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Der erste Dienst im PJ

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In der Vorklinik malt man sich die Zukunft in den rosigsten Tönen aus. Da träumt man davon, später einmal im weißen Kittel durch Krankenhausflure zu fegen. Dabei würde man souverän alle seine Pflichten erledigen, immer ein freundliches Wort für die Patienten bereithaben und gleichzeitig natürlich verdammt gut aussehen. Nachdem das Physikum geschafft ist, steht man wirklich im Krankenhaus und merkt, dass alles doch nicht so einfach ist.

Es stellt sich heraus, dass vermeintlich „simple“ Aufgaben wie Blutabnehmen oder das Legen von Venenverweilkanülen mehr Geschick und Übung erfordern als gedacht. Die Kommunikation mit den Patienten gestaltet sich anders als erhofft, da sich die wenigsten Patienten über die geplante „Körperverletzung“ freuen. Wenn der Chefarzt bei der Visite etwas fragt, dann ist es garantiert etwas, das man entweder gerade gelernt und sofort wieder vergessen hat oder etwas noch nie Gehörtes. Und wenn man im OP die Hautnaht machen darf, dauert es eine halbe Stunde, bis man überhaupt Nadel und Nadelhalter richtig miteinander kombiniert hat. Solange man famuliert, ist es in Ordnung, schreiend zu den Assistenzärzten zu laufen und um Hilfe zu bitten. Aber je weiter das Studium fortschreitet und je mehr Erfahrungen man sammelt, desto eher möchte man die Kollegen entlasten und selber Verantwortung übernehmen.
So kommt es also, dass spätestens zum PJ der große Bammel kommt. Viele Studenten beginnen schon vor dem PJ zu zweifeln, ob sie der Aufgabe gewachsen sind, die auf sie zukommt. Besonders der erste Dienst als PJler flößt dem Durchschnittsstudenten einen Heidenrespekt ein. Schließlich ist man fast auf sich allein gestellt und möchte dem diensthabenden Arzt helfen und nicht im Weg stehen. Meiner Erfahrung nach quälen solche Ängste und Selbstzweifel die meisten Medizinstudenten (mich inklusive), deswegen wollte ich über meinen ersten Dienst im PJ schreiben, um die Befürchtungen mit der Realität zu vergleichen.

Ich habe mein PJ in der Chirurgie in einem katholischen Haus angefangen. Wir waren insgesamt acht PJler, aufgeteilt auf die Unfall-, die Gefäß- und die Viszeralchirurgie. Jeden Tag hatte einer von uns Dienst, zusammen mit zwei Assistenzärzten. An einem normalen Tag gehörten Blutabnehmen, Viggos legen, Assistenz bei Operationen, Verbandswechsel und die Anamnese bei stationären Aufnahmen zu unseren Aufgaben. Außerdem halfen wir in der Ambulanz, wenn alle Aufgaben auf Station erledigt waren.

Vor meinem ersten Dienst mischten sich bei mir Aufregung und Vorfreude. Einerseits hatte ich Angst davor, mich mit misslungenen Viggos unsterblich zu blamieren, andererseits freute ich mich darauf, spannende Fälle zu sehen und zu erfahren, was es heißt, unter Zeitdruck zu arbeiten und eine sparsame, gezielte Anamnese zu machen. Ich war ziemlich unsicher beim Viggo-Legen und in der Anamneseerhebung schweifte ich oft ab. Ein Trost war mir, dass meine Mit-PJler mit denselben Ängsten und Handicaps kämpften und dennoch ihre Dienste gut überlebt hatten.

An dem Tag, an dem ich Dienst hatte, ging ich also mit einem leicht mulmigen Gefühl hinunter in die Ambulanz und erwartete, dort einen riesigen Tumult vorzufinden. In Wirklichkeit war dort: nichts. Es war August, die Sonne schien und alle Ärzte saßen in der Einfahrt für Rettungswagen und ließen sich die Sonne auf den Pelz scheinen. Das war natürlich nicht die schlechteste Art, seinen Dienst zu verbringen, also setzte ich mich dazu. Nach einer Stunde Sonnenbad ging mein PJler-Telefon. Auf der viszeralchirurgischen Station war einem Patienten die Viggo herausgeflogen. Eben jene Viggo, die ich ein paar Stunden zuvor liebevoll in seine einzige gute Vene gelegt hatte. Dabei hatte ich nicht bedacht, dass das Pflaster an den stark behaarten Unterarmen des Patienten nicht halten würde. Diesmal rasierte ich also die Arme des Patienten, brauchte aber zu meiner großen Beschämung vier Versuche, bevor die Viggo endlich richtig lag. Als ich schweißgebadet das Zimmer verließ, rief schon die nächste Station an. Diesmal benötigte ein unfallchirurgischer Patient eine Viggo. Hier versagte meine Kunst leider gänzlich. Der Patient floh zum Rauchen und ich in die Ambulanz. Gerade rechtzeitig, denn dort gab es Eis für alle, und so machten wir es uns wieder gemütlich. Ich hatte mich kaum an diese gemütliche Art des Arbeitens gewöhnt, als gegen 19 Uhr die Patientenschwemme losging.
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