Famulatur an der West Virginia University
Neurologie und Neurochirurgie in den USA
André Schäfer
Neurochirurgie-Famulatur
Nach den vier bis fünf Wochen in der Outpatient Clinic kann man sich aussuchen, wo man hingehen möchte. Child-Neurology, Internal Medicine, Neuropathology, Neurology Inpatient und Neurosurgery stehen zur Auswahl. Alle diese Departments sind miteinander verwoben und ich arbeitete von nun ab nur eine Etage höher. Aber man sah die anderen Ärzte nach wie vor und ich mußte mir somit nicht wieder alles komplett neu erarbeiten. Das Neurosurgery-Team war aber nicht ganz so nett wie die Neurologen, Chirurgen halt; auch die Abteilung war viel straffer und strenger organisiert.
Montags und Mittwochs war wiederum Outpatient Clinic, d.h. in erster Linie postoperative Kontrolle und Vorstellung von Neupatienten, die im Schnelldurgang durchgecheckt wurden. Dabei mußte man wie in der Neurology die Sheets ausfüllen und dabei auch viel Bildmaterial auswerten. Die OPs fanden dann am Dienstag, Donnerstag und Freitag statt. An jedem Morgen fand jedoch zuerst die Grand-Round statt, d.h. jeder Patient auf Station wurde vom ganzen Team gesehen und der diensthabende Arzt mußte jeweils seine Patienten dem Attending (Chefarzt) vorstellen. Dies fand in der Regel von 6.00 bis 7.00 statt, danach haben sich alle schnell in die OPs verflüchtigt.
Nachdem man seine OP-Kleidung anhatte ging man in den OP-Bereich, hier waren es 16 OPs und man konnte durch die Fenster auch jeweils sehen was operiert wurde. Ich hatte auch generell freie Wahl, konnte auch bei anderen OPs, zum Beispiel Abdominalchirurgie oder Orthopädie zuschaun. Das Spektrum lieferte sehr viel: Aneurysma-Clipping, Tumorresektion, Biopsie, Stealth-Elektroden-Implantation bei Epilepsie und Liqourdrainagen und vieles mehr. Zum Teil kam ich mir vor wie auf dem Holo-Deck der Enterprise. Die Atmosphäre war locker und man konnte die OP stets auf großen Bildschirmen verfolgen, da ja doch recht oft per Mikroskop operiert wurde. So stand das OP-Team zum Teil 6-8 Stunden auf den Beinen, ohne Pause, die ich aber doch jeden Tag gemacht habe. Das gesamte Instrumentarium stammte übrigens aus Deutschland, angefangen von der Siemens-CT-Röhre, Zeiss-Mikroskop bis hin zum Aesculap-OP-Besteck. Ich habe nicht jede OP mit angeschaut, da nach zwei Wochen auch vieles nur Wiederholung war. Stattdessen bin ich dann auf Station gegangen oder habe mal eben schnell bei den Neurologen eine Aufnahme gemacht. Jeden Montag kam ein Firmenvertreter vorbei, hat den Neurochirurgen das Essen spendiert und dabei für sein Produkt Werbung gemacht. Dieser Neurochirurgie-Abschnitt war sehr beeindruckend, wenn man auch wenig im OP machen durfte, da zu meiner Zeit gerade so viele Residents (Assistenzärzte) anwesend waren und die natürlich Vorrang hatten.