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Ewiger Assistenzarztdasein ohne Dienste ist doch erträglich, und alles was ein Assistenzarzt nach dem Studium an praktischen Skills lernt, kann ein PA auch lernen (das bisschen Anatomie im Studium vor 10 Jahren bringt einem als Innerer-FA beim ersten Mal kathetern auch nicht einen massiven Vorteil, mal überspitzt ausgedrückt). Wenn man auf maximale Effizienz getrimmt ist, ist ein PA mit jahrelange Erfahrung besser als ein frisch reinrotierter Assistenzarzt in der Funktion. Aber wer soll dann die Vordergrunddienste abdecken? Oder dürfen irgendwann PAs das auch? Dann wird der Job wieder beschissener. Vielleicht dürfen PAs irgendwann auch einen Kassensitz light (in ne quasi Gemeinschaftspraxis) besetzen. Dann hätte man auch eine Ausstiegsmoeglichkeit geschaffen. Wäre aber eine Horrorvorstellung für (wenig engagierte) Ärzte.
Endoplasmatisches Reticulum
05.03.2024, 22:11
......
Hallo miteinander, ich würde gerne ein paar neuere Pressemitteilungen hier teilen, weil ich heute bei ZDF heute von dem Unternehmen Lillian Care erfahren habe, das zwei MVZs betreibt und dabei vermehrt auf Assistenzpersonal und digitale Anwendungen setzt. https://praxis.lillian-care.de/nastaetten/
https://www.instagram.com/reel/C5flvcxtr7f/?igsh=cnRjaXdkd3lyNmh6
Seit wenigen Jahren sprießen an den Unis die Institute für Allgemeinmedizin aus dem Boden und unter der Leitung der UDE läuft ein Forschungsprojekt https://innovationsfonds.g-ba.de/projekte/neue-versorgungsformen/paam-physician-assistants-in-der-allgemeinmedizin.638
https://www.uni-due.de/2024-04-05-studie-zu-physician-assistants das prüfen möchte, ob PAs Engpässe an ärztlicher Arbeitskraft ersetzen können. Ich hoffe die hausärztliche Szene ist hellwach bei diesem Thema. Bei den Konsortialpartnern fehlt für mein Empfinden eine hausärztliche Interessensvertretung oder reichen die Unis hierfür? Ist hier jemand in einer universitären Allgemeinmedizin? Da sind wirklich zwei Mammutthemen, Änderung der ApprO und das ganze Mangel-Desaster, zu stemmen …
Im UK 🇬🇧 hat die BMA letztes Jahr eine Stellungnahme bzgl. der Rolle von Assistenzpersonal veröffentlich. Es ist wirklich relativ durchwachsen, was man so aus den Ländern mit viel Assistenzpersonal hört, wobei ich mich zu diesem Thema nicht mit wissenschaftlicher Literatur auseinandersetze. https://www.bma.org.uk/bma-media-centre/bma-calls-for-immediate-pause-on-recruitment-of-physician-associates
So und zum Schluss noch etwas Entertainment von Flopacco, PAfluencer quasi. Oh nein, ich kann weiterhin keine Bilder hochladen, dann als Link zu einem der Videos. Da stellt sie PA Medizin gegenüber, z. B. „6 Jahre Studium + 3-5 Jahre Ausbildung“ vs. „3-4 Jahre Studium“ oder „eine Fachrichtung“ vs. „überall einsetzbar“ https://www.tiktok.com/@pa.germany/video/6900949709142183170 Ist ganz funny auch die Kommentare zu lesen.
Dass solche Auswüchse nun auch in Deutschland den ambulanten Sektor erreichen ist wirklich besorgniserregend. Prinzipiell könnten PAs definitiv Hausärzte entlasten und gut unterstützen. Das muss aber natürlich unter ärztlicher Leitung und klaren gesetzlichen Regelungen laufen.
Das Design der laufende Studie der UDE wird denke ich auch für die PA-Propaganda positive Ergebnisse erbringen:
"An der Studie nehmen 24 Hausarztpraxen teil und jeder Interventionspraxis wird ein PA zugeteilt.[...] Nach 18 Monaten wird geprüft, ob der Einsatz der PA im Vergleich zu 51 Kontrollpraxen einen Nutzen brachte. Dazu wird eine Vielzahl von Parametern verglichen, beispielsweise die Rate der Notaufnahmen, die Patientenzufriedenheit, die Anzahl von versorgten Patientinnen und Patienten oder auch die Wochenarbeitszeiten der Hausärztinnen und -ärzte."
Alleine schon, dass die ganzen Studienpraxen zusätzliche Arbeitskräfte für wahrscheinlich geringes Geld durch die Zuschüsse erhalten und dadurch zeitlich und monetär entlastet werden, wird beitragen, dass eine Vielzahl von positiven Effekten berichtet werden.
Wenn PAs aber später genauso viel oder ähnlich viel ambulant verdienen sollen wie WBAs und die Praxisinhaber dies voll finanzieren müssen, dann wird die Rechnung nicht mehr aufgehen, denke ich.
Das Studiendesign ist tatsächlich interessant - so KANN das Ergebnis eigentlich nur positiv sein :-))
WBA sind halt eine Investition in die Zukunft des Fachs. Was kurzfristig für bestehende Praxisinhaber vorteilhaft (und lukrativ!) ist, muss nicht langfristig für die Zukunft des Fachs vorteilhaft sein.
Lilian Care klingt ein bisschen wie das, was ich neulich über die allgemeinmed. Versorgung in Schweden gesehen habe. Leichte Beschwerden werden von der Bezirkskrankenschwester gesehen/versorgt. Die Anmeldung in der "Praxis" erfolgt am Terminal nicht an einem Tresen mit Personal. Die Digitalisierung ist schon weiter.
ARD Mediathek Hört Dein Arzt Dir zu ab 12:44 (https://www.ardmediathek.de/video/die-story/hoert-dein-arzt-dir-zu-keine-zeit-fuer-kranke/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtYTNhNjFkNT EtOGJjYS00YjQ2LTk4ZmItYTk5OGU2NjhjNDFm)
Klingt ein bisschen wie das was ich in Australien erlebt habe 😅
Einer aus der Reisegruppe hatte sich das knie verdreht, in der Notaufnahme wurde er von einem "nurse practicioner" gesehen (nie einen Arzt gesehen)
Wurde er denn ausreichend betreut vom Nurse praticioner?
WBA sind halt eine Investition in die Zukunft des Fachs. Was kurzfristig für bestehende Praxisinhaber vorteilhaft (und lukrativ!) ist, muss nicht langfristig für die Zukunft des Fachs vorteilhaft sein.Ein sehr großer Teil der Niedergelassenen "auf dem Land" sollen ja >60-jährige sein und die werden wahrscheinlich wenig Interesse haben, sich um die Zukunft ihres Faches zu kümmern. Die haben ja auch in den letzten 2 Jahrzehnten nichts bewegt und organisiert bekommen, warum sollten sie das jetzt, kurz vorm Schluss, tun? Wenn ärztliche WB wirklich das Opfer der PAs wird, dann wird es auch in absehbarer Zeit keine mehr geben, die PAs supervidieren können. Dass es diesen "Landarztmangel" geben wird, zeichnet sich schon lange ab, die ergriffenen Maßnahmen waren spät und wahrscheinlich auch nicht effizient.
Hm 😅 klinische Untersuchung und das wars... kein Röntgen
Am Ende ein Rezept für Diclo und die Aussage dass es "was am Meniskus oder an den Bändern" sein könnte und die Empfehlung in Deutschland ein MRT machen zu lassen
War irgendwie unbefriedigend (für die Aussagen hätte man nicht ins KH gehen müssen)
Heerestorte
11.04.2024, 17:41
Hm 😅 klinische Untersuchung und das wars... kein Röntgen
Am Ende ein Rezept für Diclo und die Aussage dass es "was am Meniskus oder an den Bändern" sein könnte und die Empfehlung in Deutschland ein MRT machen zu lassen
War irgendwie unbefriedigend (für die Aussagen hätte man nicht ins KH gehen müssen)
Warum sollte ich jedem, der sich das Knie verdreht, ein Röntgen zuführen?
Das kommt natürlich auf die Stärke drauf an, aber ohne adäquates Trauma mache ich kein Röntgen und ansonsten kann ich auch viel per guter KU oder Sono testen am Knie.
Aber was nützen hochbezahlte unfähige FÄ? Kürzlich erlebt: Orthopäde übersieht nach Distorsion Sprunggelenksfraktur - inadäquate Behandlung, Folgeprobleme. Und so etwas nimmt leider zu in unserem Land.
Die Beschreibung sollte ohne Wertung sein 😅 ob es jetzt woanders (in D, mit Arzt whatever) anders/besser gewesen weiß ich nicht
Ist natürlich immer unbefriedigend keine Diagnose zu bekommen 🙈 (und im Urlaub noch doofer wenn man danach auch nicht weiß was man noch machen "darf" falls doch was sein sollte)
Endoplasmatisches Reticulum
11.04.2024, 18:10
Aber was nützen hochbezahlte unfähige FÄ?
Vor allem führen wir die Dauer und Komplexität des Medizinstudiums ins Absurde, wenn wir Ärzten im Anschluss keine qualitative praktische Ausbildung mehr zubilligen und ihnen berufspolitisch auf die Nase reiben, dass doch jeder nichtärztliche Zuarbeiter das eh alles besser und schneller (und günstiger) kann. Leider patschern ja selbst aus unseren eigenen Reihen genug Ärzte Beifall zu solchen Entwicklungen, weil sie denken, bei Ihnen kommt dadurch irgendeine Form von Entlastung an.
Inzwischen sehe ich auf Uniklinik-Homepages auch zunehmend wie bei den Zahnärzten Aufbauabschlüsse. Bald reichen 7 Jahre Studium + 6 Jahre Facharzt wohl nicht mehr aus. Zur Habilitation muss es noch ein MME sein, zum Oberarztposten schmückt ein MHBA die Torte, und selbst zum Facharzt gibt es dann noch einen Master of Advanced Surgery als Kür. Kurzum, die Vermittlung von Kenntnissen wird immer weiter theoretisiert, überakademisiert und ins Private abgeschoben, die implizite Ausbildung durch praktische Berufserfahrung ausgedünnt und trivialisiert. Formalien und Repressalien der ärztlichen Weiterbildung wachsen aber weiter, obwohl dem immer weniger realer Nutzen entgegen steht. Derzeit sind das noch Randerscheinungen, aber man kann schon einen Trend erahnen.
Und hättest du auch konkrete Lösungsvorschläge, wie man damit umgehen sollte?
Was mich, trotz der ansonsten guten Erfahrungen durch eine absolut komplementär arbeitende PA (und andere ebenso gut arbeitende PA in anderen Fachbereichen in unserem Haus), etwas stört an dem Berufsbild der PA: aktuell wird dieses Berufsbild, wie auch so viele andere ‚Weiterqualifizierungen‘ und Studiengänge bewusst in eine Nicht-Dienst-Ebene gestellt. Das stösst mir ziemlich auf, selbst unsere (ITS) Stations-MFA arbeiten an Wochenenden 4-6h. Da schafft sich eine Berufsgruppe für mich einen sehr grossen Vorteil in der WorkßLife-Balance..
Den werden die aber auf keinen Fall beibehalten. Wenn die Konzerne anfangen Ärztestelle mit PA zu ersetzen, werden die früher oder später auch in entsprechende Dienstmodelle gezwungen werden. Vielleicht muss dann noch ein Arzt zusätzlich für die Verantwortung da sein, aber in die Richtung wird es gehen.
Endoplasmatisches Reticulum
12.04.2024, 10:57
Rufbereitschaft liest man jetzt schon öfers in PA-Stellenausschreibungen. Aktuell befindet sich das Berufsbild in der Köderphase. Aber ja, die Arbeitsbedingungen werden sich dem üblichen Niveau in der Gesundheitsbranche angleichen.
Vielleicht gar nicht so schlecht, wenn dann mal Leute über Missstände in Kittelgefilden maulen, die ihre Woche nicht bekanntermaßen nur mit Golfspielen und Ferrarifahren verbringen?
Kackbratze
12.04.2024, 17:35
Wenn schon Allgemeinmediziner strukturschwache Regionen meiden "aus Gründen", warum sollten dann hochqualifizierte PA, die ja als Heiland in einem Ödland gefeiert werden dann dorthin gehen wollen?
Irgendwie passt das nicht.
MFA die sowas als Zusatzqualifikation nutzen oder Abiturientende mit schlechtem Schnitt werden sich nicht für den klassischen Appel und dem obligatorischen Ei in der Brandenburger Sandwüste oder dem Emsland, etc "niederlassen", weil sie es im Gegensatz zu einem unempathischen Allgemeinmediziner "für die Menschen" machen.
Endoplasmatisches Reticulum
12.04.2024, 17:53
Wenn schon Allgemeinmediziner strukturschwache Regionen meiden "aus Gründen", warum sollten dann hochqualifizierte PA, die ja als Heiland in einem Ödland gefeiert werden dann dorthin gehen wollen?
Müssen sie ja gar nicht. Da schicken wir demnächst die Ärzte in Weiterbildung für ihre verpflichtenden Landrotationsjahre hin, wenn man sich die Pläne unserer Politik ins Gedächtnis ruft.
Billigere Physician Assistants in den Großkliniken, wo sie nach Ford'schem Modell Routine im Akkord wegkloppen, aber happy und weniger aufmüpfig sind, weil sie als Bildungsversager Ärztchen spielen oder als Bildungsaufsteiger keine Bettpfannen mehr putzen müssen. Und die Ärzte selbst zwingen wir stattdessen im Rahmen der Weiterbildung in die Tundra. Win/win/win/win.
Guter Plan, aber leider sind aktuell (noch) die Grenzen offen und die doofen Ärzte (die man zumindest anteilig noch braucht für die Verantwortung) können fliehen!
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