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Dann siehste als Spezialist ja plötzlich NUR NOCH Beamte (da zu 99% Lehrerinnen) und halt die paar Gutverdiener. Urgs. Dann braucht aber jeder von uns nochmal 6 Wochen Crashkurs bei euch in der Psychiatrie...
Naja oder man macht das Schweizer System. Oder Selbstzahler. Muss ja nicht bei der JAEG bleiben...
Nefazodon
24.12.2023, 10:08
Spezialprobleme sollten selbstverständlich weiterhin in höchstqualifizierte ärztliche Hände bzw. für jeden zugänglich, aber dann privatfinanziert.
Und wer entscheidet dann, was "Spezialprobleme" sind? Ich glaube, die meisten seltenen Krankheiten werden dann übersehen.
Es dauert ja jetzt schon im Schnitt 5 Jahre bis eine seltene Erkrankung erkannt wird.
Ich befürchte, eine Behandlung durch weniger qualifizierte Kräfte (soll jetzt keine Abwertung sein, es geht mir um die reine Dauer der Qualifizierungsphase) wird dazu führen, dass noch mehr nach Schema F behandelt wird.
Thema ärztliche Behandlung für jeden zugänglich, aber dann privatfinanziert: dann ist sie eben NICHT für jeden zugänglich. Es gibt genug Menschen, die gerade so mit dem auskommen was sie haben, und die jeden Cent umdrehen müssen.
Die Gesundheitsversorgung davon abhängig zu machen, ist ungerecht.
Rahmspinat
24.12.2023, 10:56
Und wer entscheidet dann, was "Spezialprobleme" sind? Ich glaube, die meisten seltenen Krankheiten werden dann übersehen.
Es dauert ja jetzt schon im Schnitt 5 Jahre bis eine seltene Erkrankung erkannt wird.
Ich befürchte, eine Behandlung durch weniger qualifizierte Kräfte (soll jetzt keine Abwertung sein, es geht mir um die reine Dauer der Qualifizierungsphase) wird dazu führen, dass noch mehr nach Schema F behandelt wird.
Thema ärztliche Behandlung für jeden zugänglich, aber dann privatfinanziert: dann ist sie eben NICHT für jeden zugänglich. Es gibt genug Menschen, die gerade so mit dem auskommen was sie haben, und die jeden Cent umdrehen müssen.
Die Gesundheitsversorgung davon abhängig zu machen, ist ungerecht.
Schlussendlich werden so amerikanische Verhältnisse kreiert. Sozialschwache Schichten sehen den PA, die, die es sich leisten können, einen Arzt.
Dann siehste als Spezialist ja plötzlich NUR NOCH Beamte (da zu 99% Lehrerinnen) und halt die paar Gutverdiener.
Das stimmt nicht. Es sind immer mehr Menschen aus der Mittelschicht bereit, Geld in die Hand zu nehmen für gute Medizin. Zu mir kommen einige solcher Pat. ambulant.
Jeder so, wieviel ihm seine Gesundheit wert ist, was sich natürlich nicht nur in med. Versorgung widerspiegelt, sondern vor allem in der allgemeinen persönlichen Lebensführung.
Warum soll etwas Wertvolles verschleudert werden. Ich möchte nach insgesamt acht Jahren offiziellem Studium, zwei FA-Abschlüssen und mehr als 100k Selbstinvestition auch etwas herausbekommen. Ansonsten: Der Großteil der Gesellschaft möchte es genau so, dass aus dem Sozialsystem diejenigen greifen, die niemals eingezahlt haben. Müssen sie auch die Folgen tragen.
Naja oder man macht das Schweizer System. Oder Selbstzahler. Muss ja nicht bei der JAEG bleiben...
Als ob jemals eine Regierung sich trauen würde, die Millionen von Beamten aus der geliebten PKV (mit Beihilfe) zu reißen. Ist wie Pensionen – das Privileg wird niemals angetastet.
Tramaldol
24.12.2023, 13:17
Als ob jemals eine Regierung sich trauen würde, die Millionen von Beamten aus der geliebten PKV (mit Beihilfe) zu reißen. Ist wie Pensionen – das Privileg wird niemals angetastet.
Ja dank der FDP, ist das in der jetzigen Regierung nicht möglich. Wäre zwar fairer und eine Mehrheit der Bevölkerung möchte eine Bürgerversicherung, aber bei den Beamten und auch Ärzten ist es natürlich unpopulär. Private bringen mehr Kohle und wäre ja schade, wenn der Kuchen kleiner werden sollte.
Typische Klientelpolitik, eine priviligierte Minderheit setzt ihre Interessen gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung durch.
Dasselbe in Grün ist bei der Rentenversicherung. Beamte und viele andere zahlen da nicht ein und entsprechend gibt's Probleme. Dann lässt man es direkt mit der DRV oder alle zahlen ein übertragen dort. Übrigens wäre aufgrund der Demographie auch ein Anteil der Rentner für die Rente notwendig. Aber bring das mal dem privligierten Klientel, das nicht in die DRV zahlt bei...Ist unmöglich.
Auch gibt es unsinnige staatliche Ausgaben für Kirchen/Religionen, Parteien oder Entwicklungshilfe. Aber bring das mal den Leuten bei, die davon leben.
Tramaldol
24.12.2023, 13:33
Und wer entscheidet dann, was "Spezialprobleme" sind? Ich glaube, die meisten seltenen Krankheiten werden dann übersehen.
Es dauert ja jetzt schon im Schnitt 5 Jahre bis eine seltene Erkrankung erkannt wird.
Ohje, wieviel klinische Erfahrung hast du?
Es gibt Hausärzte, die übersehen eine Tumorerkrankung >1 Jahr lang.
Seltene Erkrankungen werden in der Regel entdeckt durch die häufigen Wiedervorstellungen und die fehlende Besserung der Beschwerden, so blöd das ist.
Ich befürchte, eine Behandlung durch weniger qualifizierte Kräfte (soll jetzt keine Abwertung sein, es geht mir um die reine Dauer der Qualifizierungsphase) wird dazu führen, dass noch mehr nach Schema F behandelt wird.
Stell dir vor du bist Hausarzt. Ca. 80-120 Patienten am Tag. Kannst du da bei jedem Thalassämie oder das MALT-Lymphom innerhalb der 5 Min. diagnostizieren? Eher nicht. Kannst du dir da für jeden Patient 1h Zeit nehmen? Du wirst immer nach Schema F arbeiten.
Thema ärztliche Behandlung für jeden zugänglich, aber dann privatfinanziert: dann ist sie eben NICHT für jeden zugänglich. Es gibt genug Menschen, die gerade so mit dem auskommen was sie haben, und die jeden Cent umdrehen müssen.
Die Gesundheitsversorgung davon abhängig zu machen, ist ungerecht.
Eine Art Basisversorgung ist schon sinnvoll. Für neurotische Stadtbewohner, die wegen einem Tropfen Blut am Finger (mit einem Papier geschnitten) in die Notaufnahme rennen, braucht man keine Ärzte. Das sollte die Allgemeinheit nicht bezahlen. Es ist unsinnig wegen Banalitäten immer einen Arzt sofort zur Verfügung zu haben.
Schlussendlich werden so amerikanische Verhältnisse kreiert. Sozialschwache Schichten sehen den PA, die, die es sich leisten können, einen Arzt.
Selbst wohlhabende Leute, überlegen es sich dreimal, ob sie wegen einer kleinen Schnittverletzung extra zum Chirurg müssen und das zahlen. Das Problem momentan ist, das es zuviel umsonst gibt.
Wegen einer Lapalie, zu der mancher nicht mal zum Arzt gehen würden, sondern sich "Selbst" verarzten würde, würde auch jmd. Wohlhabendes eine PA akzeptieren z.B. einfacher Verbandswechsel.
Naja oder man macht das Schweizer System. Oder Selbstzahler. Muss ja nicht bei der JAEG bleiben...
Das Schweizer Gesundheitssystem ist sehr teuer. Außerdem ist es ein sehr kleines Land (>10 Mio Einwohner) und das lässt sich nicht auf ein Land mit 80 Mio Einwohner so einfach projezieren. Auch gibt es hier nicht den Reichtum durch das jahrzehntelange Bankgeheimnis, wodurch sämtliches schmutziges Geld der Welt gewaschen wurde, ein Teil dort hängen blieb und die Schweiz so richtig reich wurde.
So ein kleines Raubritterland kann kein Vorbild sein. Die SVP möchte ja mehr Unabhängigkeit. Soll sie haben z.B. mit Visumpflicht für Schweizer, einer Mauer um den Staat, hohe Schutzzölle der EU für Exporte in die Schweiz. Das hätten sie sicher verdient. Und die ganzen Fachkräfte, die sie aus der EU abziehen, sollen sie gefälligst zurückgeben und selbst mal ausbilden. In der Schweiz darf man ja nur Medizin studieren, wenn man Schweizer Pass hat. Konsequent wäre es dann auch nur Ärzte mit Schweizer Pass dort zu beschäftigen. Bei diesem Land kann man nur "Pfui" sagen im Sinne von "Rosinenpickerei" bzw. "Schmarotzertum". Ekelhaft.
piandorable
24.12.2023, 13:54
Jeder so, wieviel ihm seine Gesundheit wert ist, was sich natürlich nicht nur in med. Versorgung widerspiegelt, sondern vor allem in der allgemeinen persönlichen Lebensführung.
Armut korreliert doch jetzt schon mit mehr Erkrankungen und einem früheren Tod. Diesen Menschen jetzt auch noch eine adäquate Gesundheitsversorgung vorzuenthalten, ist doch völlig unsozial.
Ansonsten: Der Großteil der Gesellschaft möchte es genau so, dass aus dem Sozialsystem diejenigen greifen, die niemals eingezahlt haben. Müssen sie auch die Folgen tragen.
Das Sozialsystem ist doch genau dazu da, dass man den jenigen, die nicht viel haben, unter die Arme greift, während die, die viel haben, das solidarisch unterstützen. Und gerade die KV ist nicht solidarisch, da zum einen reiche Menschen viel eher in der PKV versichert sind und zum anderen durch die Einkommensbemessungsgrenze der relative Anteil, den man an KV-Beiträgen zählt mit steigendem Gehalt immer geringer wird, während er für niedrige Einkommen eine relativ hohe Belastung ist.
Das Sozialsystem funktioniert nach dem Solidarprinzip. Wenn dieses unsozial ausgehebelt wird, wie es in unserem Land geschieht, wird es kippen. Und zwar massiv.
Genau. Und die Taktik der Politik: Augen zu und hoffen, dass es nicht in der eigenen Legislaturperiode kippt.
Das Sozialsystem funktioniert nach dem Solidarprinzip. Wenn dieses unsozial ausgehebelt wird, wie es in unserem Land geschieht, wird es kippen. Und zwar massiv.
Starke Meinung. Von wem wird es denn ausgehebelt? Muss ja schon eine große Gruppe sein, sonst könnte es ja nicht kippen.
Stuntman Mike
24.12.2023, 20:51
Starke Meinung. Von wem wird es denn ausgehebelt? Muss ja schon eine große Gruppe sein, sonst könnte es ja nicht kippen.
Rhetorische Frage, oder?
Rhetorische Frage, oder?
Nein.
Man nehme ein eh schon unterfinanziertes solidarisches Sozialsystem und füge 10 Mio Netto-Bezieher hinzu, ohne eine entsprechende Menge Netto-Zahler hinzuzufügen bei zugleich nicht sinkenden, sondern eher steigenden Leistungen.
Tada!
Diese Grafik (https://images.app.goo.gl/z4bgDP9r9k5Y9H7P9) aus dem Economist gibt jdfs erste Hinweise.
Aber ich dachte, wir haben Arbeitermangel und brauchen jedes Jahr 400k Immigranten?
Qualifizierte Immigranten. Was wir aktuell bekommen, sind halt zu enormen Teilen Unqualifizierte, die entweder dauerhaft im Sozialsystem hängen bleiben oder im besten Fall für Mindestlohn arbeiten. Hochqualifizierte sind die absolute Ausnahme. ;-)
Außerdem gibt es in DE keinen so richtigen Fachkräftemangel, sondern man findet für das gebotene Gehalt einfach niemanden. Würde man die Gehälter steigern, die Abgaben mal senken (hier kann die Politik ja weiterhin aber nur Steuern steigern, CO2-Preis hoch und ggf. noch einen neuen "temporären" (hihi) Soli für die Ukraine in Betracht ziehen) würde man auch Fachkräfte finden, ggf. aus dem Ausland.
Status quo ist Brain drain der selbst ausgebildeten Hochqualifizierten z.B. in die Schweiz und Import von großen Mengen Sozialhilfeempfängern.
Wie lange sowas funktioniert... Naja... Mit der Abwanderung der Industrie und der damit verbesserten Umweltbilanz wird das alles in Ordnung kommen!
Kackbratze
25.12.2023, 00:12
Starke Meinung. Von wem wird es denn ausgehebelt? Muss ja schon eine große Gruppe sein, sonst könnte es ja nicht kippen.
Meinst Du die Frage ernst oder ist das bloss eine rhetorische Falle?
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/7031/umfrage/bundeszuschuesse-an-die-rentenversicherung-seit-1950/
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/244326/umfrage/zuschuss-des-bundes-zum-gesundheitsfonds/
und wenn du dann ins Detail gehst wird es noch krasser: knapp 127 Mrd des Bundeshaushaltes, und damit 28%, sind Ausgaben für Renten. Also Gelder aus Steuern. Nicht Rentenbeiträge.
Krankenversicherung macht mit 16/17 Mrd nicht sooo viel aus.
Zusammen besteht ein Drittel des Bundeshaushaltes somit aus Zuschüssen ins Renten- und Gesundheitssystem.
Aber wenn man sich überlegt dass es eigentlich eine Rentenversicherung gibt und eigentlich eine Krankenversicherung gibt und die beiden Systeme aktuell bereits nur noch funktionieren aufgrund Milliardenschwerer Zuschüsse aus Steuermitteln dann ist das schon krass. Vor allem ist nicht zu erwarten dass sich das ändern. Sämtliche Prognosen deuten darauf hin dass sich das noch verstärkt. Stichwort "Boomer".
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