Die beiden chirurgischen Assistenzärzte, mit denen ich Dienst hatte, waren gerade auf Station abgerufen worden, als „unser Lied – tatütata“ gespielt wurde und zwei Rettungswagen gleichzeitig ankamen. Der Erste brachte zwei Opfer einer Autobahnschlägerei, eine junge Frau und ihren Bruder, nebst deren Mutter. Die Assistenzärzte, die später dazukamen, meinten, die Geschichte wäre extrem unglaubwürdig und die beiden wären wohl eher Opfer häuslicher Gewalt. Ich kam im ersten Adrenalinrausch gar nicht darauf, die Geschichte zu hinterfragen, weil ich krampfhaft versuchte, nichts Medizinisches zu übersehen.
Ich hatte ein mulmiges Gefühl, als der Notarzt, der Rettungsassistent und der Rettungssanitäter mir die Patienten übergaben. Dabei achteten sie nicht auf mein verängstigtes Quieken, ich wäre bloß PJlerin, und behandelten mich wie einen Profi. Ich nahm also den Notfallschein entgegen, hörte mir die kurze Zusammenfassung der Verletzungen an (Schlag ins Gesicht und Tritt in den Unterleib bei der jungen Frau, die zudem angab, in einer sehr frühen Woche schwanger zu sein; Schlag in die Rippen bei ihrem Bruder) und setzte die Familie in einen der freien Räume.
Zum Glück waren alle Opfer wach und orientiert, wenn auch sehr agitiert, und es war keine akute vitale Bedrohung auszumachen. Deswegen bat ich die diensthabende Gynäkologin darum, dass sie sich die junge Frau anschaute, und wandte mich dem Team des nächsten RTW zu, das gerade eine Dame auf einer Liege mit Vakuummatratze hineinschob. Bei diesem Anblick rutschte mir das Herz in die Hose, weil ich befürchtete, eine akut gefährdete Patientin vor mir zu haben. Zum Glück war es „nur“ eine luxierte Hüfte.
Auch hier übergab mir der Notarzt die Patientin kurz und knapp: Was war passiert, welche Medikamente hatte die Patientin erhalten. Letztere standen zum Glück auf einem speziellen Bogen, der immer vom Rettungsteam ausgefüllt wird, deswegen konnte ich die Namen ablesen, als ich meinerseits die Patientin dem diensthabenden Arzt vorstellen musste. Ich wies der Patientin ebenfalls einen Raum zu und war erstaunt darüber, dass Rettungssanitäter und -assistent immer noch leicht genervt danebenstanden.