Überall stehen Computerterminal und der Arzt und die Medizinstudenten können von jedem Punkt des Krankenhauses, Patientendaten, Röntgenbildbefunde o.ä. abrufen und auch sofort in die Therapie eingreifen. Ruft zum Beispiel die Schwester von der ICU an, der Intensive Care Unit (Intensivstation) und erfragt Änderungen in der Medikation beim Patienten, dann schaut der Arzt das Labor an (per Computer) und ändert auch die Anweisung per Computer. Er muß dies mit seiner Arztnummer und Codewort bestätigen und sofort wird die Änderung im System gespeichert und dann wohl auch ausgeführt. Auch Medical Students können im geringen Umfang Anordnungen treffen.
Für die Bedienung des Computers mußte ich in der ersten Woche an einem Software-Training teilnehmen. Danach bekam auch ich mein Paßwort und ich war wie erschlagen von den Möglichkeiten der Software. Nach der Patientenkonsultation schnappen sich die Ärzte das Klinikhandy (4 pro Station) und diktieren ihre Befunde, dieses werden in Pittsburgh von einem Computer erfaßt und der zuständigen Sekretärin zugespielt, auch in Pittsburgh, wenig später dann kommt der Brief auf elektronischen Wege (etwa 2 Stunden später) – faszinierend !!!
Diese 5 Wochen haben wahnsinnig Spaß gemacht, in Amerika ist man wirklich sofort im Team integriert und die Ärzte wollen einem wirklich etwas beibringen und sind sehr bemüht (okay, es gibt auch gelegentlich eine Ausnahme).
Haben die Ärzte Patienten mit seltenen Krankheitsbildern, wird man sofort von seiner eigenen Untersuchung für kurze Zeit abgezogen und lauscht dann einem Minivortrag. Bei Anamnese, Work-Sheet-Ausfüllen und Untersuchung wird man sofort korrigiert, aber dabei als Kollege behandelt. Man konnte eigentlich überall hingehen und zugucken, so beispielsweise ins EEG, auf Station oder bei Muskelbiopsien o.ä. zuschaun. Die Medizinstudenten und Ärzte sind morgens schon im Kittel zur Uni gekommen und wenn sie nach der Rotation noch schnell in den Supermarkt mußten, ließen sie sogar ihre Kittel oder OP-Sachen an. Man wurde ständig bei den Professoren privat zum Pizza essen eingeladen oder auch von irgendwelchen Pharma-Sponsoren, die opulente Mahlzeiten bereit hielten. Es herrschte ein sehr freundliches Lernklima, dafür soll die West-Virginia-University aber auch bekannt sein.
Durch meine Mitbewohner, auch College-Studenten (Veterinärmedizin und Business) habe ich auch Kontake zu anderen Studenten bekommen und somit einen guten Einblick auch in das gesamte College-Wesen und nicht immer nur Krankenhaus bekommen. Der Uni-Campus ist, wie viele ältere Unis in den USA, nach englischem Vorbild erbaut und somit erreicht überhaupt die ganze Uni ein gewisses Flair. Die Vorlesungen und Seminare finden zum Teil in sehr schönen alten Gebäuden statt. So konnte ich richtig schön das Studentenleben genießen, keg-Parties besuchen und nachts mit dem Studenten-pick-up Bus wieder aus der Stadt zu den Wohnanlagen kommen. Im allgemeinen ist das College wohl recht locker, abgesehen von der Med-School. Die Med-Students waren insgesamt sehr ausgelastet und hatten eigentlich gar keine Hobbies, wenn man bedenkt was wir noch alles nebenbei machen, wie z.B. Sprachen lernen, Doktorarbeit machen.
Insgesamt kann ich sagen, daß die Amis in puncto Fachwissen nicht besser sind als wir. Es wird halt alles viel praktisch orientierter gelehrt, man muß das Fundament wirklich herbeten können und sich nicht in IMPP-Fachwissen verlieren.