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Famulatur in einer Notaufnahme in Dublin

Klinikerfahrungen auf der Insel

Eva R. Krause

Die Notaufnahme des SVUH

Dr. Ryan zeigte mir zunächst die unterschiedlichen Bereiche der Notaufnahme - und mir fielen fast die Augen aus dem Kopf. Alles wirkte so, wie in einem Film aus den 50er Jahren, nicht zu vergleichen mit den modernen High-Tech-Einrichtungen und Schockräumen einer deutschen Universitätsklinik. A&E war im Grunde ein einziger großer Raum, der durch zwei Trockenbau-Wände längs stellenweise unterteilt war. An diesen Wänden befanden sich vier Arbeitsplätze mit Rechnern für die Ärzte und eine Reihe von Schränken. An den Wandseiten befanden sich insgesamt 12 nur durch Vorhänge abgetrennte Behandlungsparzellen, sogenannte cubicles - in einen ‚cub' passte eine schmale Pritsche und ein Stuhl, damit war die Breite schon ausgeschöpft. Selbst die beiden Reanimationsplätze waren nur durch Vorhänge getrennt, aber immerhin doppelt so breit wie die Cubicles. Etwa vier der Parzellen waren sogenannte obstacles, in die immerhin ein richtiges Bett mit einem Hocker passte für Patienten, die über Nacht in A&E bleiben mussten. Für isolationspflichtige Patienten gab es ein einzges, winziges Zimmer mit Tür (beachte, dass Irland eines der Länder mit der höchsten Durchseuchung von MRSA ist...).
Da diese Behandlungsplätze meistens nicht ausreichend waren, standen üblicherweise die Gänge voll mit belegten Pritschen und es blieb kaum Platz, um das EKG-Gerät oder einen Rollstuhl, geschweige denn ein Bett hindurch zu schieben.
Weit und breit war in der Notaufnahme kein CT, kein Ultraschallgerät, keine Not-OP-Ausrüstung, kein Hightech zu sehen. Bildgebung kam auf Anforderung mobil, zum OP mussten die Patienten über die Klinikflure gefahren werden. Es gab lediglich ein einziges fest installiertes Röntgengerät, das zwei von den vier Wochen, die ich dort verbrachte, defekt war.
Beruhigende Aussicht angesichts dieser altertümlichen Zustände war, dass gerade ein Neubau entsandt, in dem auch eine größere, modernere Notaufnahme Platz finden würde.

Gelauscht (Foren)

Famulatur

Triage: RAT, Zone 1 - 3


A&E des SVUH ist in vier Funktionsbereiche eingeteilt. Eintreffende Patienten werden i.d.R. zunächst vom RAT, dem Rapid Assessment Team gesehen. Hier wird eine ultrakurze Anamnese und Untersuchung erhoben, um die Ernsthaftigkeit der Erkrankung und Dringlichkeit der Behandlung einzuschätzen. Auf dem Aufnahmebogen wird diese Einschätzung mit einem Farbcode wiedergegeben, der angibt, in wieviel Minuten ein Patient gesehen werden sollte. Entsprechend werden die Patienten in die Behandlungszonen verteilt. Lebensbedrohlich Erkrankte oder reanimationspflichtige Patienten durchlaufen allerdings nicht das RAT, sondern werden sofort in die Reanimationszone (Zone 1) gefahren. Ernsthaft Erkrankte werden in Zone 2 aufgenommen, in Zone 3 werden Patienten mit Bagatell-Verletzungen wie Schnittwunden, Prellungen, Verstauchungen, aber auch fraglichen Knochenbrüchen aufgenommen. Für die Triage, also Verteilung der Patienten auf RAT oder direkte Zuweisung in eine Zone, ist in der Regel eine Pflegekraft zuständig.

Patientengut

Das Zusammenspiel zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern funktioniert in Irland nach anderen Regeln als in Deutschland. Es gibt keine niedergelassenen Fachärzte wie hier in Deutschland, eine Praxis eröffnen kann man nur als ‚General Practioner' (GP), das entspricht in etwa dem deutschen Allgemeinmediziner. Das Ausbildungssystem ist aber völlig verschieden von dem in Deutschland und ich habe es nicht im Detail erfragt bzw. verstanden. Ein GP kann seine Patienten nicht direkt zum Beispiel in eine gynäkologische Klinik einweisen. Alle Patienten, die von ihrem GP ins Krankenhaus geschickt werden, durchlaufen automatisch die Notaufnahme. Bis ich das herausgefunden hatte, habe ich mich sehr gewundert, dass Patienten - mit z.T. ganz und gar nicht bedrohlichen Erkrankungen oder Symptomen - in der Notaufnahme erschienen, von ihren GPs geschickt. Für mich als Famulantin war das letztlich ein großer Vorteil, denn ich habe in den vier Wochen Krankheitsbilder quer durch alle Fächer und Dringlichkeitsstufen gesehen.
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