Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Warum sagen alle, dass Ärzte wenig verdienen?
Es ist glaube ich unbestritten, dass die Verantwortung, mit der ein Arzt durch sein Berufsleben stapft, nicht ohne ist, oder? Um ehrlich zu sein, ist es das, was ich am Arzt sein am meisten fürchte: Dass anderer Leute Leben u. U. von meinen Fehlentscheidungen abhängig sein könnte (wenn mir gerade mal wieder keine Hilfe zur Seite steht, weil Personalmangel herrscht).
Irgendwie hab ich gerade beim lesen ein Dechavue, alles das was du Beschreibst könnte auch auf mich zutreffen draußen auf der Straße wenn mal wieder alle NEF besetzt sind und es ne halbe Ewigkeit dauert ein anderes zu bekommen.
Time is Brain, Golden Hour of Shock etc....
Nun kommt bestimmt wieder die Aussage "die Verantwortung hat ein Busfahrer auch"...
Meinst du... ? :-oopss
Ehemaliger User 05022011
19.11.2008, 19:27
Schande über unser Gesundheitswesen! :-(
Nicht nur unsere echten Ärzte sind unterbezahlt, sondern auch die Urkundenfälscher::-heul
http://dcrs-online.com/falsche-aerztin-arbeitet-wieder-im-gesundheitswesen-200835436
sehr schön dieser Beitrag!!!
(Entschuldigung astrophys zwar wieder am Thema vorbei, aber musste schnell mal gesagt werden)
Ehemaliger User 05022011
19.11.2008, 19:31
Hat jemand jemals eine Demo von Naturwissenschaftlern gesehen? Obwohl sie deutlich schlechter verdienen als Ärzte? Richtig!
hab ich gelöscht, weil es hier schon gesagt wurde von anderen
Ehemaliger User 05022011
19.11.2008, 19:53
Der Unterschied ist z. B. der, daß ein Lehrer nicht innerhalb kurzer Zeit unter zeitlichem Druck gleich mehrere Entscheidungen treffen muß, wie ich im Dienst letzten Sonntag, wenn mal wieder 5 Patienten gleichzeitig kommen.
Das glaubst du doch nicht wirklich ? Wenn doch, dann frag mal Leute die z.B. an einer Hauptschule oder Sonderschule arbeiten und dort die lieben Kleinen in Schach halten müssen, da sind nicht 5 in einer Klasse ( wie bei dir im Krankenhaus letzten Sonntag), sondern es sind bis zu 30 Kaoten und du glaubst doch nicht wirklich, dass die alle schön der Reihe nach ihren Mist machen und der Lehrer in aller Ruhe überlegen kann, wie er reagiert.
Also ich finde all diese Vergleiche mit anderen Berufsgruppen total sinnlos und unnütz, denn wenn man der Meinung ist ein Arzt verdient zu wenig ( ich kann mir da noch keine Meinung zu erlauben, kann dies nicht einschätzen), dann kann man das doch auch vertreten ohne, dass man dabei andere Berufsgruppen herabsetzt ( deren Arbeit, wenn man ehrlich ist nicht wirklich beurteilen kann).
Also ich finde all diese Vergleiche mit anderen Berufsgruppen total sinnlos und unnütz, denn wenn man der Meinung ist ein Arzt verdient zu wenig ( ich kann mir da noch keine Meinung zu erlauben, kann dies nicht einschätzen), dann kann man das doch auch vertreten ohne, dass man dabei andere Berufsgruppen herabsetzt ( deren Arbeit, wenn man ehrlich ist nicht wirklich beurteilen kann).
Da gebe ich dir vollkommen Recht.
Vor einigen Monaten sagte mir mal ein Arzt ins Gesicht:
Ihr Rettungsdienstler macht doch nix besonders. 70 % Kranke Leute fahren und 30 % Füße kraulen auf Wache. Die echte Verantwortung tragen nur wir Ärzte. "
Nach dem Satz war meine Kinnlade ein Meter tiefer. :-((
docmoechtegern
19.11.2008, 20:05
Gut, dann sind die Assis in unserer Chirurgie einfach Vollidioten. Vermutlich werden die einfach aus Versehen nachts angerufen und kommen dann zufällig in die Klinik, um nach der OP wieder nach Hause zu gehen, eine Stunde zu schlafen und dann morgens wieder ab 7.00 Uhr auf der Matte zu stehen.Mein Bruder hat gesagt, das sei dann aber nicht der Assi, der Bereitschaftsdienst habe, denn der müsse während dieser Zeit immer im Krankenhaus sein, sondern ein anderer Assi, der Rufdienst habe und nur geholt würde, wenn zusätzliche Leute gebraucht würden.
Ca. 6.00€ Brutto die Stunde, netto bleiben dann 3,XX€ übrig..Das hat mein Bruder nicht verstanden, aber er hat wegen des Stundenlohns für die Nachtschichten (nicht für nächtliche Bereitschaftsdienste!!) gerade mal dort
http://www.marburger-bund.de/marburgerbund/bundesverband/unsere_themen/tarifpolitik/vka/TV-Aerzte_VKA.pdf
im Tarifvertrag für Ärzte an kommunalen Krankenhäusern nachgesehen und mir dann einiges erklärt: .
Er hat sagt, wenn ein Arzt eine 8 Stunden lange Nachtschicht (also nicht als Bereitschaftsdienst, sondern als normale Schicht!) im Krankenhaus mache, bekäme er dafür seinen normalen Stundenlohn.
Zum Beispiel ein Assi im 2. WBJ hätte nach diesem Tarifvertrag zur Zeit monatlich 3729 Euro brutto.
Dafür müsse er 40 Stunden pro Woche arbeiten. Im Monat seien das dann etwa 170 Stunden.
Sein Stundenlohn betrüge dann 3729 € : 170 h = 21,9 €/h (brutto)
Für eine 8-Stunden-Schicht - egal ob früh, spät oder bei Nacht - bekäme er also brutto 21,9* €/h * 8h= 175,2 Euro brutto.
Mein Bruder meint dazu, eigentlich sollte man für Nachtschichten im Krankenhaus grundsätzlich einen höheren Stundenlohn bekommen als für Tagschichten.
Es wäre doch eigentlich mal eine schöne Aufgabe für eine Ärztegewerkschaft (ich glaube, die heißt Marburger Bund oder so ähnlich), sich darum zu kümmern.
Die läppischen 40 Euro/Monat, die man als Arzt bei regelmäßiger Schichtarbeit im Krankenhaus als Schichtzulage bekäme, seien ja wohl ein Witz.
Das mit den 40 Euro Schichtzulage hat er im Tarifvertrag gefunden.
Dort steht im § 11 unter "Ausgleich für Sonderformen der Arbeit"
"(5) 1Ärztinnen und Ärzte, die ständig Schichtarbeit leisten, erhalten eine Schichtzulage von 40 Euro monatlich."
Michael72
19.11.2008, 20:11
Zur Erinnerung: Bitte nicht die Trolle füttern!
Ehemaliger User 05022011
19.11.2008, 20:15
Nach dem Satz war meine Kinnlade ein Meter tiefer. :-((
das glaub ich dir gern, so etwas ist einfach nur arrogant, aber leider halten sich Viele für den Nabel der Welt und sind nicht in der Lage auch die Arbeit von anderen zu schätzen
LasseReinböng
19.11.2008, 21:03
Eine Sache interessiert mich nur mal wirklich brennend: Es ging da mal vor 1-3 Jahren eine interessante Studie durch die Presse, wonach ein Großteil der arbeitenden Absolventen eines Medizinstudiums nicht im ärztlichen Bereich tätig sind. Werde nochmal schauen, ob ich dazu Daten finde, damals tauchten glaube ich Werte von 30% im Rahmen der Ärztemangeldiskussion auf.
Ich frage mich dann nur: Warum arbeiten die nicht in der Klinik, wenn man da offenbar so toll verdient und so attraktive Arbeitszeiten hat. ?
Ich bin bzgl. des angeblichen (zahlenmäßig signifikanten) Abwanderns von Ärzten in den nichtkurativen Bereich ziemlich skeptisch. Wo sollen denn überhaupt die Stellen sein ? Welcher Arbeitgeber hat Interesse an frischen Absolventen, die die Medizin hauptsächlich nur aus Büchern kennen, lediglich einen Überblick haben und noch nie eigenverantwortlich Patienten behandelt haben ?
Skalpella
19.11.2008, 22:09
Zur Erinnerung: Bitte nicht die Trolle füttern!
Ja, finde ich ja auch! Ist aber gerade S E H R schwer! *brodel*
Trolle zu Enttarnen finde ich persönlich schwierig da man in einigen Themen nicht wirklich nachvollziehen kann ob Beitragsteller nur aneinander vorbei reden oder einfach nicht verstanden haben worum es geht. :-winky
Hoffe mal das ich hier nicht als Troll betrachtet werde. :-blush Mich gibt es wirklich, auch wenn ich nicht immer so Perfekt bin in Sachen Artikulation und Rechtschreibung.
Ehemaliger User 20130505
19.11.2008, 22:45
Trolle zu Enttarnen finde ich persönlich schwierig Da gilt wie überall im Leben: Übung macht den Meister. :-)
Skalpella
19.11.2008, 22:59
Nein Szaf, Dich meinte ich nicht :-)
Sorry für offtopic :-wow
Ehemaliger User 20130505
19.11.2008, 23:17
@medianab: Da nächstes Jahr die nächste Tarifrunde ansteht, wird es nun hier vermutlich öfters solche Threads geben.
na sag ich es doch, wenn man fragt "können sie es sich vorstellen" , sagen viel ja , aber "wollen sie später auswandern, weil in Deutschland so wenig bezahlt wird" - das ist doch eine ganz andere Frage
und dann zu schreiben : "Rund 70 Prozent der Medizinstudenten wollten nach Abschluss ihrer Ausbildung ins Ausland gehen, berichtet die Ruhr-Universität Bochum. [......]
das ist einfach schlechter Journalismus
aber kann uns ja auch Recht sein, wenn es immer mehr die Meinung gibt , die hauen
alle ab, wenn wir sie nicht besser bezahlen, dann führt dies vielleicht dazu, dass dies geändert wird
Ich wette, wir werden den Satz "70 % unserer Medizinstudenten wollen auswandern" im Laufe der nächsten Monate noch öfters hören. ;-)
Der MB-Vorsitzende hat ihn heute Abend auf Phoenix auch gesagt.
http://www.phoenix.de/210977.htm
Die Sendung wird morgen früh (also eigentlich heute) um 9.15 auf Phoenix wiederholt.
stud_tir
19.11.2008, 23:37
Hmm .. Öl ins Feuer gefällig? Die armen NaWis an der Uni, die nach TVÖD bezahlt werden. In der Industrie kriegen sie mehr ;) Ganz ehrlich - das Argument mit dem TVÖD ist lächerlich.
Ganz ehrlich? Ich (als Bioinformatiker) trage lange nicht die Verantwortung, die ein Arzt trägt. Entsprechendes gilt für Bauingenieure, Lehrer, etc - warum? Ein Bauingenieur hat im Zweifelsfall immer die Zeit seine Berechnungen erneut durchzuführen, etc - ein Arzt nicht.
Der Bau eines BI dauert lange - viel Zeit Fehler zu finden und viele Kontrollen. Die Arbeit eines Arztes ist teilweise direkt ohne äußere Kontrolle und mit kritischen Entscheidungen, die jetzt Konsequenzen haben.
Polizeibeamte haben eine ähnliche Verantwortung. Busfahrer wiederum nicht - denn normalerweise gibt es dort keine kritischen Entscheidungen oder Situationen.
Was soll diese Verantwortungsdiskussion? Und zum Einwand der lahmgelegten Strom- und Wasserversorgung: Ärzte fahren während ihrer Streiks auch weiter Notdienst (respektive "Dienst nach Vorschrift") - also spart die überzogenen Vergleiche.
Ganz abgesehen davon haben die Ärzte das Recht, ihr Gehalt auszuhandeln. Die NaWis haben es auch. Was soll also der Einwand "aber wir kriegen weniger und streiken auch nicht"?
rate mal
20.11.2008, 08:11
Ganz abgesehen davon haben die Ärzte das Recht, ihr Gehalt auszuhandeln. Sehr richtig. Die Frage ist nur: Wie geht man dabei vor? Und da finde ich es verdammt schäbig, immer mit fehlerhaften (und teilweise auch diffamierenden) Vergleichen mit den Arbeitsbedingungen und Gehältern anderer Berufsgruppen zu argumentieren. Und noch viel mieser ist es imho, mit dem Märchen vom großen Exodus zu drohen, obwohl man folgende Tatsachen ganz genau kennt:
Schweden und Schweiz:
-relativ kleine Einwohnerzahl und damit relativ kleiner Bedarf an Ärzten
-Ärztegehälter etwa auf dem deutschen Niveau, in der Schweiz sogar niedriger, wenn man berücksichtigt, dass man dort für die Grundgehälter 50 h/Woche arbeiten muss und nur vier Wochen bezahlten Jahresurlaub hat.
Großbritannien:
Dort bekommen selbst von denen, die dort studiert haben, nicht alle eine Weiterbildungsstelle und müssen zur Weiterbildung auswandern oder sich mit Stellen abfinden, in denen sie keineswegs traumhaft hohe Gehälter bekommen. .
Consultantstellen sind zwar teilweise ganz gut bezahlt, aber es gibt sie dort auch nicht wie Sand am Meer.
Plakate mit Parolen wie "Wir sehen uns in England wieder" sind unter diesen Bedingungen einfach lächerlich und eine Verar$chung der Öffentlichkeit.
Alles andere, was ich dazu zu sagen habe, hab ich bereits vor einem Jahr dort gesagt:
http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showpost.php?p=606331&postcount=7
Mein Fazit von damals gilt nach wie vor:
Warum haben die nicht den Mumm, einfach wie jede andere Gewerkschaft zu sagen: Wir wollen x Prozent mehr Gehalt, und wenn wir die nicht bekommen, streiken wir, denn wir sitzen am längeren Hebel, weil wir einen Beruf ausüben, auf den jeder ganz schnell mal angewiesen sein könnte?
Man muss sich mal vorstellen, die Piloten hätten ihre Forderungen nach 30 Prozent mehr Gehalt damit begründet, dass sie einen Schei§job hätten und es in Deutschland bald keine Piloten mehr gäbe, wenn ihre Gehaltsforderungen nicht erfüllt würden.
EOD
stud_tir
20.11.2008, 08:26
Die Frage ist nur: Wie geht man dabei vor? Und da finde ich es verdammt schäbig, immer mit fehlerhaften (und teilweise auch diffamierenden) Vergleichen mit den Arbeitsbedingungen und Gehältern anderer Berufsgruppen zu argumentieren. Na ja - alle lügen.
Ähnliches gibts doch eigentlich von allen Seiten in allen Tarifverhandlungen. Und der bevorstehende Exodus wird auch von NaWis als Argument für Gehaltsforderungen genommen - wenn auch weniger organisiert ;)
rate mal
20.11.2008, 08:55
Na ja - alle lügen.
Dem ist nichts hinzuzufügen. Sehr schönes Schlusswort. :-party
alley_cat75
20.11.2008, 12:07
Könntet Ihr mal aufhören, soviel zu schreiben, während ich offline bin. Ich muss das alles während der Arbeitszeit lesen. ;-)
Nun hat aber noch niemand die Frage beantwortet, WARUM alle sagen, dass Ärzte wenig verdienen?
Nicht jeder, der jammert, hat wirklich Grund dazu - das dürfte wohl keine neue Erkenntnis sein. Sicherlich gibt es daneben genügend Kollegen, die in der Tat schlecht verdienen bzw. sich zu Recht mehr erhoffen. Prinzipiell denke ich da an Hausärzte, die mit Hausbesuchspauschalen nicht mal mehr das Benzin bezahlen können. :-nix Dass einem als Student von approbierten Kollegen vom Studium abgeraten wird, hört man häufig; habe ich auch erlebt. Nach der eigenen Approbation traf ich keinen einzigen mehr - schon komisch. Neid? Angst vor dem Nachwuchs? Lange keine mehr flach gelegt? :-nix Jedenfalls würde ich derartiges nicht überbewerten. Man sollte seine eigenen Erfahrungen machen, da man halt nicht der andere ist, der einem abrät.
Zum Thema Verantwortung: kann man m. E. nach nicht bewerten oder in Zahlen fassen. In dem Moment, in dem ich einer Berufsgruppe mehr Verantwortung zuspreche, nehme ich sie einer anderen. Sicherlich hängen von unseren Entscheidungen Leben und Tod ab, aber wenn die KiTa-Erzieherin dem kleinen Max nicht genug Kontra gibt, zieht der vielleicht in 20 Jahren los und zerstückelt Frauen auf seinem Hinterhof.
Ehemaliger User 20130505
20.11.2008, 12:55
Nein, die Frage war schon, ob man sich vorstellen kann, später im Ausland zu arbeiten. Ich habe an der Umfrage der RUB teilgenommen, muss es also wissen. ;-) Allerdings ging es eben darum, ob man es sich vorstellen kann... und viele Leute können sich bestimmt viel vorstellen...
LG,
AllyVielleicht solltest Du nicht nur den Spiegel auf Fehler hinweisen (fand ich übrigens klasse!), sondern auch den MB über die Art der Fragestellung in dieser Studie aufklären, ;-) denn dessen Bundesvorsitzender hat gestern Abend im Fernsehen gesagt:
[Zitat] "Wir haben jetzt 70 Prozent der Medizinstudierenden, die sagen, statt in Deutschland gehe ich lieber ins Ausland."
Quelle: http://www.phoenix.de/210977.htm
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.