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Famulaturbericht Omagh - Nordirland

Viel Regen und zahlreiche Intubationen

Daniel Lüdeling

Persönliche Erfahrungen

Soviel zum Allgemeinen. Unsere persönlichen Erfahrungen sind sehr gespalten; um es kurz zu fassen: Das Krankenhauspersonal ist vor allem im OP sehr nett und hilfsbereit. Lehre findet freundlich und entspannt statt, in den 5 Wochen kein böses Wort, keine dummen Fragen und die an uns delegierten Maßnahmen haben uns weder unter- noch überfordert. Die Arbeitszeiten sind locker - erste Einleitung geht um 9 Uhr los, über den Vormittag erstrecken sich in 2 Sälen ca. 5 - 7 kleinere Eingriffe, hauptsächlich HNO. Mittagspause von 13 bis 14 Uhr, die aber je nach Bedarf an Arbeit verkürzt- oder verlängert wird. In der Regel ist dann im Nachmittagsprogramm nur noch ein Saal auf, hier dann meist eine grössere Sache in der Allgemeinchirurgie - um 17 Uhr ist aber meist Schluss und Saal 2 steht nachmittags sowie nachts nur noch für Notfälle zur Verfügung.

Nordirland und die Stadt Omagh im Besonderen dagegen sind sehr gewöhnungsbedürftig. Der gemeine Nordire war trotz meiner guten Englischkenntnisse nur schwer zu verstehen, das Wetter ist in der Regel saumässig (siehe oben) und im Freizeit- sowie Nightlifebereich bietet die Stadt bis auf 3-4 Pubs wenig Interessantes. Sperrstunde und horrende Eintritte (DM 20,- für 3 Stunden Nachtclub) machen das nicht attraktiver. Ohne Auto ist man lokal sehr gebunden, öffentlicher Nahverkehr ist teuer und unzureichend. Das britische Pfund steht derzeit gegenüber der DM in einem sehr ungesunden Kurs, alle Waren, vor allem aber Lebensmittel (und Bier im weitesten Sinne) sind im Schnitt 30% teurer. Finanziell gesehen war die Famulatur also ein Disaster - für das gleiche Geld hätte ich locker 3 Wochen Karibik Vollpension haben können.

 

Unterkunft und Co.

Bei unserer Ankunft wurden wir sehr herzlich von einem der beiden Senior Consultans der Anästhesie empfangen. Nach einer kleinen Stadtrundfahrt haben wir die Basics zum Essen eingekauft und unsere Unterkunft direkt am Krankenhaus bezogen. Single-Bedroom mit Wohnzimmer, Küche und Dusche für knapp DM 6,-/Nacht - da konnte man nicht meckern. Im OP wurden wir schnell ins Team integriert und haben schon nach wenigen Tagen die üblichen Aufgaben der Anästhesie übernommen: Intubationen, Zugänge, intraoperative Überwachung, Kaffeetrinken und Prämedikation. Wie erwähnt fanden hier nicht gerade Herztransplantationen oder cerebrales Coiling statt, dennoch waren gerade die zahlreichen Kindernarkosen sehr lehrreich. Gerade am Anfang seiner Karriere sollte man sich als Medizinstudent für nix zu schade sein und lieber mal eigenverantwortlich ein 3jähriges Kind für eine Zahnextraktion einleiten als aus der 3.Reihe einem Herzklappenreplacement beizuwohnen. So kamen wir also gut ans Gerät und konnten am Ende der Wochen die Narkosen durchführen, ohne dass der Anästhesist im Aufenthaltsraum seinen Kaffee verlassen musste.
Interessanterweise herscht in England bzw. Irland ein erheblicher Ärztemangel, sodass die Bezahlung überdurchschnittlich ist und Mediziner ab dem 24.Lebensjahr approbiert auf den Stationen tätig sind. Vergleichbare Elemente zum PJ und AiP sind durchweg bezahlt und auch wenn die Zeiten On-Call sehr stressig und arbeitsintensiv sind, so ist es doch kein Vergleich zu den ausbeuterischen Dienstzeiten und Gehältern in der deutschen Aus- und Weiterbildung. Um mal eine Zahl zu nennen: DM 5000,- im AiP. Nach Steuer!
Die Medizin in England und Nordirland ist im Vergleich zu Deutschland eher rückständig. Wärend wir eine (teure) HighTec-Medizin betreiben, zwingt der National Health Service in Großbritannien eher zur Kosten- und Ressourceneinsparung. CTs und MRTs werden spät oder gar nicht angeordnet, Therapien werden zunächst ausprobiert und weniger überdacht. (Radikale Evidenced Based Medicin *grins*) Titrieren, bis was passiert, heisst die Devise. Hygiene wird zwar bedacht - viele Arbeitsschritte sind aber unüberlegt und völlig unökonomisch. Gleichzeitig ist es durchaus vorgekommen, dass im OP bis zu 17 Mitarbeiter rumliefen - die auch tatsächlich alle irgendwie beschäftigt waren.
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