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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Niederlassungsberatung: Ich rate davon ab, Arzt in Deutschland zu werden



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O._Graf.
08.11.2007, 06:58
Dass Assis in Frankreich schlecht bezahlt werden, ist auch in der Arte-Serie mit Reportagen über das Medizinstudium in Frankreich gesagt worden.

Edit: Bin mir jetzt doch nicht mehr ganz sicher, ob ich da nicht etwas missverstanden habe.Muss heute Abend noch mal nachlesen. Oder Du fragst mal bei Deinem Freund nach.

Edit.: 2:

@Dr. No
:
Hab nochmal nachgesehen. Das scheint schon zu stimmen.


Dass Assis in Frankreich schlecht bezahlt werden, ist mir schon in der Arte-Serie mit Reportagen über das Medizinstudium in Frankreich aufgefallen. Ich wohne in Süddeutschland und würde gern wenigstens eine Zeit lang in Frankreich leben und arbeiten.

Die Franzosen bezeichnen die Weiterbildung zum Facharzt (http://www.cidu.de/raeume/studieren/fachrichtungen/medizin_aufbau_inhalt.html#dritterstudienabschnitt ) als dritten Studienabschnitt und den Assi als Interne.
Nach sechs Jahren Studium muss man sich in Frankreich für eine Weiterbildungsstelle bewerben, die einem anhand der Ergebnisse einer Prüfung zugewiesen wird. Diese Stelle behält man während der ganzen Weiterbildungszeit. Es bekommt nicht jeder eine Stelle in seinem Wunschfach. Erinnert mich ein wenig an das neue Verfahren in GB.

Die Vergütung der Weiterbildungsassis (http://www.cidu.de/raeume/studieren/fachrichtungen/medizin_aufbau_inhalt.html#verguetung) steht dort unter

Taux annuel de la rémunération:

Internes et résidents de 1ère année: 16 163.83 Euro

Internes de 5e année: 24 822.85 Euro

Taux annuel heißt Jahresrate,.....
rémunération heißt Vergütung, Besoldung, Entgelt...

tarumo
08.11.2007, 07:27
[QUOTE=pillepalle321]
allerdings ist es auch ein luxusproblem, denn bspweise in kuba sind halt bestimmte therapien/diagnseverfahren erst gar nicht möglich, weswegen auch die diskussion um dessen kosten entfällt - im gesellschaftlichen resultat aber ein ähnliches resultat der gesundheit der masse der bevölkerung erhält wie bei uns!
QUOTE]

Genau, aufgrund der partiellen Mangelernährung fallen viele teuere Wohlstandskrankheiten einfach weg. Ob das allerdings ein Erfolg ist, auf den man stolz sein kann?

Und:

„Praxisgebühr“ ist das Stichwort. Zum einen sollte es ja „Kassengebühr“ heißen, weil es 1:1 an die Kasse weitergereicht wird. Verwalten tut es der Doktor umsonst, das haben die Kassen mal eben so entschieden. Ich nenne es bei den Patienten immer so. Man muß sich ja nicht jeden schwarzen Peter einstecken, den man bekommt.

Also, wieso sollte ein Patient, der „eigentlich“ versichert ist, nochmal extra für einen Arztbesuch löhnen müssen? Und wieso bekommt er dann entweder per Gesetz eine Nichtversorgung oder eine gerade-eben-ausreichend-Versorgung? Warum muß er viele Untersuchungen extra bezahlen? Warum liegt bei einem normal gesunden Menschen die Prämie für diese Missleistung oft noch höher als bei einer PKV? Last but non least bekommt der eigentliche Leistungserbringer ein Hohnorar, was nicht einmal die Materialkosten deckt.

Die Chargen der GKV stecken sich dagegen noch ein 13. oder 14. Monatsgehalt ein, schon die unteren Ränge verdienen "natürlich" mehr als eine Schwester im Krankenhaus, die mittleren mehr als viele Ärzte und die Führungsetage steckt ein Bundeskanzlereinkommen ein. Muß das alles sein?

Mit dieser Misswirtschaft gilt es also aufzuräumen und das funktioniert am ehesten über „Druck von der Straße“. Alle anderen Versuche sind bis jetzt gescheitert, weil die Gegenseiete politisch und über „gekaufte“ Standesvertreter zu gut vernetzt ist. Wenn der Patient als Vertragspartner vom Arzt auftritt, würden endlich auch mal die Leistungen transparent. Und dann wäre vielleicht auch der Rechnungshof zuständig, bis jetzt können sämtliche Kassen ohne jegliche Aufsicht mit ihren Zwangsbeiträgen mißwirtschafteln.

Meine Erfahrungen mit der Kassengebühr sind zwiespältig: die Patienten, die aus Geldmangel deswegen einen Arztbesuch rausschieben, bekommen wir ja nicht zu sehen. Umgekehrt sind es viele, die die 10 EUR wieder „reinholen“ wollen, in dem sie in dem Quartal dann möglichst oft zum Arzt rennen. Den Kassen ist es egal: bei der Pauschale ist die Anzahl der Arztbesuche unerheblich.

hennessy
08.11.2007, 08:03
Du sprichst mir aus der Seele. Nur wenn wir unsere Patienten aktivieren können, haben wir eine Chance. Die Kassengebühr ist bei mir in der Praxis oft ein Aufhänger dafür. Wie Du schon vollkommen richtig erwähnt hast, muss man den Patienten sagen, dass wir nur die Deppen sind, die per Gesetz dazu verdammt worden sind, das Geld für die Kasse eintreiben (ich benutze absichtlich diesen terminus) zu müssen.

Weltbester_Karlsson
08.11.2007, 08:24
Wenn das ZDF für diesen Beitrag (http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/Deutsche_Aerzte_wandern_aus/15566?inPopup=true#) (danke O._Graf. für den Link) anständig recherchiert hat, dann sieht die Situation übertragen auf D wohl folgendermaßen aus:

Die Ära der niedergelassenen Fachärzte in Einzelpraxen wird unweigerlich zuende gehen. Dafür bauen Kliniken ihre Ambulanzen aus und die vielzitierten MVZs (wer diese letztlich betreibt sei mal dahingestellt) übernehmen die übrige Versorgung.

Die absolute Anzahl der an einer Routine-OP beteiligten Ärzte ließe sich zudem auf ein Drittel reduzieren, wenn das Pflege- bzw. Hilfspersonal erstmal entsprechend qualifiziert ist ("Hakenhalter", "Anästhesie-Pfleger"). Ähnliche Einsparmaßnahmen könnten für wiederkehrende Verwaltungstätigkeiten erzielt werden.

Ergo: wir haben in D keinen Ärztemangel, wie er immer wieder (fast schon krampfhaft) beschrien wird, sondern aktuell etwa 50 bis 60% zuviel Ärzte! Das erklärt auch zum Teil, warum hierzulande die Arbeitsbedingungen so mies sind. Zuviele Leute drängen in den Beruf, und Arbeitgeber wie Patienten nutzen das aus.
Ähnliches gilt für die Niedergelassenen: zuviele Praxen konkurrieren um ein Stück vom Kuchen, also bleibt für alle zuwenig übrig.

Sicher werden Alterspyramide und Geburtenrückgang in den kommenden Jahren dazu beitragen, die Situation zu entschärfen, doch grundsätzlich denke ich wird es mindestens noch 10 bis 15 Jahre dauern, bis sich Angebot und Nachfrage hier die Waage halten.

Es gibt also für diejenigen, die sich mit den zukünftigen Verhältnissen im deutschen Gesundheitswesen überhaupt nicht anfreunden können, nur folgende Alternativen:
1) Auswandern
2) Ausweichen, z.B. in andere (auch verwandte) Berufszweige
3) Aussteigen aus dem GKV-System und nur noch Privatpatienten behandeln

Doktor_No
08.11.2007, 08:33
bezüglich ökonomie nochmal:
vollkommen richtig: will ich ein gutes gesundheitssystem ist es natürlich defizitär! daher macht es ja auch sinn, das ganze mit steuern zu finanzieren, wie (meines wissens nach) in skandinavien.
richtig ist aber auch, dass man sich den ökonomischen zwängen nunmal auch beugen muss. dass bedeutet nicht, dass ich kalkuliert leute draufgehen lass, aber das bedeutet, dass ich halt leider tatsächlich nicht immer die beste therapie durchführen kann, wenn sie zu teuer ist!
andersrum gedacht: täte ich dies, würde mir auf der anderen seite das geld fehlen, günstigere therapien in massenanwendungen durchzuführen.
hart gesagt: entweder wenig leuten teuer das leben retten, dafür die masse draufgehen lassen, oder umgekehrt...!!!
dass das eine extrem problematische ethisch-moralische zwickmühle ist, leuchtet jedem ein!


mir leuchtet einiges in diesem post NICHT ganz ein. warum ist es "natürlich" defizitär, wenn man ein gutes gesundheitssystem will? gäbe es mehr transparenz und nutzung von synergien, weniger ressourcen- und zeitverschwendung, weniger geschmiere und lobbyismus, mehr eigenverantwortung und mehr gesundheitsaufklärung, dann könnte man imho OHNE probleme eine schwarze null oder sogar gewinn machen. volkswirtschaftlich gesehen ist die fehlverschiebung von massen an manpower und kohle unter derzeitigen bedingungen kompletter irrsinn...

"nicht immer die beste therapie", was ist denn die immer beste behandlung? da wird wohl jeder kollege etwas anderes sagen, und oftmals dabei nicht das wohl des patienten im auge haben...
oft genug wäre es wohl das beste, mal gar nichts zu tun, aber dann werden die privaten erstmal schön abgemolken, weil die GKVler in vielen fällen ein defizit verursachen, das ist doch der status quo.
ich widerspreche dir: warum soll denn ein privater/selbstzahler nicht die möglichkeit haben, teurere/aufwändigere diagnostik/therapie in anspruch zu nehmen, wenn er dafür auch viel bezahlt, und der GKVler eine anständige, aber eben nicht in jedem falle high-end-medizin? notfälle natürlich ausgenommen!

wer mehr hat, bekommt auch mehr, so läuft es im leben nun mal, egal in welchem system, ob kapitalismus, kommunismus, sozialismus. und wenn man sich mal im elektiven/lifestyle-medizin-bereich umschaut sieht man ja deutlich, was so geht...

die grundversorgung muss in ordnung sein, keine frage, und bei wirklich schwerwiegenden erkrankungen muss jeder exzellente behandlung bekommen, aber die 90% pillepalle die das tagesgeschäft ausmachen braucht nicht jeder immer das schönste, teuerste, neueste. wobei es eine interessante frage ist, ob das neue denn immer so gut ist... ein hoch auf die pharmaindustrie sag ich nur...

das rundum-sorglos-paket für alle gibt es nicht mehr und das wird es auch nie mehr geben. in vielerlei hinsicht finde ich das auch gut: muss jeder einzelne mal über sein verhalten nachdenken...

deine argumentation hat einen weiteren fehler: du sagst, wenn man wenige teure therapien durchführt, dann hat man kein geld für die massenanwendung von anderen behandlungen.

genau dies IST aber der fall: man zieht möglichst viel aus den privaten und steckt einiges davon in die GKV-patienten.

ein beispiel aus meiner täglichen arbeit: nach neuesten leitlinien sollte man die Stanze der prostata in lokalanästhesie der samenblasen usw durchführen, das ist aber keine kassenleistung, nur die privaten bezahlen das. bei uns bekommen die PPs also eine rechnung darüber, die GKVler werden aber auch in lokaler gestanzt, und die erlöse aus den lokalen der PPs werden 1:1 zur defizitdeckung der kassenstanzen benutzt.

ein weiteres beispiel: wenn ich einen patienten nach einer ESWL länger als eine nacht stat behalte, bekomme ich IMMER eine mdk-anfrage, ganz egal ob der ein hämatom oder einen infekt hat, und meistens gibt es abschläge. ausserdem werden bei uns fast alle elektiven patienten prästationär einbestellt un dkommen dann am morgen der OP, weil der mdk eine aufnahme am abend des tages vor OP als grundsätzlich unnötig erachtet, ganz egal ob noch EKs gekreuzt werden müssen oder eine bga nötig ist, egal ob es sich um eine hydrocele oder neoblase handelt.
das bedeutet, dass wir diese ganze prästationäre diagnostik etc nicht vergütet bekommen, weil im DRG nur der fall an sich berechnet wird, das kann gar nicht kosteneckend sein bei grösseren sachen.
das gilt alles nur für GKVler wohlgemert, ohne unsere reichlich vorhandenen privaten könnten wir nie so eine exzellente urologie machen wie es der fall ist (und noch ordentlich gewinn dabei, und das wissen darum motiviert einen wirklich! den ganzen tag vom system verar$cht zu werden und trotzdem durch effizienz und spass zu gewinnen).

mit den bäckereien ist auch schön: diese ketten wie kamps übernehmen bestehende bäckereien,das ist ein franchise. erinnert mich an ein MVZ: lizengeber ist bspws die kasse, du bist lizenznehmer, die konditionen bestimmst aber nicht du... und wenn du nicht spurst, wirst du fertig gemacht... tolle vorstellung!!

ethisch-moralische zwickmühle? in einem so hochkomplexen themenfeld gibt es so viele interessenkonflikte, da definiert jeder moral anders.

es ist ein geschäft wie so vieles, und geschäfte müssen funktionieren oder sie gehen bankrott. das ist der fall, nur die insolvenz ist noch nicht angemeldet, weil der markt reguliert ist und es deshalb noch verschleiert werden kann.

ein bisschen mehr ehrlichkeit und realismus und ein bisschen weniger gutmenschentum und weniger schwingen der moralkeule würden allen ganz gut zu gesicht stehen, und ich betone: allen!

Ehemaliger User 20130505
08.11.2007, 09:20
@No:

Es kommt darauf an, worauf man den Begriff 'defizitär' bezieht. Für den einzelnen Arzt darf es selbstverständlich nicht defizitär sein, für das Krankenhaus als Wirtschaftsunternehmen auch nicht, aber für den Staat resp. die Gesamtheit der Einwohner ist das Gesundheitswesen immer defizitär.

Ganz egal, welches Krankenversicherungssystem man hat, es wird immer Leute geben, die nichts oder nur wenig einzahlen können und trotzdem Leistungen beanspruchen dürfen, denn man kann niemandem eine mindestens ausreichende Versorgung versagen.

In diesem Sinn hab ich auch Bratzes Beitrag verstanden:


Ich frage mich manchmal einfach nur, warum die Politiker nicht erkennen können, dass Gesundheit und Bildung zum Einen Menschenrechte sind und zum Anderen Dinge sind, mit denen man NICHT Gewinn machen kann.
Der Gewinn entsteht an anderer Stelle und ist den beiden "Systemen" nicht direkt zuordbar.

Warum kann man dann nicht einfach sagen, dass diese beiden Teile nunmal defizitär geführt werden müssen, damit vernünftige Ergebnisse dabei am Ende rauskommen?

Das Gesundheitssystem wird immer auf Transfermittel angewiesen sein, egal, ob es Steuerzuschüsse, höhere Kassenbeiträge der Leute mit höheren Einkommen oder die Querfinazierung von Kassenpatientenbehandlungen durch Privatpatientenbehandlungen wie in Deinem Beispiel der Lokalanästesien bei den Prostatabiopsien sind.
Je besser man die Patienten versorgen will, deren Behandlung aus Transfermitteln finanziert wird, desto höher müssen diese Transfermittel sein, und da darf man sicher Grenzen setzen. Da hast Du absolut Recht.

Doktor_No
08.11.2007, 10:11
oha chris, da kommen wir in den bereich der bilanzierung eines gesundheitswesens: wenn die over-all morbidity abnimmt, sei es auch durch erhöhte ausgaben im gesundheitswesen, nimmt dann der witschaftliche benefit insgesamt nicht signifikant zu, so dass, wenn man beides gegenrechnet, wieder ein plus generiert wird?

schönes negativbeispiel sind wieder mal die USA: das teuerste gesundheitssystem der welt, aber eine insgesamt abnehmende lebenserwartung...

Ehemaliger User 20130505
08.11.2007, 10:17
....nimmt dann der witschaftliche benefit insgesamt nicht signifikant zu, so dass, wenn man beides gegenrechnet, wieder ein plus generiert wird?
So hab ich Bratze verstanden: Das Gesundheitswesen allein betrachtet kann für den Staat ein "Zuschussbetrieb" sein, dessen "Verluste" er aber durch "Gewinne" in anderen Bereichen ausgleichen kann.
Und für das Bildungswesen gilt das auch.

Doktor_No
08.11.2007, 10:30
Die Ära der niedergelassenen Fachärzte in Einzelpraxen wird unweigerlich zuende gehen. Dafür bauen Kliniken ihre Ambulanzen aus und die vielzitierten MVZs (wer diese letztlich betreibt sei mal dahingestellt) übernehmen die übrige Versorgung.

ersetzte MVZ durch poliklinik und du hast die DDR-systematik (völlig wertfrei!)


Die absolute Anzahl der an einer Routine-OP beteiligten Ärzte ließe sich zudem auf ein Drittel reduzieren, wenn das Pflege- bzw. Hilfspersonal erstmal entsprechend qualifiziert ist ("Hakenhalter", "Anästhesie-Pfleger"). Ähnliche Einsparmaßnahmen könnten für wiederkehrende Verwaltungstätigkeiten erzielt werden.

grau ist alle theorie...
wie ist denn die wirklichkeit? helios wollte die anästhesie-technischen-assistenten einführen, nach klage des berufsverbandes und einstweiliger verfügung wurde das untersagt, bei rhön gibt es die "arzt-ergänzenden massnahmen", gern arzt-ersetzend genannt, lass dir mal von einem dort beschäftigten erzählen wie das in der realität läuft...

chirurgisch-technische assistenten gibt es in D noch nicht viele, angesichts der tatsache dass zunemend stellen in der chirurgie überhaupt nicht mehr besetzt werden können, da keine bewerber vorhanden sind, wären wir doch froh, wenn ein "gelernter" uns den bauch schon einmal aufmacht und wir erst zur eigentlichen OP an den tisch treten, aber du sparst damit nicht eine einzige stelle. wenn ich dann noch an eine routine-op wie einen appendix denke: eine instrumentierende, ein operateur, ein assi (im dienst eh nur zwei, da assistiert oft genung der/die instrumentierende) und ein anästhesist, wenn man das auf ein drittel reduziert bedeutet dass also, dass ich mir im dienst selbst assistieren kann, während ich mir simultan selbst instrumentiere und gleichzeitig natürlich die narkose fahre. geil, wo kann ich mir das patantieren lassen?

die krankenhäuser sparen sich an der pflege kaputt, wer hat denn die chance, sich als schwester/pfleger überhaupt zum op-pfleger, zur intensiv-schwester usw. ausbilden zu lassen, um dann ach so toll qualifiziert ärzte zu ersetzen/entlasten? statt dessen immer mehr krankenpflegehilfen, das deutsche krankenhaus verkommt immer mehr zur verwahranstalt, wo oft genug nur noch die vitalzeichen gemessen werden und das essen verteilt wird, an lagerung und so weiter ist da häufig nicht mehr zu denken...
und durch den abschlag von 9% per anno wird das sicher nicht besser werden...

ambulantes operieren, ein zauberwort der vergangenen jahre, wird jedes jahr durch den neuen EBM unattraktiver.

wiederkehrende verwaltungstätigkeit: wenn mir doch endlich jemand das kodieren abnehmen könnte etc, ich hätte mehr zeit für meine eigentliche arbeit, könnte mehr pat behandeln und mehr geld reinbringen, während eine fachkundige kodierkraft mehr erlös bringt, das sagen wir ja seit jahren, aber wo spare ich denn damit ärzte ein????? im gegenteil, per gesetz muss eine kodierung von fach- und sachkundigen leuten gemacht werden, und die daten sind auch sensibel, also wird ein arzt speziell dafür ausgebildet...

im niedergelassenen bereich magst du recht haben rein nominell und theoretisch gerechnet, in der praxis (kalauer!) sieht es aber so aus, dass die wartezimmer brechend voll sind, die kollegen draussen aber weniger verdienen, je mehr kommen...



Ergo: wir haben in D keinen Ärztemangel, wie er immer wieder (fast schon krampfhaft) beschrien wird, sondern aktuell etwa 50 bis 60% zuviel Ärzte! Das erklärt auch zum Teil, warum hierzulande die Arbeitsbedingungen so mies sind. Zuviele Leute drängen in den Beruf, und Arbeitgeber wie Patienten nutzen das aus.


komisch, warum habe ich davon in den kliniken bisher nur das gegenteil bemerkt? wo drängen denn momentan die massen ins krankenhaus, von hamburg, berlin und münchen mal abgesehen?! hier gehen nur viele weg...

komm mal von deinem dach karlsson und lass dich nicht von fernsehberichten indoktrinieren, wo man nicht weiss welcher redakteur welche interessen hat.

hennessy
08.11.2007, 13:02
ich warte darauf, dass die Zivis operieren, nachdem sie an einem Wochenendkurs Chirurgie "erfolgreich" teilgenommen haben. Und im Notarztwagen sitzt die Putzfrau. Selbstverständlich besitzt sie ein Notfalldiplom.
Sorry, aber schön langsam krieg ich nen dicken Hals.

tarumo
08.11.2007, 13:39
ZDF-Berichte bezüglich des Gesundheitswesens sind in den letzten Jahren sehr mit Vorsicht zu genießen. Immer öfter wird hier die Linie des BMG bzw. der Krankenkassen vertreten, gut zu erkennen, indem Figuren aus diesen Kreisen jeweils in der Rolle des Anklägers (gegen Ärztepfusch, Korruption usw. ) Raum eingeräumt wird. ZDF ist ja öffentlich-rechtlich und wenn man zu sehr von der Regierungslinie abweicht, gibt es vielleicht hinterher aufs Dach. Berichte über GEZ-Praktiken wird man auch nicht auf „Frontal“ finden.
Gut erinnern kann ich mich an einen Bericht aus dem Sommer, als man einen „Kassenermittler“ gegen raffgierige Ärzte begleitet hat. Originalaussage des Kassenermittlers: es wird zwar keinem Arzt eine strafbare Handlung vorgeworfen, man ermittle aber trotzdem mal (sozusagen rein prophylaktisch).
Ein paar Wochen später wurden die Zahlen eines anderen „Ermittlers“ unkommentiert stehengelassen: die Kosten für diese Ermittlungsmaßnahmen übersteigen die letztendlich reinkommenden Bußgelder, Regresse etc.. um ein mehrfaches. In jeder Firma würde so eine Abteilung sofort wg. Unwirtschaftlichkeit geschlossen.

In „Frontal“ am letzten Dienstag waren von fünf redaktionellen Beiträgen wiederum zwei gegen Ärzte gerichtet. Alles Zufall? Wenn man nur oft genug mit Dreck schmeißt, wird schon was hängen bleiben.

Dazu passt, dass der erwähnte ZDF-Bericht wohl neben dem BMG-Vertreter als einziges einen manifesten Ärztemangel infrage stellt. Ohne mit Statistiken um sich zu werfen, langt ein Blick in den Stellenteil vom DÄ oder ein paar Anrufe in x-beliebigen Kliniken, um sich schnell eine gegenteilige Meinung zu bilden.

Bezüglich der Aussage zur Ambulanzverlagerung in die Krankenhäuser greift man sich auch an den Kopf: personell pfeifen die meisten KH´s aus dem letzten Loch und bereits jetzt wird die stationäre Arbeit nur noch mit Ach und Krach sichergestellt. Woher sollen die Leute kommen, wenn in der Ambulanz auf einmal zwanzigmal so viele Leute hocken wie jetzt?

MatzeXXL
08.11.2007, 13:54
Was sind denn jetzt eigentlich die konkreten Missstände, um die es in diesem Thread geht?

1. Lenkung der ärztlichen Therapie durch die Kassen
2. Hohes Arbeitsauskommen in der eigenen Praxis ("Massenabfertigung")
3. Geringe Gesamtentlohnung

Fehlt noch was?

netter Link zum Einkommen Niedergelassener:

http://www.stern.de/wirtschaft/versicherung/341636.html?eid=501116

Was ich rauslesen, verdient der Hausarzt, der nur 50€ pro Patient im Quartal bekommt, so zwischen 3500-4000 Euro netto. Naja, ist doch ganz gut ;)

Weltbester_Karlsson
08.11.2007, 14:28
grau ist alle theorie...
wie ist denn die wirklichkeit? helios wollte die anästhesie-technischen-assistenten einführen, nach klage des berufsverbandes und einstweiliger verfügung wurde das untersagt, bei rhön gibt es die "arzt-ergänzenden massnahmen", gern arzt-ersetzend genannt, lass dir mal von einem dort beschäftigten erzählen wie das in der realität läuft...
Ich denke es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Gesetzgeber den "Berufsverbänden" die Grundlage (=entspr. Gesetze) für derartige Klagen entzieht.



chirurgisch-technische assistenten gibt es in D noch nicht viele, angesichts der tatsache dass zunemend stellen in der chirurgie überhaupt nicht mehr besetzt werden können, da keine bewerber vorhanden sind, wären wir doch froh, wenn ein "gelernter" uns den bauch schon einmal aufmacht und wir erst zur eigentlichen OP an den tisch treten, aber du sparst damit nicht eine einzige stelle.
Es geht ja nicht um Stelleneinsparungen an sich, sondern um die Einsparung wertvoller Arztstunden mit entsprechend höherer Vergütung (oder missverstehe ich Dich jetzt?)



wenn ich dann noch an eine routine-op wie einen appendix denke: eine instrumentierende, ein operateur, ein assi (im dienst eh nur zwei, da assistiert oft genung der/die instrumentierende) und ein anästhesist, wenn man das auf ein drittel reduziert bedeutet das also, dass ich mir im dienst selbst assistieren kann, während ich mir simultan selbst instrumentiere und gleichzeitig natürlich die narkose fahre. geil, wo kann ich mir das patentieren lassen?
Hattest Du Dir den besagten ZDF-Beitrag eigentlich angeschaut? Da wurde gezeigt wie in NL Operationen durchgeführt werden. Ich habe da nur einen Arzt gesehen, der Rest war Hilfspersonal.



die krankenhäuser sparen sich an der pflege kaputt, wer hat denn die chance, sich als schwester/pfleger überhaupt zum op-pfleger, zur intensiv-schwester usw. ausbilden zu lassen, um dann ach so toll qualifiziert ärzte zu ersetzen/entlasten? statt dessen immer mehr krankenpflegehilfen, das deutsche krankenhaus verkommt immer mehr zur verwahranstalt, wo oft genug nur noch die vitalzeichen gemessen werden und das essen verteilt wird, an lagerung und so weiter ist da häufig nicht mehr zu denken...
und durch den abschlag von 9% per anno wird das sicher nicht besser werden...
Das ist der Status quo, wir reden aber vom Umbau des Gesundheitswesens, der zwar bisher teilweise nur auf dem Papier existent ist, jedoch seit zwei Jahren zunehmend an Fahrt gewinnt.



wiederkehrende verwaltungstätigkeit: wenn mir doch endlich jemand das kodieren abnehmen könnte etc, ich hätte mehr zeit für meine eigentliche arbeit, könnte mehr pat behandeln und mehr geld reinbringen, während eine fachkundige kodierkraft mehr erlös bringt, das sagen wir ja seit jahren, aber wo spare ich denn damit ärzte ein????? im gegenteil, per gesetz muss eine kodierung von fach- und sachkundigen leuten gemacht werden, und die daten sind auch sensibel, also wird ein arzt speziell dafür ausgebildet...

Ich bin davon überzeugt, wir werden es erleben, dass auch hierfür die entsprechenden Gesetze geändert werden (s.o.).



im niedergelassenen bereich magst du recht haben rein nominell und theoretisch gerechnet, in der praxis (kalauer!) sieht es aber so aus, dass die wartezimmer brechend voll sind, die kollegen draussen aber weniger verdienen, je mehr kommen...
Ebenfalls ein Teil des Problems, das durch die besagten Reformen behoben werden soll. Ohne die berühmte "zweite Facharztschiene" wird es weniger Überweisungen geben, weniger Doppeluntersuchungen etc. Dass die Einzelpraxen sterben werden, ist beschlossene Sache. Die neuen Rahmenbedingungen für Niedergelassene laufen letztlich darauf hinaus. Es wird nur anders verkauft, um keinen Volks- bzw. Ärzteaufstand heraufzubeschwören.



wo drängen denn momentan die massen ins krankenhaus, von hamburg, berlin und münchen mal abgesehen?! hier gehen nur viele weg...
Ich denke Dein Eindruck ist subjektiv. Außerdem lass erstmal alle Tätigkeiten, die momentan Ärzte ausführen, von qualifiziertem Hilfspersonal erledigen, dann wird man sehen, wieviele Ärzte tatsächlich noch in den Kliniken benötigt werden. Ich vermute es werden weitaus weniger sein als uns allen lieb ist.

Ich weiß, das was ich hier von mir gebe ist unter Medizinern z.T. "political incorrect" doch sollte es zumindest möglich sein, solche Dinge auszusprechen und zu diskutieren. Was bringt es sich nur im Kreis zu drehen und sich gegenseitig sein Leid zu klagen oder sich gegenseitig die ... zu kraulen? Man muss unangenehmen Tatsachen ins Auge blicken und sein Handeln entsprechend ausrichten. Ansonsten strebt man möglicherweise geradewegs dem Abgrund entgegen. Oder realisiert eines Tages, beim ersten "Burn-out", dass man berufsmäßig in einer Situation steckt, die man nie angepeilt hatte.

Es gibt diesen berühmten Spruch "Gott, schenke dir die Gelassenheit, das anzunehmen, was du nicht ändern kannst. Gott, schenke dir den Mut, das zu ändern, was du ändern kannst. Gott, schenke dir die Weisheit das eine vom andern zu unterscheiden." Meiner Meinung nach handelt es sich bei den politischen bzw. gesetzlichen Rahmenbedingungen leider um Ersteres. Es sei denn der Ärzteschaft gelänge es die Patienten auf ihre Seite zu holen, was ich unter den gegenwärtigen Umständen für wenig realistisch halte (vorbehaltlich eines Wunders).

tarumo
08.11.2007, 14:31
Was ich rauslesen, verdient der Hausarzt, der nur 50€ pro Patient im Quartal bekommt, so zwischen 3500-4000 Euro netto. Naja, ist doch ganz gut ;)


Na ja, Lügen mit Statistik;-) Wenn man zusätzlich noch Einnahmen von Privatpatienten hat, kommt das ganz gut hin. Im Osten oder auf dem Land fallen diese weg und die Praxis geht trotz rappelvollem Wartezimmer hopps. Wobei sich dieser Trend langsam auch in andere Regionen ausbreitet.

Leider geht nicht hervor, ob von den 3500 EUR netto noch die Praxismiete, die Arzthelferin und die Geräte bezahlt werden müssen. Wenn ja, viel Spaß!

Bei näherem Nachdenken sollte eigentlich klar sein, daß aus Einnahmen von 50 EUR/Quartal pro Patient und unter Berücksichtigung aller Unkosten niemals 3500 EUR netto rausspringen können.
Bei 40.000 netto/a müßte pro Quartal 10.000 erwirtschaftet werden, gesetzt den Fall, daß jeder Patient 1x kommt, also 2000 verschiedene (!), von denen nicht ein einziger ein Medikament benötigen darf oder eine Untersuchung. Unter Berücksichtigung der Bruttokosten und des tatsächlichen Bedarfs sowie der Praxisbetriebskosten sind wir gleich bei 8000 oder 10.000 im Quartal-viel Spaß beim Ausrechnen der Mindestbehandlungsdauer bei einer Sechstagewoche!

hennessy
08.11.2007, 14:38
aktuelle Information aus Sachsen-Anhalt: ein Viertel der niedergelassenen Zahnärzte in Sachsen-Anhalt können nicht mal mehr den Pflichtbeitrag zur eigenen Altersversorgung bezahlen. Tendenz steigend. So siehts in der Realität aus.

MatzeXXL
08.11.2007, 14:55
Kann mal jemand eine verlässliche Quelle posten, aus der das WIRKLICHE Durchschnittseinkommen von Human-und Zahnmedizinern ersichtlich wird?

hennessy: Hast du eine verlässlich Netto-Angabe? Quelle? Evtl eigenes Einkommen :D (sagen wir +/-1500€, man will ja nicht zu persönlich werden....)

sowas z.B.: http://www.medizinauskunft.de/artikel/service/politik/18_08_arztverdienst.php
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/ao.asp?id=54271

Doktor_No
08.11.2007, 15:16
Es gibt diesen berühmten Spruch "Gott, schenke dir die Gelassenheit, das anzunehmen, was du nicht ändern kannst. Gott, schenke dir den Mut, das zu ändern, was du ändern kannst. Gott, schenke dir die Weisheit das eine vom andern zu unterscheiden." Meiner Meinung nach handelt es sich bei den politischen bzw. gesetzlichen Rahmenbedingungen leider um Ersteres. Es sei denn der Ärzteschaft gelänge es die Patienten auf ihre Seite zu holen, was ich unter den gegenwärtigen Umständen für wenig realistisch halte (vorbehaltlich eines Wunders).


ich gaube nicht an gott, sondern bin agnostiker !!!!!!!!!!!!!! :-))

und den bericht habe ich nicht gesehen, was war denn das für eine OP? ein port vielleicht?

stern-tabellen glaube ich so viel wie der BILD, und als niedergelassener mit personalverantwortung und laufenden kosten von x1000 euro/monat würde ich mit 4000 netto abkotzen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

tarumo
08.11.2007, 15:17
Zweifellos besteht Diskussionsbedarf. Ich erwarte aber, wenn die Politik schon die Abschaffung der zweiten Facharztschiene sowie de facto der Hausärzte beschließt- das dann auch klar zu sagen und nicht das blaue bzgl Verbesserung der Versorgung vom Himmel zu lügen.

Zum vermehrten Einsatz von OTAs gab es übrigens ein Statement (ich meinte, es war Herr Pföhler von Rhön). Demnach erwarte man sich keine Einsparungen von Personalkosten, weil sie genauso viel verdienen würden wie Assistenzärzte. Alleine dieser Satz sollte doch zu denken geben. Entweder verdienen die OTAs zuviel oder die Ärzte zuwenig. Ja, was wohl…

Alle, die sich durch den Ärztemangel Einkommensverbesserungen erhoffen, sollten bedenken, dass die offenen Stellen dann vermehrt von solchen Kräften besetzt werden. Tja…

MatzeXXL
08.11.2007, 15:18
Die Frage ist also, was bleibt den Ärzten an Reingewinn nach Abzug ALLER Kosten....

tarumo
08.11.2007, 15:21
Die Frage ist also, was bleibt den Ärzten an Reingewinn nach Abzug ALLER Kosten....

Offensichtlich zu wenig. Sonst würden ja nicht jedes Jahr so viele Praxen schließen. Und es müßten auch keine Bürgermeister Praxen sowie die dazugehörige Privatwohnung verschenken wollen (!) und trotzdem keinen finden. Und auch für Osteuropäer, die rechnen können, scheint es nicht interessant zu sein.
Insofern sind doch alle Zahlenspiele müßig.