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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Warum sagen alle, dass Ärzte wenig verdienen?



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Hoppla-Daisy
19.11.2008, 09:03
Dasss Ärzte FÜR ihre Arbeit zu wenig verdienen, dürfte mittlerweile hinreichend bekannt sein. Wenn man das nackte Grundgehalt betrachtet, packt manchen Nicht-Mediziner das nackte Grauen (und die Frage, warum man sich denn dann überhaupt so ein langes Studium aufhalsen sollte).

Wenn ich irgendwo erzähle, was ich für 25 Wochenstunden netto herausbekommen habe, packt manchen Mediziner das nackte Grauen - und EINE Frage kommt IMMER ;-). Nämlich "und warum zum Teufel hast du das für dieses Studium aufgegeben??????"

Die Antwort lautet - ebenfalls - IMMER: "Weil ich das endlich machen wollte! Dass ich damit nicht reich werden würde, wusste ich. Aber dass ich vielleicht mit mehr Spaß und Befriedigung mein Geld verdienen würde, hat meinen Entschluss gefestigt."

Es kommt nicht nur auf's liebe Geld an... und wer 11 Jahre in einem Beruf gearbeitet hat, den er sich zwar selbst, aber eben nicht soooo freiwillig ausgesucht hat, kann beurteilen, was mehr wert ist. Ich hab mich für die Befriedigung entschieden. Wenn irgendwann auch mehr Geld hinzu kommt, umso besser. Aber der Hauptgrund für die Aufnahme des Studiums war das nicht!

Ehemaliger User 05022011
19.11.2008, 09:20
@hoppla- deasy

das gefällt mir gut, was du schreibst, ich bin immer froh, wenn hier mal jemand auch wieder den anderen Aspekt erwähnt, warum wohl die Mehrzahl von uns ( oder hoffe ich das immer nur, dass es die Mehrzahl sind?) das Studium macht

Warst du vor dem Studium Heilpraktikerin? Die verdienen wohl so gut ? (Hab gar keine Ahnung davon)

zweistein
19.11.2008, 09:24
..Wenn man das nackte Grundgehalt betrachtet, packt manchen Nicht-Mediziner das nackte Grauen Hmm, wenn Ingenieure oder Naturwissenschftler ihre Komplett-Gehälter mit den Grundgehältern der Ärzte vergleichen, packt die vor allem der blanke Neid:


Hier sind zum Vergleich mal wieder ein paar News von der Ingenieursgehälterfront.

Die Quelle ist seriös: Einkommensstudie des VDI zu den Ingenieursgehältern im ersten Halbjahr 2008. .

Vorabinfo dort: http://www.dailynet.de/BusinessIndustrie/29150.php

Wer es ganz genau wissen will, muss die ziemlich umfangreiche Broschüre beim VDI kaufen; online gibt es die nicht.

Und jetzt einige Zitate daraus:


Als Berufseinsteiger hatten Ingenieure durchschnittlich ca. 39 000 Euro brutto/Jahr.

Besonders starke Ausschläge zeigt die aktuelle Gehaltsstudie für die Energiebranche.

Obwohl dort die Tarifgehälter schwächer stiegen als in der übrigen Industrie, sind dort Berufseinsteiger so gesucht wie in keiner anderen Branche.

So stiegen die Einstiegsgehälter in der Energiebranche in den vergangenen zwei Jahren außergewöhnlich stark und liegen derzeit bei 43.588 Euro.

In keiner anderen Branche sind die Verdienstmöglichkeiten für Absolventen besser. Ähem, doch, für Ärzte an West-Unikliniken sind sie noch etwas besser: da gibts für Einsteiger zur Zeit 44 400 €.

Berufsanfänger im Baugewerbe verdienen zum Vergleich nur 33.000 Euro
.. Spitzenbranchen wie die Chemie- und Pharmaindustrie sowie der Fahrzeugbau liegen bei 42.000 Euro. Und da können die Einstiegsgehälter von Ärzten an kommunalen West-Kliniken mit 43 000 Euro auch locker mithalten.


Nun zu den Ingenieurs-Gehältern in höheren Positionen: (Bereichsleiter):


Bereichsleiter in Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten verdienen durchschnittlich 61.000 Euro, in Konzernen mit mehr als 5.000 Beschäftigten dagegen 105.000 Euro. Zum Vergleich die Grundgehälter der Oberärzte:

OÄ an West-Unikliniken haben im Jahr 2008 nach dem TV-Ärzte (TdL)

-ab dem 1. Jahr 73 500 Euro/Jahr
-ab dem 4. Jahr 77 820 Euro/Jahr
-ab dem 7. Jahr: 84 000 Euro/Jahr



OÄ an kommunalen Kliniken haben imJahr 2008 laut TV-Ä (TdL)

-ab dem 1. Jahr: 70 000 €
-ab dem 4. Jahr: 74 400 €
-danach kann ein außertarifliches Gehalt ausgehandelt werden (ob das klappt, ist eine andere Frage)

Die Tarifgrundgehälter der OÄ lagen demnach etwa im mittleren Bereich der Gehälter von Ingenieuren in leitenden Positionen.

Man muss bei diesen Vergleichen allerdings bedenken, dass die TV-Ä-Gehälter Grundgehälter sind, bei denen noch die Vergütungen für Dienste, Gutachen, Pool etc. dazukommen, während die hier genannten Ingenieursgehälter die tatsächlich gezahlten Gehälter sind, also incl. Überstunden etc..[....]

Hoppla-Daisy
19.11.2008, 09:46
Warst du vor dem Studium Heilpraktikerin? Die verdienen wohl so gut ? (Hab gar keine Ahnung davon)
OH MEIN GOTT!!! NEIN!!!

War Sekretärin ;-) (Nägel lackieren, den ganzen Tag telefonieren und so, you know ;-))

Ehemaliger User 05022011
19.11.2008, 10:13
OH MEIN GOTT!!! NEIN!!!

War Sekretärin ;-) (Nägel lackieren, den ganzen Tag telefonieren und so, you know ;-))

na da musst du ja Glück gehabt haben damals, dass du da soviel Geld verdient hast - warst du Vorstandssekretärin bei Ackermann? :-))

Hoppla-Daisy
19.11.2008, 10:15
Nee, hab bei Peanuts gearbeitet ;-)

Ehemaliger User 05022011
19.11.2008, 10:17
Es stimmt, es kommt nicht bloss aufs geld darauf an, sondern auch auf z.B status darauf an. Ich mag trotzdem sehr viel geld verdienen, wenn es möglich wäre, in einem möglichst angenehmen ort, in einem job wo ich mich nicht verrückt hackeln muss. Wo muss ich hin?


vielleicht versuchst du es in irgendeiner Kurklinik, aber bitte jammere uns dann nicht die Ohren voll, dass du dich zu Tode langweilst
:-D

Ehemaliger User 05022011
19.11.2008, 10:18
Nee, hab bei Peanuts gearbeitet ;-)


Mensch ich bin aber auch wirklich unwissend bei soetwas - Peanuts kenn ich gar nicht , was ist das für ne Truppe?

alley_cat75
19.11.2008, 10:28
Bei der ewigen Gehalt-Vergleichs-Diskussion habe ich nach wie vor folgendes Problem: vergleiche ich mein Einkommen mit dem von Freunden (studiert und nicht studiert) und Familie (Geschwister, Cousins etc.), liege ich ganz mit vorn. Toppen tut mich meine Schwägerin, die seit 10 Jahren Verkäuferin bei Mercedes ist sowie meine Cousine, die als Entwicklungshelferin arbeitet. Erstere wird mit Verblassen ihres guten Aussehens in 10 Jahren nicht meh soviel Provisionen einstreichen, daher neide ich beiden keinen Cent. Dann gibt es da die befreundeten Kollegen im Ausland. USA und Kanada werden ja als die Topfavoriten bei den Arztgehältern gehandelt; für mich völlig unverständlich, zumindestens was Assistenten betrifft. Die haben dort netto 3500 Dollar/Monat - müssen 120.000 Dollar Studienkredit abzahlen und zahlen in den Großstädten horrende Lebenshaltungskosten. Schauen wir uns die Beträge an, die jeder von uns als "Spielgeld" zur Verfügung hat, bin ich regelrecht reich. :-nix Ich wohne gut, ich kann mir Urlaub leisten, fahre ein neues Auto, kann meine Hobbies finanzieren und außerdem Geld auf die hohe Kante legen. Meine Freunde in Amerika gehen mit Minus raus. Und das für ganz lange Zeit. Dass Fachärzte und Ärzte in gehobenen Stellungen in Deutschland schlecht bezahlt werden, meine Meinung. Wobei mein leitender OA z. B. durch Studien und Vorträge mehrere Tausend Euro im Jahr dazuverdient. Über Geldmangel hat der sich noch nie beschwert - im Gegenteil.

Hoppla-Daisy
19.11.2008, 10:35
Geld wird eh überbewertet. Es reicht, soviel zu haben, dass man ohne finanzielle Sorgen haben zu müssen leben kann. Wenn noch was für Altersvorsorge, Urlaub und diverse Luxusdinger übrig bleibt, ist es doch ok. Und das meine ich ABSOLUT ERNST!

Ehemaliger User 05022011
19.11.2008, 10:49
Geld wird eh überbewertet. Es reicht, soviel zu haben, dass man ohne finanzielle Sorgen haben zu müssen leben kann. Wenn noch was für Altersvorsorge, Urlaub und diverse Luxusdinger übrig bleibt, ist es doch ok. Und das meine ich ABSOLUT ERNST!

genau das wollte Alley uns wohl auch mit ihrem Beitrag sagen, also ich kann euch beiden nur voll und ganz zustimmen

letztens bei meinen Eltern war ein alter Schulfreund von ihnen, der war ganz aus dem Häuschen , weil er mit weit in die 40 Jahren das erste mal Papa geworden ist und der meinte , Mensch mir waren so viele Jahre schnelle Autos und der ganze Luxuskram so wichtig und all die Zeit ist es mir nie gelungen glücklich zu sein, trotz Erfolg im Beruf e.c. - jetzt ist mir dies alles so unwichtig und ich bin so super glücklich
ja das klingt sicher ein bisschen bekloppt und sehr profan, aber ich denke, es verdeutlicht doch ganz gut, dass Geld eben nicht glücklich macht, so wie es ja immer auch heißt

Meuli
19.11.2008, 10:52
Über Geldmangel hat der sich noch nie beschwert - im Gegenteil.

Er hat sich über zu viel Geld beschwert????? :-notify :-))

alley_cat75
19.11.2008, 11:04
Ja, obwohl sicher auch viel Getue dabei ist. Er hat mich neulich mal gefragt, wofür man Geld ausgeben kann - aus Angst, seine Frau und Kinder würden es verbraten. :-))

Meuli
19.11.2008, 11:05
Ich könnt ihm gerne mal meine Kontonummer zukommen lassen ... :-))

alley_cat75
19.11.2008, 11:10
Unsere PJlerin hat ihm die wohl schon gegeben. :-))

Ehemaliger User 20130505
19.11.2008, 11:53
Schande über unser Gesundheitswesen! :-(
Nicht nur unsere echten Ärzte sind unterbezahlt, sondern auch die Urkundenfälscher::-heul


....Mit rund 140000 Euro wurde die falsche Ärztin entlohnt. Allerdings könnte ein Zeuge vor Gericht bestätigen, dass die Leistungen, die Cornelia E. für die betrogene Klinik erbrachte sogar noch mehr wert gewesen wären, trotz fehlender Zulassung …
http://dcrs-online.com/falsche-aerztin-arbeitet-wieder-im-gesundheitswesen-200835436

astrophys
19.11.2008, 11:54
Nun hat aber noch niemand die Frage beantwortet, WARUM alle sagen, dass Ärzte wenig verdienen?

Ein Blick auf die (öffentlich einsehbaren) Gehaltstabellen zeigt ja, dass dem nicht so ist.

Ein Vergleich mit Naturwissenschaftlern (z.B. Physikern), die in der Wissenschaft arbeiten:

nach durchschnittlich 6 Jahren Studium bekommt man je nach Vertrag 1000 bis 1300 Euro als Doktorand. Zusätzliche Arbeit nachts oder am Wochenende wird mit genau 0 Euro vergütet. Nach gut 4 Jahren, wenn die Arbeit abgeschlossen ist, bekommt man als "vollwertiger" Wissenschaftler dann etwa 1800 Euro netto (ledig, keine Kinder) in TvÖD 13.

Schon zu Zeiten des AiP ging es den Ärzten damit besser als den Naturwissenschaftlern, was die Kohle angeht. Und als Arzt war es auch zu Zeiten des TvÖD so, dass man als Assistenzarzt meist in Stufe 14 eingruppiert wurde. Mittlerweile, nach Abschaffung des AiP und der Einführung eines eigenen Tarifvertrags sind die Arztgehälter teils sogar noch höher als die Akademikergehälter in der Industrie, obwohl eine Klinik kein gewinnmaximierendes Unternehmen ist und von der Allgemeinheit bezahlt wird.

Hat jemand jemals eine Demo von Naturwissenschaftlern gesehen? Obwohl sie deutlich schlechter verdienen als Ärzte? Richtig!

Die Antwort auf die Frage wäre dann wahrscheinlich: weil die Lobby ihre Arbeit in dem Sinne gut macht, dass die Öffentlichkeit GLAUBT, alle Ärzte würden furchtbar schlecht verdienen (egal ob das nun stimmt oder nicht).

Ehemaliger User 20130505
19.11.2008, 11:57
Hat jemand jemals eine Demo von Naturwissenschaftlern gesehen? Obwohl sie deutlich schlechter verdienen als Ärzte? Richtig!

Die Antwort auf die Frage wäre dann wahrscheinlich: weil die Lobby ihre Arbeit in dem Sinne gut macht, dass die Öffentlichkeit GLAUBT, alle Ärzte würden furchtbar schlecht verdienen (egal ob das nun stimmt oder nicht).Und welche Konsequenzen sollten Naturwissenschaftler und Ingenieure schleunigst daraus ziehen?

Hoppla-Daisy
19.11.2008, 11:58
Es ist glaube ich unbestritten, dass die Verantwortung, mit der ein Arzt durch sein Berufsleben stapft, nicht ohne ist, oder? Um ehrlich zu sein, ist es das, was ich am Arztsein am meisten fürchte: Dass anderer Leute Leben u. U. von meinen Fehlentscheidungen abhängig sein könnte (wenn mir gerade mal wieder keine Hilfe zur Seite steht, weil Personalmangel herrscht).

Nun kommt bestimmt wieder die Aussage "die Verantwortung hat ein Busfahrer auch"...

astrophys
19.11.2008, 12:04
Beim Argument mit der Verantwortung sollte man dann aber auch einige Fragen klären:

Wie definierst du Verantwortung? Die Erzieherin hat Verantwortung gegenüber ihrer Kinder und deren weitere Entwicklung im Leben, der Bauingenieur über die Menschen die sein Gebäude nutzen, der Banker über die Existenz einer Firma etc.

Zweitens müsste man dann klären, ob und wenn ja wieviel Verantwortung "wert" ist und welche Art von Verantwortung wieviel wert ist.