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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Niederlassungsberatung: Ich rate davon ab, Arzt in Deutschland zu werden



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hennessy
10.11.2007, 11:07
Hallo Hennessy,

wogegen richtet sich eigentlich Deine Aufforderung an Deine Patienten, sich zu wehren? Sollen sie sich dagegen wehren, dass es auf Kassenkosten nur Amalgam und GIZ gibt, aber keine Gold- und Keramikinlays, und dagegen, dass es auf Kassenkosten keine Implanate gibt?

Solltest Du etwa ein verkappter Oskar-Anhänger sein?;-)
Hallo Chris,
mit Oskar habe ich absolut nichts am Hut.
Meine Aufforderung richtet sich z.B. gegen immer weiter steigende Beiträge, die immer weniger bei den Patienten ankommen. Für diese Beiträge erwarte ich eine Gegenleistung, die der Patient positiv spürt und nicht z.B. in Marmor der Verwaltungsgebäude investiert wird. Das Sozialgesetzbuch sieht für Patienten die Schulnote 4 vor, die Krankenkassen jedoch gönnen sich selbst Schulnote 1 in ihrer Verwaltung, Personalstruktur, EDV, Gehalt der Vorstände etc. etc. Dagegen sollte man vorgehen. Es kann genauso wenig sein, dass ein Mitarbeiter/Vorstand der Kassen einen Erfolgs-Bonus erhält, ohne jedoch diesen Erfolg nachweisen zu müssen. Viele ältere Patienten haben ihr Leben lang Beiträge bezahlt. Und dann, wenn sie alt und krank sind, müssen sie auch noch Rezeptgebühr/Praxisgebühr bezahlen. Andererseits bekommen junge, gesunde Damen z.B. Yogakurse oder ähnliches von der Kasse bezahlt. Ist das auch "ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich". Und "darf das Maß des Notwendigen nicht überschreiten." Da hört bei mir das Verständnis auf.

Wir bewegen uns aber hier ziemlich vom Thema weg.
Sorry for off topic!

Ehemaliger User 20130505
10.11.2007, 12:57
Wir bewegen uns aber hier ziemlich vom Thema weg.
Sorry for off topic!Finde ich nicht.
Um Verbesserungsvorschläge machen und diskutieren zu können, muss man erst mal die Missstände nennen.


Andererseits bekommen junge, gesunde Damen z.B. Yogakurse oder ähnliches von der Kasse bezahlt. Ist das auch "ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich". Und "darf das Maß des Notwendigen nicht überschreiten." Da hört bei mir das Verständnis auf.Bei mir auch.

Das Sozialgesetzbuch sieht für Patienten die Schulnote 4 vor, die Krankenkassen jedoch gönnen sich selbst Schulnote 1 in ihrer Verwaltung, Personalstruktur, EDV, Gehalt der Vorstände etc. etc. Dagegen sollte man vorgehen.Es kann genauso wenig sein, dass ein Mitarbeiter/Vorstand der Kassen einen Erfolgs-Bonus erhält, ohne jedoch diesen Erfolg nachweisen zu müssen.Hier sprichst Du zu Recht die Verwaltungskosten an.

Dass es ganz ohne Kontrollinstanzen nicht geht, ist klar, denn
die, die zwangsweise relativ viel einzahlen, sei es direkt über hohe Beiträge oder indirekt über Steuern, haben einen Anspruch darauf, dass mit ihrem Geld kein Missbrauch getrieben wird.
Dazu gehört eine Beschränkung der Verwaltungskosten auf das unbedingt nötige Maß und eine Vereinbarung über den Umfang der Basisleistungen, auf die jeder Einwohner einen Anspruch haben soll, egal ob und wieviel er in das System einzahlt.

Über den Umfang müssten sich Vertreter von Ärzten, Krankenversicherern und Politikern einigen. Im Prinzip also ein gemeinsames Festlegen dessen, was zu WANZ gehören soll. Ist nicht einfach und müsste ständig aktualisiert werden. Ein Anfang wäre z. B. eine Positivliste für Medikamente. Dass Positivlisten für andere Bereiche schwierig wären, ist klar. Wäre hier aber auch ziemlich off topic.

Zwecks Beschränkung der Verwaltungskosten im GKV-System müsste man einerseits nach Einsparmöglichkeiten bei den Kassen (Beispiele hast Du schon genannt) suchen; andererseits könnte man auch über die Abschaffung einer der beiden Verwaltungsinstanzen nachdenken:
Im PKV-System gibt es nur eine Verwaltungsinstanz, nämlich die Versicherung selbst, während es im GKV-system zwei Verwaltungsinstanzen gibt: die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Krankenkassen.

Mein Vorschlag wäre, die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Gesetzlichen Krankenkassen in ihrer heutigen Form abzuschaffen und statt dessen ein Krankenversicherungssystem einzuführen, bei dem jeder die Wahl haben sollte zwischen einem Versicherungstyp, der einer Vollversicherung in unserer heutigen PKV entspräche, und einem Versicherungstyp, bei der seine Ärzte den versicherten Anteil der Rechnungen direkt mit seiner Versicherung abrechnen, und ihm vom Arzt nur sein Selbstbehalt in Rechnung gestellt wird. Dieser zweite Versicherstyp entspräche dann zwar einem partiellen Sachleistungssystem, aber es würde trotzdem für jeden Patienten eine individuelle, transparente Rechnung erstellt.

primus
10.11.2007, 14:06
mit Verlaub: Das ist imho Quatsch und ich möchte mich auch im Namen der Landärzte gegen eine solch verallgemeinernde Diskriminierung verwehren. Es gibt gottseidank auch Kollegen, die gerne aufs Land gehen und zumindest genauso hochwertig arbeiten als die oftmals selbsternannten Spezialisten in der Stadt. Ganz im Gegenteil...

dies es weder quatsch noch hat es irgendetwas mit diskriminierung zu tun...

schau dir doch die situation der humanmediziner oder juristen an.
früher reichte es, wenn auf dem praxisschild "prak. arzt" oder kanzleischild "rechtsanwalt" stand.
in den städten ist der (verdrängungs-)wettbewerb am höchsten. wie groß sind heutzutage die chancen eines "praktischen" arztes (der sich als solcher inzwischen gar nicht mehr niederlassen dürfte) gegen einen "prof. dr. dr." oder "facharzt für xy und z" zu bestehen? wie groß sind die chancen eines frischgebackenen allround-rechtsanwalts sich gegen eine spezialisierte kanzlei zu behaupten?

versteh mich bitte nicht falsch, es liegt mir fern, dich in irgendeiner weise anzugreifen oder die landpraxis schlecht zu reden. natürlch ist es vollkommen legitim aufs land zu ziehen und selbsverständlich lässt es sich auch dort qualitativ hochwertig arbeiten.

fakt ist aber auch, dass die mehrheit der (jüngeren) absolventen gerne in einer stadt bleiben würde und dass dort die konkurrenz deutlich härter als auf dem land ist.
die (vermeintlichen) koryphäen unseres fachgebiets wird man selten in der pampa wiederfinden...

es würde mich sehr wundern, wenn die entwicklung in der zahnmedizin der in der humanmedizin oder der jurisprudenz widersprechen würde (ich vermute lediglich eine zeitverzögerung - wodurch man in die lage versetzt wird, rechtzeitig und adäquat die weichen zu stellen).
die quintessenz lautet ganz klar: KOOPERATION und SPEZIALISIERUNG.

ich denke, dieser trend ist inzwischen von der allgemeinheit verinnerlicht worden.
dies lässt sich unter anderem auch in dem zusammenschluss der allgemeinärzte bzw. allgemeinzahnärzte erkennen, die sich auf diese weise besser gegen die spezialisten zu behaupten glauben und in dem "run" der zahnmediziner auf die master-studiengänge, wo für viel geld (vermutlich wenig) kenntnisse vermittelt werden. auch die "tätigkeitsschwerpunkte" auf den praxisschildern schießen doch wie pilze aus dem boden...

die allround-einzelkanzlei ist genauso eine aussterbende spezies wie der "praktische" arzt - ob der "praktische" allround-zahnarzt in ballungsgebieten in zehn bis zwanzig jahren immer noch konkurrenzfähig ist - man möge mir meine zweifel vergeben...

hennessy
10.11.2007, 21:27
dies es weder quatsch noch hat es irgendetwas mit diskriminierung zu tun...

dann drück Dich bitte nicht so missverständlich aus. Du tust gerade so, als wenn eine Ausübung des Arzt- oder Zahnarztberufs auf dem Land mehr oder weniger eine Strafe wäre. Du sprichst ja von einem Zwang.
Dass die Koryphäen nicht auf dem Land zu finden sind, mag vielleicht auch daran liegen, dass sie hier nicht bestehen könnten. Weil es hier noch ehrlicher zugeht.

Ich habe nach sehr reiflicher Überlegung und mit voller Absicht die Tätigkeit auf dem Land gewählt und hab es seit über zehn Jahren noch keine Sekunde bereut. Obwohl ich keinen Bachelor oder Master habe und auch niemals machen werde. Meinen Patienten ist es egal, was auf dem Schild steht. Sie beurteilen mich nach meiner Arbeit und nicht nach dem schönen Schein. Sie lassen sich vielleicht auch nicht so sehr von schönen Titeln oder Schilderchen blenden wie die Schicki-Mickies in der Stadt.
Ich erhebe für mich auch den Anspruch, hochwertige und moderne Zahnmedizin anzubieten. Meine Rechnungen über Fortbildungen jedes Jahr belaufen sich auf viele tausend Euros. Welcher Kollege in der Stadt macht dies oder kann sich dies überhaupt leisten?

Aber anscheinend hält sich das Vorurteil nach wie vor recht hartnäckig, dass nur in der Stadt gute Mediziner zu finden sind. Was solls, mir kanns nur recht sein. ;-) Ich finds nur schade, dass sich sogar Fachleute dieser verqueren Meinung anschließen, ohne mal darüber nachzudenken oder zu hinterfragen.

Monas_Pseudo
11.11.2007, 14:01
......Hier gehts doch um Zahlen. Also her mit den Zahlen.....Hi Matze,

hier sind noch Zahlen des Bundesamts für Statistik:

"Kostenstruktur bei Arzt-, Zahnarzt- und Tierarztpraxen (https://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls?CSPCHD=000000010004idae6l 7nFH3431877576&cmspath=struktur,vollanzeige.csp&ID=1018854)".


"Erfasste Praxen und Praxisinhaber/-innen, Einnahmen, Aufwendungen nach Aufwendungsarten, Reinertrag, tätige Personen und Personalaufwendungen je Praxis für das Berichtsjahr 2003"

Erschienen am 31. Juli 2006

Artikelnummer: 2020161039004

Ehemaliger User 20130505
12.11.2007, 07:29
... Du wirst dich wundern, wie viele dt. Exilärzte in Skandinavien früher in Deutschland eine eigene Praxis hatten.Wieviele kennst Du? Kannst Du valide Zahlen nennen? Aber bitte nur Angabe einer seriösen Quelle. Stammtisch, Internetforen etc. zählen nicht. ;-)

Hier ist ein Interview mit einem Allgemeinmediziner, der nach Schweden ausgewandert ist und dort in einer Vardcentral (kommunales MVZ) als Districtläkare Allmänmedicin (Facharzt f. Allgemeinmedizin) arbeitet.


„Bin gerne Arzt, aber kein Kaufmann (http://www.derwestallgaeuer.de/news.php?id=3282)“


Zitate daraus:



[.....]
Was ist besser als in Deutschland?

"Ich muss als Arzt nicht selbst finanziell investieren und kann den Patienten im Wesentlichen so behandeln, wie ich es für richtig halte. Dadurch fühle ich mich hier wirtschaftlich viel freier. Streit ums Geld mit Patienten gibt es auch nicht, denn das Landsting (die Verwaltung) zieht das Geld ein. [.........]
Hier in Schweden bin ich angestellt mit allen Vorteilen und unser Dienst ist geregelt: in der ersten Woche acht Stunden Arbeit am Tag und anschließend Rufbereitschaft. Dann folgt eine Woche mit normalen 40 Stunden Arbeit. In der dritten Woche hat man frei und feiert die Überstunden aus der ersten Woche ab. Zudem hatte ich im Sommer sechs Wochen Urlaub am Stück." [......]

Was müsste in Deutschland geschehen, damit Sie wieder zurückkommen?

[.....]"Zum einen bräuchte man eine berufliche Existenz. Nach wie vor ist das System so aufgebaut, dass es das Kassensystem gibt und man in die Niederlassung geht oder als Chef in irgendwelche Kliniken. Dieses System müsste man durchbrechen. Ich bin gerne Arzt, aber ich bin kein Kaufmann."[.....]

Wie lautet ihr Genesungsrezept für das deutsche Gesundheitssystem?

"Das System müsste ehrlicher werden. Ganz einfach. Das fängt bei der Frau Ministerin an und hört ganz unten auf. Welches System man dann bevorzugt, ist eigentlich egal. Zum anderen sollte man sich schon überlegen, wofür man Geld einsetzt. Brauchen wir so viele Krankenkassen mit so vielen Chefs?"
Warum sollte man nicht auch in Deutschland Ärzten, die gerne als Arzt in der ambulanten Patientenversorgung arbeiten wollen, sich aber nicht unternehmerisch betätigen wollen, als Alternative zur eigenen Praxis einen Job in einem kommunalen MVZ bieten?


Der Median der Monats-Gehälter (http://www.sfai.se/Fackligt/Lonestatistik_2006.pdf) für Districtläkare in Allmänmedicin an schwedischen Vardcentralen lag 2005 bei 53 000 SEK. Das wären nach heutigem Kurs etwa 5700€/Monat brutto.
Das Vergleichen von Gehältern verschiedener Staaten ist sehr schwierig. Aber ganz grob betrachtet liegt der Median des Gehalts schwedischer Districtläkare und Överläkare im oberen Bereich der Facharzt-Grundgehälter bzw. unteren Bereich der Oberarzt-Grundgehälter nach TV-Ä/VKA. .

Kadarka
12.11.2007, 08:47
Warum sollte man nicht auch in Deutschland Ärzten, die gerne als Arzt in der ambulanten Patientenversorgung arbeiten wollen, sich aber nicht unternehmerisch betätigen wollen, als Alternative zur eigenen Praxis einen Job in einem kommunalen MVZ bieten?



Sicher eine sinnvolle Alternative aber:

Nur unter gleichen Begingungen. Alles andere ist moralisch doch nicht der aktuelle Stand.
Sollte sich dann erweisen, dass die Effektivität oder die Patienteninanspruchnahme dieses System favorisiert, ist das auch in Ordnung.
Dann haben sich einige falsch entschieden, (kann auch Ärzten passieren;-))

Aber die einen Plattmachen um die anderen zu bevorteilen ist nicht meins.

Noch ein Wort zu den "Insolvenzen". Arztinsolvenzen sind Privatinsolvenzen, zumindest in der EP. Da gibt es im Moment keine validen Daten.
Es hilft nur der Blick in ´die Stellenbörsen unter der Rubrik: Nachfolger gesucht.
Oder einfach mal einen Arzttermin im Osten der republik vereinbaren wollen.
Nichts für ungut;-)

Kad

Christoph_A
12.11.2007, 10:52
@ Evil:
Zum Thema Bäh, äh, Präklinik muß ich mal kurz was loswerden. Diese interdisziplinäre Notaufnahme ist ungefähr die Niederhölle für Internisten und Chirurgen, kannst gern mal die Kollegen in Bogenhausen danach befragen. Da sind momentan grad zwei Freunde von mir und die schimpfen beide wie die Rohrspatzen. Da wird unreflektiert einfach alles reingekarrt, was geht, ob nun nur mit Befindlichkeitsstörung oder schwerst intensivpflichtig und, wenn Du Pech hast, stehste dann zwischen lauter dekompensierenden Newbies, weil die, skurilerweise, dort vermehrt reingeparkt werden. Wenn das die Zukunft sein soll, dann gute Nacht.
Was die Kompetenzdiskussion angeht: Klar macht es sich gut, wenn auf dem Schild Prof. Dr. Dr. steht und am Besten noch tausend Zusatzqualifikationen. Aber ich geb da hennessy recht, für die meisten Patienten zählt da nur die Qualität und die ist auf dem Land oft genauso groß wie in der Stadt. Was zählt ist die Weiterbildung und die hard skills der Leute und nicht, was man sich aufs Klingelschild tuckern lässt. Das blendet vielleicht ein paar Schnösel, aber bringt auf lange Sicht nicht. Zumal Du in der Peripherie das meiste über Patienten- und Kollegenkontakt erreichen musst, also Deine Sozialkompetenz viel mehr im Vordergrund steht.
Was die Profhörigkeit vieler Menschen angeht, sei mal ( polemisch ) gesagt: Vom rattenschlachten ist auch noch keiner ein besserer Praktiker geworden.

rate mal
12.11.2007, 11:27
@ Evil:
Zum Thema Bäh, äh, Präklinik muß ich mal kurz was loswerden. ... Ich auch:


Aktuelle gesundheitspolitische Rahmenbedingungen zwingen dazu, Krankenhäuser wettbewerbsorientiert zu positionieren. Dabei spielt die Akquisition von Notfallpatienten durch optimierte Abläufe und hohe Behandlungsqualität eine wichtige Rolle. Diese allerdings inkonstanten Patientenströme müssen zur Zufriedenheit der Patienten und Zuweiser einerseits und möglichst gewinnbringend für das Krankenhaus anderseits gemanagt und gesteuert werden. Gerade große Kliniken mit zahlreichen Fachabteilungen haben bislang vor allem konservative Patienten eher zufällig nach freien Kapazitäten verteilt. Aus ökonomischen Gründen und aus Gründen der medizinischen Ergebnisqualität ist das nicht mehr zeitgemäß. Das Modell der „Präklinik“ München Bogenhausen (http://www.anaesthesie-cme.de/189.0.html) zeigt einen alternativen Ansatz, Behandlung von Notfallpatienten, Notfallmanagement und zentrale Einsteuerung in Behandlungsprozesse eines Klinikums der Maximalversorgung in einer eigenständigen Notaufnahme- Fachabteilung zu lösen."Gerade große Kliniken mit zahlreichen Fachabteilungen haben bislang vor allem konservative Patienten eher zufällig nach freien Kapazitäten verteilt.":-oopss

"....ist ....aus Gründen der medizinischen Ergebnisqualität nicht mehr zeitgemäß...." :-))

Christoph_A
12.11.2007, 11:53
@ Rate mal: Versteh nur den Sinn Deines postings nicht, sorry. Natürlich liest sich das schön, aber die Realität sieht nun mal ganz anders aus. Patienten, die in der Notaufnahmeabteilung abgammeln, überforderte Jungassis, keine vernünftige Bettenplanung, das, lieber rate Mal = Sacki = Deutschlandflüchtling ist die Realität, nicht ein netter Zeitungsartikel.
Wenn das so funktioniert wie beschrieben, dann wärs super, bloß dafür müssten dann wieder Rahmenbedingungen geschaffen werden = Geld ausgegeben werden ( vernünftige Computersysteme, gute Patientenverwaltung, Leitstellenoptimierung ), welches nicht vorhanden ist ( oder nicht hergegeben wird ).

Doktor_No
12.11.2007, 13:48
sacki is back??????????? es geht wieder los...

Evil
12.11.2007, 19:53
@ Evil:
Zum Thema Bäh, äh, Präklinik muß ich mal kurz was loswerden. Diese interdisziplinäre Notaufnahme ist ungefähr die Niederhölle für Internisten und Chirurgen, kannst gern mal die Kollegen in Bogenhausen danach befragen. Da sind momentan grad zwei Freunde von mir und die schimpfen beide wie die Rohrspatzen. Da wird unreflektiert einfach alles reingekarrt, was geht, ob nun nur mit Befindlichkeitsstörung oder schwerst intensivpflichtig und, wenn Du Pech hast, stehste dann zwischen lauter dekompensierenden Newbies, weil die, skurilerweise, dort vermehrt reingeparkt werden. Wenn das die Zukunft sein soll, dann gute Nacht.
Echt so übel? Ich hatte mir (wahrscheinlich genauso wie Mundl ;-)) davon eigentlich erhofft, daß das ähnlich funktioniert wie die A&Es, die ich in Irland gesehen habe. Die werden zwar von surgeon SHOs (bzw. wurden, keine Ahnung was sich in den 3 Jahren getan hat) betreut, aber die konnten sogar einen Myokardinfarkt suffizient behandeln.

:-kotz :-??? vielleicht wird's noch...

Ehemaliger User 20130505
13.11.2007, 08:17
Sicher eine sinnvolle Alternative aber:

Nur unter gleichen Begingungen. Alles andere ist moralisch doch nicht der aktuelle Stand.
Sollte sich dann erweisen, dass die Effektivität oder die Patienteninanspruchnahme dieses System favorisiert, ist das auch in Ordnung.
Dann haben sich einige falsch entschieden, (kann auch Ärzten passieren;-))

Aber die einen Plattmachen um die anderen zu bevorteilen ist nicht meins.....
Ich will keinen plattmachen. Die Idee für eine von der Kommunune betriebene Arztpraxis ist mir vor einigen Monaten gekommen, als ich einen Bericht über einen Frankfurter Stadtteil gelesen hatte, in dem es innerhalb kurzer Zeit statt vier Praxen nur noch eine gegeben hatte. Es ging um den Stadtteil Goldstein. Ich kenne mich in Frankfurt nicht aus, aber nachdem, was ich über diesen Stadtteil gefunden habe, scheint es eine mittelprächtige Gegend zu sein.

Was inzwischen aus der Geschichte geworden ist, weiß ich nicht. Ich geb mal wieder, was damals in der Zeitung gestanden hat:

Im Februar 2007 gab es nur noch eine Arztpraxis: die von Arzt A.

Einige Monate davor waren es noch vier: zwei Internistenpraxen und zwei Allgemeinmedizinerpraxen, aber

- die Ärztin B hat ihre Praxis an einen Nachfolger abgegeben und dieser hat den Praxissitz verlegt.

- die Ärztin C hat ihre Praxis aus unbekannten Gründen geschlossen.

- der Arzt D ist verstorben und seine Witwe hat keinen Nachfolger für die Praxis gefunden.

Arzt A fühlt sich verpflichtet, die medizinische Versorgung im Stadtteil aufrechtzuerhalten, obwohl ihm das nur viel Arbeit, aber finananziell kaum etwas bringt. Er meint, die Angst vor dem unternehmerischen Risiko und der Altersdurchschnitt der Goldsteiner (viele Ältere) seien vielleicht ein Grund, warum niemand die Praxis von "D" übernehmen wolle.

Damals ist mir der Gedanke gekommen, die Stadt sollte die Praxis des verstorbenen "D" als Betreiber übernehmen und einen Arzt einstellen, der dort ohne unternehmerisches Risiko und ohne langfristig an einen Ort gebunden zu sein für ein sicheres, gutes Gehalt arbeiten können sollte. Wenn ihm der Job nicht gefiele, könnte er immer noch in Deutschland eine Alternative suchen oder auswandern.
Dass die Getzeslage das Betreiben einer Arztpraxis durch eine Kommune momentan nicht zuließe, weiß ich. War eben nur mal so eine Idee.

hennessy
13.11.2007, 08:23
Ich will keinen plattmachen. Die Idee für eine von der Kommunune betriebene Arztpraxis ist mir vor einigen Monaten gekommen, als ich einen Bericht über einen Frankfurter Stadtteil gelesen hatte, in dem es innerhalb kurzer Zeit statt vier Praxen nur noch eine gegeben hatte. Es ging um den Stadtteil Goldstein. Ich kenne mich in Frankfurt nicht aus, aber nachdem, was ich über diesen Stadtteil gefunden habe, scheint es eine mittelprächtige Gegend zu sein.

Was inzwischen aus der Geschichte geworden ist, weiß ich nicht. Ich geb mal wieder, was damals in der Zeitung gestanden hat:

Im Februar 2007 gab es nur noch eine Arztpraxis: die von Arzt A.

Einige Monate davor waren es noch vier: zwei Internistenpraxen und zwei Allgemeinmedizinerpraxen, aber

- die Ärztin B hat ihre Praxis an einen Nachfolger abgegeben und dieser hat den Praxissitz verlegt.

- die Ärztin C hat ihre Praxis aus unbekannten Gründen geschlossen.

- der Arzt D ist verstorben und seine Witwe hat keinen Nachfolger für die Praxis gefunden.

Arzt A fühlt sich verpflichtet, die medizinische Versorgung im Stadtteil aufrechtzuerhalten, obwohl ihm das nur viel Arbeit, aber finananziell kaum etwas bringt. Er meint, die Angst vor dem unternehmerischen Risiko und der Altersdurchschnitt der Goldsteiner (viele Ältere) seien vielleicht ein Grund, warum niemand die Praxis von "D" übernehmen wolle.

Damals ist mir der Gedanke gekommen, die Stadt sollte die Praxis des verstorbenen "D" als Betreiber übernehmen und einen Arzt einstellen, der dort ohne unternehmerisches Risiko und ohne langfristig an einen Ort gebunden zu sein für ein sicheres, gutes Gehalt arbeiten können sollte. Wenn ihm der Job nicht gefiele, könnte er immer noch in Deutschland eine Alternative suchen oder auswandern.
Dass die Getzeslage das Betreiben einer Arztpraxis durch eine Kommune momentan nicht zuließe, weiß ich. War eben nur mal so eine Idee.

Wie wolltest Du dann die Kassen- bzw. Privatabrechnung sicherstellen?

tarumo
13.11.2007, 11:07
Die Kommunen (nicht nur in Frankfurt) werden sich sicherlich darum reißen, eine offensichtlich unrentable Praxisstruktur zu übernehmen.

Kirchen und Kommunen als Eigentümer von KH´s sind historisch gewachsen und solange allerorten darüber nachgedacht wird, die unrentablen Häuser zu verkaufen, sind diese Vorschläge offensichtlich sinnlos.

„Investoren“ a la Rhön treiben nicht die auch weiterhin zu erwartenden Verluste aus der Patientenversorgung um, es ist vielmehr zu erwarten, dass, analog zum Strommarkt, erst mal Verluste in Kauf genommen werden, um dann, sobald die Republik flächendeckend monopolisiert ist, gewaltig an der Preisschraube zu drehen, selbstverständlich ohne Verbesserung der Patientenversorgung.

Bei staatlich festgesetzten GKV-Einnahmen unter der Kostendeckungsgrenze und allenfalls geringen Synergieeffekten (Materialeinkauf etc.) soll der Gewinn eines MVZ wo genau herkommen? Oder glaubt jemand, Privatpatienten werden scharenweise in ein MVZ rennen, solange sie die Wahl haben?

Ehemaliger User 20130505
13.11.2007, 14:15
Wie wolltest Du dann die Kassen- bzw. Privatabrechnung sicherstellen?@Hennessy: Dass ich das GKV-System und die Kassenärztlichen Vereinigungen in ihrer jetzigen Form nicht gut finde, hast Du vermutlich schon gelesen.

Aber gehen wir trotzdem mal vom heutigen Krankenversicherungs- und Abrechnungssystem aus:

Wenn ich als Bürgermeister (oder Stadtdirektor oder Landrat) für eine gemeindeeigene bzw. kreiseigene Praxis zuständig wäre, würde ich ähnlich verfahren wie viele kommunale/kreiseigene oder kirchliche Krankenhäuser bei den neueren Chefarztverträgen.

Der Arzt in "meiner" Praxis bekäme einen Arbeitsvertrag, wonach ihm ein Grundgehalt zustünde (etwa in Höhe eines Oberarztgehalts nach TV-Ä/VKA) und evtl. eine ergebnisabhängige Zulage.
Ich kenne Chefärzte mit neueren Verträgen, die ambulante Behandlungen von Privatpatienten nicht selbst abrechnen dürfen, sondern ein festes Gehalt und leistungsabhängige Zulagen bekommen. Ihre ambulanten Privatpatienten erhalten die Rechnungen direkt von der Krankenhausverwaltung und müssen den Betrag auf ein Konto des Krankenhauses überweisen.
Sofern diese Chefärzte auch eine Ermächtigung zur ambulanten Behandlung von Kassenpatienten haben, rechnen die Krankenhäuser das direkt mit den KVen ab.
So würde ich das auch bei "meiner" Arztpraxis machen.

Falls die Praxis defizitär wäre, bekäme der Arzt trotzdem das vereinbarte Gehalt. Für den (unwahrscheinlichen???) Fall, dass die Praxis Überschüsse erwirtschaften würde, müsste man vorher klären, was damit gemacht werden sollte. Warum nicht eine erfolgsabhängige jährliche Zulage, wie es auch in der Wirtschaft bei Angestellten der höheren Gehaltsklassen gemacht wird?

Sollte "meine" Praxis aber trotz Auslastung und optimaler Betriebsführung defizität sein, könnten Freiberuflerpraxen davon nur profitieren, denn dann wäre quasi von einer staatlichen Stelle der Berweis dafür erbracht, dass die Sätze der GOÄ bzw. des EBM zu niedrig angesetzt sind und ich (als Bürgermeister bzw. Stadtdirektor oder Landrat) würde mich zusammen mit den Freiberuflern für eine neue Gebührenordnung einsetzen.

hennessy
13.11.2007, 14:22
@Hennessy: Dass ich das GKV-System und die Kassenärztlichen Vereinigungen in ihrer jetzigen Form nicht gut finde, hast Du vermutlich schon gelesen.

Aber gehen wir trotzdem mal vom heutigen Krankenversicherungs- und Abrechnungssystem aus:

Wenn ich als Bürgermeister oder Stadtdirektor für eine gemeindeeigene Praxis zuständig wäre, würde ich ähnlich verfahren wie viele kommunale oder kirchliche Krankenhäuser bei den neueren Chefarztverträgen.

Der Arzt in meiner kommunalen Praxis bekäme einen Arbeitsvertrag, wonach ihm ein Grundgehalt zustünde (etwa in Höhe eines Oberarztgehalts nach TV-Ä/VKA) und evtl. eine ergebnisabhängige Zulage.
Ich kenne Chefärzte mit neueren Verträgen, die ambulante Behandlungen von Privatpatienten nicht selbst abrechnen dürfen, sondern ein festes Gehalt und leistungsabhängige Zulagen bekommen. Ihre ambulanten Privatpatienten erhalten die Rechnungen direkt von der Krankenhausverwaltung und müssen den Betrag auf ein Konto des Krankenhauses überweisen.
Sofern diese Chefärzte auch eine Ermächtigung zur ambulanten Behandlung von Kassenpatienten haben, rechnen die Krankenhäuser das direkt mit den KVen ab.

So würde ich das auch bei "meiner" kommunalen Arztpraxis machen. Falls die Praxis defizitär wäre, bekäme der Arzt trotzdem das vereinbarte Gehalt. Für den (unwahrscheinlichen???) Fall, dass die Praxis Überschüsse erwirtschaften würde, müsste man vorher klären, was damit gemacht werden sollte. Warum nicht eine erfolgsabhängige jährliche Zulage, wie es auch in der Wirtschaft bei Angestellten der höheren Gehaltsklassen gemacht wird?

Sollte "meine" kommunale Praxis aber trotz Auslastung und optimaler Betriebsführung defizität sein, könnten Freiberuflerpraxen davon nur profitieren, denn dann wäre quasi von einer staatlichen Stelle der Berweis dafür erbracht, dass die Sätze der GOÄ bzw. des EBM zu niedrig angesetzt sind und ich (als Bürgermeister bzw. Stadtdirektor) würde mich zusammen mit den Freiberuflern für eine neue Gebührenordnung einsetzen.

Alles schön und gut, aber: Kennst Du eine Kommune, die nicht bereits selbst in den roten Zahlen steckt? Wie soll die denn bitteschön auch noch ein defizitäres Ambulatorium verkraften? Außerdem bliebe es ja nicht bei einem einzigen, sondern es müßte ja flächendeckend angeboten werden, um den Sicherstellungsauftrag der Krankenkassen zu erfüllen.

Ehemaliger User 20130505
13.11.2007, 14:27
Wie soll die denn bitteschön auch noch ein defizitäres Ambulatorium verkraften? Das soll sie ja nicht. Siehe oben. ;-)

tarumo
13.11.2007, 14:28
dann wäre quasi von einer staatlichen Stelle der Berweis dafür erbracht, dass die Sätze der GOÄ bzw. des EBM zu niedrig angesetzt sind und ich .

Was gibt es denn da noch zu beweisen? Wer glaubt denn ernsthaft, dass ein Patient pro Quartal zu einer Kopfpauschale von max. 30-70 EUR, je nach Region und Fach, beliebig oft behandelt werden kann, die beliebig große Familie und alle Medikamente komplett eingeschlossen…und es soll von der Pauschale ja noch was für den Arzt zum Leben übrig bleiben!
Versuch mal, so eine „flatrate“ für einen Elektriker zu vereinbaren!
Die Bürgermeister haben heute schon das Muffensausen, das interessiert Schmulla, Kirps und das BMG aber nicht.

Da jeder Betriebswirtschaftler und auch die Banken diese Zahlen kennen, hält sich der Run auf MVZ seeeehr in Grenzen. Mit Ausnahme von Rhön und Co, siehe mein vorheriges Posting. Die andere Interessengruppen rekrutieren sich nahezu vollständig aus dem Kreis der Kassen (teils via Strohmänner), dieses Verhalten kennt man als „Abschöpfung“ noch von Plantagen aus dem 19. Jahrhundert. Viel Spaß beim AOK-angestellten Arzt!

tarumo
13.11.2007, 14:35
Ach ja:
die zahlreichen kommunalen Kliniken sind mitsamt ihren Ambulanzen schon jetzt größtenteils defizitär (aber nicht wegen mangelnder Auslastung), wobei eine Klinik im Gegensatz zum MVZ immer noch über Selbstzahler quersubventionieren kann.
Die erste KK mit eigenem MVZ ist/wird übrigens die TK. Man darf gespannt sein, ob der MDK dann genauso penetrant die Entscheidung der KK-eigenen Ärzte hinterfragt, wie er es jetzt schon tut.
Also-wer von Euch läßt sein Auto ohne Mitspracherecht von der Versicherung reparieren?