_corazón
23.05.2008, 16:32
Ich finde die angegebenen Durchschnittsgehälter auch sehr OK - ob ich deswegen nun zu altruistisch bin - vielleicht, steig ja jetzt erst ins Berufsleben ein. ;-)
Das Argument mit "langer Ausbildung, viel Verantwortung, unternehmerisches Risiko" gibts in anderen Berufssparten auch, und da wird auch nicht überall gleich viel oder gar mehr verdient, sehe das bei meinem Bruder. :-keks
Dass man an der Ostsee mit kleinem Pool an Privatpatienten wohl nicht reich wird, ist klar. Aber wenn man das eine Extrem erwähnt, kann man ja auch mal den Hausarzt in Starnberg nennen, da schaut die Geschichte nämlich schon wieder anders aus.
Wie LasseReinböng schon sagte sind das Durchschnittsgehälter, da gibts die Ausreißer nach oben genauso wie die nach unten...

SynC
23.05.2008, 16:57
Ihr macht falsche Vergleiche...eine eigene Praxis ist ein Unternehmensrisiko. Und Berufe mit Unternehmensrisiko sind selten so schlecht bezahlt wie der des Hausarztes.

test
23.05.2008, 17:20
Ihr macht falsche Vergleiche...eine eigene Praxis ist ein Unternehmensrisiko. Und Berufe mit Unternehmensrisiko sind selten so schlecht bezahlt wie der des Hausarztes.

Und welche Berufe mit Unternehmensrisiko sind so viel besser bezahlt?

Zumindest die Zahlen der Insolvenzen nach Unternehmensarten spricht deutlich gegen deine Aussage.

John Silver
23.05.2008, 18:04
Interessanter Artikel der FTD zum Verdienst der Niedergelassenen. Steht so manches wahre Wort drin...
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Was%20%C4rzte/358269.html

Dieser Artikel ist sehr einseitig geschrieben, und besch...eiden recherchiert. Eigentlich gar nicht recherchiert. Der Autor hat einfach ein Paar Aussagen von Karl Lauterbach übernommen, ohne diese auch nur im Geringsten kritisch zu hinterfragen; dann hat der Autor ein wenig mit Zahlen gespielt, und die Abwanderung der Ärzte als eine Nichtigkeit hingestellt, da die Zahl "Unter 1%" liege; und am Ende hat er völlig unreflektiert Gehälter wiedergegeben, und sich nicht mal die Mühe gemacht, anzugeben, ob bei diesen Summen bereits die ganzen üblichen Abgaben wie Rentenversicherung etc. abgezogen wurden. Alles in allem ist es kein seriöser Artikel, sondern ein lauwarmer Aufguß eines Trittbrettfahrers.

rate mal
23.05.2008, 18:16
Ihr macht falsche Vergleiche...eine eigene Praxis ist ein Unternehmensrisiko. Und Berufe mit Unternehmensrisiko sind selten so schlecht bezahlt wie der des Hausarztes.Es zwingt Dich doch keiner, Arzt zu werden. Du bist erst im ersten klinischen Semester, da hast Du ja noch nicht viel Zeit verloren. Wechsle doch einfach zu Jura und werd Rechtanwalt.
Und falls Du grundsätzlich kein unternehmerisches Risiko eingehen willst, sattle doch auf ein Ingenieursstudium um. Null unternehmerisches Risiko und super Gehalt - was will man mehr?

Evil
23.05.2008, 18:33
Selbst wenn er nicht Arzt wird, ändert das nichts an der Tatsache, daß er recht hat ;-)

Genau das ist ja das Perfide an der momentanen Entwicklung; die Niedergelassenen sollen alle Risiken eines Freiberuflers tragen, ohne die Vorzüge nutzen zu können.
Wobei ich noch nicht durchschaut habe, was Propeller-Kalle wirklich bezweckt. Der weiß ebensogut wie jeder andere halbwegs belichtete im Gesundheitswesen (uns Ulla mal ausgenommen), daß das System kurz davor ist, an die Wand zu fahren. Aber was hat er davon? Oder ist er nur ideologisch verbohrt?

rate mal
23.05.2008, 18:45
Wobei ich noch nicht durchschaut habe, was Propeller-Kalle wirklich bezweckt. Was er im Einzelnen vor hat, weiß ich auch natürlich nicht, aber er will wohl auf jeden Fall das Prinzip: "Gleiches Geld für gleiche Leistung" durchsetzen, was ich im Prinzip auch für richtig hielte. Dazu müssten GKV und PKV nach gleichen Honorarsätzen bezahlen. Hast Du das (http://www.stefan-gress.eu/mediapool/40/403223/data/165.pdf) gelesen?

Evil
23.05.2008, 22:16
Nö, seh ich anders. Wenn die PKV mehr Leistung honoriert, darf sie auch mehr bekommen.
Die Gesundheitspolitiker wollen ja mehr Leistung für weniger Geld, und das werd ich ganz bestimmt nicht befürworten.

rate mal
24.05.2008, 05:40
Nö, seh ich anders. Wenn die PKV mehr Leistung honoriert, darf sie auch mehr bekommen. :-nix Hat Kalle da etwas anderes behauptet?:-nix
Ist doch klar: Gleiche Leistung - gleiches Geld. Mehr Leistung - mehr Geld.

EKG oder Gastroskopie beim Kassenpatienten = EKG oder Gastro beim PP. Oder stellen EKG, Gastro etc. beim Privatpatienten eine größere Leistung dar als beim Kassenpatienten?


Die Gesundheitspolitiker wollen ja mehr Leistung für weniger Geld,... :-nix:-nix Wer, wann, wo?

p.s.:

Wenn die PKV mehr Leistung honoriert, darf sie auch mehr bekommen. Oder meinst Du das so: Wer eine zahlungsfreudige Versicherung hat, bekommst auch gern mal etwas mehr? Manchmal sogar etwas mehr als ihm gut tut?

tarumo
24.05.2008, 07:18
Zu den Zahlen:
Alle diese Zahlen in den Artikeln (Bild, Stern etc.) stammen von den verschiedenen KVen. Die KV hat nur die UMSATZzahlen der Praxis, von denen sie ja 3% erhält. Man hat also den UMSATZ hergenommen, dann ein paar Sachen abgezogen und erhält so einen fiktiven Nettoverdienst.
Ich behaupte, das ist einfach unseriös. Die wahren Zahlen über das Arzt-Nettoeinkommen dürfte jedes Finanzamt vorliegen haben. Offensichtlich will man diese nicht verwenden, weil das politisch nicht in die Linie paßt.
Abgesehen davon: wenn das alles so wunderschön wäre, warum finden dann so viele Praxen keinen Käufer und winken auch schon die östlichen Nachbarn dankend ab? Erinnert ein bißchen an die Spätphase DDR, wo in den Medien alles immer so toll war (soziale Sicherheit etc. pp) , nur die Leute hauten zu tausenden ab...
Zu Lauterbach:
Ich empfehle erst mal diesen Link:
http://www.pneumo-zentrum.de/PDF/sonderdruck_lauterbach-1.pdf
Von wem er sonst noch Geld bekommt, kann man im Bundestagshandbuch nachlesen. Es sind einige GKV dabei, wobei die wahre Höhe im Unklaren bleibt. Die Zahlungen von Rhön an ihn kann man in deren Jahresbericht nachlesen. Ebenso die Praxen, die Rhön nach Insolvenz billig aufgekauft hat, um MVZ zu etablieren.

Vereinfacht gesprochen, verfolgt der Mann zwei Ziele: Abschaffung der Niedergelassen, die Patienten sollen ins MVZ bzw. Krankenhausambulanz(selbstverständlich in eins der Rhön AG). Wie das allerdings mit den von ihm monierten Wartezeiten (die dann ja noch länger werden würden) zusammengehen soll, bleibt sein Geheimnis.
Zweitens, als hochbezahlter AOK-Lobbyist die Zerschlagung der PKV, nach dem Motto, wenn es unseren Leuten schon so schlecht geht, dann bitte den anderen auch, also Gleichmacherei nach unten und nicht nach oben, wie es geboten wäre.
In "Hart aber fair" vorgestern wurde er damit konfrontiert, daß auch "seine" Rhön-AG Zweiklassenmedizin vom feinsten betreibt (das Diagnostikzentrum in WI hat auf der homepage sogar zwei verschiedene Infopakete, je nach Versicherung). Fand ich klasse. Vorletze Woche war der Herr L. auch zum Thema "Bildungsgerechtigkeit" im TV. Selbstverständlich auch hier auf seinem Gerechtigkeitstrip. Auf Nachfrage mußte er dann zugeben, daß er beide Kinder auf einer Privatschule im Ausland hat...
Zusammengefaßt: Lauterbach predigt Wasser und säuft Wein und ist ein hochbezahlter Lobbyist, der gegen die Interessen der Ärzte und Patienten arbeitet, sondern den Weg für Heuschrecken ins Gesundheitswesen freimacht. Daß er allerdings anders als irgendwelche Autolobbyisten sich nicht als solcher zu erkennen gibt, macht ihn aber gefährlich.

LasseReinböng
24.05.2008, 10:26
Es ist mir auch ein Rätsel, wie die angegebenen "Bruttoeinkünfte nach Abzug aller(?) Kosten" ermittelt werden. Solche Zahlen werden ja auch von der KBV veröffentlicht...nur woher weiß die denn, wie z.B. die tatsächliche Kreditbelastung der Praxen aussieht ?

Ehemaliger User 20130505
24.05.2008, 11:00
Alle diese Zahlen in den Artikeln (Bild, Stern etc.) stammen von den verschiedenen KVen. Die KV hat nur die UMSATZzahlen der Praxis,.. Und die kann jeder auf den Seiten der KBV nachlesen:

http://www.kbv.de/publikationen/125.html und dort unter Dateien zum Download: "Grunddaten zur Vertragsärztlichen Versorgung in Deutschland 2007".

Da gibt es die Teile der Praxis-Umsätze, die die Vertragsärzte von ihrer KVen bekommen haben, aufgeteilt nach Fachgruppen, Bundesrepublik insgesamt, alte Bundesländer, neue Bundesländer.

Es gibt dort Angaben zum durchschnittlichen KV-Honorar je Arzt und Fachgruppe und relativ kleinschrittige Unterteilungen nach Honorargrößenklassen und relativen Anteilen der Praxen in den einzelnen Honorargrößenklassen. Man sieht da, dass es innerhalb der einzelnen Fachgruppen eine enorme Streuung der KV-Honorare der einzelnen Ärzte gibt.

Für KV-Zahlungen, die deutlich unter dem Durchschnitt liegen, kann es mehrere Ursachen geben: z. B. Teilzeitarbeit, Hobbypraxis, häufige Budgetferien, Alterspraxis, längere Krankheit ohne Praxisvertreter, kleiner Anteil an Kassenpatiententen und relativ hoher Anteil an Privatpatienten.

Ich frage mich allerdings, wie KV-Zahlungen zustande kommen, die extrem weit über dem Durchschnitt liegen. Ich meine damit NICHT Zahlungen an Gemeinschaftspraxen, die dann natürlich auf mehrere Ärzte verteilt werden müssten, sondern KV-Zahlungen an einzelne Ärzte, die sehr weit über dem Durchschnitt (> 500 000 €) liegen. Irgendwann erreicht schließlich jeder - und mag er auch noch so fleißig sein - die natürlichen Grenzen seiner Arbeitszeit.

Zurück zu den Einahmen aus KV-Zahlungen ("Umsätzen"): Die Durchschnitte pro Arzt sehen für das Jahr 2006 laut KBV so aus:

Augenärzte: 223 300 Euro
Chirurgen: 197 900
Fachärztliche Internisten: 401 100
Frauenärzte: 190 700
HNO-Ärzte: 176 300
Hausärzte: 178 600
Hautärzte: 164 300
Kinderärzte: 186 300
Nervenärzte: 134 500
Orthopäden: 218 000
Psychotherapeuten: 62 000
Radiologen: 411 600
Urologen: 200 200

Was bei den einzelnen Ärzten noch aus PKV-Einnahmen, Einnahmen aus anderen Versicherung wie z. B. Unfallversicherunge, IGeLn, dazukommt kommt, weiß tatsächlich nur der Arzt selbst, sein Steuerberater und evtl noch das Finanzamt.

Früher (bis zum Jahr 2003 ) hat die KBV von den durchschnittlichen KV-Honoraren noch Praxiskosten in durchschnittlicher Höhe abgezogen und so durchschnittliche Reinerträge - nur für die KV-Honorare! - errechnet. Dabei hatten sie diese Prozentsätze an Praxiskosten angesetzt:

Rad: 82%;
Innere: 60%;
Ortho: 61%;
Augen: 60%;
Uro: 62%;
Chir: 67%;
Päd.: 54%;
Gyn: 58%;
HNO: 58%;
Allg. Med.:55%;
Derma: 62%;
Nerven: 53%.

Die Grafik dazu steht in der Datei

"Grunddaten zur vertragsärztlichen Versorgung in Deutschland 2004"

auf der Seite 54 unter


"I I I . 4 Honorar aus vertragsärztlicher Tätigkeit je Arzt nach Arztgruppen 2003
gesamtes Bundesgebiet"

Quelle: Statistik der KBV, Kostenstrukturanalyse in der Arztpraxis 1999 des ZI

1 einschließlich Nuklearmediziner

Basis: Vertragsärzte mit 4 Quartalsabrechnungen im Jahr, ohne Ärzte in fachungleichen Gemeinschaftspraxen und Psychologische Psychotherapeuten Wenn ich mich beim Ablesen der Grafik nicht vertran habe, sehen dieZahlen für 2003 so aus (alle Angaben in Euro):

Fach---- GKV-Honorar---------GKV-Honorar minus -geschätze anteilige Betriebskosten:

Orthopädie --- 244 000 -------------------95 000
Päd.------------ 198 000 ------------------ 91 000
HNO------ -----192 000 ------------------ 80 000
Augen----------- 228 000 -----------------93 000
Gyn-------------. 197 000 ----------------- 84 000
Chir. -------------204 000 -----------------68 000
Derma.-----------171 000 ----------------- 65 000
Rad.-------------. 469 000 -----------------83 000


Was bei den einzelnen Ärzten noch aus PKV-Einnahmen, Einnahmen aus anderen Versicherungen wie z. B. Unfallversicherungen, IGeLn, dazukommt kommt, wissen tatsächlich nur der Arzt selbst, sein Steuerberater, das Finanzamt und teilweise noch das Bundesamt für Statistik.

Ich hab ja hier schon mehrmals auf die große Untersuchung des statistischen Bundesamts zur Kostenstrukturt in Arztpraxen hingewiesen. (Der Link sthet bereits in einigen anderen Threads. Hab jetzt keine Lust, den rauszusuchen.) Da sind für alle Fachgebiete die Einnahmen, Anteile der GKV-Honorare an den Einnahmen, und die Aufwendungen (=Praxiskosten) ganz genau erfasst worden.

In dieser Untersuchung wird außerdem z. B. unterteilt nach Fachgebieten, Einzelpraxen und Gemeinschaftspraxen, Höhe der Einnahmen, Anteile der GKV-Honorare an den Einnhamen,......



Zu den Praxisaufwendungen zählen:



In diesen Tabellen sind die Praxisaufwendungen, die laut steuerlicher
Gewinnermittlung abzugsfähig sind, dargestellt.

Personalaufwendungen und Aufwendungen für Honorare für
gelegentliche Assistenz und Praxisvertretung


Als Personalaufwendungen werden Bruttolöhne und -gehälter,
gesetzliche und übrige Sozialaufwendungen ausgewiesen. Zusätzlich
werden Aufwendungen für Honorare für gelegentliche Assistenz
und Praxisvertretung dargestellt.
Die Bruttolöhne und -gehälter stellen die Bar- und Sachbezüge für
in der Praxis gegen Entgelt beschäftigte Assistent(en)/-innen,
Arzthelfer/-innen, Auszubildende und sonstige Beschäftigte dar.
Die Lohn- und Gehaltssumme schließt die Steuern und Sozialversicherungsbeiträge
der Arbeitnehmer ein, jedoch nicht die Arbeitgeberanteile
zur Sozialversicherung.

Die gesetzlichen Sozialaufwendungen umfassen die Arbeitgeberanteile
zur Sozialversicherung. Diese setzen sich u.a. aus Beiträgen
zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung
zusammen.

Bei den übrigen Sozialaufwendungen handelt es sich um Sozialaufwendungen,
die auf tariflicher, betriebs- und branchenüblicher
Grundlage beruhen bzw. freiwillig gewährt werden.

Dazu zählen z.B. Aufwendungen für die betriebliche Altersversorgung,
Beiträge zur Aus- und Fortbildung, Zuschüsse im Krankheitsfall,
Zuschüsse für Verpflegung und Kleidung, Trennungsentschädigungen
und Umzugskostenvergütungen.


Aufwendungen für Material und fremde Laborarbeiten


Diese Kostenart setzt sich aus den Materialaufwendungen in
eigener Praxis und eigenem Labor und Aufwendungen für fremde
Laborarbeiten zusammen. Die Materialaufwendungen umfassen
Medikamente, Verbandmaterial, Chemikalien, Desinfektions- und
Reinigungsmittel, Röntgenfilmmaterial sowie anderen Praxis- und
Laborbedarf. Bei den separat erhobenen Aufwendungen für fremde
Laborarbeiten handelt es sich um Laborarbeiten, die der Praxis
in Rechnung gestellt wurden.


Aufwendungen für Mieten/Leasing


Bei den Mieten für die Praxisräume (einschließlich Garagen) ist
der Betrag angegeben, der für die Bereitstellung und Nutzung der
Praxisräume im Jahre 2003 zu zahlen war. Mieten für privat genutzte
Räume sind nicht einbezogen.
In den Fällen, in denen die Praxis im eigenen Haus betrieben wird,
ist ein Mietwert entsprechend der Miete für Räume in gleichem
Umfang und gleicher Lage eingesetzt. Falls dieser nicht zu ermitteln
war, sind die Kosten des eigenen Grundstücks und Gebäudes
(soweit sie auf die Praxis entfallen) angegeben. Zu diesen Kosten
zählen Hypotheken- und Grundschuldzinsen, Gebäudeabschreibungen,
Gebäudeabschreibungen,
Instandhaltungskosten usw. Die für die Praxis anfallenden
Kosten für Heizung, Strom, Gas und Wasser sind hier nicht
enthalten.
Wegen der steigenden Anzahl von Leasing-Geschäften werden im
Rahmen dieser Aufwendungen die Mieten für Apparate, EDVEinrichtungen
und dergleichen nachgewiesen.

Aufwendungen für Heizung, Strom, Gas, Wasser

Aufwendungen für Heizung, Strom, Gas und Wasser sind, soweit
sie praxisbedingt anfallen, als weitere Aufwendungen gesondert
erfasst.

Versicherungen, Beiträge und Gebühren

Hier sind die Versicherungen für die Berufshaftpflicht- und Praxisversicherung,
Feuer-, Diebstahlversicherung usw. ausgewiesen
(ohne Kraftfahrzeugversicherung). Weiterhin sind u.a. die Beiträge
zu Berufsorganisationen dargestellt (ohne KV- bzw. KZV-Verwaltungskosten).



Aufwendungen für Kraftfahrzeughaltung

Zu den praxisbedingten Kraftfahrzeugaufwendungen zählen anteilig
Kraftfahrzeugsteuer, Haftpflicht-, Kasko-, Insassenunfallund
Rechtsschutzversicherung, Abschreibungen auf das Kraftfahrzeug,
Reparatur- und Instandhaltungskosten, Kraftstoff- und
sonstige laufende Betriebskosten. Im Falle von Leasing-Verträgen
für Kraftfahrzeuge gehören auch die anteiligen Mietraten (Leasing-
Raten) dazu.

Abschreibungen/Geringwertige Wirtschaftsgüter

Hier sind die Abschreibungen auf die Praxiseinrichtung (incl.
Labor) mit einem Anschaffungswert von mehr als 410 Euro erfasst.

Es handelt sich um die steuerlich absetzbaren Abschreibungen
auf Instrumente, Apparate, Geräte und sonstige Einrichtungsgegenstände.
Sonderabschreibungen sind eingeschlossen.

Aufwendungen für Geringwertige Wirtschaftsgüter bis zum Einzelwert
von 410 Euro stellen Anschaffungskosten von abnutzbaren,
beweglichen und selbstständig nutzbaren Wirtschaftsgütern
des Anlagevermögens dar, die im Jahre 2003 voll als Praxisausgaben
abgesetzt worden sind.


Fremdkapitalzinsen

Die erfragten Fremdkapitalzinsen stellen die Aufwendungen
(Zinsen) für das der Praxis zur Verfügung gestellte Fremdkapital
dar (z.B. zur Anschaffung von Einrichtungsgegenständen oder zur
Kapitalbeschaffung bei der Praxisaufnahme). Nicht eingeschlossen
sind Zinsen für Darlehen, die für bauliche Maßnahmen aufgenommen
worden sind.

Sonstige betriebliche Aufwendungen

Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen umfassen alle nicht
bereits in den vorgenannten Positionen erfassten steuerlich absetzbaren
Aufwendungen für die Praxis (u.a. für KV- bzw. KZVVerwaltungskosten,
Aufwendungen für wissenschaftliche Kongresse,
Fortbildungskurse, Fachliteratur und dgl., betriebliche
Steuern, Büromaterial, Post- und Telefongebühren, Berufsbekleidung,
Gebühren an privatärztliche Verrechnungsstellen, Aufwendungen
für Steuerberatung, Buchführung und Rechtsberatung,
Reisekosten, Reparaturen, EDV-Kosten, Kostenerstattung an
Belegkrankenhäuser). Nicht enthalten sind die als außerordentlich
und betriebsfremd anzusehenden Aufwendungen und die Einkommensteuer.


Summe der Aufwendungen


Die Summe der vorstehend erläuterten Aufwendungsarten wird als
Aufwendungen insgesamt ausgewiesen.


Reinertrag

Zieht man die Summe der Aufwendungen von der Summe der
Einnahmen ab, so erhält man den Reinertrag. Dieser wird jeweils
je Praxis und je Praxisinhaber/-in ausgewiesen. Auf dieser Weise ist das stat. Budesamt anhand der Zahlen, die es von Ärzten für das Jahr 2003 bekommen hat, zu diesen durchschnittlichen Rein-Erträgen von Einzelpraxen gekommen,wobei es eben auch eine sehr große Streuung gibt:


Fach .....Einnahmen (€).......Rein-Ertrag der Praxis(€)

Rad.............673000 ................209000 Euro
Ortho...........382000 .................166000
Uro..............313000 .................141000
Chir..............350000 .................137000
Internisten...287000 ....................126000
Augen...........267000 .................124000
HNO.............267000 ..................124000
Gyn...............264000 ..................119000
Derma..........269000 ..................119000
Kinderärzte...241000 ..................115000

Bei Gemeinschaftspraxen liegen die Reinerträge pro Praxisinhaber in vielen Fachgebieten über denen von Einzelpraxen.

Dass man den Reinertrag eines niedergelassenen Arztes nicht mit dem brutto-Gehalt eines angestellten Arztes gleichsetzen kann, ist klar, hat aber in auch niemand behauptet. Der Freiberufler muss für seine Alters- und Krankheitsvorsorge selbst aufkommen; der Angestellte erhält dazu noch die Arbeitgeberanteile.

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Ich hab jetzt keine Lust, das alles nochmal durchzulesen und Tippfehler etc. zu korrigieren. Wer welche findet, darf sie gern behalten oder bei der das-versus-dass-Polzei abgeben.