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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : !!!INITIATIVE GEGEN UNBEZAHLTES PJ !!!!



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Rico
08.04.2007, 09:09
=> dieses Modell müsste aus Assi-Sicht pi mal Daumen mindestens kostenneutral sein, eigentlich sogar eher noch günstiger, weil nur fünf Jahre lang Ausgaben für das Studium anfielen und die Netto-Einnahmen wegen des niedrigeren Steuersatzes etwas höher wären.Aber wie oben geschrieben werden diverse Abgaben dann fällig (BU-Versicherung, Altersvorsorge, ggf. erstmalig KV). Außerdem stellt sich die Frage, was mit Diensten in den zwei Jahren ist. Das ist nämlich auch ein brutto wie netto Gehaltsausfall.

Mein Bruder ist Jurist und hat 2003/2004 das Referendariat gemacht. Dabei hat er die Auseinandersetzungen um die Abschaffung des AiP mit großem Interesse verfolgt. Er hat damals gesagt, die Mediziner hätten die Abschaffung des AiP, also ihres Referendariats, damit erkauft, dass sie nun zwar eineinhalb Jahre früher volles Gehalt bekämen, aber durch die vorgezogene Approbation nun auch ab dem ersten Tag für ihre Arbeit juristisch voll verantwortlich seien und keinen Rechtsanspruch auf einen Mentor o.Ä. hätten.Das ist halt der Untschied zwischen "de jure" und "de facto". :-D
De jure hat Dein Bruder sicherlich recht, dass sich jeder approbierte in privater Praxis niederlassen kann... über den Erfolg eines solchen Geschäftsmodell (Privatpraxis ohne Facharzt) ist ja hier schon öfters gesprochen worden.
De facto arbeitet der gemeine Approbierte ja erstmal als Assistenzarzt in *Weiterbildung* in einem Krankenhaus unter einem Oberarzt und einem Chefarzt, die einem direkte Vorgesetzte sind, weisungsbefugt. Alles was man so auf Station macht wird früher oder später vom Oberarzt kontrolliert, wichtige Entscheidungen wie Entlassung, OP-Indikation, etc. werden ebenfalls ausschließlich vom OA bzw. einem Facharzt getroffen.
Ergo ist eine Betreuung in der Weiterbildung schon vorhanden und auch verpflichtend. Ich möchte mal sehen, was hier los wäre, wenn ich einfach so Patienten entlassen würde...

Zusammenfassend möchte ich nochmal erwähnen, dass ich derartige schlechtbezahlte Phasen mit Praktikumscharakter für ungeeignet halte. Entweder mein Studium bereitet mich auf den Beruf adequat vor und wenn es das nicht tut, dann muß man das Studium verbessern und nicht hintendran rumschustern. Sinn des Studiums ist ja übrigens nicht, eine fertigen Allgemeinmediziner auszuspucken, sondern einen zur Weiterbildung befähigten Arzt.
Da tut sich schon das nächste Problem auf: Was soll in den zwei Jahren gelehrt werden? 8 Monate Innere, 8 Monate Chirurgie und 8 Monate Wahlfach? Das verzögert den Eintritt in die Wunschfachrichtung deutlich und wirft einen in der Facharztausbildung u.U. massiv zurück, wenn man in nicht anrechenbaren Fächern rumhängen muß... was letzten Endes auch wieder ein Gehaltsverlust ist, weil je früher Facharzt, desto früher mehr Geld...

zweistein
08.04.2007, 09:38
Tja, deutsche Mediziner sind offensichtlich nicht nur die Elite unserer Nation, sondern auch im internationalen Vergleich solche Spitzenkräfte, dass sie im Gegensatz zu den Ärzten in GB, Schweden, USA............. schon ab dem ersten Tag nach dem Studium voll eigenverantwortlich arbeiten können :-top.


Fröhliche Oster allerseits :-dance

Rico
08.04.2007, 09:52
Tja, deutsche Mediziner sind offensichtlich nicht nur die Elite unserer Nation, sondern auch im internationalen Vergleich solche Spitzenkräfte, dass sie im Gegensatz zu den Ärzten in GB, Schweden, USA............. schon ab dem ersten Tag nach dem Studium voll eigenverantwortlich arbeiten könnenDer Assistent in Weiterbildung arbeitet aber nicht eigenverantwortlich, sondern unter Aufsicht des Oberarztes, der auch die Verantwortung trägt.

Auch zwei Jahre "Referendariat" machen noch lange keinen Facharzt, der wirklich ohne Netz und doppelten Boden arbeiten könnte...

zweistein
08.04.2007, 10:40
Auch zwei Jahre "Referendariat" machen noch lange keinen Facharzt,... Die beiden Foundation Years in GB bzw. das AT in Schweden sind kein Teil der Facharztausbildung; die beginnt in diesen Ländern erst danach.

Und genau darin zeigt sich die Überlegenheit heutiger deutscher Ärzte gegenüber denen anderer Nationen: Die deutschen Mediziner können sofort nach Abschluss des Studiums mit der Facharztweiterbildung beginnen, während zum Beispiel die Kollegen in GB vorher zwei Foundation Years und die in Schweden vorher mindestens 18 Monate AT machen müssen.
Deutschlands Medizinstudenten sind so viel besser als die anderer Länder, dass sie das, was andere erst nach dem Studium lernen, bereits während des Studiums lernen.:-top
Da ist die Forderung nach einer Bezahlung des PJ selbstverständlich absolut angemessen.;) :-dafür:-dafür:-dafür

BTW: Die frühere Medizinalassistentenzeit war - genau wie die Foundation Years bzw. das AT - auch kein Bestandteil der FA-Weiterbildung. Unsere Medizinstudenten sind offensichtlich nicht nur denen anderer Nationen, sondern auch denen ihrer Elterngeneration weit überlegen. ;-)

KingLoui
08.04.2007, 10:59
Gut, so langsam bin ich auch nicht mehr von einer Bezahlung des PJ überzeugt, aber dann muss die Lehre deutlich verbessert werden. Vor allem diese Einstellung mancher Assistenten (auch hier im Forum) "Wenn der PJ sich nicht nach meinem Gusto verhält oder mir sein Gesicht nicht passt, bring' ich ihm nix bei", sollte dann mal dringend überdacht werden.

Rico
08.04.2007, 11:10
Die beiden Foundation Years in GB bzw. das AT in Schweden sind kein Teil der Facharztausbildung; die beginnt in diesen Ländern erst danach.

Und genau darin zeigt sich die Überlegenheit heutiger deutscher Ärzte gegenüber denen anderer Nationen: Die deutschen Mediziner können sofort nach Abschluss des Studiums mit der Facharztweiterbildung beginnen, während zum Beispiel die Kollegen in GB vorher zwei Foundation Years und die in Schweden vorher mindestens 18 Monate AT machen müssen.
Deutschlands Medizinstudenten sind so viel besser als die anderer Länder, dass sie das, was andere erst nach dem Studium lernen, bereits während des Studiums lernen.Müssen frischapprobierte deutsche Ärzte, die nach Schweden gehen denn dort auch 18 Monate AT machen? Oder fangen die etwa gleich als vollwertige Ärzte an? Werden die nicht sehr von den Schweden umworben?
Irgendwas kann also an der deutschen Ausbildung nicht verkehrt sein.

Und um bei den internationalen Vergleichen zu bleiben: In den USA dauern Facharztausbildungen in der Regel 3-4 Jahre, bereits nach dem einem Jahr Internship (= 1. Jahr nach dem Studium) kann man in eigener Praxis tätig sein und (anders als in Deutschland) sind die Leute auch dort regelhaft in eigener Praxis tätig.
Und warum geht das? Weil das Studium klinisch orientiert ist wie kaum ein anderes in der Welt!
Deshalb nochmal meine take-home-message: Studium verbessern, nicht hintendran rumschustern...

Die frühere Medizinalassistentenzeit war - genau wie die Foundation Years bzw. das AT - auch kein Bestandteil der FA-Weiterbildung. Unsere Medizinstudenten sind offensichtlich nicht nur denen anderer Nationen, sondern auch denen ihrer Elterngeneration weit überlegen.Unsere Elterngeneration zu Zeiten des Medizinalsssistenten hat sich aber auch noch mit einer Approbation und ohne Facharztausbildung mit Kassenzulassung (!!!!!!!!!!!!!!) niederlassen können. Denn den Facharzt für Allgemeinmedizin gab es damals noch nicht. da waren die "Allgemeinmediziner" das was heute "praktischer Arzt heißt", nämlich Ärzte ohne Spezialisierung auf ein Fachgebiet.
Also cave: Die Medizinalssistentenzeit war damals die einzige klinisch-praktische Erfahrung, die viele niedergelassene Allgemeinärzte hatten und daher natürlich hochgradig sinnvoll.
Im Zuge der Facharztpflicht für die Kassenzulassung und der EInführung des Facharzts für Allgemeinmedizin ist aber eine 5-jährige klinische Ausbildung an Stelle der Medizinalssistenzenzeit getreten (im Sinne einer Mindestqualifikation für die Kassenzulassung) und deshalb konnte sie gestrichen werden, bzw. auf das PJ verkürzt werden.

So gesehen war unsere Elterngeneration sogar den heutigen Ärzten überlegen, weil sie schon nach 2 Jahren Medizinalssistentenzeit in die eigene Kassenpraxis konnten und dort den Rest ihres Lebens ohne Aufsicht wurschteln konnten.

Da finde ich das heuteige System mit strukturierter Facharztausbildung doch deutlich überlegen.....

alley_cat75
08.04.2007, 11:34
Also ich finde es auch traurig, dass es hier Leute gibt, die die Einstellung vertreten "ich habe auch nix dafür bekommen, wieso ihr dann". Das sind dann echt so Leute, die zu den unter ihnen positionierten Angestellten ******* sind, nur weil ihr Chef auch ******* zu ihnen ist. In meinen Augen Sozialversager und Armutszeugnis für jeden, ...

Entweder Du wirst von Deinem eigenen Sozialneid zerfressen oder hast keine Ahnung, worum es hier geht. :-nix Du leistest im PJ KEINE selbstständigen ärztlichen Tätigkeiten, sondern hast Studentenstatus und lernst. Dass die Lehre in Deutschland unterschiedlich (schlecht) gestaltet wird, steht hier außer Frage. Egal, was Du studierst, praktische, unbezahlte Elemente gehören nun einmal dazu. Der Staat finanziert Dir 5 Jahre lang ein Studium Deiner Wahl, dafür kannst Du durchaus auch einmal etwas umsonst tun. In meinen Augen, sind Leute wie DU Sozialversager. Immer nur haben wollen - ohne Gegenleistung. :-dagegen


Zum Thema, "sich als etwas besseres vorkommen als die PJler". Den Eindruck hatte ich von keinem der Assistenten, die hier schreiben (auch ich weiß, dass ich kaum älter und erfahrener bin als die PJler). Es sehen nur einige realistischer. Dass eben nicht nur PJler kommen, die prima auch als Assistenten arbeiten können. Klar, das Examen macht einen auch nicht schlauer und besser. Aber man hat dann doch ein Jahr richtigen Klinikalltag hinter sich.

Genau, ein Jahr Klinikalltag, in dem man für keine seiner Schandtaten zur Verantwortung gezogen werden kann. Ganz im Gegensatz zu den hier so gern zitierten AiPlern - die haben als volle Assis mit voller Verantwortung gearbeitet und einen Hungerlohn bekommen. Das AiP gehörte in der Tat abgeschafft.


... Überstunden waren übrigens für alle angesagt ich bin als Famulant meistens auch 10 h geblieben und ebenso der PJler.

Schuld eigen, denn kein Mensch zwingt Euch dazu. Wenn meine PJlerin sagt, sie geht heute mal um 12 Uhr, kann ich rein gar nichts dagegen tun. Ich bin froh, wenn sie überhaupt ein paar Stunden da war und ich nicht alleine Visite machen musste...


Vor allem diese Einstellung mancher Assistenten (auch hier im Forum) "Wenn der PJ sich nicht nach meinem Gusto verhält oder mir sein Gesicht nicht passt, bring' ich ihm nix bei", sollte dann mal dringend überdacht werden.

Es geht doch nicht darum, dass einem der zugewiesene PJler sympathisch ist oder einem permanent zu Munde redet. Es gibt so extrem viele Leute, die wirklich auf nix Bock haben; denen es in der Visite schon zu viel ist, wenn man ihnen einen Auskulatationsbefund vorführen möchte. Dass einige Assistenten anwesende PJler dazu missbrauchen, endlich selbst mal nach untern treten zu dürfen, wird sich wohl nicht verhindern lassen. Bleibt nur der Ratschlag an zukünftige PJler, sich nicht alles gefallen zu lassen und auf Lehre zu insistieren. Dazu gehört durchaus, sich beim Abteilungschef zu beschweren, wenn man zum Akten sortieren und Blut abnehmen missbraucht wird.

zweistein
08.04.2007, 11:39
...Außerdem stellt sich die Frage, was mit Diensten in den zwei Jahren ist. Das ist nämlich auch ein brutto wie netto Gehaltsausfall.... Eigentlich hab ich keine Lust mehr auf diese Diskussion, aber einen Kommentar zu Eurer verdammten Dienstegeilheit muss ich noch loswerden.

IMHO dürfte zumindest im ersten der beiden Foundation Years keiner allein Dienste machen. Er sollte sie nur zusammen mit seinem Mentor machen, und dabei seine normale Wochenstundenzahl nicht (wesentlich) überschreiten. Eine Gehaltseinbuße hättest Du aber trotzdem nicht, denn dieses erste Foundation Year wäre im 6. Jahr, also dem Jahr, in dem Du nach dem jetztigen Modell das unbezahlte PJ machen würdest. Und PJler dürfen eigentlich auch keine eigenverantwortlichen Dienste machen. Aber wer weiß, was in unseren Krankenhäusern des nachts so alles abgeht....

Du würdest also allenfalls den Teil Deines Einkommens verlieren, den Du heute im ersten Assi-Jahr durch zusätzliche, freiwillige Dienste hast.

Und damit ist das Thema 'Dienste' für mich erledigt. Ich kanns nicht mehr hören. Da wird monatelang angeblich gegen überlange tägliche und/oder wöchentliche Arbeitszeiten gestreikt und dann hat jemand Bedenken, dass er wegen einer besseren Betreuung bzw.Ausbildung zu Beginn seiner Berufstätigkeit ein Jahr lang auf ein Zubrot durch zusätzliche freiwillige Dienste verzichten müsste.:-(

zweistein
08.04.2007, 11:46
Ganz im Gegensatz zu den hier so gern zitierten AiPlern - die haben als volle Assis mit voller Verantwortung gearbeitet und einen Hungerlohn bekommen. .Die AiPler hatten noch nicht die volle Verantwortung, denn sie waren noch nicht voll approbiert.

Der Hungerlohn der AiPler war genau so niedrig wie der Hungerlohn der Rechtsreferendare.

alley_cat75
08.04.2007, 11:51
Die AiPler hatten noch nicht die volle Verantwortung, denn sie waren noch nicht voll approbiert.

Das eine hatte in der Realität aber nichts mit dem anderen zu tun. AiPler mussten im Gegensatz zu heutigen PJler alleine Dienste machen und wurden sehr wohl für ihre Entscheidungen zur Verantwortung gezogen. Ein AiP hat als vollwertiger Assi gearbeitet. Das tut ein PJler nicht.

zweistein
08.04.2007, 12:01
Ein AiP hat als vollwertiger Assi gearbeitet. Aber das war illegal, und genau darin darin hat doch die Ausbeutung bestanden!

Rico
08.04.2007, 12:13
Und damit ist das Thema 'Dienste' für mich erledigt. Ich kanns nicht mehr hören. Da wird monatelang angeblich gegen überlange tägliche und/oder wöchentliche Arbeitszeiten gestreikt und dann hat jemand Bedenken, dass er wegen einer besseren Betreuung bzw.Ausbildung zu Beginn seiner Berufstätigkeit ein Jahr lang auf ein Zubrot durch zusätzliche freiwillige Dienste verzichten müsste.:-(Erstens fand ich die Betreuung in meinem PJ gut und hätte es mit wenigen Ausnahmen nicht anders haben wollen.
Zweitens glaube ich immer noch nicht an eine bessere Ausbildung, nur weil die Ausbildung um ein Jahr verlängert ist.
drittens ändert das ja nix daran, dass die Dienst gemacht werden müssen. Wenn so ein Referendar 50% Assistentengehalt bekommt, dann ersetzen zwei davon im Stellenschlüssel einen regulären Assistenten, der ja Dienste macht.
Also fällt ja einer weg, der Dienste machen kann, ergo bleibt an den anderen mehr Dienstbelastung hängen.

KingLoui
08.04.2007, 12:22
Egal, was Du studierst, praktische, unbezahlte Elemente gehören nun einmal dazu. Der Staat finanziert Dir 5 Jahre lang ein Studium Deiner Wahl, dafür kannst Du durchaus auch einmal etwas umsonst tun.

Falsch, ein Kumpel von mir studiert Sportökonomie und macht jetzt 6 Monate Praktikum bei BMW in der Sportabteilung, der bekommt als unerfahrener Praktikant ohne Abschluss 880 Euro im Monat. Ich wüsste nicht was an seiner Arbeit wertvoller sein sollte als an der eines PJlers (eher im Gegenteil).
Ichhbae manchmal den Verdacht, dass Mediziner einfach zu aufopferungsvoll sind und sich von der Politik einfach gnadenlos über den Tisch ziehen lassen und sich dabei auch noch wohlig in Selbstmitleid ergeben. Ein wenig mehr fordernde Mentalität würde da meiner Meinung nach überhaupt nix schaden.

Zum Thema mit den Überstunden als PJ hast du natürlich recht, aber es gibt schon manchmal echt Vorgesetzte wo das alles ein bisschen komplizierter ist.

Relaxometrie
08.04.2007, 12:34
Aber wer weiß, was in unseren Krankenhäusern des nachts so alles abgeht....
DAS müsste man wirklich mal öffentlich bekannt machen.
Hier nur ein paar Beispiele:

An meinem PJ-Haus gab es jeden Tag zwei chirurgische Dienste, die von PJlern besetzt wurden (der "Zweitdienst" wurde inzwischen abgeschafft):
Der Erstdienst hatte folgende Aufgaben, die sich auf 4 große chirurgische Stationen beziehen:
Die noch von der Tagesroutine übrig gebliebene Blutentnahmen machen, neu angeordnete Blutentnahmen machen, Zugänge legen, in der Ambulanz mithelfen, evtl. im OP Haken halten.
Man hatte einen Funker in der Tasche und ist von Dienstbeginn (17 Uhr) bis mindestens 24 Uhr durchs Haus gelaufen, oder zwischendurch, wenn die Stationen gerade mal Ruhe gegeben haben, in die Ambulanz gegangen. So gegen 2 Uhr konnte man dann meistens ins Bett. Spätestens um 6 Uhr morgens wurde man dann aber von mindestens einer Station angefunkt, weil irgendeine prä-OP Blutentnahme fällig war, oder eine Infusion nicht lief.
Die Dienste wurden gut bezahlt und man hatte am nächsten Tag frei.
Ich habe mich aber immer darüber gewundert, daß die anderen Abteilungen des Hauses das mit sich machen lassen, denn dort fehlt der PJler dann ja den Tag über. War man gerade im Innere-Tertial, musste man aber nach einem solchen chirurgischen Dienst, der bis 8 Uhr morgens ging, noch die Blutentnahmen auf seiner Station machen. Das konnte bei einer großen Station locker 2-3h dauern. Der PJler war dann also 27 Stunden lang im Dienst. Ich habe selbst einige dieser Dienste gemacht, weil ich auf einen Lerneffekt in der Ambulanz gehofft hatte. Aber durch die ständigen Anrufe der Stationen war man leider oft sehr wenig in der Ambulanz. Außerdem habe ich nicht eingesehen, dieses System mit >24h-Diensten zu unterstützen. Und ich wollte auch nicht wegen chirurgischer Dienste im jeweils anderen PJ-Tertial Zeit versäumen.
Viele PJler stehen aber total auf diese System (Argument: Kohle). Und "man hat danach ja einen freien Tag". Toll. Man ist aber so platt, daß dieser "freie Tag" mit Schlafen und Ausruhen draufgeht.
Der "Zweitdienst" wurde nur gerufen, wenn es im OP sehr viel zu tun gab. Es konnte also sein, daß der nachts operierende Oberarzt nur den PJler zum Hakenhalten hatte. Ob der PJler bereits das chirurgische Tertial hinter sich hatte, und minimale chirurgisch erfahren war, war also dem Zufall des PJ-Dienstplanes überlassen. Da nachts anfallende OPs ja eher Notfälle sind, wäre es für den Patienten schon sehr angenehm, KEINE unerfahrenen Hakenhalter zu haben.
Aber das war dann wohl doch eine Nummer zu heiß, und diese Dienste sind abgeschafft.

Was die Besetzung des Pflegepersonals angeht: gaaaanz miserabel.
Da kommt es vor, daß eine Person für 2 Stationen zuständig ist.
Bei meinen PJ-Diensten ist es immer wieder so gewesen, daß ich von Pflegepersonal, welches mich nachts gerufen hat (Infusion lief nicht, neuer Zugang fällig) gefragt worden bin, ob ich mal eben beim Lagern eines Patienten helfen könne. Na klar. Kein Problem. Aber es zeigt die Personalknappheit.

Der diensthabende Internist ist nachts verantwortlich für:
Intensivstation mit 5-7 Betten
alle internistischen Stationen (ca. 130 Betten)
Ambulanz
eine neurologische Station (das könnte sich inzwischen geändert haben, da die Neurologen dieser neuen Station inzwischen vielleicht auch selbst Nachtdienste machen)

zweistein
08.04.2007, 12:37
Müssen frischapprobierte deutsche Ärzte, die nach Schweden gehen denn dort auch 18 Monate AT machen?
Ich wollte gerade einen interessanten Link dazu posten, aber den Artikel gibts inzwischen leider nur noch als gegen Bezahlung. Ich hätte mir damals gleich eine Kopie machen sollen.:-(


Edit: Ich hab den Artikel (http://svz.gbi.de/webcgi?START=A20&T_FORMAT=5&DOKM=208493_SVZ_0&WID=19152-6950797-30066_1) nochmal gelesen :

Da hat zwar jemand nach dem Studium in Deutschland in Schweden noch ein zweijähriges "AiP" - also das AT - gemacht bevor er die Facharztausbildung (underläkare ST) begonnen hat, aber er muss dieses AT bereits 2003 begonnen haben, und damals hat man die Approbation hier noch nicht direkt nach dem Studium bekommen.

zweistein
08.04.2007, 12:59
@Relaxometrie: Was soll man dazu noch sagen? :-nix


Hier ist auch ein Beispiel eines Krankenhauses, das PJlern bezahlte chirurgische Rufdienste (http://www.kreiskrankenhaus-mechernich.de/site_5/karriere/rubrik/praktj/ct_praktj.htm) anbietet:



Montag - Donnerstag jeweils EURO 105,--

Freitag EURO 115,--

Samstag, Sonntag, Feiertag EURO 145,-- Das hab ich in diesem Thread (http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showthread.php?t=2258&page=1&pp=5) gefunden. Das Thema 'bezahltes PJ' scheint hier ein running gag zu sein. :-)

Evil
08.04.2007, 13:05
Der Assistent in Weiterbildung arbeitet aber nicht eigenverantwortlich, sondern unter Aufsicht des Oberarztes, der auch die Verantwortung trägt.

Auch zwei Jahre "Referendariat" machen noch lange keinen Facharzt, der wirklich ohne Netz und doppelten Boden arbeiten könnte...
Ich muß aber ganz ehrlich sagen, daß ich eine 1-2jährige Grundausbildung gar nicht mal so schlecht fände. Allerdings sollte sie trotzdem angemessen bezahlt werden, aber das war beim irischen Internship (6 Monate Innere, 6 Monate Chirurgie) auch der Fall.
Andererseits ist es nämlich immer wieder peinlich, wenn unsere Internisten uns konsiliarisch Patienten schicken mit der Verdachtsdiagnose "akute Appendizitis", und dann war es doch eine Gallenkolik...

Die zunehmende Spezialisierung und das Fachidiotentum halte ich nicht für eine positive Entwicklung
:-meinung




Aber das war illegal, und genau darin darin hat doch die Ausbeutung bestanden!
Eben, das Problem war nicht das AiP an sich (eigentlich gar keine schlechte Idee), aber in der Praxis wurde das System halt mißbraucht und hat deshalb nicht funktioniert (genau wie der Kommunismus ;-)).
Eure Ideen und Vorschläge halte ich in der Theorie auch für sehr gut, aber praktisch wird das wieder genauso in die Hose gehen wie das AiP.

Relaxometrie
08.04.2007, 13:12
@Relaxometrie: Was soll man dazu noch sagen?

Ich bin auch eher verzweifelt.

Oft haben mich die Patienten abends blöd angemacht, wenn ich zum Blutabnehmen gekommen bin. Sie hätten den ganzen Tag darauf gewartet, und ich hätte schließlich auch den ganzen Tag dafür Zeit gehabt.
Viele sind freundlich geworden, wenn ich kurz erklärt habe, daß ich tagsüber in einer anderen Abteilung war (z.B. Innere oder Wahlfach), und daß die Chirurgen selbst es tagsüber einfach nicht geschafft hätten. Das war aber eine elendige Quatscherei und sehr zeitaufwendig.
Wenn die Patienten sich über irgendwelche Zustände beschwert haben, habe ich ihnen gesagt, daß die Beschwerde, die sie an mich richten, zwar der erste Schritt sei, daß es aber wirkungsvoller wäre, wenn sie die Beschwerde an die Verwaltung, an den ärztlichen Direktor und an die Presse richten würden. Da haben dann alle einen Rückzieher macht.
Die Ärzte sind an vielem selbst Schuld, weil sie es sich bieten lassen. Die Patienten müssen aber auch konstruktive Kritik üben, und nicht nur denjenigen anpflaumen, der abends/nachts die Arbeit macht.


Unsere Dienste werden besser bezahlt, als die in dem oben erwähnten Beispiel: wir haben eine Pauschale von ca. 16 Euro bekommen und dann nochmal 16 Euro für jede gearbeitete Stunde. Nach Dienstschluß mussten wir immer einen Zettel abgeben, auf dem wir die gearbeiteten Stunden dokumentiert haben. Leider haben da einige Studenten auch Stunden aufgeschrieben, die sie gar nicht gearbeitet haben.

jemand
08.04.2007, 15:09
Egal, was Du studierst, praktische, unbezahlte Elemente gehören nun einmal dazu. Der Staat finanziert Dir 5 Jahre lang ein Studium Deiner Wahl, dafür kannst Du durchaus auch einmal etwas umsonst tun. In meinen Augen, sind Leute wie DU Sozialversager. Immer nur haben wollen - ohne Gegenleistung.

Ne, ne alley cat. Flowrocka hat schon Recht: DU bist der Sozialversager.

Beim Studium geht es ums Studieren und nicht um Geben und Nehmen....

Kaya777
08.04.2007, 18:14
Letztenendes sollte es aber hauptsächlich darum gehen, dass man eine gute Ausbildung bekommt (und dazu gehört meiner Meinung nach auch ein Praktisches Jahr, meinetwegen sind auch das 5. und 6. Jahr praktisch mit vormittags Station und nachmittags Vorlesungen oder so) und nicht nur darum, dass man bezahlt wird. Das war schon letztes Jahr beim Ärztestreik so. Anfangs war das Hauptargument, dass man so lange Schichten arbeiten muss und so viele Überstunden macht aber letztenendes hat man sich dann mit besserer Bezahlung zufrieden gegeben, ohne was an den Bedingungen zu ändern. Genauso sieht das aus.