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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Warum sagen alle, dass Ärzte wenig verdienen?



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DoctorNew
01.06.2010, 09:13
Ich denke ebenfalls, wenn man manche Beiträge liest, dass der Zusammenhalt zwischen den Ärzten nicht wirklich gut sein kann, wenn gegenseitig noch Gehaltseinbußen hinnimmt oder beschönigt.

Der Vergleich zur Wirtschaft ist natürlich bei Mediznern immer ein wenig problematisch, da dort die Gehälter doch deutlich mehr streuen. Beachten muss man auch, dass bei den Spitzengehältern (z.B. Consulting) auch Spitzenarbeitszeiten geleistet werden. Der hier zitierte Wirtschaftsprüfer wird nicht weniger wie ein Chirurg arbeiten müssen. Bekäme der Chirurg alle Überstunden, wie es im Tarifvertrag steht, bezahlt, wäre auch das Gehalt in ähnlichen Regionen wie die des Prüfers. Dazu kommt, dass im Öffentichen Dienst die Gehälter immer ein wenig hinter denen der Wirtschaft zurückstehen. Gleichwohl sollten die Ärzte einfach, wie in anderen Branchen üblich, regelmäßig Tarifabschlüsse fordern und dort auch geschlossen vorgehen. Zudem steht es natürlich auch Ärzten frei, z.B. zu Consulting Gesellschaften zu gehen, die nehmen auch etwa 50% Nicht-BWLer. Auffällig ist natürlich, dass am besten der MDK seine Ärzte bezahlt. (13 Gehälter und ca. 500€ mehr wie VKA pM)

Bezüglich der niedergelassenen Ärzte muss mal gesagt werden, dass 140.000€ Reinertrag kein Nettogehalt darstellen. Davon muss der Arzt als Freiberufler noch seine kompletten Versicherungen und seine Altersvorsorge betstreiten und normal Steuern bezahlen. Für einen Freiberufler ist das kein gutes Gehalt, sondern liegt am äußersten Minimum dafür, was man erwirtschaften sollte, damit man überhaupt sinnvoll freiberuflich tätig ist. Habe Bekannte, die in der Kreditvergabe von Unternehmen beraten und dort bekommen Hausärzte oft keine Kredite, weil ein Freiberufler mit erwartetem Überschuss von 100.000€ einfach als unrentabel gilt. Zieht doch mal von den Gehältern den unternehmerischen Lohn eines Oberarztes ab und dann seht ihr, wieviel Gewinn noch übrig bleibt für das Risiko einer selbständigen Tätigkeit.

Lateiner
01.06.2010, 09:28
Was ich in diesem Zusammenhang immer spannend finde ist, dass ein niedergelassener Arzt mit einem Ertrag von 164k Euro vor Steuern in unserer Gesellschaft als überbezahlt gilt und gefälligst Abstriche zu machen hat, wohingegen dies hier:

Je erfahrener ein Pilot ist, desto höher steigt sein Gehalt. Bei Linienfluggesellschaften sind Endgehälter von 250.000 Euro denkbar. Quelle: sueddeutsche.de (2007), SZ 2007

als gesellschaftlich vertretbar gilt, häufig mit dem Bezug auf die grosse Verantwortung von Piloten, die ein solches Gehalt rechtfertigt.



Dieser Vergleich, der ja durchaus häufiger vorkommt, wird von vielen Leuten als gar keine richtiger Vergleich empfunden, da doch "die Verantwortung des Piloten viel größer ist, da er für viel mehr Leute gleichzeitig die Verantwortung trägt".
Das diese nur über die Anzahl gehende Aussage ohnehin problematisch ist, werden wahrscheinlich in diesem Forum fast alle finden.
Ich finde jedoch, dass das eigentliche Problem die Definition der Verantwortung ist, weil es ja eine ganz andere Ausgangslage ist. Ohne die Tätigkeit des Piloten würde niemand in die potentielle Risiko-Situation eines Fluges kommen. Ohne Ärzte werden die Menschen aber trotzdem krank..

LotF
01.06.2010, 10:49
Bezüglich der niedergelassenen Ärzte muss mal gesagt werden, dass 140.000€ Reinertrag kein Nettogehalt darstellen. Davon muss der Arzt als Freiberufler noch seine kompletten Versicherungen und seine Altersvorsorge betstreiten und normal Steuern bezahlen.

Also eigentlich ist "Reinertrag" = Gewinn und der Gewinn wird nur noch versteuert, alles andere müsste der Arzt als Freiberufler schon in seinen Aufwendungen drin haben.

Pottmed: es mag zwar sicherlich richtig sein, dass man nach einem Praktikum bei den Top 4 recht leicht an solch ein Angebot kommt. Aber du solltest fairerweise doch erwähnen, dass man auch nicht so einfach solch ein Praktikum ergattert. Zudem liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt von BWLern bei 37-42k €, VWLer ja sogar nocht etwas darunter.

Vorgestern (?) war ne nette Diskussionsrunde im TV, wo ein Berliner Klinikbetreiber sagte, dass seine Assis auf über 70k€ kommen, Oberärzte lagen nochmal deutlich höher. Fand ich schon angemessen für die Arbeit. Zudem wurde auch deutlich, dass es nicht (nur) das geringe Gehalt ist, was junge Ärzte ins Ausland treibt, sondern vor allem auch die schlechten Arbeits- und Familien(gründungs)bedingungen.

pottmed
01.06.2010, 11:01
Die 70k stimmen aber wohl eher auch nicht, oder kann das hier jemand bestätigen ?

Naja, das Praktikum zu bekommen, war auch nicht so schwierig, auch ohne Vitamin B. Natürlich ist ein Pflegepraktikum leichter zu bekommen ;-)

Naja, wie gesagt, mein Angebot liegt höher als die Durchschnittsgehälter, kann aber natürlich auch an meiner Spezialisierung auf Gesundheitsökonomie liegen, wer weiß...

LotF
01.06.2010, 11:16
ich meine auch gar nicht Vitamin B, ich weiß aber auch, dass sich viele Leute bewerben und nicht genommen werden ;)

Zu den 70k: http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/4502458?pageId=&moduleId=311210&categoryId=&goto=&show=

so ab 55min, genaue Aussage, die ich meine, bei 57min :)

pottmed
01.06.2010, 11:28
Naja, das ist ja auch nett eingefärbt, gibt es denn auch Zahlen aus der Realität ?

Wenn ich mir die Tarifverträge anschaue, komme ich nicht auf diese Werte, nicht mal im Ansatz....

LotF
01.06.2010, 11:40
was soll ich dir sagen, die Aussage kam von ihm und er wird wissen, was er seinen Leuten zahlt. Klar kann das über dem Durchschnitt liegen. Immerhin kommste mit den vorher genannten 3800 Brutto für Assis im ersten Jahr nicht auf solch eine Zahl. Zwar ist da auch die Frage, ob dort schon die Zuschläge bei sind - das sind sie nämlich meist nicht. Aber auch so landet man wohl eher bei knapp über 50k.

Lateiner
01.06.2010, 12:43
Ich habe HIER (http://www.ecqmed.de/frames/karriere/987.pdf) gerade eine meiner Meinung nach ganz gut belegte Einschätzung des Einkommens gefunden. Natürlich muss man davon ausgehen, dass alle Artikel dieser Art in irgendeine Richtung gefärbt sind, allerdings ist dieser Artikel doch wesentlich mehr auf Belege bezogen, als so mancher anderer. :-)

DerMedicus1984
01.06.2010, 14:25
Was sollen denn z.b. Wissenschaftler die im öffentlichen Dienst arbeiten sagen? Ich glaube ein naturwissenschaftliches Studium ist mindestens genauso schwer...

Achja, ihr habt einen stressigeren Job......den ihr euch wohlüberlegt ausgesucht habt.....hättet ja mir den Studienplatz überlassen können:-(

DoctorNew
01.06.2010, 14:29
@Medicus
Die Aussage ist doch quatsch. Weil man ein Fach gut findet und einem die Arbeit Spaß macht, darf man doch trotzdem eine gerechte Bezahlung fordern?
Dabei muss man sagen, dass ein Wissenschaftlicher Mitarbeiter auch deutlich weniger Verantwortung hat als der angestellte Arzt. Dafür belohnt die Wirtschaft aber ja auch später den Doktortitel des WA mit höheren Gehältern.

DerMedicus1984
01.06.2010, 14:32
@Medicus
Die Aussage ist doch quatsch. Weil man ein Fach gut findet und einem die Arbeit Spaß macht, darf man doch trotzdem eine gerechte Bezahlung fordern?
Dabei muss man sagen, dass ein Wissenschaftlicher Mitarbeiter auch deutlich weniger Verantwortung hat als der angestellte Arzt. Dafür belohnt die Wirtschaft aber ja auch später den Doktortitel des WA mit höheren Gehältern.

Nun gut. Ich finde das derzeitige Gehalt gerecht. Man kann davon gut leben, ausserdem habt ihr doch eh kaum Zeit Geld auszugeben, bei eurem Arbeitsaufwand.:-top

Ausserdem, wie willst du höhere Gehälter finanzieren, unser Gesundheitssystem ist doch eh kaum finanzierbar und da solltet ihr zunächst an das Wohl der Patienten denken, als euch ein größeres Auto leisten zu können...:-meinung

GianottiCrosti
01.06.2010, 14:44
@medicus

Gut das Du die Argumente der Arbeitgeberseite anführst: "Kein Geld da"

Wieso dann überhaupt Gehalt fordern? Ist ja schließlich kein Geld da!
Aber im Ernst: die Arbeit verdichtet sich zusehends, der Effizienzdruck wächst. Wer effizient (=mehr Patienten in kürzerer Zeit) arbeitet soll auch leistungsgerecht sprich besser bezahlt werden.

Geld ist nie da - das Argument lasse ich nicht zählen!

Wer sagt denn, dass die Forderung nach mehr Gehalt eine kompetente Behandlung der Patienten beeiträchtigt? Das Argument verstehe ich nicht.


Ich hab mal in die Fernsehdiskussion reingeschaut:
Vorstellungsrunde:
Die Dame von der Barmer war vor Ihrer Tätigkeit als Vorstandsvorsitzende bei Deutschlands größter Krankenversicherung Gesundheitsministerin in NRW. Hmmmm...

Medi2009
01.06.2010, 14:46
ich meine auch gar nicht Vitamin B, ich weiß aber auch, dass sich viele Leute bewerben und nicht genommen werden ;)

Zu den 70k: http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/4502458?pageId=&moduleId=311210&categoryId=&goto=&show=

so ab 55min, genaue Aussage, die ich meine, bei 57min :)

Ja bei dem in der Klinik würd ich auch anfangen, wenn der mir 74.000€ auf den Tisch legt als Assi. bzw dann 95.000€ als FA und über 115.000€ als OA.

Die Angaben die der werte Herr Bovelet macht liegen schon deutlich über den Tarifen des öffentlichen Dienstes.

http://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/aerzte/uniklinik?id=tv-aerzte-2010&matrix=1

Ulle
01.06.2010, 15:21
Ja bei dem in der Klinik würd ich auch anfangen, wenn der mir 74.000€ auf den Tisch legt als Assi. bzw dann 95.000€ als FA und über 115.000€ als OA.
Ich könnte mir vorstellen, dass er die gesamten Gehaltskosten anspricht (also inkl. Arbeitgeberanteil für die Sozialkassen), anders kann ich mir den Betrag nicht erklären, das wäre nicht angemessen.

BTW: Busfahrer haben auch viel Verantwortung. Vielleicht sollte man an der Stelle auch anmerken, dass Wissenschaftler in der Forschung einem enormen Erfolgsdruck ausgesetzt sind - normalerweise auch ein Anlass, ein gutes Gehalt zu bekommen.

Ärzte verdienen in breiter Masse sehr gut (zumindest im Krankenhaus, niedergelassene kann ich mangels Daten nicht beurteilen), ich verstehe nicht, wie man sich da noch beschweren kann und Vergleiche mit wenigen Überfliegern anstrengt. Was man aufgreifen muss, sind die Arbeitsbedingungen.

LotF
01.06.2010, 15:24
Ulle, seine Aussage klingt aber anders.

Ehemaliger User 05022011
01.06.2010, 15:59
Was man aufgreifen muss, sind die Arbeitsbedingungen.
unbedingt :-dafür

KalisBLN
01.06.2010, 16:51
Was ist bloß los mit euch??? Denkt ihr im Ernst 100.000 Euro im JAHR ist unterbezahlt??? Seid ihr alle krank im Kopf? Ihr müsst anscheinend aus irgendwelchen Reichen Familien kommen. Mein Vater verdient 2000 Brutto im Monat. Und ihr habt glatt die Frechheit zu verlangen, nachdem der Staat euch ein so teures Studium fast umsonst hat absolvieren lassen, mehr als 100.000 Euro im Jahr zu fordern?
Ihr macht mich echt krank, und ich schäme mich für euch "Kollegen". Kein Wunder, dass der Bezug zum Bürger völlig verloren gegangen ist.
Ich kann gut von 4000 Brutto im Monat leben. Ich würde mehr verdienen mehr als meine Eltern zusammen. Und die haben zwei Kinder groß gezogen.
Kommt mal wieder zu euch!:-meinung

Kackbratze
01.06.2010, 16:53
Ich kann gut von 4000 Brutto im Monat leben.

Davon leben kann ich auch. Davon meine Familie ernähren auch.

Aber unter den derzeitigen Arbeitsbedingungen meine FAMILIE MAL REGELMÄßIG SEHEN ODER MAL EIN GESAMTES WOCHENENDE MIT DENEN VERBRINGEN nicht.
Ich denke, dass das dein Vater mir voraus hat.

Zusätzlich darf ich, Gesetzen sei dank, einen Teil dieser Zeit, die ich nicht bei meiner Familie verbringe UNBEZAHLT bei meinem Arbeitgeber verbringen.
Ich denke spätestens da wird auch dein Vater ein wenig mit dem Kopf schütteln müssen.

P.S. ist ja nicht so, dass man frisch wie der junge Morgen aus dem Nachtdienst kommt und dann erstmal viel Zeit mit Familie und Leben verbringt, sondern dass man den "freien Tag" dann zum ausschlafen verwenden muss, da die Tretmühle ja den nächsten Tag wieder weitergeht.

Miss
01.06.2010, 16:54
Ähm, niemand von uns verdient 100.000 Euro :-nix
Und genau, fast niemand aus meinem Freundeskreis arbeitet regelmäßig jedes zweite WE.
Fühl mich ehrlich gesagt nicht krank, wenn mich das so ein bißchen stört...und ich nicht einfach nur mal wieder tiefe Dankbarkeit gegenüber dem Staat empfinde, weil er mein ach so teures Studium finanziert. Sollte man vielleicht nicht zu laut schreien, nicht, daß am Ende doch noch jemand auf die Idee kommt, da auch noch ein bißchen dran rumzukürzen...und dann sind wir alle noch viel schlechter ausgebildet, wenn wir dann auf die Menschheit losgelassen werden :-oopss

KalisBLN
01.06.2010, 16:55
Davon leben kann ich auch. Davon meine Familie ernähren auch.

Aber unter den derzeitigen Arbeitsbedingungen meine FAMILIE MAL REGELMÄßIG SEHEN ODER MAL EIN GESAMTES WOCHENENDE MIT DENEN VERBRINGEN nicht.
Ich denke, dass das dein Vater mir voraus hat.

Du weißt doch gar nichts. Es soll auch andere Berufe mir Schichtdienst und Dienst an Wochenenden geben...