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Famulatur in einer Notaufnahme in Dublin

Klinikerfahrungen auf der Insel

Eva R. Krause

Pflegepersonal und Ärzte

Die Ausbildung der Pflegekräfte in Irland (und meines Wissens auch in Großbritannien) ist zum Teil hochspezialisiert. Die Krankenschwestern und -pfleger dürfen sehr viel mehr selbst erledigen als hier bei uns. Sie führen die erste Aufnahme durch für die Pflegeanweisungen und beurteilen, ob Blut- oder Urinproben genommen werden müssen, legen intravenöse Zugänge, versorgen Wunden und nehmen den Ärzten viel Arbeit ab, je nach Ausbildungsstand. Die Patienten der Zone 3 wurden vielfach nur von den Pflegekräften gesehen. Es gab einen erfahrenen Pfleger, der selbst von der Ärzten oft hinzugezogen wurde zur Beurteilung von Röntgenbildern und ebenso gut wie die Ärzte EKGs interpretieren konnte. In den vier Wochen, die ich dort war, habe ich kein einziges Mal erlebt, dass Ärzte und Pfleger ungehalten zueinander waren. Der Umgang miteinander war freundlich und respektvoll, jeder schien zu wissen, wie notwendig die gute Zusammenarbeit im Team ist. Mit den oft überfüllten Gängen und den Schwierigkeiten durch die wenig moderne Ausrüstung sind alle außerordentlich gelassen umgegangen - vermutlich eine Frage der Gewöhnung. Selbst die meisten Patienten haben sich klaglos in ihr Schicksal gefügt, selbst wenn sie an manchen Tagen mehr als 6 Stunden auf die Behandlung warten mussten. Die vorzeitlichen Bedingungen hatten m.E. einen sehr großen Vorteil, von dem auch ich profitieren konnte: die Ärzte waren durch die Umstände gezwungen, lückenlose Anamnesen zu erheben und eine aussagekräftige körperliche Untersuchung ohne technische Hilfsmittel (mit Ausnahme natürlich von Stethoskop, Reflexhammer, Pupillenleuchte etc.) durchzuführen. Dieses wurde sehr systematisch, routiniert und gründlich, aber dennoch zeitökonomisch durchgeführt. Der Mangel an HighTech befähigt das Personal dort in besonderer Weise, mit Notsituationen kreativ und effektiv umzugehen, ohne in Panik zu geraten. Auch hier wieder die ‚should be ok'-Mentalität, aber nicht unbedingt zum Nachteil der Patienten!

Gelauscht (Foren)

Famulatur
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Fortbildung und Rettungsdienst

Jeden Montag war von 8-11 Uhr abteilungsinterne Fortbildung für die Ärzte und einige Pflegekräfte, hier ‚teaching' genannt. Diese Fortbildung war meistens in drei Abschnitte eingeteilt. In einem ersten, theoretischen Teil wurden mehrere kurze Vorträge gehalten zum praktischen Umgang mit bestimmten Themen, z. B. Vorgehen bei Patienten mit Fieber, Differentialdiagnosen und Behandlungansätze zu bestimmten Symptomenkomplexen oder Umgang mit psychiatrisch erkrankten Patienten und Einschätzung der Suizidalität etc. Dazu gab es Tee, Brötchen und Gebäck. Darauf folgte meistens eine Besprechung von Röntgenbildern, für die jemand aus der Röntgenabteilung mit einem Stapel von ausgewählten Bildern kam, die gemeinsam erarbeitet wurden. Zum Schluss gab es noch eine Art Journalclub, in dem unterschiedliche Artikel / Studienergebnisse vorgestellt wurden und ihre praktischen Konsequenzen für die Arbeit in der Notaufnahme diskutiert wurden. Abweichend von dieser Struktur haben wir einen Vormittag bei der ‚Firebrigade' verbracht, die in Irland den Rettungsdienst mit abdeckt - was übrigens heißt, dass im Rettungsdienst in erster Linie Feuerwehrmänner ohne tiefergehende medizinische Ausbildung tätig sind. Berufe wie Rettungssanitäter oder -assistenten gibt es dort bisher nicht, eine entsprechende Umstrukturierung des Rettungsdienstes wird aber wohl diskutiert. In der Wache wurde uns vor allem das Computer- und Leitsystem für die Organisation der Einsätze vorgestellt. Eine ausgeklügelte Software mit detaillierten Fragebäumen zu klinischen Symptomen und ihrer computergesteuerten Aus- und Bewertung hilft den Rettungskräften, schon am Telefon die Lage einzuschätzen und ggf. einen Arzt hinzu zu ziehen.

Tätigkeiten als FamulantIn


In den vier Wochen waren immer zwischen zwei und vier Famulanten aus unterschiedlichen Ländern in A&E. Je nach eigenem Engagement, Mut und geeigneten sowie willigen Patienten durften wir sehr viel selbst machen. An manchen Tagen, vor allem vormittags, waren kaum Patienten da, dann bekamen wir von den Ärzten ‚Aufgaben', uns mit bestimmten Themen zu beschäftigen und diese zu referieren - auf freiwilliger Basis natürlich. Wenn es voller wurde, konnten wir praktisch tätig werden. Das bedeutete, dass ich bei einem neuen Patienten zunächst die Anamnese erhoben und eine erste körperliche Untersuchung durchgeführt habe, den Patienten dann dem zuständigen Arzt oder der Ärztin vorgestellt habe und meine Verdachtsdiagnosen sowie notwendige diagnostische und therapeutische Maßnahmen besprochen habe. Je nach dem habe ich dann gleich Blut abgenommen und ins Labor geschickt, Zugänge gelegt etc. und mich um die Beschaffung der Laborwerte gekümmert oder die Patienten vorher noch einmal mit Arzt/Ärztin gemeinsam gesehen und untersucht. Als ich im Laufe der Zeit mit der irisch-englischen Sprache, dem speziellen Anamnese- und Protokollsystem sowie mit der ungeheuren Vielzahl an Abkürzungen klar kam, habe ich ‚meine Patienten' dann auch selbst für die Akte protokollieren können.

Rückblick


Alles in allem war es eine interessante und lehrreiche Zeit. Allerdings fand ich die vier Wochen etwas zu kurz, da ich frühestens nach zweieinhalb Wochen das Gefühl hatte, mich soweit in die zum Teil sehr fremden Systeme eingefunden zu haben, dass ich relativ selbständig arbeiten konnte. Eigentlich hatte ich erst in der vierten Woche das Gefühl, jetzt richtig ‚drin' zu sein. Daher kann ich sehr empfehlen, sich um eine fünf- oder sechswöchige Famulaturzeit zu bemühen. Sehr gut hat mir gefallen, dass ich als Famulantin soviel Verantwortung übertragen bekam, wie ich mir selbst zutraute. Die meisten vor allem der jüngeren ÄrztInnen haben mich bereitwillig mitgenommen, mich viel selbst machen lassen und viel erklärt. So habe ich gerade im Bereich Anamnesetechnik, körperliche Untersuchung und Differentialdiagnostik eine Menge gelernt. Aufgefallen ist mir durchgängig, wie achtungsvoll die ÄrztInnen mit den Patienten umgegangen sind. Sie wurden ernst genommen und respektvoll behandelt, selbst wenn es sehr nervenaufreibende Patienten waren. Viele Ärzte haben sich bei den Patienten höflich entschuldigt, wenn sie mir - in laienunverständlicher Fachsprache - medizinische Dinge am Patientenbett erklärt haben und die Fragen der Patienten geduldig und verständlich beantwortet. Das hat mir sehr gut gefallen und stand in scharfem Kontrast zu manchen Erlebnissen am Patientenbett in meiner deutschen Heimat-Uniklinik... So habe ich viel praktische Erfahrung sammeln können, einige Steinchen in das Mosaik meines Selbstbildes als Ärztin einsetzen können und nicht zuletzt ein gutes Sprachtraining gehabt.

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