Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Warum sagen alle, dass Ärzte wenig verdienen?
KalisBLN
31.05.2010, 17:01
Danke Sockenpuppe!
Ok, mein Fehler. Die 142.000 € habe ich auch gefunden, allerdings würde mich interessieren wie sie das bei eigentlich eher rückläufigen Honoraren (ich weiß, nicht in allen Bereichen) hochgerechnet haben.
Des Weiteren kann man es sich auch einfach machen, wie die Damen der GKV, man darf die Praxisstruktur nicht unberücksichtigt lassen. Denn aus dem Bericht geht auch recht eindeutig hervor, dass selbst bei höheren Umsatzzahlen (mehr Geräte -> höheres wirtschaftliches Risiko) der Reinertrag nicht in gleichem Maße ansteigt.
Naja, jeder liest nur das was er lesen will... ich auch ;-)
sockenpuppe
31.05.2010, 17:44
Ok, mein Fehler. Die 142.000 € habe ich auch gefunden, allerdings würde mich interessieren wie sie das bei eigentlich eher rückläufigen Honoraren (ich weiß, nicht in allen Bereichen) hochgerechnet haben.
Na ja. Das Gesamthonorar war nicht rückläufig. Das GKV-Gesamthonorar ist von 2007 auf 2009 um mehr als 10% gestiegen. Auch die PKV hat von 2007 auf 2009 mehr für Honorare ausgegeben. Den Prozentsatz hab ich nicht im Kopf.
Dass von 2007 auf 2009 auch Kostensteigerungen stattgefunden haben, sollte in eine solche Hochrechnung natürlich auch eingehen.
Medi2009
31.05.2010, 20:39
Selbst wenn von den angeblichen 142.000€ Reinetrag noch das ein oder andere bezahlt werden muss, sodass vllt. 100.000 - 120.000€ noch übrig bleiben, so ist das doch schon sehr viel Geld. Ich mein es geht um das netto(!) Einkommen und da sind 100.000€ < ein absolutes Spitzengehalt.
Oder meint ihr das ist zu wenig?
Gemessen an vergleichbaren Positionen in anderen Bereichen ist das nicht gerade die Welt....
Medi2009
31.05.2010, 20:54
Gemessen an vergleichbaren Positionen in anderen Bereichen ist das nicht gerade die Welt....
Beispiele bitte.
100.000€ netto und mehr werden ja wohl eher die wenigsten verdienen, und schon gar nicht in einem Angestelltenverhältnis. Dafür muss man mindestens nen mittelständischen Managerposten innehaben.
Ich werde dir bestimmt nicht Interna aus Arbeitsverträgen darlegen, aber so viel sei gesagt. Stellenangebot BIG 4 Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, 1. Stelle nach Studium, Einstiegsgehalt 60000 p.a. + Bonus.
Liegt auf meinem Schreibtisch. 1. Beförderung nach 2. Jahren, Manager nach ca. 5 Jahren und da liegt man dann bei ca. 110.000 € + Bonus + Dienstwagen.
DrSkywalker
31.05.2010, 21:20
1. Sollte der durchschnittliche niedergelassene Arzt wirklich 164.000 Euro im Jahr Bruttoeinkommen haben, sind das niemals 100.000 netto, niemals!!! Nach Steuern, Krankenversicherung, Altersvorsorge und ggf. Zins und Tilgung für Darlehen bleibt da bei weitem nicht mal mehr die Hälfte übrig.
2.
Bei 164000 Euro im Jahr denke ich, dass da ein Arzt Kürzungen verkraften kann. Es scheint ja um Praxisinhaber zu gehen und nicht um angestellte Ärzte. Von daher ist es mir Jacke wie Hose ob der Radiologe seinen neuen Benz nur leasen kann.
Was ist das denn bitte für ein Argument? Das Gleiche kann man von Krankenkassenvorständen oder Bankern oder nichtärztlichen Klinikleitern behaupten. Die Niedergelssenen Ärzte haben jahrelang auf Einkommenssteigerungen verzichtet, jetzt haben Sie letztes Jahr endlich mal wieder eine Steigerung erreichen können, die überhaupt der Rede Wert ist und schon soll da gekürzt werden?
3. Der wichtigste Punkt: Die 164.000 stimmen hinten und vorne nicht. Ich kenne einige Niedergelassen und muss sagen, ja, es geht ihnen nicht schlecht, aber sie arbeiten sehr hart dafür, hatten eine lange Ausbildung und tragen das wirtschaftliche Risiko wie auch die Verantwortung für Patienten und Angestellte. Trotz allem hat kein Durchschnittsarzt 164.000 Euro vor Steuern, diese Zahl ist einfach falsch.
Es ist einfach Fakt, dass von Seiten der Politik keine niedergelssenen Fachärzte mehr gewünscht sind, sie werden nach und nach ausgerottet. Klinikkonzerne werden mit medizinsichen Versorgungszentren, oft einfach als ambulante Versorgung in die Klinik integriert, deren Aufgabe übernehmen.
Ich denke für unsere Generation wird es nicht mehr möglich sein, sich so one Weiteres niederzulassen und das ist traurig. Wenn dann noch Medizinstudenten, also Leute aus den eignen Reihen, argumentieren wie unsere Freunde von der Linkspartei weiß ich auch nciht mehr weiter.....
Und ich dachte schon ich wäre alleine auf weiter Flur, danke Bobby :-party
DrSkywalker
31.05.2010, 21:35
Gerne!
Mich schockiert es einfach, was der gemeine Mediziner alles mit sich machen lässt. Es fängt im PJ an: Wir akcern 5 Tage die Woche für nichts, schuften im OP, nehmen 3 Stunden pro Tag Blut ab und sollen uns dann über Essensmarken freuen?
Meine Freundin, Juristin, muss im Referndariat 2 mal pro Woche dort antanzen um sich für 4 Stunden in ein Seminar zu setzen und dann noch ein bisschen was zu Hause arbeiten, das war`s. Sie bekommt im 950 Euro auf die Hand und leistet dort weit aus weniger als wir PJler im Krankenhaus. Es ist eine Schande....
Das Ganze setzt sich über die Assistenzzeit bis in die Niederlassung fort... Ich persönlich habe einen Plan und hoffe, dass sich mein Studium anständig rentiert und ich später wirklich mal 164.000 bekomme, denn VERDIENEN werde ich das durch meine Arbeit sicherlich, aber zwischen bekommen und verdienen ist ein großer Unterschied. Der PJler verdient sicherlich aich mindestens einen Tausender im Monat, bekommen tut er Essensmarken....
Kackbratze
31.05.2010, 21:47
Die 2 Totschlagargumente: sozial und unterlassene Hilfeleistung
Je nach Person wird entweder der soziale Unfug praktiziert, indem man sich ja "für das höhere Gut opfert" oder man hat soviel Schiss vor Staatsanwalt, Klinikleitung und Chef, dass man das alles mit sich machen lässt.
Und Politik, Krankenkassen und Krankenhausleitung nutzen das gnadenlos aus. Diese 3 Gruppen erwirtschaften nicht das Geld, aber sie geben es aus und kürzen es denen, die es erwirtschaften sollen (aktiv wie passiv)(aktiv: direkter Mehrwert, passiv: gesunder Arbeitnehmer zahlt Steuern).
Aber so ist das System aufgebaut und solange alle Interessensgruppen, selbst diejenigen, die Trotz Vertretungsauftrag nicht "ihre" Gruppe vertreten (Marburger Bund und Ver.di), sonder eher nur Pfründe verteidigen, wird sich nix auf die Schnelle ändern.
Ich seh zu, dass ich das Beste aus dem System heraushole, und wenn das nicht klappt, wechsele ich das System.
Ich würde nicht sagen, das Einkommen der niedergelassenen Ärzte ist zu gering, sondern dass das Einkommen der anderen zu hoch ist ;)
Vor allem, wenn man das dann mit den Einkommen der anderen Akademiker vergleicht, die bestimmt nicht viel weniger arbeiten und schon über jeden festen Arbeitsvertrag froh sind ...
Ist dann schon Klagen auf hohem Niveau.
Kackbratze
31.05.2010, 21:50
Anderen geht es immer schlimmer. Noch so ein "Netzbeschmutzer"-Argument (nicht persönlich gemeint)
Die einen finden keine Arbeit, das mag sein. Wenn sie dann Arbeit haben, verbringen sie nicht durchschnittlich 270-300 Stunden pro Monat bei ihrem Job ohne das sie dafür adäquat bezahlt werden.
GianottiCrosti
31.05.2010, 22:38
Grüßt euch!
Ich klinke mich mal ein:
- Die Anfangsgehälter für Assis an UKs (knappe 4k) sind schon nicht sooo verkehrt. So viel mehr wird in der Wirtschaft für Ings und BWler auch nicht bezahlt. Dort streuen die Gehälter aber deutlich mehr als bei Ärzten (siehe unser Innsbrucker Unternehmensberater). Arbeiten muss man hier auch für sein Geld (Überstunden, Stress). Wir sollten auch nicht vergessen, dass wir nach dem Examen erstmal in Weiterbildung sind, dh noch nicht die volle Verantwortung (bitte jetzt keine Haarspaltereien) tragen.
- Wo mMn viel zu wenig bezahlt wir ist bei den Grundgehältern für FA und OA. Hier müsste entsprechend der deutlich gestiegenen Kompetenz/Verantwortung mehr gezahlt werden.
- Was mir auch nicht einleuchtet ist die Tatsache, dass man für Nachtarbeit weniger gezahlt bekommt als für Arbeit am Tage. Ist, glaube ich bei Ärzten einmalig. Da muss sich was ändern!
- Die Umsatzzahlen für Ärzte schwanken je nach Interessensgruppe die sie veröffentlicht...
gruss
Thomas24
31.05.2010, 22:57
Gerne!
Mich schockiert es einfach, was der gemeine Mediziner alles mit sich machen lässt. Es fängt im PJ an: Wir akcern 5 Tage die Woche für nichts, schuften im OP, nehmen 3 Stunden pro Tag Blut ab und sollen uns dann über Essensmarken freuen?
Meine Freundin, Juristin, muss im Referndariat 2 mal pro Woche dort antanzen um sich für 4 Stunden in ein Seminar zu setzen und dann noch ein bisschen was zu Hause arbeiten, das war`s. Sie bekommt im 950 Euro auf die Hand und leistet dort weit aus weniger als wir PJler im Krankenhaus. Es ist eine Schande....
Das Ganze setzt sich über die Assistenzzeit bis in die Niederlassung fort... Ich persönlich habe einen Plan und hoffe, dass sich mein Studium anständig rentiert und ich später wirklich mal 164.000 bekomme, denn VERDIENEN werde ich das durch meine Arbeit sicherlich, aber zwischen bekommen und verdienen ist ein großer Unterschied. Der PJler verdient sicherlich aich mindestens einen Tausender im Monat, bekommen tut er Essensmarken....
Na dann ist ja alles tutti für dich: Plan B, reich heiraten:-))
@Pottmed: tscha, man muss aber auch fairerweise sagen, dass nicht jeder, der sich "Arzt" schimpfen darf, den Drive und das Potential für eine Partnerschaft in einer BIG 4 Advisory hat.
Sind halt Äpfel und Birnen- andererseits ist es schon bitter, noch nicht einmal das doppelte Gehalt einer KSr zu beziehen, und wir wissen alle, wie "eklatant überbezahlt" Pflegekräfte in unserem Gesundheitssystem doch sind, Ironie off.:-nix
Kackbratze
31.05.2010, 23:04
Auch wenn Pflegekräfte eigene Tarifverträge haben, beziehe ich mich mit meiner Meinung auf alle im medizinisch-versorgenden Bereich tätigen Personen!
Michael72
31.05.2010, 23:28
Was ich in diesem Zusammenhang immer spannend finde ist, dass ein niedergelassener Arzt mit einem Ertrag von 164k Euro vor Steuern in unserer Gesellschaft als überbezahlt gilt und gefälligst Abstriche zu machen hat, wohingegen dies hier:
Je erfahrener ein Pilot ist, desto höher steigt sein Gehalt. Bei Linienfluggesellschaften sind Endgehälter von 250.000 Euro denkbar. Quelle: sueddeutsche.de (2007), SZ 2007
als gesellschaftlich vertretbar gilt, häufig mit dem Bezug auf die grosse Verantwortung von Piloten, die ein solches Gehalt rechtfertigt.
Das Beschämende daran ist ja nicht, dass das Geld nicht da ist, sondern dass es nicht da landet, wo es hingehört. Nämlich bei den Ärzten und Pflegenden. Im Gegenteil, diese beiden Berufssparten stehen immer an erster Sparstelle.
LasseReinböng
01.06.2010, 00:18
Selbst wenn von den angeblichen 142.000€ Reinetrag noch das ein oder andere bezahlt werden muss, sodass vllt. 100.000 - 120.000€ noch übrig bleiben, so ist das doch schon sehr viel Geld. Ich mein es geht um das netto(!) Einkommen und da sind 100.000€ < ein absolutes Spitzengehalt.
Oder meint ihr das ist zu wenig?
Solche Zahlen werden gerne in den Raum gestellt, die Realität sieht dann doch etwas anders aus:
„Aus der vertragsärztlichen Tätigkeit ergibt sich so ein durchschnittliches Nettoeinkommen von 2.400 Euro pro Monat“
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/41365/KBV_weisst_Einkommensberechnung_der_Krankenkassen_ zurueck.htm#comment1633
Glaubt ihr wirklich, daß deutsche Ärzte nach Nordnorwegen, Schweden, Frankreich, USA, Australien, Schweiz auswandern, wenn man so einfach an 100k netto käme ?
Natürlich gibt es Praxen und Fachrichtungen, wo noch ordentlich abgesahnt wird, der Alltag für die große Mehrheit der Niedergelassenen sieht jedoch anders aus.
@Pottmed: tscha, man muss aber auch fairerweise sagen, dass nicht jeder, der sich "Arzt" schimpfen darf, den Drive und das Potential für eine Partnerschaft in einer BIG 4 Advisory hat.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Drive nicht sooo groß sein muss, ein Praktikum mit mittlerer Motivation reicht zumindest für das Einstiegsangebot :-))
Das nicht jeder Partner wird ist mir auch klar, aber Manager ist ja auch noch bei weitem kein Partner.
Den von Lasse erwähnten Artikel aus dem Ärzteblatt habe ich auch gefunden, leider wird hier auch wieder mit Daten um sich geworfen und die Quellen dazu kann man nicht näher betrachten. Hat dafür jemand einen Link ?
Denn ein Durchschnitt von 2.400 € Nettoeinkommen hieße ja, dass es auch viele gibt, die noch deutlich weniger verdienen. Dafür würde ich es dann ehrlich gesagt nicht mehr machen.
@ Gianotti: Auch Trainees bei Asklepios und Co bekommen zwischen 40-50k p.a. Einstiegsgehalt, da gibt es null Verantwortung und ganz viel Weiterbildung. Naja, die Prioritäten der Klinikträger sind halt andere :-dagegen
Das Problem bei BWL ist eher, dass nicht jeder einen Job bekommt, aber wenn man einen hat, dann ist es in der Regel nicht sooo schlecht.
@ Kackbratze: Absolut meine Meinung, ich kann es nicht nachvollziehen, wie es immer noch Leute aus den eigenen Reihen gibt, die meinen, dasw alles gut ist wie es ist :-nix
GianottiCrosti
01.06.2010, 09:04
Hab mal ein bischen geschaut was in "Konkurrenzforen" an Gehältern rumgeistern:
http://www.wiwi-treff.de/home/lounge/read.php?ukatid=14&f=28&i=45691&t=45691
ok, die Einträge sind schon etwas älter. Allerdings war Lehman und co dazwischen.
Die Zahlen von Monster scheinen mir etwas tief gegriffen:
http://karriere-journal.monster.de/geld-gehalt/gehaltstabellen/consulting-einkommen-2009-deutschland-29928/article.aspx
Aus eigener Erfahrung weiß ich nur was in Pharma gezahlt wird und von ein paar Freunden (bwl, ing, jura). Wie gesagt, so schlecht steht man hier als Arzt nicht da - muss alllerdings mehr arbeiten. Die Zahlen die pottmed genannt hat sind für einen Einsteiger schon das obere Ende der Scala (topjuristen ausgenommen).
Hab ich noch gar nichts dazu gesagt: Kürzungen für Niedergelassene?
Es scheint tatsächlich politisch gewollt zu sein den Niedergelassenen Facharzt langsam abzuschaffen, in MVZs und Kliniken zu integrieren und natürlich alles zu privatisieren. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es billiger wird wenn die komplette Versorgung in der Hand von Klinikkonzernen liegt. Da wird sich die Politik wundern...
gruss
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