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Famulaturbericht Omagh - Nordirland

Viel Regen und zahlreiche Intubationen

Daniel Lüdeling

"Der Regen hier ist absolut, großartig und erschreckend. Diesen Regen schlechtes Wetter zu nennen ist so unangemessen, wie es unangemessen ist, den brennenden Sonnenschein schönes Wetter zu nennen." Diesem Statement von Heinrich Böll wage ich zu widersprechen - Irland, und insbesondere Nordirland, ist zunächst mal Guinness, Regen und Landwirtschaft.

 

Die Zeit vom 1. August bis zum 2. September 2001 verbrachte ich zusammen mit zwei Kommilitonen in der Anästhesie des Tyrone County Hospitals in Omagh. Tyrone ist der westliche Landkreis Nordirlands und der Ort Omagh mit knapp 20 000 Einwohnern erlangte im Jahre 1998 durch einen Bombenanschlag der IRA traurige Berühmtheit. Damals starben 29 Menschen unmittelbar, weitere 5 im späteren Verlauf. Über 300 Menschen waren zum Teil schwer verletzt - umso erstaunlicher wirken da die Daten des Krankenhauses: 250 Betten insgesamt, hauptsächlich internal Medicin, eine grosse Dialysestation, pädiatrische Tagesklinik, eine HNO- sowie zwei chirurgische Stationen. Zwei OP-Säle mit 4 Consultant Anaesthetists und einen weiteren OP für ambulante Tagespatienten. Daneben eine Notaufnahme (Casualty) mit einem diensthaben Arzt & einer Nurse sowie die Intensive Care Unit (ICU) mit zwei Betten und zwei Nurses.

Hauptaufgabe des TCH (Tyrone County Hospital) ist eine Grundversorgung der Bevölkerung von Omagh sowie der umliegenden, hauptsächlich ländlichen, Bevölkerung. Natürlich ist auch dieses Krankenhaus seit Jahren von der Schließung bedroht - soweit also identisch zu jedem Haus der vergleichbaren Grösse in Deutschland.
Unter Dr. Garett bietet das Krankenhaus eine sehenswerte Renal-Unit an, in der vornehmlich ambulante Dialysen durchgeführt werden. Das HNO-Department (ENT = Ear, Nose & Throat) liefert einen Großteil der operativen Patienten, in der Regel werden hier Tonsillektomien und Adenektomien sowie Eingriffe am Mittelohr hauptsächlich an Kleinkindern vorgenommen. Die Allgemeinchirurgie operiert sowohl laparaskopisch als auch konventionell offen, unfallchirurgische oder gefässchirurgische Eingriffe werden allerdings nicht durchgeführt. CT oder MRT sind nicht vorhanden, deshalb ist die Indikationsstellung selten und die diagnostische Wartezeit u.U. sehr lang. Aufgrund der Diskussion um BSE ist fast alles im operativen Umfeld Einmalware, sodass sogar OP-Besteck nicht sterilisiert wird, sondern postOP in den Müll wandert. Andererseits hat eine bereits ältere Studie aus London die Nutzung von Mundschutz in vielen englischen Krankenhäusern als nicht effektiv bewiesen, dieser findet deshalb auch intraoperativ kaum Verwendung. Viele ausländische Ärzte, vornehmlich aus Indien, sind im TCH tätig, in der Anästhesie gibt es im Gegensatz zu den anderen Departments allerdings keine AiPler oder Assistenzärzte.

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