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veriko
06.04.2022, 17:23
Eine halbwegs gesichtswahrende Exitstrategie sollte man den Russen zubilligen.

Ich fürchte, da gibt es kein Gesicht zu wahren - wer egal in welcher Absicht bewaffnet bei seinem Nachbarn einfällt, hat schon verloren.
Dass ganz ähnliche Bilder wie aktuell aus Bucha schon vor 8 Jahren aus Donezk und Luhanks zu sehen waren, wird bei sämtlichen Gesprächspartnern niemanden interessieren. Ich will damit nicht sagen, dass Krieg ein probates Mittel ist, Tod und Leid der Menschen im Donbass zu beenden, denn gerade wird nur mehr gestorben und gelitten.

Bemerkenswert ist, dass nach >40 Tagen Krieg zwar schon Flugplätze in der Westukraine beschossen und getroffen wurden, das Schienennetz aber immer noch funktioniert. Die ukrainische Eisenbahn hat ununterbrochen Züge aus Kiew und anderen frontnahen Städten nach Westen fahren lassen (und dementsprechend zurück). Warum diese Transportinfrastruktur, die ja bestimmt auch für den Rüstungsnachschub genutzt werden kann, bisher kein Ziel für die russische Armee war, bleibt mir schleierhaft.
Ich tippe mal, Putins Exit sieht dann so aus: Eines Tages Fernsehansprache "wir haben alle militärischen Objekte zerstört und die Ukraine entnazifiziert, stationieren ein Kontingent in den "unabhängigen Republiken Donezk/Luhansk" inklusive Landbrücke zur Krim und ziehen unsere Truppen aus dem Rest der Ukraine ab. Den Gasexport über die Ukraine beenden wir auch."

GP1001
06.04.2022, 19:44
Herr P weiß ja, wo er anrufen kann, wenn er genug bei seinem Nachbarn randaliert hat. Erst muß mal Russland überhaupt Willen zeigen, einen Exit zu suchen. Ansonsten halten Hr. Macron und der Scholzomat doch eh Telefonkontakt zum Herrn P. Verstehe da die Kritik am Vorgehen jetzt nur bedingt.

Also ich bin auch dafür, dass Scholz und Macron mit Putin weiter telefonieren. Die Erfolge sind jedoch begrenzt. Letztendlich sind ja nur die USA für ihn ebenbürdig. Ich glaube übrigens, dass er Biden und Scholz als "schwach" eingeschätzt haben und so seine Chance gesehen hat für den Krieg. Hat aber dann doch nicht so funktioniert wie gedacht., wie du bereits gesagt hast. Die russische Armee behauptet: "Wir wollten niemals Kiev eroben"; na klar: Deshalb schickt man eine 60 km Kolonne dahin und erobert wichtige Flughäfen und gibt sie jetzt auf.
Die Nato geht heute von einer Kriegsdauer laut Presse von "Monaten bis Jahre" aus.
Du hast natürlich Recht: Die russische Armee ist schwächer und schlechter organisiert als viele dachten. Trotzdem haben sie noch viel Material, Soldaten und die furchtbaren taktischen Waffen. Wahrscheinlich haben sie jetzt auch aus ihren Fehlern im Norden gelernt. Damit können leider einige Städte im Osten und Süden der Ukraine zusammengeschossen werden und unendliches Leid verursacht werden.



Eine halbwegs gesichtswahrende Exitstrategie sollte man den Russen zubilligen.

Langfristig bleibt Russlands Ziel die Eroberung der kompletten Ukraine. Ein Waffenstillstand wäre das nächste Ziel. Insofern muss man hier sehr gut abwägen zwischen "Gesichtswahrend" / "Rücksicht nehmen auf Russland" und "zu viel Appeasmentpolitik"; denn der nächste Angriffskrieg kann bereits wenige Monate bis Jahre später erfolgen. Vielleicht geben sie sich mit einem "Neurussland" im Osten und Süden der Ukraine für eine Zeit zufrieden.
Es ist echt schwierig.
:-kotz


Dafür sollte "der Westen" vulgo wir, im Gegensatz zu Macron oder England, nicht die Primärkommunikation via Presse oder Twitter laufen lassen.
Ich habe von Frau B. keine offene Kommunikationstür bislang wahrgenommen, da haben andere Länder häufiger angerufen. Es muss ja nicht immer ein Erfolg dabei rumkommen, es reicht, dass alle Beteiligten wissen, dass man noch reden könnte.

Diese Socialmediasachen und Details zu Waffenlieferung sind tatsächlich unnötig und schädlich.
Frau B. macht keinen schlechten Job. Sie ist komplett verarscht worden in Russland, man hat ihr erzählt, dass man keinen Angriff in der Ukraine plane und greift eine Woche später an. Freundliches einladendes Verhalten und Einladung zum Tee am kleinen oder großen Tisch kann man da leider nicht erwarten. Es gibt zahlreiche Vermittler und Kommunikationskanäle. Der Ball liegt in Russlands Hand und ihr Plan ist jetzt erstmal eine erneute Angriffswelle.
*gefaelltmirnicht*

Fr.Pelz
06.04.2022, 20:28
Jetzt werden ja die ersten Aufarbeitungstakte der (ehemaligen)Regierung inkl. Steinmeier gesprochen, der hat sich entschuldigt. Klar einerseits hätte man anhand der Verbrechen in Syrien, Tschetschenien und im Donbass schon merken müssen, wes Geistes Kind der ist - aber andererseits: WILL man nicht auch dem anderen vermitteln, man hält ihn für einigermaßen rational (damit er sich dann auch so gibt)?

Thomas24
06.04.2022, 22:14
Bemerkenswert ist, dass nach >40 Tagen Krieg zwar schon Flugplätze in der Westukraine beschossen und getroffen wurden, das Schienennetz aber immer noch funktioniert. Die ukrainische Eisenbahn hat ununterbrochen Züge aus Kiew und anderen frontnahen Städten nach Westen fahren lassen (und dementsprechend zurück). Warum diese Transportinfrastruktur, die ja bestimmt auch für den Rüstungsnachschub genutzt werden kann, bisher kein Ziel für die russische Armee war, bleibt mir schleierhaft.

Das ist Absicht und kein Fehler. Russland setzt(e) bei seinen eigenen Truppenbewegungen in der Vergangenheit stets auch massiv auf das Schienennetz -und das zerbombt man nicht ohne Not, wenn man es noch selbst brauchen könnte. Vielleicht nicht unbedingt im jetzigen Konflikt- aber vielleicht einmal in der Zukunft.



Jetzt werden ja die ersten Aufarbeitungstakte der (ehemaligen)Regierung inkl. Steinmeier gesprochen, der hat sich entschuldigt. Klar einerseits hätte man anhand der Verbrechen in Syrien, Tschetschenien und im Donbass schon merken müssen, wes Geistes Kind der ist - aber andererseits: WILL man nicht auch dem anderen vermitteln, man hält ihn für einigermaßen rational (damit er sich dann auch so gibt)?

Herr Steinmeier konnte sich als Kind der "goldenen Jahre" einer stabilen Nachkriegsordnung - die in der ersten Welt durch staatliche Verträge und internationales Recht, Prosperität und Frieden- geprägt war, damals eben nicht vorstellen, dass wir uns erneut auch in Europa wieder in einem Zeitalter der Stellvertreterkriege um strategische Einflußzonen befinden könnten. Haben ja nach dem Ende des sog. Ostblocks ja tatsächlich einige Menschen gedacht, wir hätten das "Ende der Geschichte" erreicht (Fukuyama).

Thomas24
06.04.2022, 22:26
Anfangs hätte ich das nie für möglich gehalten, aber mittlerweile ist sogar ein vollständiger Sieg der Ukraine in ihrem Abwehrkampf denkbar. Wobei ich mir nicht ausmalen will, was das an Eskalation nicht konventioneller Natur (Stichwort taktische Atomwaffen, chemische Kriegsführung) beim Friedensfürsten im Kreml auslösen könnte.
Eine halbwegs gesichtswahrende Exitstrategie sollte man den Russen zubilligen.

Ja, die Eskalationsgefahr besteht ja noch immer. Es muss ja nur eine Fehlentscheidung vor Ort getroffen werden bzw. ein verirrter Blindgänger auf polnischem Territorium landen. Leider war die Nato ja so unvorsichtig, bereits rote Linien vorzugeben (z.B. Einsatz von Chemiewaffen). Die Ukraine hat ihrerseits bereits mehrfach versucht, den Westen zu einer aktiveren Rolle in den Konflikt zu nudgen (Forderung nach Einrichtung einer Flugverbotszone usw.). Wenn die Situation nur verzweifelt genug ist, kann ich mir durchaus auch eine ukrainische False Flag Aktion mit Chemiewaffen vorstellen, um den Westen zu einer noch aktiveren Rolle zu drängen. Die Nato hätte hier -sowohl gegenüber der Ukraine, als auch gegenüber Russland- klarer kommunizieren sollen, dass man sellbst keine offensive Rolle als Kriegspartei im Konflikt einnehmen wird.

Ich glaube auch, dass man muss Russland auf jeden Fall einen Gesichtswahrenden Exit aus der Situation offenlassen muss- z.B. ein "Mission accomplished" Szenario, in dem Friedensfürst P erklärt "Wir haben die Ukraine entmiliarisiert und Entnazifiziert, unsere siegreichen Truppen ziehen sich nun zurück, Friedenssichernde Einheiten verbleiben in den Autonomen Republiken usw.". Und dann schnell raus, bevor ein langwieriger Partisanenkrieg beginnt, der sich über Jahre hinziehen könnte.

Kackbratze
06.04.2022, 23:06
Kurze Frage an Rande: die russische Armee hat in Syrien ISIS unteranderem zurückgedrängt.
Krieg ist nicht einseitig, wo die "Rotland" immer böse ist. Ein "Sieg" des IS in Syrien und Nordirak hätte dort nicht für einen Frieden wie wir ihn uns wünschen gesorgt. Das jetzt unisono mit Tschetschenien und der ersten Invasion zu setzen... schwächt meiner Meinung nach die eigene Argumentation.
Die beiden letztgenannten Konflikte sind unbestritten falsch und wider Allem, was menschlich ist.
Es hat ein bischen was von Game of Thrones, wo am Anfang die Charaktere mehr Facetten hatten als man dachte, am Ende hat Joffrey B. trotzdem bekommen was er verdient...
Mir persönlich wäre ein Rückzug aus der Ukraine am liebsten, von mir aus auch ein gesichtswahrender Vertrag für beide Seiten, solange die Soldaten, die Verbrechen begangen haben, entsprechend bestraft werden und das sinnlose Sterben von Menschen auf beiden Seiten endlich beendet wird.

veriko
07.04.2022, 08:21
Kurze Frage an Rande: die russische Armee hat in Syrien ISIS unteranderem zurückgedrängt.
Krieg ist nicht einseitig, wo die "Rotland" immer böse ist. Ein "Sieg" des IS in Syrien und Nordirak hätte dort nicht für einen Frieden wie wir ihn uns wünschen gesorgt. Das jetzt unisono mit Tschetschenien und der ersten Invasion zu setzen... schwächt meiner Meinung nach die eigene Argumentation.
Die beiden letztgenannten Konflikte sind unbestritten falsch und wider Allem, was menschlich ist.

Das ist off-topic, nur kann ich als jemand, der den islamistisch motivierten Anschlag auf die Moskauer U-Bahn noch vor der Zeit des ISIS miterlebt hat, das nicht so stehen lassen. Bei den Tschetschenien-Kriegen ging es nie nur um die Unabhängigkeit von der Zentralmacht, sondern auch um die Errichtung eines islamistischen Staates mit der Scharia als Verfassung. Wohlgemerkt hat die Russische Föderation ca. 20 Mill. muslimischer Bürger verschiedener ethnischer Zugehörigkeit, aber ohne Migrationshintergrund, die in der Mehrzahl keiner fundamentalistischen Auslegung folgen, auch in Tschetschenien nicht. Beide Seiten haben nicht an Grausamkeit gespart, und die Islamisten hatten genug Unterstützung an Geld, Rüstung und Gerät von außen. Die Befriedung der Region im ersten Jahrzehnt der 2000er hat auf beiden Seiten viel zu viele zivile Opfer gefordert, die Russen sind aber nicht die einzigen in der Welt, die gleich ein ganzes Wohnhaus wegsprengen, wenn aus dem Keller jemand bewaffneten Widerstand leistet. Der Einmarsch in Syrien war aus russischer Sicht nur logisch, um den islamistischen Untergrund in Tschetschenien weiter zu schwächen.

GP1001
07.04.2022, 09:44
kann ich mir durchaus auch eine ukrainische False Flag Aktion mit Chemiewaffen vorstellen, um den Westen zu einer noch aktiveren Rolle zu drängen. Die Nato hätte hier -sowohl gegenüber der Ukraine, als auch gegenüber Russland- klarer kommunizieren sollen, dass man sellbst keine offensive Rolle als Kriegspartei im Konflikt einnehmen wird.


Die mehrfach geforderte Errichtung einer Flugverbotsszone in der Ukraine durch die Nato, wäre ja bereits eine direkte Beteiligung. Daher wurde sie nun mehrfach ausgeschlossen.
Die Nato droht mit schwerwiegenden Konsequenzen, falls es zum Einsatz chemischer Waffen kommt. Schwerwiegende Konsequenzen sind nicht unbedingt eine direkte Einmischung im Krieg. Es könnten z.B. sehr schwere Waffen an die Ukraine geliefert werden. Eine direkte Natobeteiligung mit Soldaten wurde mehrfach ausgeschlossen und würde faktisch den 3. Weltkrieg einläuten, den wir alle nicht wollen. Die Gefahr ist natürlich vorhanden und heutzutage so groß wie noch nie. Da hast du Recht.

Eine verirrte Rakete in Polen wäre extrem unglücklich, würde aber bei einem Einzelfall keinen direkten Militäreinsatz auslösen. Dasselbe Problem gab's ja auch mit Flugzeugbeschuss zwischen Russland und der Türkei. Es sei denn eine Partei will unbedingt den Krieg.



Ich glaube auch, dass man muss Russland auf jeden Fall einen Gesichtswahrenden Exit aus der Situation offenlassen muss- z.B. ein "Mission accomplished" Szenario, in dem Friedensfürst P erklärt "Wir haben die Ukraine entmiliarisiert und Entnazifiziert, unsere siegreichen Truppen ziehen sich nun zurück, Friedenssichernde Einheiten verbleiben in den Autonomen Republiken usw.". Und dann schnell raus, bevor ein langwieriger Partisanenkrieg beginnt, der sich über Jahre hinziehen könnte.


Auf jeden Fall, nur Russland muss sich noch darauf einlassen.
:-nix
Sonst haben wir einen jahrelangen Krieg


Update von heute:
Heute für die hiesigen Verhältnisse relativ versöhnlichere Stimmen aus den Kreml. Bedeutende Verluste bei den eigenen Truppen werden eingeräumt. Der Rückzug aus Kiew wird gesichtswahrend als positives Zeichen für die Verhandlungen verkauft. Die NATO Erweiterung sei keine existentielle Bedrohung. Aber auf donnbass und Krim inkl Verbindung beider Städte wird man nicht verzichten.

veriko
12.04.2022, 17:08
OBI macht es vor und hat sein Russlandgeschäft (27 Filialen, 4900 Mitarbeiter) an einen russ. Investor verkauft, meldet TASS, verrät aber nicht, für wieviel. Derweil debattiert die russische Duma über einen Gesetzesentwurf zur treuhänderischen Verwaltung der Unternehmen, deren ausländische Mutterkonzerne ihr Russlandgeschäft stillgelegt haben.
Insgesamt scheinen ukrainische und russische Seiten in den letzten Tagen immer mehr über die Wirtschaft und immer weniger über den Frontverlauf und die Verhandlungen zu berichten.

Edit: Die Niederlassung von Ernst&Young, in Russland aktiv seit 1989 (noch UdSSR), ordnet sich juristisch neu und wird ihre Beratertätigkeit wieder aufnehmen.

Jetzt warte ich nur noch, dass die PKW- und Landwirtschaftsmaschinenbauer sich umbenennen und ohne Gewinnbeteiligung nach draußen munter weiter BMW, VW und Erntegerät zusammenschrauben.

GP1001
12.04.2022, 21:48
Ganz offiziell ist die Offensive für Ostern angekündigt. Insgesamt kommt ein bunter Mix aus Stimmen vom Kreml. Einige erwähnen eine Konzentration auf den Osten des Landes , Kardyrow spricht von einer vollständigen Besetzung des Landes.
Und von Putin heute auch nix neues. Womöglich die Ruhe vor dem Sturm.

Die ganzen Friedensverhandlungen, die Sanktionen, die eigenrn Verluste, die offensichtlichen Gräueltaten... alles lässt die russische Führung unbeeindruckt

Thomas24
13.04.2022, 00:28
Macht auch Sinn. Vordergründig geht es um "kinetischen Kriegshandlungen" zwischen der Ukraine und Russland, aber "der Westen" befindet sich mit seiner selbst auferlegten Sanktionskaskade mitten in einem ökonomischen Krieg zwischen US vs. Russland- und wir werden sehen, ob "wir" uns nicht kollektiv eine blutige Nase holen werden.

Die sich abzeichnende Energie-, Nahrungsmittel-, Düngemittel- und Rohstoffkrise wird uns in der ersten Welt sehr schwer treffen und Teile der Dritten Welt deutlich destabilisieren. Kurz- und Mittelfristig sind die bereits seit Tagen andauernden gewalttätigen Unruhen in Sri Lanka sind nur ein Prolog, was uns in den nächsten Monaten in Afrika und Südamerika erwarten wird. Der Ausgang des Wahlkampfs in Frankreich (Stärkung des rechten und linken Randes, Schwächung der Mitte) ist auch ein Vorgeschmack, was für politische Radikalisierung wir in Europa bekommen werden, wenn der Lebensstandards substanziell auch in Europa für breite Bevölkerungsschichten zu fallen beginnt (bzw. beginnen wird, denn derzeit halte ich ein stagflationäres Szenario bishin zu einer Rezession für nicht mehr vermeidbar).

Längerfristig beginnt die seit Jahrzehnten bestehende Weltordnung der US- UK zu bröckeln und neue Allianzen formen sich im Hintergrund. Nachdem die USA beschlossen haben, ihr Finan- Banken- und Währungssystem als Waffe einzusetzen, schauen sich viele staatliche Akteure bereits nach Alternativen um. Die De- Dollarisierungstendenzen weltweit kommen immer mehr ins Rollen. Indien und China haben beide bereits ein eigenes Abrechnungssystem für Öltransaktionen mit Russland auf Yuan und Rupie Basis eingeführt. Die USA müssen sich an die ehemaligen Erzfeinde Venezuela und Iran (Ende der Sanktionen? Nuklear Deal mit dem Iran? Wie steht Israel dazu?) annähern, um an Öl zu kommen- während die ehemaligen langjährigen Partner in der Region wie Saudi - Arabien noch nicht mal mehr auf die Telefonanrufe von Biden reagieren. Evtl. ist das die langerwartete Transition von einer unipolaren Weltordnung zu einer multipolaren Ordnung. Der saudische Kronprinz hat öffentlich verlauten lassen, es interessiere ihn nicht (!!), was Präsident Biden denke (!!!)- noch vor wenigen Jahren ein völlig undenkbarer Affront gegenüber seiner Schutzmacht. Und der OPEC Minister von Nigeria hat schon erklärt, dass die OPEC keine Kapazitäten hat, kurzfristig die Fördermenge zu erhöhen. Währenddessen ist China sehr fleißig, und nutzt die Ablenkung der Nato auf die Ukraine aus. Containerladungen modernster chinesischer Flugabwehrraketen werden nach Serbien geliefert. Alles gerade sehr spannend, was im Hintergrund passiert, während die Mainstream Medien sich auf die Ukraine konzentrieren.

GP1001
13.04.2022, 08:20
Macht auch Sinn. Vordergründig geht es um "kinetischen Kriegshandlungen" zwischen der Ukraine und Russland, aber "der Westen" befindet sich mit seiner selbst auferlegten Sanktionskaskade mitten in einem ökonomischen Krieg zwischen US vs. Russland- und wir werden sehen, ob "wir" uns nicht kollektiv eine blutige Nase holen werden.


Und was wäre die Alternative? Alles weiter so wie bisher, am besten noch eigene Waffen an Russland liefern. Finanziell würde sich das lohnen und unser Wohlstand würde sich vermehren....
Für die Bevölkerung in der Ukraine sowie für viele andere Personen ist dieser Krieg ein nicht endender Horrorfilm. Beide Seiten sollten seitens der internationalen Gemeinschaft zu einem Waffenstillstand gedrängt werden.



Die sich abzeichnende Energie-, Nahrungsmittel-, Düngemittel- und Rohstoffkrise wird uns in der ersten Welt sehr schwer treffen und Teile der Dritten Welt deutlich destabilisieren. Kurz- und Mittelfristig sind die bereits seit Tagen andauernden gewalttätigen Unruhen in Sri Lanka sind nur ein Prolog, was uns in den nächsten Monaten in Afrika und Südamerika erwarten wird.


Es fallen tatsächlich Kapazitäten aus seitens der Ukraine. Aber aus Russland oder Belarus? Ist Russland ein Weizenimporteur. Warum sollte Russland an "neutrale" oder "halbwegsfreundliche Staaten" wie Ägypten kein Weizen liefern.
Und dann auch noch mit erhöhten Preisen jetzt, weil die Kapazitäten aus der Ukraine wegfallen...wie praktisch.




Der Ausgang des Wahlkampfs in Frankreich (Stärkung des rechten und linken Randes, Schwächung der Mitte) ist auch ein Vorgeschmack, was für politische Radikalisierung wir in Europa bekommen werden


LePen (der alte Opa und die neue Tante mit ihren Katzen) war schon mehrfach in der Stichwahl in Frankreich. Also insgesamt nix neues. Diese Weltuntergangsszenarien, alles wird schlecht...wir hören sie seit Jahrzehnten. Seien wir mal ehrlich: So wirds auch nicht kommen.



...wenn der Lebensstandards substanziell auch in Europa für breite Bevölkerungsschichten zu fallen beginnt (bzw. beginnen wird, denn derzeit halte ich ein stagflationäres Szenario bishin zu einer Rezession für nicht mehr vermeidbar).


Dann muss geschaut werden, wo zu sparen ist z.B. bei einer zu üppigen Krankenversorgung,
einem ausufernden Beamtenapparat, kostenlosen Autobahnen, niedrige und subventionierte Preise für zu viele Lebensmittel (z.B. Fleisch, Zucker, Milch), extrem niedrige Preise für Tabak und Alkohol. Es gibt soviel, wo sich auch sinnvoll sparen ließe.




Längerfristig beginnt die seit Jahrzehnten bestehende Weltordnung der US- UK zu bröckeln und neue Allianzen formen sich im Hintergrund. Nachdem die USA beschlossen haben, ihr Finan- Banken- und Währungssystem als Waffe einzusetzen, schauen sich viele staatliche Akteure bereits nach Alternativen um. Die De- Dollarisierungstendenzen weltweit kommen immer mehr ins Rollen. Indien und China haben beide bereits ein eigenes Abrechnungssystem für Öltransaktionen mit Russland auf Yuan und Rupie Basis eingeführt. Die USA müssen sich an die ehemaligen Erzfeinde Venezuela und Iran (Ende der Sanktionen?


Die Vormachtstellung der USA bröckelt. Aber sind die USA wirklich die Supermacht der letzten Jahre gewesen. Ihre Kriege in Afghanistan und Irak sprechen eine andere Sprache. Die USA haben in ihrer Politik momentan ein personelles Problem: Weder bei den Demokraten noch bei den Republikanern ist das besonders vielversprechendes Personal. Schade.

veriko
13.04.2022, 09:13
GP, Russland hat schon immer seinen Getreudeexport quotiert, um den Binnenmarkt vor Preisanstiegen und Knappheit zu schützen. Für dieses Jahr ist der Export bis Ende Juni auf die langfristig geschlossenen Verträge beschränkt, neue Quoten wurden per Gesetz nur sehr eingeschränkt genehmigt, um spekulative Verkäufe ins Ausland zu vermeiden.
Im Sommer wird dann neu entschieden, wenn absehbar ist, was für eine Ernte zu erwarten ist. Bis dahin fehlt aber das Getreide, das jetzt in der Ukraine noch im Lager liegt, in der Welt.

LasseReinböng
13.04.2022, 10:58
Währenddessen ist China sehr fleißig, und nutzt die Ablenkung der Nato auf die Ukraine aus. Containerladungen modernster chinesischer Flugabwehrraketen werden nach Serbien geliefert. Alles gerade sehr spannend, was im Hintergrund passiert, während die Mainstream Medien sich auf die Ukraine konzentrieren



https://www.derstandard.de/story/2000134843580/china-liefert-raketenabwehrsystem-an-prorussisches-serbien

In der Tat sehr "spannend", eigentlich eher besorgniserregend... den Balkan, insbes. Serbien hat man seitens der EU ja schon länger vernachlässigt...konkretere Aussichten auf einen EU-Beitritt bestehen bis heute nicht...dieses Vakuum füllt China geschickt aus, sprich Serbien wird mit Infrastrukturprojekten "beglückt" und mit Geld bzw. Krediten zugeschüttet und in die Abhängigkeitsfalle getrieben. Daß Serbien jedoch nun auch mit militärischem Gerät aus China beliefert wird hat eine völlig neue Qualität.

Daß in Serbien kritiklos russische Propaganda nachgebetet wird ist schon traurig genug, sicherlich jedoch aus historischen Gründen zum Teil zu erwarten gewesen.... die Kombi aus russischem und chinesischem Einfluss finde ich jedoch äußerst besorgniserregend...

LasseReinböng
13.04.2022, 11:13
Der Ausgang des Wahlkampfs in Frankreich (Stärkung des rechten und linken Randes, Schwächung der Mitte) ist auch ein Vorgeschmack, was für politische Radikalisierung wir in Europa bekommen werden, wenn der Lebensstandards substanziell auch in Europa für breite Bevölkerungsschichten zu fallen beginnt (bzw. beginnen wird, denn derzeit halte ich ein stagflationäres Szenario bishin zu einer Rezession für nicht mehr vermeidbar).


Vielleicht kommt Macron noch einmal mit einem blauen Auge davon....wenn nicht dürften in Moskau und Peking die Korken knallen...

GP1001
13.04.2022, 12:49
https://www.derstandard.de/story/2000134843580/china-liefert-raketenabwehrsystem-an-prorussisches-serbien

In der Tat sehr "spannend", eigentlich eher besorgniserregend... den Balkan, insbes. Serbien hat man seitens der EU ja schon länger vernachlässigt...konkretere Aussichten auf einen EU-Beitritt bestehen bis heute nicht...dieses Vakuum füllt China geschickt aus, sprich Serbien wird mit Infrastrukturprojekten "beglückt" und mit Geld bzw. Krediten zugeschüttet und in die Abhängigkeitsfalle getrieben. Daß Serbien jedoch nun auch mit militärischem Gerät aus China beliefert wird hat eine völlig neue Qualität.


https://www.ekapija.com/de/news/2965618/serbien-kauft-chinesisches-flugabwehr-raketensystem-mit-einer-reichweite-von-100-km

Der Kauf ist auch nun länger bekannt, siehe Artikel von 2020; es wurde auch jetzt in der NZZ oder Welt berichtet. Nicht unbedingt Breaking News...


Daß in Serbien kritiklos russische Propaganda nachgebetet wird ist schon traurig genug, sicherlich jedoch aus historischen Gründen zum Teil zu erwarten gewesen.... die Kombi aus russischem und chinesischem Einfluss finde ich jedoch äußerst besorgniserregend...

weil die Serben die Russen lieben. Mal in die "leicht" kriegerische Geschichte des Balkans schauen. Mal schauen, was aus diesem Lavieren zwischen Moskau und Brüssel wird.


GP, Russland hat schon immer seinen Getreudeexport quotiert, um den Binnenmarkt vor Preisanstiegen und Knappheit zu schützen. Für dieses Jahr ist der Export bis Ende Juni auf die langfristig geschlossenen Verträge beschränkt, neue Quoten wurden per Gesetz nur sehr eingeschränkt genehmigt, um spekulative Verkäufe ins Ausland zu vermeiden.
Im Sommer wird dann neu entschieden, wenn absehbar ist, was für eine Ernte zu erwarten ist. Bis dahin fehlt aber das Getreide, das jetzt in der Ukraine noch im Lager liegt, in der Welt.

Ägypten ist beispielsweise jetzt mit Indien und Frankreich im Gespräch. Und weiterhin kann man auch extrem viel Getreide oder Mais "sparen" indem man es nicht an Tiere zur Mast verfüttert.
Das haben wir hier auch schon x-Mal gesagt. Es gibt weder Mangel an Gas, Öl, Kohle, Getreide oder Mais. Allerdings müssen sich Handelsströme umstellen und Produkte werden teurer, aber das heißt nicht, dass es sie nicht mehr gibt. Hier wird ja seitens einiger die Apokalypse herbeigeredet.

Genauso ist es mit dem Wahlkampf in Frankreich: Die Rechten waren da schon öfters in der Stichwahl. Das ist alles nix Neues.

Kackbratze
13.04.2022, 15:36
Letztendlich wird gerade eine Neuordnung der Welt katalysiert, ich sehe den NATO-Beitritt von Schweden und Finnland extrem skeptisch, aber so sind Regierungen nunmal.
Wir lassen (mal wieder) eine fundamentale Friedenspartei, die Wahlwerbung gegen Waffenlieferungen gemacht hat (sic!) offen Waffen in ein Kriegsgebiet liefern (Yugoslawien noch für die Älteren ein Begriff?), die Sanktionen treffen uns mehr als Russland, ein Botschafter eines fremden Landes will uns die Politik via Bild und AnneWill diktieren und wir lassen das durchkommen.

Wann hat das letzte Mal ein deutscher Botschafter irgendwo es gewagt so zu reden?

Immerhin werden unsere Kriegsgelüste durch einen Blick auf die Spiegel etwas gemindert, weil man ja gerade eine passende Krise in einer Regierungspartei hat. Die das aktuell aber versucht mit Kriegstrommeln zu überdecken.

Realpolitik besteht meiner Meinung nach nicht darin, Waffen in ein Kriegsgebiet zu liefern. Wie das so läuft, hat man ja an verschiedenen Konflikten vorher gesehen, bei denen der Ami Hauptlieferant war. Sanktionen greifen nicht, weil Russland genug andere Handelspartner hat.
Also muss mehr Diplomatie her, aber da wurden ja Türen zugeschlagen und seitens der EU einseitige Kommunikationswege eingeschlagen.

Ich persönlich warte auf unsere steigenden Kosten für Alles, weitere Steigerungen unserer Kosten durch die Klimaentscheidungen der alten und der neuen Regierung und irgendwann in ca. 6 Monaten sind uns Ukrainische Massengräber so egal wie die Massengräber im Yemen oder Afghanistan.
Ausser wir lassen uns in den Konflikt mit reinziehen, was bedeuten kann, dass hier nicht mal jemand mehr steht, der nach dem Einsatz der falschen Raketen ein Loch für den Rest buddeln kann.
Und was die Franzosen wählen, ist am Ende egal, weil es, wie die Grünen und die FDP, an der Realität, dem Lobbyismus und der eigenen Inkompetenz zerschellen wird.

Feuerblick
13.04.2022, 15:53
Diplomatie mit Putin hat man versucht. Da man dem guten Mann aber genau so weit trauen kann, wie man einen Elefanten werfen könnte, dürfte das auch keinen Erfolg bringen. Eine Basis für Diplomatie ist das, was Russland in den letzten Jahren abgeliefert hat, nun wirklich nicht.
:-nix

Kackbratze
13.04.2022, 16:38
Sicher? Warum soll man es nicht weiter versuchen? Warum wird ein Politiker mit Häme überschüttet, wenn er (frustran) den Dialog versucht zu suchen? (Österreich)

Dieses "hört ja eh nicht" kann man umgehen, es gab Verhandlungen mit den Taliban, es gab und gibt diplomatische Beziehungen zu Nordkorea und es gibt auch in anderen Konflikten Vermittler, vielleicht nicht die, mit denen man offensichtlich gerechnet hat, aber irgendjemand kann Einfluss nehmen.
Warum nicht China fragen? Indien?

Einfach "Tür zu, Denk-Schublade auf, Kommunikation beendet" wird zusammen mit Waffenlieferungen den Konflikt sicher nicht beenden und wenn er dann doch irgendwie endet die zukünftige Kommunikation nicht verändern.
Oder stellen wir uns in unserer Arroganz vor, dass Russland auf Knien winselnd um Wiederaufnahme von diplomatischen Beziehungen bettelt?

Feuerblick
13.04.2022, 17:06
Nun... was haben all die diplomatischen Versuche in den von dir aufgezählten Ländern genau gebracht? Außer Flugreisen und netten Arbeitsessen und dem guten Gefühl, miteinander geredet zu haben?
Ich halte es für gänzlich ausgeschlossen, mit Herrn Putin irgendwas auszuhandeln. Der hält sich genau dann daran, wenn es seinen Ideen folgt. Sonst nicht. Völlig egal, ob man einen schriftlichen Vertrag hat oder nicht. Hatten wir doch alles schon. Wird den Konflikt auch nicht beenden - es sei denn, der Westen tut, was Putin will. Kann man machen. Dann haben wir halt bald Präsident Putin in Europa.