Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : FAZ-Artikel: "Das Vertrauen der Ärzte in den Gesundheitsminister schwindet"
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Feuerblick
07.08.2022, 09:10
Die meisten WB-Stellen in der Allgemeinmedizin? Darf man dann statt nur 6-9 Monaten gleich zwei Jahre auf einen Facharzttermin warten wie in anderen Ländern, weil es kaum noch Fachärzte gibt? Coole Idee!
Kackbratze
07.08.2022, 09:50
Bei Barzahlung schneller.
Holthusen
07.08.2022, 09:58
Bei Barzahlung schneller.
ist ja jetzt bereits so...
Die meisten WB-Stellen in der Allgemeinmedizin? Darf man dann statt nur 6-9 Monaten gleich zwei Jahre auf einen Facharzttermin warten wie in anderen Ländern, weil es kaum noch Fachärzte gibt? Coole Idee!
habe ich so nicht gesagt, aber du unterstellst es. Gibt es keinen hohen Bedarf an Allgemeinmedizinern? Macht es nicht Sinn ein Ausbildungsangebot entsprechend dem Bedarf zu erstellen?
Lotsenfunktion der Allgemeinmedizin sollte bekannt sein und gilt allgemein als sinnvolles Konzept.
Oder man macht eben Quanität vor Qualität bei den Weiterbildungsstellen. Das geht auch. Es ist die Frage, was man möchte.
@anigu: da bin ich ganz bei dir. Das gibt es sehr viel Verbesserungspotential. Ich arbeite in einer Klinik, in der schon sehr viel von nicht-ärztlichen Fachkräften gemacht wird. Dementsprechend war ich das etwas verwöhnt und sitze gerade in einer anderen Klinik, in der das absolut nicht der Fall ist. Theoretisch gibt es diese Leute zwar aber praktisch wird doch alles auf die Ärzte abgewälzt. Entweder sie sie wieder unterbesetzt und können das gerade nicht machen oder sie finden hundert Gründe, warum das jetzt in diesem Fall der Arzt selbst machen muss. Ich warte eigentlich nur noch drauf, dass die Pforte im Dienst das Telefon noch auf mich umleitet...
Im Moment geht das aber so ein bisschen in die falsche Richtung. Anstatt den Ärzten Leute zu Seite zu stellen, die ihnen nicht-ärztliche Aufgabe abnehmen um den Ärzten mehr Weiterbildung zu ermöglichen, bildet man Leute aus, die medizinische/ärztliche Aufgaben durchführen. Fallen diese Leute dann aber mal aus (oder nachts oder am Wochenende, denn da arbeiten die nämlich nicht), dann ist das alles plötzlich wieder Arztaufgabe. Und Dinge, für die andere Menschen 3 Jahre Ausbildung oder spezialisierte Weiterbildungen machen, sollen Ärzte mal eben nebenbei mitmachen. Weil man ja mit Erhalt der Approbation allumfassendes Wissen über alles, was in Krankenhäusern passiert, erlangt.
@Holthusen:
Wer soll denn die ganzen Allgemeinmediziner ausbilden? Einfach in jede Praxis einen WBA setzen und das beste hoffen? Auch Allgemeinmediziner müssen eine gewissen Zeit in der stationären Medizin arbeiten? Zählen sie dann auch zu den max. 10 WBA, die jeder Weiterbildner haben darf? Oder kommen die On-Top. Wie lange wird es wohl dauern bis in der Hausarztpraxis schon ein WBA sitzt und immer noch Absolventen auf der Straße stehen? Und was machen ich dann mit den ganzen zwangszugeteilten Allgemeinmedizinern, die eigentlich Chirurgen, Radiologen oder HNO-Ärzte werden wollten? Die werden bestimmt mit Freude später ihre eigenen Hausarztpraxen führen und sie fachliche gut und engagiert um ihren Patienten kümmern. Wie das alle Menschen machen, die man in einen Job gedrängt hat, den die nicht machen wollen. Damit lösen wir sich das Problem des Hausärztemangel. Vor allem werden die alle Bock habe, aufs Land/in die ländliche Umgebung zu ziehen um dort die Hausarztpraxen zu betreiben, auf die jetzt schon keiner Lust hat.
Weiterbildungsstellen, die nicht besetzt sind, sind doch dann gar kein Problem. Die kosten den Weiterbildner ja gar keine Zeit und müssen nicht ausgebildet werden. Ich verstehe einfach nicht, was du mit dieser künstlichen Verknappung und Zwangsumverteilung erreichen willst. Und wen meist du eigentlich mit Weiterbildner? Den Chef, also die eine Person? Ist ja nicht so, als würden die WBA nur vom Chef lernen. Der kann als einzelne Person 10 Leute genauso wenig ausbilden wie 20 Leute. Dafür gibt es ja noch die Oberärzte. Und eine Abteilung mit 3 Oberärzten hat in der Regel schon naturgemäß weniger WBA als eine Abteilung mit 8 Oberärzten. Wieso da jetzt noch irgendwelche festen Limits festlegen?
Feuerblick
07.08.2022, 10:49
Naja, mehr Stellen in der Allgemeinmedizin, insgesamt weniger WB-Stellen = weniger Facharzt-WB-Stellen. Also weniger niedergelassene Fachärzte, was die fachärztliche Versorgungssituation noch weiter verschlechtert. Dann warten wir halt demnächst auf einen Dermatologen- oder Augenarzttermin ein bis zwei Jahre. Ist dann halt doof, wenn man in der Zeit erblindet, weil der Allgemeinmediziner einfach selbst bei bester Ausbildung von Augen und anderen sehr speziellen Gebieten höchstens oberflächlich Ahnung hat.
Man könnte auch einfach bei gleich vielen WB-Stellen für Qualität sorgen und diese auch kontrollieren. Bisher interessieren sich die Ärztekammern ja quasi gar nicht dafür, was an WB stattfindet. Stichwort: Qualitätskontrolle bei der Weiterbildung. Überprüfung der Weiterbildung. Verbindliches Festlegen von Curricula und verbindliches Einhalten ebendieser.
Holthusen
07.08.2022, 11:47
@nie so braucht man die Diskussion nicht führen. Du weißt, dass Ausbildung Allgemeinmedizin einige Jahre in der Inneren bedeutet. Das muss auch so bleiben und man sollte auch idealerweise in der Klinik anfangen und dann in die Praxis gehen. Das stand nicht zur Debatte. Am besten als Verbundweiterbildung, so dass die Rotation für die Leute in Weiterbildung organisiert sind und sie sich nicht jedes Mal um nen neuen Job bemühen müssen. Gerne können sich dann auch ein Allgemeinmediziner und ein Internist im Krankenhaus die Weiterbildungsbefugnis teilen.
Man weiß, dass ein Großteil der WB Assis letztendlich in die Allgemeinmedizin gehen. Schadet sicher nicht, dass sie mit Neurochirurgie oder Herzchirurgie anfangen. Aber auch nicht unbedingt sinnvoll. Sorry es ist wie mit dem Medizinstudium. Auch da gibt es nicht unendlich Plätze. Wer sich anstrengt, sollte auch sein WB Fach bekommen. Das ist ja jetzt schon so in Dermatologie oder auch Radiologie, wenn man örtlich gebunden ist. Da kriegt nicht jeder sein Fach. Oder sollen wir jetzt massenhaft Dermakliniken aufmachen, nur damit alle die Möglichkeit haben Derma zu machen.
@ Feuerblick: oder so. Das würde aber auch weniger WB Stellen bedeuten. Oft gibt es garnicht genug Rotationsplätze , Eingriffe / OPs für die Masse an angestellten Assis. Überprüft die ÄK alles schon jetzt nicht.
Solche Veränderungen im Sinne von geprüfter und steigender Qualität sind jedoch nicht gewünscht bei ÄK und Co. Die Vorschläge von dir fand ich richtig und gut.
Bzgl der Facharzttermine hatte ich übrigens selbst noch nie solche Probleme und gesetzlich wird ein Termin innerhalb von 4 Wochen garantiert sofern Dringlichkeit auf der Überweisung codiert ist. Davon kann man in anderen Ländern nur träumen bzw haben andere Länder nicht Mal niedergelassenen Fachärzte.
DrSkywalker
07.08.2022, 13:35
Die meisten WB-Stellen in der Allgemeinmedizin? Darf man dann statt nur 6-9 Monaten gleich zwei Jahre auf einen Facharzttermin warten wie in anderen Ländern, weil es kaum noch Fachärzte gibt? Coole Idee!
1. Allgemeinmedizinerinnen sind auch Fachärzte ;)
2. Die gebietsärzte bestellen sich ihre Schäfchen einfach immer schön regelmäßig ein(aber bloß nicht öfter als einmal im Quartal) , ob notwendig /sinnvoll oder nicht. Das führt dazu, dass immer genug zu tun ist, der Umsatz ist gesichert. Neupatienten oder Patienten mit akuten Beschwerden haben dann halt ein Problem. Es gibt genug niedergelassene gebietsärzte. Ein Großteil der Kollegen sind allerdings mit mäßig sinnvollen Routinekontrolle beschäftigt oder eben wie der Internist um die Ecke nur noch mit Endoskopien. Bringt auch viel mehr als eine normale Sprechstunde zu halten.
Feuerblick
07.08.2022, 16:11
Äh ja... Teil 1: Ja, sicher... aber es ging um die Abgrenzung von Allgemeinmedizin zum Rest des Facharztwesens.
Teil 2: Quatsch, Verallgemeinerung. Es soll in vielen Fächern, so auch in meinem, chronisch Kranke geben, die regelmäßig kontrolliert werden müssen. Deren Kontrollen dauern fünf bis zehn Minuten und machen den Kohl in Sachen Terminvergabe nicht fett. Es sind eher die anlasslosen "Ich wollte schon lange mal"-Patienten ohne Risikofaktoren oder sonstiges, die Termine wegnehmen. Oder diejenigen, die vom Allgemeinmediziner oder anderen Kollegen mit "Da muss mal ein Facharzt draufschauen" mit Pillepalle geschickt werden.
Ein Großteil der WB-Stellen müssten im Bereich Allgemeinmedizin sein aufgrund des Bedarfs.
Super Idee, damit die fertigen Medizinabsolventen dann direkt ins Ausland gehen, weil sie einfach keinen Bock auf Allgemeinmedizin haben. Aber das verstehen die Allgemeinmediziner eh nicht, die sich, gerade an den Unis, als das Zentrum der Welt sehen. Die wollten (oder haben?) doch auch ein Pflichtquartal Allgemeinmedizin durchdrücken, damit auch wirklich jeder PJler gezwungen wird, sich das anzutun.
Und Allgemeinmedizin sind doch die WB-Stellen, die zu 100 % von der KV direkt finanziert werden müssen, weil die WB sie nie selbst bezahlen würden? Beste Voraussetzungen.
Und zum Thema Verbundweiterbildung: Da freut man sich jedes mal richtig über die Kollegen der Allgemeinmedizin, die gerne die Funktionsrotationen (= Sahnestücke) haben wollen und auch bekommen. Oder das einfach nur Absitzen. Freue mich als Radiologe jedes mal richtig, wenn die Allgemeinmedizinerin in Rotation aus der UC Ambulanz für wirklich jedes Röntgenbild anruft, während die Unfallchirurgen selber das nur in Ausnahmefällen und bei schwierigen Dingen tun.
"Man weiß, dass ein Großteil der WB Assis letztendlich in die Allgemeinmedizin gehen." Quelle? Entspricht genau dem Gegenteil von meinem persönlichen Eindruck aus allen Krankenhäusern, die ich während des Studiums und des Berufes bisher gesehen habe.
@nie:
Klar geht das, man hält die Ärzte in Zukunft einfach als Sklaven und zwingt sie auf Station zu arbeiten als Facharzt. Überall anders gilt die Approbation dann einfach nicht mehr. ;-)
DrSkywalker
07.08.2022, 18:00
Äh ja... Teil 1: Ja, sicher... aber es ging um die Abgrenzung von Allgemeinmedizin zum Rest des Facharztwesens.
Teil 2: Quatsch, Verallgemeinerung. Es soll in vielen Fächern, so auch in meinem, chronisch Kranke geben, die regelmäßig kontrolliert werden müssen. Deren Kontrollen dauern fünf bis zehn Minuten und machen den Kohl in Sachen Terminvergabe nicht fett. Es sind eher die anlasslosen "Ich wollte schon lange mal"-Patienten ohne Risikofaktoren oder sonstiges, die Termine wegnehmen. Oder diejenigen, die vom Allgemeinmediziner oder anderen Kollegen mit "Da muss mal ein Facharzt draufschauen" mit Pillepalle geschickt werden.
Quatsch ist ein großes Wort. Bist du nicht beim MDK? Als Hausarzt sehe ich jedenfalls ständig Brief mit Empfehlung: Kontrolle in 12 Monaten, obwohl es dafür keinen echten Grund gibt. Und in 12 Monaten wird wieder das komplette Programm gefahren, je nach Fachrichtung. Die Patienten gewöhnen sich dann daran, dass Sie einfach einmal im Jahr zum Kardiologen, nuklearmediziner, Urologen etc gehen, obwohl entweder nichts nötig wäre oder nur ne kurze Labor, lz EKG oder sono Kontrolle, die wir machen können und auch machen.
Feuerblick
07.08.2022, 18:27
Ah ja, das alte MD-Argument (ohne K). Die haben ja alle keine Ahnung von der echten Medizin. Gell? Ich kann dich beruhigen: Ich hab durchaus auch in einer Praxis gearbeitet in einer Fachrichtung mit Wartezeiten von Minimum sechs Monaten… es sei denn, man gehört zu den Chronikern, die häufiger kommen müssen und deren Termine entsprechend Vorrang haben.
Und das, was du beschreibst, sind ja die „Ich müsste mal“-Kontrollen, die sinnlos sind. Die hat meine Fachrichtung auch. In der Sache sind wir da ja durchaus einer Meinung. Aber diese Patienten sind zumindest in meiner Fachrichtung eher nicht die ausschlaggebende Masse. Kämen die nicht, würde sich halt die Terminvergabe von sechs auf fünf Monate verringern. Nice, aber nicht die Lösung des Problems. Das Problem bei uns sind z.B. die regelmäßigen und notwendigen Kontrollen der Makulapatienten unter IVOM-Therapie. Tendenz, solange sich nicht Therapien und/oder diagnostische Möglichkeiten ergeben, mit denen man weniger kontrollieren muss, absolut steigend.
Hätte man weniger Fachärzte in meiner Fachrichtung, hätte man einfach eine signifikant schlechtere Versorgung der Chroniker und damit mehr Erblindungen.
Das meinte ich mit Verallgemeinerung. Es ist eben nicht in jeder Fachrichtung so, dass sich die Fachärzte mit Sinnlos-Kontrollen eine goldene Nase verdienen. Weshalb man mit mehr Allgemeinmedizinern in manchen Fachrichtungen einfach nichts verändern wird, mit weniger Fachärzten dieser Fachrichtungen aber eine schlechte(re) Versorgung.
Holthusen
07.08.2022, 18:42
Super Idee, damit die fertigen Medizinabsolventen dann direkt ins Ausland gehen, weil sie einfach keinen Bock auf Allgemeinmedizin haben. Aber das verstehen die Allgemeinmediziner eh nicht, die sich, gerade an den Unis, als das Zentrum der Welt sehen. Die wollten (oder haben?) doch auch ein Pflichtquartal Allgemeinmedizin durchdrücken, damit auch wirklich jeder PJler gezwungen wird, sich das anzutun.
Möglicherweise hast du das Missverstanden. "Im Ausland" z.B. Frankreich oder UK wird es ebenso "etwas" einfacher gemacht eine Stelle in der Weiterbildung Allgemeinmedizin zu bekommn. Das Fach wird attraktiv gehalten indem man einfach Zugang zur Weiterbildung bekommt. Möchtest du im UK Radiologie machen brauch man ein dementsprechendes Portfolio, Examensergebnisse und Erfahrung (glücklicherweise kann man mäßige Noten ausgleichen). Die Stellen sind nicht einfach zu bekommen und es gibt in jedem Jahr mehr Bewerber als Stellen, wie hier z.B. beim Medizinstudium. In Frankreich oder Spanien brauchst du entsprechende Punkte im Abschlussexamen für beliebte Fächer. Ebenso kriegst du in den USA nicht einfach so die Residency deiner Wahl hinterhergeworfen in beliebten Fächern. Und diese Drohung "wir gehen ins Ausland" kann man sich echt sparen. Da blühen auch nicht nur Rosen. Aber nur zu. Reisende soll man nicht aufhalten.
Es war die Idee etwas mehr Qualität anstatt Quantität bei der Weiterbildung anzubieten, was aber nicht bedeutet, dass es z.B. garkeine Weiterbildung in beliebten Fächern gibt.
Das Pflichttertial Allgemeinmedizin halte ich anstatt des Wahlfachs auch für nicht sinnvoll. Man könnte stattdessen diskutieren das Chirurgietertial zu splitten. Wenn überhaupt, eigentlich müsste es mit der Hausarztfamulatur ausreichen. Und dann sollten die Allgemeinmediziner in der Uni schauen ihr Fach etwas attraktiver darzustellen. Bei uns war das alles eher Low-Level Niveau in der Allgemeinmedizin. Es gab allerdings auch andere Fächer mit entsprechender Low-Level Lehre, die sicherlich keine Begeisterung weckt.
Und zum Thema Verbundweiterbildung: Da freut man sich jedes mal richtig über die Kollegen der Allgemeinmedizin, die gerne die Funktionsrotationen (= Sahnestücke) haben wollen und auch bekommen. Oder das einfach nur Absitzen. Freue mich als Radiologe jedes mal richtig, wenn die Allgemeinmedizinerin in Rotation aus der UC Ambulanz für wirklich jedes Röntgenbild anruft, während die Unfallchirurgen selber das nur in Ausnahmefällen und bei schwierigen Dingen tun.
Nee, ließ dir mal die WB-Ordnung Allgemeinmedizin durch. Da muss man keine Kolos, Gastros oder UKG usw machen. Also nix da Funktionsrotationen. Es geht darum erstmal Erfahrung bei akuten Erkrankungen zu sammeln z.B. in der Notaufnahme und auf Normalstation. Das kann man nicht "absitzen". Sonographie erlernen ist ein Teil der Ausbildung.
Wenn du keine Telefonanrufe von Berufsanfängern haben möchtest, musst du Ober oder Chefarzt werden und denk dran, irgendwann hast du auch mal angefangen und "einfache" Fragen gestellt.
"Man weiß, dass ein Großteil der WB Assis letztendlich in die Allgemeinmedizin gehen." Quelle? Entspricht genau dem Gegenteil von meinem persönlichen Eindruck aus allen Krankenhäusern, die ich während des Studiums und des Berufes bisher gesehen habe.
Ab dem Jahr 2006 können nur noch "Fachärzte für Innere und Allgemeinmedizin" Hausärzte werden. Internisten ohne Spezialisierung und Allgemeinmediziner stellen die Mehrheit dar.
https://www.bundesaerztekammer.de/baek/ueber-uns/aerztestatistik/aerztestatistik-2020
Ich kann mir gut vorstellen, dass unsere Nachbarländer "nicht zum Spaß" die Hausärzte fördern bei der Weiterbildung
Ich habe soviele Bekannte aus dem Studium, die dann letztendlich in die Allgemeinmedizin oder Richtung einfacher Internist mit dem Ziel hausärztliche Tätigkeit gegangen sind, weil es mit Cardio, Gastro, Onko, Nephro, NCH, Herzchirurgie oder Urologie dann doch nicht sein sollte. Viele sind auch ganz bewusst von Anfang an mit dem Ziel Allgemeinmedizin angetreten. Und das spiegelt sich dementsprechend auch in der Statistik wieder.
Holthusen
07.08.2022, 18:46
Bei uns wird das mit dem Merkantilismus ganz offen gehandhabt: Die Kontrolluntersuchung wird mit Absicht ins nächste Quartal gelegt, wer Beschwerden außerhalb der Reihe hat, kann natürlich auch vorher kommen.
Bzgl CT/MRT Untersuchungen. Da achtet unsere Kooperationspraxis penibel darauf, dass ja nicht z.B. 2x im Quartal ein MRT gemacht wird. Denn das wird nicht bezahlt. Umgehen kann man das nur mit Einweisung wegen irgendwelcher "komplexer Diagnostik" die angeblich nur stationär geht, wenn denn das Krankenhaus mitmacht.
DrSkywalker
07.08.2022, 19:00
@feuerblick: in der konservativen Augenheilkunde ist die Situation wahrscheinlich noch mal ganz anders, da treffen deine Beschreibungen eher zu. Als Hausarzt sehe ich wenig Augenpatienten, das meiste sind OP Vorbereitungen vor makula op.
In vielen anderen Fächern ist es hier so, dass sehr viel unsinniges Routine Zeug gemacht wird.
Feuerblick
07.08.2022, 19:01
Siehst du… Kann man also nicht verallgemeinern. ;-)
Holthusen
07.08.2022, 19:14
Es ging mir darum etwas mehr Qualität in die Weiterbildung zu bringen und nicht die Augenarztdichte auszudünnen.
Damals (10er Jahre) war Augenheilkunde ein Fach, wo man in der hieseigen Uniklinik bei uns keine Stelle bekam außer mit Kontakten/Dissertation/PJ usw. Und eigentlich ist es dabei geblieben. Die schreiben nix aus, sind gut besetzt.
In der Radio hat sich die Situation geändert, da gibt's ne Dauerausschreibung, aber das liegt auch eher an der neuen Leitung, die auch nicht nur bei Ärzten, sondern auch bei MTAs einen hohen Personalumsatz verursacht hat. Außerdem nimmt sie auch nicht jeden.
So ganz einfach wird's auch nicht in der Radio ohne Diss/klinische Vorerfahrung/Kontakte/PJ.
Colourful
07.08.2022, 19:33
So ganz unrealistisch ist das Ganze nicht. Ein ganz großer Teil in diesen Plänen ist halt nur in einem Nebensatz erwähnt: sämtliche Aufgaben die nicht stengstens ärztlich sind werden an andere Leute abgegeben! Abnahme von Blutgruppe, Kreuzen von Blutgruppen, Bedside-Test und Anhängen von EKs? Kann auch eine akademisierte Pflege machen, zumindest läuft es in anderen Ländern so. Briefe schreiben? Können auch andere Leute machen. Sich um Verlegungen, Sozialdienstsachen, häusliche Versorgung etc. kümmern incl. sämtlicher Anordnungen/Verordnungen? Können andere Leute machen. Visitendokumentation? Können andere machen. Wieso ist Dokumentation eine streng ärztliche Tätigkeit?! Etc.
Es reduziert sich dann schon erheblich die Belastung der Assistenzärzte und damit kann die Zeit für die Weiterbildung steigen. Oder auch die Zeit für rein ärztliche Aufgaben. Es gibt auch Länder in denen werden UKGs nicht von Kardiologen gemacht die in der Klinik eh immer viel zu viel zu tun haben. Ob das das Versorgungsniveau erhöht ist ein anderes Thema, aber warum machen UKGs nicht spezialisierte andere Leute...
Und dann müsste halt die Verteilung geändert werden. Im Sinne von mehr höhere Stellen als Weiterbildungsstellen. Damit hast du wiederum einen besseren Betreuungsschlüssel wenn man das so sehen will, entlastest auch die CA-/OA-Riege die wiederum mehr Weiterbildung anbieten können.
Das ist so wahr. Und wenn ich das so lese, dann besteht eigentlich 80% meiner Bürozeit aus solchem Kram. Vergessen dabei - MRTs anmelden, Befunde bei Haus- und Fachärzten anfordern, dazu dann noch irgendwelche sinnlosen Sachen (nur MDK-relevant) richtig dokumentieren. Dafür habe ich übrigens 6 Jahre studiert und 6 Jahre Facharztweiterbildung abgeleistet. Wenn wir noch eine kompetente Teilzeit-MFA hätten (9-14 Uhr reicht), die so etwas machen könnte, dann wäre das eine große Erleichterung.
Aber es wird ja erwartet, dass wir diese Arbeit "umsonst" als Überstunden machen. (Mich nervt das richtig, richtig, richtig, auch, dass wir im Dienst auch komplett alles selbst ins System eingeben müssen und wir mit der Doku immer soviel mehr zu tun haben, als mit dem Patienten. Und ja, ich verstehe total, dass eine sehr gute Doku sehr wichtig ist. Aber ich habe bei meinem Job irgendwie das Gefühl, dass es egal ist, was ich kann und mache - Hauptsache es ist perfekt dokumentiert.)
Wenn Indikation, Aufklärung und Dokumentation vollständig und korrekt sind, kannst du tun und lassen, was du willst. Patient tot? Wenn die Sachen stimmen, kein Ding, passiert halt.
xenopus laevis
07.08.2022, 21:15
Die Radiologie nimmt schon jeden, wenn man flexibel bleibt. Hatte keinerlei Probleme ein Stellenangebot zu erhalten, solange man nicht in die Großstädte will. War auch vollkommen egal wie viel Erfahrung ich mitbringe oder wie meine Noten waren.
Holthusen
07.08.2022, 23:14
Die Radiologie nimmt schon jeden, wenn man flexibel bleibt. Hatte keinerlei Probleme ein Stellenangebot zu erhalten, solange man nicht in die Großstädte will. War auch vollkommen egal wie viel Erfahrung ich mitbringe oder wie meine Noten waren.
meistens ist man ja doch regional gebunden und da habe ich andere Erfahrungen gemacht.
Sicherlich wenn man in ein weniger beliebtes Bundesland oder weniger beliebte Orte geht, kriegt man eine Stelle
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