Flowrocka
23.04.2007, 22:22
Hallo, habe hier einen Teil der e-mail angefügt, die ich vom Hartmannbund erhalten habe. Es wird am 13.06.2007 von 11:00 bis 14:00 eine bundesweite Protestaktion gegen das unbezahlte PJ geben. Ich hoffe, dass sich so viele Leute wie möglich, auch Ärzte und Vorkliniker beteiligen werden.
"Das Praktische Jahr: Ausbildung oder Ausbeutung?
Jeder Student der Humanmedizin muss im Rahmen seines Studiums nach Abschluss der theoretischen und praktischen Ausbildung über mindestens zehn Semester ein Praktisches Jahr (PJ) mit einer Dauer von 12 Monaten ableisten. Dieses Jahr ist unterteilt in drei Abschnitte à vier Monate (Tertiale). Die Medizinstudenten, PJler genannt, werden in den Disziplinen Innere Medizin, Chirurgie und in einem Wahlfach in den Universitätskliniken bzw. Lehrkrankenhäusern der jeweiligen Universitäten ausgebildet. Im Anschluss an das Praktische Jahr folgt die Überprüfung der Fertigkeiten und des Wissens der Medizinstudenten in Form eines Staatsexamens, das den Stoff der gesamten klinischen Ausbildung abfragt.
Während des Praktischen Jahres arbeiten die Studenten an den Wochentagen mindestens 38,5 Stunden pro Woche. Bezahlt wird diese Tätigkeit nur in einzelnen Ausnahmefällen.
Das Ziel des Praktischen Jahres ist die Festigung der im klinischen Abschnitt vermittelten theoretischen und praktischen Fähigkeiten, sowie die Erweiterung des Wissens und Erlangung arztspezifischer Fertigkeiten. Deshalb ist das Praktische Jahr der Kernpunkt der medizinischen Ausbildung.
Die Realität sieht allerdings aus.
Anstatt das praktische Jahr zur Vollendung der Wissensaufnahme nutzen zu können, werden die Studenten zur Verrichtung quasiärztlicher Tätigkeiten herangezogen. Der Lernaspekt kommt leider eindeutig zu kurz. Ein geregelter Stationsalltag ohne den Einsatz der Medizinstudenten ist vielerorts nicht mehr zu garantieren. Neue Studenten werden häufig mit den Worten „endlich haben wir neue Sklaven“ begrüßt. Die Studenten werden generell für „niedere Tätigkeiten“ auf Station missbraucht. Im Operationssaal verkommt der Student zum „biologischen Hakenhalter“, auf Station ist er für die Blutentnahmen und Patientenaufnahmen verantwortlich. Sicherlich hat jeder Patient während seines Krankenhausaufenthaltes Kontakt mit einem PJler und hat ihn für einen der Ärzte gehalten.
Es sind die täglichen Blutentnahmen, Patientenaufnahmen, intravenösen Gaben von Medikamenten, Verbandwechsel, Assistenzen bei Operationen, Verfassen von Arztbriefen, Dokumentationsaufgaben und weitere Aufgaben, die jeden Tag von den Studenten geleistet werden und auf diese Weise die Stationsärzte massiv bei ihrer Arbeitsverrichtung entlasten. Es kommt nicht selten vor, dass dabei zahlreiche Überstunden die Folge sind.
Ohne Zweifel besitzen diese Aufgaben, wenn sie in einer sinnvollen Intensität erledigt werden, eine große Relevanz für die Ausübung des späteren Berufs. Den Grundgedanken des Praktischen Jahres erfüllen sie jedoch nicht.
Verwunderlich erscheint, warum Rechtsreferendare bzw. Lehrreferendare für ihre praktische Ausbildung ein Entgelt beziehen (bis zu 1000 Euro). Dies ist bis jetzt für das PJ des Medizinstudiums noch nicht realisiert worden. Der PJler darf sich das Krankenhaus, in dem er das Praktische Jahr in Deutschland verbringen möchte nicht einmal aussuchen, sondern wird von der Universität per Zufallsprinzip dorthin gelost. Von den meisten Krankenhäusern erhält der Student häufig nur leihweise Arbeitskleidung. Selbst das Mittagessen muss er selber bezahlen. Viele Studenten leben in diesem Jahr am Existenzminimum und müssen einen Kredit aufnehmen oder gehen am Wochenende und an freien Tagen arbeiten! Einen Anspruch auf eine Vergütung und Urlaub besteht nicht, weil es sich um „verrichtete Tätigkeiten“ und nicht um „Arbeit“ handelt.
Die schlechten Arbeits- und Lernbedingungen, sowie die mangelnde Anerkennung der Arbeit in Form einer Vergütung haben dazu geführt, dass ein Großteil der Medizinstudenten Teile ihres Praktischen Jahres im Ausland (wahlweise in der Schweiz) ableisten. Dort sind die Lernbedingungen größtenteils deutlich besser. Außerdem erhält jeder Student ein Salär von ungefähr 500 Euro für seine Dienste. Eine negative Grundstimmung ist bei den meisten PJlern festzustellen. Die Erwartung im Praktischen Jahr seine Fertigkeiten zu verbessern und das Wissen zu erweitern wird auf Kosten von Routinetätigkeiten zerstört. Außerdem bekommt der Student für die mindestens 40 Stunden, die er pro Woche arbeitet, keine Cent.
Es besteht die Gefahr, dass sich der Trend zur Abwanderung junger Ärzte ins Ausland in den nächsten Jahren verstärkt.
Mit Beginn des Jahres ist jedoch eine Neuausrichtung für das Praktische Jahr vollzogen worden. Der Helios-Konzern lässt jedem PJler jeweils 400 Euro für seine Dienste pro Monat zukommen.
Die Studenten im Hartmannbund begrüßen und unterstützen diese Trendwende. Es ist ein deutliches Signal an die Studenten, dass ihre Arbeit angemessen geschätzt wird. Es ist nämlich gebräuchlich, dass eine Dienstleistung, die erbracht wird, bezahlt wird.
Deshalb fordern die Medizinstudenten im Hartmannbund eine Vergütung im Praktischen Jahr und rufen zum bundesweiten „Tag des Protestes“ am 13.06.2007 zum Thema PJ-Vergütung auf!
Bei dieser Protestaktion, die bundesweit am 13.06.2007 von 11:00 bis 14:00 Uhr an allen Fakultäten stattfinden wird, wollen sich alle Studenten der Medizin an den jeweiligen Universitäten versammeln und für die Vergütung protestieren."
Quelle: Hartmannbund
"Das Praktische Jahr: Ausbildung oder Ausbeutung?
Jeder Student der Humanmedizin muss im Rahmen seines Studiums nach Abschluss der theoretischen und praktischen Ausbildung über mindestens zehn Semester ein Praktisches Jahr (PJ) mit einer Dauer von 12 Monaten ableisten. Dieses Jahr ist unterteilt in drei Abschnitte à vier Monate (Tertiale). Die Medizinstudenten, PJler genannt, werden in den Disziplinen Innere Medizin, Chirurgie und in einem Wahlfach in den Universitätskliniken bzw. Lehrkrankenhäusern der jeweiligen Universitäten ausgebildet. Im Anschluss an das Praktische Jahr folgt die Überprüfung der Fertigkeiten und des Wissens der Medizinstudenten in Form eines Staatsexamens, das den Stoff der gesamten klinischen Ausbildung abfragt.
Während des Praktischen Jahres arbeiten die Studenten an den Wochentagen mindestens 38,5 Stunden pro Woche. Bezahlt wird diese Tätigkeit nur in einzelnen Ausnahmefällen.
Das Ziel des Praktischen Jahres ist die Festigung der im klinischen Abschnitt vermittelten theoretischen und praktischen Fähigkeiten, sowie die Erweiterung des Wissens und Erlangung arztspezifischer Fertigkeiten. Deshalb ist das Praktische Jahr der Kernpunkt der medizinischen Ausbildung.
Die Realität sieht allerdings aus.
Anstatt das praktische Jahr zur Vollendung der Wissensaufnahme nutzen zu können, werden die Studenten zur Verrichtung quasiärztlicher Tätigkeiten herangezogen. Der Lernaspekt kommt leider eindeutig zu kurz. Ein geregelter Stationsalltag ohne den Einsatz der Medizinstudenten ist vielerorts nicht mehr zu garantieren. Neue Studenten werden häufig mit den Worten „endlich haben wir neue Sklaven“ begrüßt. Die Studenten werden generell für „niedere Tätigkeiten“ auf Station missbraucht. Im Operationssaal verkommt der Student zum „biologischen Hakenhalter“, auf Station ist er für die Blutentnahmen und Patientenaufnahmen verantwortlich. Sicherlich hat jeder Patient während seines Krankenhausaufenthaltes Kontakt mit einem PJler und hat ihn für einen der Ärzte gehalten.
Es sind die täglichen Blutentnahmen, Patientenaufnahmen, intravenösen Gaben von Medikamenten, Verbandwechsel, Assistenzen bei Operationen, Verfassen von Arztbriefen, Dokumentationsaufgaben und weitere Aufgaben, die jeden Tag von den Studenten geleistet werden und auf diese Weise die Stationsärzte massiv bei ihrer Arbeitsverrichtung entlasten. Es kommt nicht selten vor, dass dabei zahlreiche Überstunden die Folge sind.
Ohne Zweifel besitzen diese Aufgaben, wenn sie in einer sinnvollen Intensität erledigt werden, eine große Relevanz für die Ausübung des späteren Berufs. Den Grundgedanken des Praktischen Jahres erfüllen sie jedoch nicht.
Verwunderlich erscheint, warum Rechtsreferendare bzw. Lehrreferendare für ihre praktische Ausbildung ein Entgelt beziehen (bis zu 1000 Euro). Dies ist bis jetzt für das PJ des Medizinstudiums noch nicht realisiert worden. Der PJler darf sich das Krankenhaus, in dem er das Praktische Jahr in Deutschland verbringen möchte nicht einmal aussuchen, sondern wird von der Universität per Zufallsprinzip dorthin gelost. Von den meisten Krankenhäusern erhält der Student häufig nur leihweise Arbeitskleidung. Selbst das Mittagessen muss er selber bezahlen. Viele Studenten leben in diesem Jahr am Existenzminimum und müssen einen Kredit aufnehmen oder gehen am Wochenende und an freien Tagen arbeiten! Einen Anspruch auf eine Vergütung und Urlaub besteht nicht, weil es sich um „verrichtete Tätigkeiten“ und nicht um „Arbeit“ handelt.
Die schlechten Arbeits- und Lernbedingungen, sowie die mangelnde Anerkennung der Arbeit in Form einer Vergütung haben dazu geführt, dass ein Großteil der Medizinstudenten Teile ihres Praktischen Jahres im Ausland (wahlweise in der Schweiz) ableisten. Dort sind die Lernbedingungen größtenteils deutlich besser. Außerdem erhält jeder Student ein Salär von ungefähr 500 Euro für seine Dienste. Eine negative Grundstimmung ist bei den meisten PJlern festzustellen. Die Erwartung im Praktischen Jahr seine Fertigkeiten zu verbessern und das Wissen zu erweitern wird auf Kosten von Routinetätigkeiten zerstört. Außerdem bekommt der Student für die mindestens 40 Stunden, die er pro Woche arbeitet, keine Cent.
Es besteht die Gefahr, dass sich der Trend zur Abwanderung junger Ärzte ins Ausland in den nächsten Jahren verstärkt.
Mit Beginn des Jahres ist jedoch eine Neuausrichtung für das Praktische Jahr vollzogen worden. Der Helios-Konzern lässt jedem PJler jeweils 400 Euro für seine Dienste pro Monat zukommen.
Die Studenten im Hartmannbund begrüßen und unterstützen diese Trendwende. Es ist ein deutliches Signal an die Studenten, dass ihre Arbeit angemessen geschätzt wird. Es ist nämlich gebräuchlich, dass eine Dienstleistung, die erbracht wird, bezahlt wird.
Deshalb fordern die Medizinstudenten im Hartmannbund eine Vergütung im Praktischen Jahr und rufen zum bundesweiten „Tag des Protestes“ am 13.06.2007 zum Thema PJ-Vergütung auf!
Bei dieser Protestaktion, die bundesweit am 13.06.2007 von 11:00 bis 14:00 Uhr an allen Fakultäten stattfinden wird, wollen sich alle Studenten der Medizin an den jeweiligen Universitäten versammeln und für die Vergütung protestieren."
Quelle: Hartmannbund