Famulatur in Elim/Südafrika
Elim-Hospital 01.08.- 10.09. 1997
Ines Adam
Der derzeitige Medical Superintendent ist Dr. Maritz, Bewerbungen sollten aber an Mr. Jimmy Baloyi erfolgen, da das der Sekretär des Superintendenten ist, der sich unter anderem auch um alle studentischen Fragen inclusive Unterbringung und Verpflegung kümmert. Das Krankenhaus liegt im Gebiet des ehemaligen Venda-Homelands und versorgt ausschließlich die dort lebende schwarze Bevölkerung. Es ist kein teaching hospital (deutsche Studenten können also nur Famulatur und nicht das PJ hier ableisten), sondern ein rural hospital.
Es ist nach dem Prinzip der Dezentralisation aufgebaut. Das heißt, das in das Hospital nur die schwereren Fälle kommen, um die sich Ärzte unbedingt kümmern müssen. Die Außenstationen, sogenannte clinics, sind nur mit Schwestern besetzt, und werden ungefähr einmal pro Woche von einem Arzt besucht. Sie sind der erste Anlaufpunkt für die Patienten. Erst wenn man dort nicht mehr weiter weiß, werden die Patienten in das Krankenhaus geschickt.
Dort sitzen dann täglich so um die hundert Patienten im OPD (outpatient department), und warten darauf, vom Arzt gesehen zu werden. Da selbst die Arbeitsmoral der Ärzte in diesem Krankenhaus sehr zu wünschen übrig läßt, warten diese Patienten meist den ganzen Tag und sind unter Umständen auch erst am nächsten Tag an der Reihe. Im OPD wird dann eine entsprechende Behandlung eingeleitet bzw. auf Station eingewiesen. Folgende Fachrichtungen sind vertreten: Obstetrics and Gynaecology, Surgery, Internal Medicine, Orthopaedics, Paediatrics, Ophtalmology und es ist auch ein dental department vorhanden. Insgesamt gibt es ca. 600 Betten. Man kann auch im oben erwähnten OPD arbeiten (sehr lehrreich) sowie im PHC (primary health care). Das letztere ist eine Art Kindersprechstunde, die allerdings nur von etwas mehr spezialisierten Schwestern durchgeführt wird, welche aber bei Problemfällen Ärzte zu Rate ziehen dürfen. Weiterhin hat man die Möglichkeit, mit zu den Clinics zu fahren.
Es existiert ebenfalls ein rehabilitation team, welches sich um Beschäftigungstherapie, Physiotherapie und um psychiatrische Patienten kümmert, sowie das speech and hearing department betreibt.
Die Bevölkerung, vorwiegend Angehörige des Venda-Stammes, ist sehr jung. 54 % sind jünger als 15 Jahre. 65% sind weiblich, da 75% der Männer zwischen 20-60 Jahren die meiste Zeit des Jahres in großen Städten wie Johannesburg und Pretoria arbeiten. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt für Frauen 58 Jahre, für Männer 52 Jahre. Das ist zu einem großen Teil auf die hohe Säuglingssterblichkeit von 60-80/1000/Jahr zurückzuführen. Geburten gibt es im Krankenhaus ca 300 im Monat. Problemschwerpunkte in diesem Gebiet sind Tuberkulose, sexuell übertragbare Erkrankungen (geschätzte Durchseuchungsrate für HIV liegt bei 30-50 %), Verbrennungen, Epilepsy, Katarakte um nur einiges zu nennen. An Malaria und Typhus sollte man bei Fieber immer denken, obwohl es eigentlich kein richtiges Malariagebiet ist. Die meisten Frauen kommen in das OPD mit „lower abdominal pain“ - da sollte man sich an die Grunsätze aus dem Elim Booklet (bei Jimmy für 20 Rand erhältlich) halten: „Every woman has to be considered to be pregnant until proved otherwise. Every pregnant woman has to be considered as having an ectopic pregnancy until proved otherwise“.