Tätigkeiten als FamulantIn
In den vier Wochen waren immer zwischen zwei und vier Famulanten aus unterschiedlichen Ländern in A&E. Je nach eigenem Engagement, Mut und geeigneten sowie willigen Patienten durften wir sehr viel selbst machen. An manchen Tagen, vor allem vormittags, waren kaum Patienten da, dann bekamen wir von den Ärzten ‚Aufgaben', uns mit bestimmten Themen zu beschäftigen und diese zu referieren - auf freiwilliger Basis natürlich. Wenn es voller wurde, konnten wir praktisch tätig werden. Das bedeutete, dass ich bei einem neuen Patienten zunächst die Anamnese erhoben und eine erste körperliche Untersuchung durchgeführt habe, den Patienten dann dem zuständigen Arzt oder der Ärztin vorgestellt habe und meine Verdachtsdiagnosen sowie notwendige diagnostische und therapeutische Maßnahmen besprochen habe. Je nach dem habe ich dann gleich Blut abgenommen und ins Labor geschickt, Zugänge gelegt etc. und mich um die Beschaffung der Laborwerte gekümmert oder die Patienten vorher noch einmal mit Arzt/Ärztin gemeinsam gesehen und untersucht. Als ich im Laufe der Zeit mit der irisch-englischen Sprache, dem speziellen Anamnese- und Protokollsystem sowie mit der ungeheuren Vielzahl an Abkürzungen klar kam, habe ich ‚meine Patienten' dann auch selbst für die Akte protokollieren können.
Rückblick
Alles in allem war es eine interessante und lehrreiche Zeit. Allerdings fand ich die vier Wochen etwas zu kurz, da ich frühestens nach zweieinhalb Wochen das Gefühl hatte, mich soweit in die zum Teil sehr fremden Systeme eingefunden zu haben, dass ich relativ selbständig arbeiten konnte. Eigentlich hatte ich erst in der vierten Woche das Gefühl, jetzt richtig ‚drin' zu sein. Daher kann ich sehr empfehlen, sich um eine fünf- oder sechswöchige Famulaturzeit zu bemühen. Sehr gut hat mir gefallen, dass ich als Famulantin soviel Verantwortung übertragen bekam, wie ich mir selbst zutraute. Die meisten vor allem der jüngeren ÄrztInnen haben mich bereitwillig mitgenommen, mich viel selbst machen lassen und viel erklärt. So habe ich gerade im Bereich Anamnesetechnik, körperliche Untersuchung und Differentialdiagnostik eine Menge gelernt. Aufgefallen ist mir durchgängig, wie achtungsvoll die ÄrztInnen mit den Patienten umgegangen sind. Sie wurden ernst genommen und respektvoll behandelt, selbst wenn es sehr nervenaufreibende Patienten waren. Viele Ärzte haben sich bei den Patienten höflich entschuldigt, wenn sie mir - in laienunverständlicher Fachsprache - medizinische Dinge am Patientenbett erklärt haben und die Fragen der Patienten geduldig und verständlich beantwortet. Das hat mir sehr gut gefallen und stand in scharfem Kontrast zu manchen Erlebnissen am Patientenbett in meiner deutschen Heimat-Uniklinik... So habe ich viel praktische Erfahrung sammeln können, einige Steinchen in das Mosaik meines Selbstbildes als Ärztin einsetzen können und nicht zuletzt ein gutes Sprachtraining gehabt.
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