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Traumjob oder Albtraum? (Teil 3)

Perspektiven in der Not- oder Entwicklungshilfe - Gastartikel Via medici

Dr. med. Felicitas Witte

 

Hilfsaktionen sind immer von den Zuwendungen reicher Geber und Geberstaaten abhängig und damit anfällig für globale Krisen. „Krisensicher“ kann man Hilfe am ehesten machen, indem man Wissen und Know-how in ärmere Staaten bringt. Dr. Bärbel Krumme hat zum Beispiel drei Jahre lang an der Universität von Mutare im östlichen Simbabwe Vorlesungen gehalten. „Ich leitete vorher die Abteilung ,Zusammenarbeit in Not und Katastrophen‘ beim Missionsärztlichen Institut in Würzburg“, sagt die Ärztin. „Meine Arbeit bestand vor allem aus Kurzeinsätzen in Katastrophenregionen und Kriegsgebieten. Als ich zurückkam, hatte ich stets das Gefühl, ich hätte länger bleiben sollen, um intensiver mit den Menschen zusammenzuarbeiten.“ Das Angebot ihres Arbeitgebers, als Dozentin an der „Africa University in Mutare“ zu unterrichten und einen neuen zweijährigen Masterkurs Public Health mit aufzubauen, erschien ihr deshalb verlockend. „Ich schätze den persönlichen Kontakt zu Kollegen und Studierenden aus verschiedenen afrikanischen Staaten“, sagt Dr. Krumme. In ihrer Position war die Ärztin immer für fachliche und private Probleme der Studierenden da. Oft fuhr sie in ländliche Regionen, etwa um Hintergründe einer Epidemie zu untersuchen oder Gesundheitsstrukturen und -institutionen kennenzulernen.

Nach dem Einsatz: verschobene Werte?

Bärbel Krumme verlängerte ihren Vertrag zwei Mal. Erst Ende 2008 kehrte die heute 66-jährige Ärztin nach Würzburg zurück. Sie arbeitet weiterhin ehrenamtlich am missionsärztlichen Institut und gibt ihre Erfahrungen weiter. Im April 2008 beendete auch Kristin Maass ihren Einsatz in Uganda. „Ich habe das Gefühl, etwas Positives bewirkt und Menschen, die unter schwierigen Bedingungen leben, unterstützt zu haben. Aber dann kam die Zeit, die Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten“, sagt die Kinderärztin. Zurzeit arbeitet sie im Kinder- und Jugendgesundheitsdienst in Berlin. „Ich habe die Möglichkeiten, die die Medizin uns hier bietet, wieder schätzen gelernt“, erzählt sie.
Doch nicht alle Helfenden zieht es zurück nach Hause. Dr. Butenop ist immer auf dem Sprung. „Kirchliche Hilfswerke können stets fragen, ob ich einen Einsatz übernehme“, sagt er. Momentan reist der Arzt viel und tauscht sich aus. „Ich unterrichte, halte Vorträge und pflege Netzwerke. Ferner betreue ich Doktor- und Masterarbeiten.“ Auch für Dr. Stietenroth ist Heimweh ein Fremdwort. Eine andere Arbeit als Entwicklungshilfe kann er sich nicht mehr vorstellen. „Ich hätte Schwierigkeiten, die Probleme im heimischen Krankenhaus wieder als solche wahrzunehmen – mein Werte-system hat sich vermutlich schon zu weit verschoben.“

Interview mit Dr. med. Monika Hauser

Gynäkologin und Gründerin von medica mondiale, Trägerin des alternativen Nobelpreises
Dr. Monika Hauser gründete vor 15 Jahren die Frauenhilfsorganisation medica mondiale. Sie und rund 200 Mitarbeiterinnen helfen traumatisierten Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten – akut und langfristig. 2008 bekam sie für ihre Arbeit den Alternativen Nobelpreis.


Eine spezielle Hilfsorganisation für Frauen und Mädchen – warum ist das so wichtig?

Dr. Hauser: Sexualisierte Gewalt an Frauen ist ein Angriff auf ihr intimstes Inneres. Die meisten Frauen leiden lebenslang an den seelischen und körperlichen Verletzungen und können nie über das Erlebte sprechen. Armut, eine schlechte medizinische Versorgung und eine politisch instabile Lage in Nachkriegsländern verschlimmern die Situation.


Wie kamen Sie dazu, die Initiative zu gründen?

Dr. Hauser: Im Herbst 1992 las ich von den vielen Frauen, die während des Krieges in Bosnien vergewaltigt wurden. Serbische Soldaten wandelten Hotels und Fabriken zu Bordellen um und hielten Frauen tage- oder monatelang gefangen. Ich war schockiert! Noch im selben Winter reiste ich in das Krisengebiet, um in Zenica zusammen mit Bosnierinnen ein Frauenzentrum aufzubauen.


Was ist das Besondere an Ihrem Hilfskonzept?

Dr. Hauser: Wir bieten nicht nur medizinische Unterstützung und Beratung an, sondern helfen auch mit anderen Maßnahmen, wie psychosozialer Beratung, Ausbildungsmaßnahmen und juristischer Hilfe. Außerdem lernen die Frauen, wie sie gesellschaftliche Prozesse verändern und sich vor erneuter Gewalt schützen können.


Täglich werden Sie mit dem Leid der Frauen konfrontiert. Wie kommen Sie damit klar?

Dr. Hauser: Man muss wissen, wie man sich zurückziehen und die „Batterien wieder aufladen“ kann, auch wenn es die äußeren Umstände nicht zulassen. In Kabul kann man zum Beispiel nicht einfach eine Runde Joggen gehen, um abzuschalten. Manche machen täglich Yoga – das geht überall.


Wie reagierten die Mitarbeiterinnen von medica mondiale auf den Preis?

Dr. Hauser: Wir haben uns natürlich alle sehr gefreut. In Gjakova haben die Frauen, die ich nach Kriegsende sprachlos und völlig lethargisch erlebte, auf den Tischen getanzt!
 

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