Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Krieg in der Ukraine
Diplomatie mit Putin hat man versucht. Da man dem guten Mann aber genau so weit trauen kann, wie man einen Elefanten werfen könnte, dürfte das auch keinen Erfolg bringen. Eine Basis für Diplomatie ist das, was Russland in den letzten Jahren abgeliefert hat, nun wirklich nicht.
:-nix
Der Konflikt liegt zwischen der Ukraine/USA und Russland und wir lassen uns auch ziemlich reinziehen. Es ist jetzt auch mal an der ukrainischen Seite Kompromisse einzugehen für einen Waffenstillstand.
Der ukrainische Botschafter ist ein sehr undiplomatische Diplomat. Irgendwann reicht es auch mal. Man kann seine Worte auch anders wählen und dasselbe sagen.
Feuerblick
13.04.2022, 18:47
Das ist in der Tat so. Auch der ukrainische Präsident ist jetzt nicht gerade der diplomatischste Diplomat unter der Sonne. Da spielt dann ein Klitschko den „Good Cop“, damit es noch halbwegs gut aussieht. Unabhängig davon, dass ich Politiker in Kriegsregionen für komplett verzichtbar halte, war es diplomatisch auch keine Glanzleistung, Steinmeier in seinem Amt als Bundespräsidenten als Besuch als nicht erwünscht anzusehen. Man beißt niemals die Hand, von der man noch Futter haben möchte. Ja, auch wenn man (vermutlich zu recht) sauer ist. Man merkt schon, dass Klitschko & Klitschko die deutsche Mentalität besser kennen und rhetorisch geschickter an die Sache herangehen. Hätte ich den beiden gar nicht zugetraut.
Die Frage ist für mich: Was kann man an Terrain und Volk „opfern“ und kann man Putin trauen, dass er Ruhe gibt, wenn ein Kompromiss gefunden ist? Gerade an letzterem habe ich massive Zweifel.
Im übrigen ist es für mich kein Konflikt zwischen Ukraine/USA und Russland sondern ganz konkret ein Konflikt, der an vielen Stellen Europa betrifft. Das alte Schema Ami gegen Russe passt da nicht mehr.
Kackbratze
13.04.2022, 19:13
An wievielen Stellen betrifft er denn Europa genau? Wir haben bislang die Flüchtlinge, die Sanktionen, die wir selber schaffen und uns selber treffen und ein mediales Trommelfeuer. Russland hat noch keine Gaslieferung gestoppt.
Ein reales Betreffen meinerseits durch den direkten Konflikt habe ich noch nicht bemerkt.
Keine Kampfjets über meinem Kopf, die Benzinpreise sind dank der Abgaben so hoch, im Supermarkt steigen die Preise dank Benzin und Klima-Abgaben, der Rest der Wirtschaft hat noch an Corona zu kratzen, die Ukraine ist da nur noch eine weitere Ausrede. Das Öl oder Getreide wird erst noch ausgebracht, das was Du kaufst ist die Ernte vom letzten Jahr. Ich hab da noch nicht verstanden, warum eine zukünftige Ernte jetzt schon für einen Engpass sorgt. Die gestörte Lieferkette nach China ist da wesentlich tragischer.
Wo bist Du direkt vom Ukrainekonflikt betroffen?
Feuerblick
13.04.2022, 19:35
Nun, zu Europa gehört nicht nur Deutschland und ich kann mir vorstellen, dass z.B. Polen es durchaus bedrohlich findet, dass da jemand in unmittelbarer Nähe Krieg führt und man sich nicht sicher sein kann, ob er die Grenzen zum nächsten Land respektiert oder „versehentlich“ mal was rüberfliegt. Insofern gibt es Länder, die zu Europa gehören und die sehr wohl Kampfjets über ihren Köpfen befürchten müssen.
Aber klar, man kann Krieg natürlich auf rein pekuniäre „Betroffenheit“ herunterbrechen, wenn man das möchte. Schon gar, so lange der Krieg noch so komfortabel weit entfernt ist.
Wo genau sind denn die USA jetzt vom Krieg betroffen?
Aus russischer Sicht kann man Deutschland als Vetragspartner auch nicht mehr trauen, sonst wäre Nordstream 2 ganz pomade in Betrieb gegangen (und die Ukraine um die Durchleitungsgebühren ärmer). Was glaubt ihr, was das für ein jährlicher Abzock-Poker war um diese Gebühren, und nein, ich glaube nicht, dass die Ukraine davon Lehrer und Ärzte bezahlt hat fürs Land.
Egal welche Krise, der Einzelhandel wird sie jetzt nutzen, um die Preise nach oben zu korrigieren, auch für das, was im letzten Jahr geerntet wurde.
Feuerblick
13.04.2022, 19:46
Hat er doch schon getan. :-nix
Anstatt jetzt alles dort kaputt zu schießen, sollten sich die Parteien zusammensetzen und schauen wie es zum Waffenstillstand kommt. Und ja es ist sehr unrealistisch, dass Krim und Donbass wieder schnell ukrainisch werden.
Allen benachbarten Staaten Russlands darf das eine Warnung sein, ein Überfall kann schneller kommen als man denkt. Die russische Regierung macht keinen Hehl daraus die Einflusszone des Warschauer Paktes zurück zu wollen. Polen und die baltischen Staaten machen sich da keine Illusionen und auch Finnland oder Schweden (zumindest Gotland) könnte Opfer von Großmachtbestrebung werden.
Immerhin weiß man jetzt, dass Putin ernst macht, wenn er so viele Truppen zu "Übungen" an irgendeine Grenze verlegt. Ich gebe zu, ich hab nicht dran geglaubt, dass es Krieg gibt. Und ich habe auch nicht geglaubt, dass Zivilisten dabei so sehr leiden würden. Wie naiv von mir.
Christoph_A
14.04.2022, 11:50
Ich denke, die Zeit für Appeasement ist und bleibt fürs erste vorbei. Wer um Himmels willen glaubt denn dem Putin Russland noch? Hier gilt es, klare Kante zu zeigen, die Ukraine aktuell maximalst möglich widerstandsfähig zu machen und die eigenen Linien zu schließen. Daß die Sanktionen wirken, sieht man, daß dieser Prozess länger dauert und auch für uns nicht ohne Effekt bleiben wird, sollte jedem einigermaßen vernunftbegabtem Menschen klar sein.
Finnland und Schweden werden sich der Nato anschließen, kann man auch verstehen, die Abschreckwirkung mehrerer gebündelter Atommächte ist halt doch noch was anderes, als alleine mit einer, zugegebenermaßen gut ausgestatteten, konventionellen Armee dazustehen.
Nochmals, die Kanäle nach Moskau müssen offen bleiben und dem Wladimir eine Exitstrategie angeboten bleiben.
Aber es muß auch klar sein, daß Russland an den Verhandlungstisch gezwungen werden muß und danach die Bedrohungslage von dort deutlich reduzierter sein muß, als zur Zeit.
At all costs and to the utmost of our means wie Onkel Winston das mal so schön formuliert hat. Und was da drüben geschieht, betrifft uns sehr wohl und ist den Einsatz wert, der liebe Friedensfürst will nämlich nichts anderes, als die Grenzen und Nach Kaltkriegsordnung Europas neu zu ordnen. Und dem muß mit aller Macht widerstanden werden. Auch und gerade aus unserer eigenen historischen Verantwortung heraus.
Kackbratze
14.04.2022, 13:05
Ich sehe keinen Spielraum für Appeasement, sehe genauso die abgebrochenen Kommunikationsbrücken und da liegt für mich der Fehler drin. Kommunikation und Verhandlungen sind nicht automatisch Appeasement.
Die Grenze zur NATO ist gesteckt, da wird sich der Krieg nicht hin ausbreiten, da ja direkt Atommächte involviert sind.
Die Frage ist nur, warum in Deutschland die Regierungsparteien ihren uneinigen Weg via Presse und nicht hinter geschlossener Tür einen wollen.
Und sich parallel von einem Botschafter, der mehr was von einem Marktschreier hat, vor sich her treiben lassen bzw. sich die öffentliche Meinung vereinnahmen lassen.
Christoph_A
14.04.2022, 13:28
Der Botschafter ist unsäglich, da gebe ich Dir Recht.
Es wird kein Appeasement mehr mit Russland geben, nicht, solange die jetzigen Protagonisten dort am Ruder sind. Die Grenze zur NATO wird wachsen, die strategischen Kriegsziele des Kreml damit in weite Ferne rücken. Und nur durch Härte wird man verhindern können, daß nicht doch mal kleine grüne Männchen im Baltikum den unterdrückten Russen in Lettland oder Estland zu Hülfe kommen. In dieser Hinsicht sollte das jedoch auch dem letzten Betonkopf im Kreml klar sein, was ein solches Manöver auslösen würde.
Ansonsten weiß der Zar ja, wo wir zu erreichen sind, sollte er dann doch in den Kreis der zivilisierten Staaten zurückkehren wollen. Wenn nicht, kann der Westen warten, bis sein Paradies wirtschaftlich kollabiert. Letztes Mal warens ca. 40 Jahre, denke, das geht dieses Mal schneller.
Christoph_A
14.04.2022, 13:33
Anstatt jetzt alles dort kaputt zu schießen, sollten sich die Parteien zusammensetzen und schauen wie es zum Waffenstillstand kommt. Und ja es ist sehr unrealistisch, dass Krim und Donbass wieder schnell ukrainisch werden.
Allen benachbarten Staaten Russlands darf das eine Warnung sein, ein Überfall kann schneller kommen als man denkt. Die russische Regierung macht keinen Hehl daraus die Einflusszone des Warschauer Paktes zurück zu wollen. Polen und die baltischen Staaten machen sich da keine Illusionen und auch Finnland oder Schweden (zumindest Gotland) könnte Opfer von Großmachtbestrebung werden.
Und den Russen sollten die Worte der NATO eine Warnung sein, daß jeder Fuß breit in NATO Territorium ein Fuß breit zu viel ist. Denke aber, das hat er mittlerweile verstanden.
Was die Ukraine angeht, es ging von Anfang an nur darum, den Preis für Russland so hoch wie irgendmöglich anzusetzen und das klappt besser, als man es je gedacht hätte. Der Blitzkrieg wurde gestoppt, teilweise sogar der Rückwärtsgang erzwungen und selbst den Donbass haben die Russen noch nicht sicher gewonnen. uncle Sam und Verbündete rüsten die Ukraine gerade gewaltig auf und so chancenlos, wie man dachte, sind die Ukrainer aktuell gar nicht mehr. Und mit jedem Tag kommt mehr Kriegsmaterial dort an. Wohingegen in Russlands Rüstungsindustrie sich die Sanktionen zusehends bemerkbar machen werden. Problematisch ist halt nur, wo Putin seine red flag ansetzt und ob er irre genug wäre, taktische Atombomben einzusetzen, wenn er sieht, daß nix vorwärts geht.
Thomas24
14.04.2022, 20:10
Ägypten ist beispielsweise jetzt mit Indien und Frankreich im Gespräch. Und weiterhin kann man auch extrem viel Getreide oder Mais "sparen" indem man es nicht an Tiere zur Mast verfüttert.
Das haben wir hier auch schon x-Mal gesagt. Es gibt weder Mangel an Gas, Öl, Kohle, Getreide oder Mais. Allerdings müssen sich Handelsströme umstellen und Produkte werden teurer, aber das heißt nicht, dass es sie nicht mehr gibt. Hier wird ja seitens einiger die Apokalypse herbeigeredet.
Deine Analyse basiert auf falschen Annahmen und ebenso falschen Schlußfolgerungen. Da weiß man gar nicht, wo man ansetzen soll :-oopss
Ich mach´s mal ganz kurz: in traditionell Margenschwachen und zyklischen Geschäftsmodellen (wie beispielsweise Rohstoffen), sind Angebot und Nachfrage im Regelfall recht sauber gepreist. Allerdings bestehen kaum Puffer, um plötzliche Änderungen bei Angebot oder Nachfrage abzupuffern (denn das lassen schwache Margen eben nicht zu). Dies hat zur Folge, das kleine Schwankungen, z.B. der Wegfall von 2% der Weltjahresproduktion eines Rohstoffs sowohl auf der Angebots- oder der Nachfrageseite, können mitunter zu sehr volatilen Preisausschlägen führen. z.B. bei Schokolade, Kaffee etc. Schokolade wird beispielsweise nur in wenigen Ländern der Welt zu annehmbarer Qualität produziert- und wird eines der Herkunftsländer politisch instabil/ Wetter spielt nicht mit/ Hafenarbeiter streiken etc. dann reagiert der Preis *extrem*.
Analog gilt das natürlich auch für Weizen. Und hier sprechen wir von einem potentiellen Wegfall von bis zu 25% der Weltjahresproduktion, da der weltgrößte Weizenexporteur der Erde boykottiert wird, und der fünft größte Exporteur der Welt Krieg führt.
Unter normalen Umständen führen extreme Preisausschläge zu einer Marktreaktion, indem nächstes Jahr *mehr* produziert wird (The cure for high prices is high prices, the cure for low prices are low prices). Aber derzeit sind die relevanten Inputkosten für Düngemittel (Russland ist nämlich ein führender Exporteur für Düngemittel), Energie und Arbeit schon vor dem Krieg durch das Pandemie Mißmanagement durch die Decke gegangen sind. Oder einfach ausgedrückt: normalerweise würde dieses Jahr mehr gepflanzt werden, um die Ernteausfälle nächstes Jahr zu überbrücken. Wird dieses Jahr aber voraussichtlich nicht, oder weniger als eigentlich benötigt, passieren- denn die Inputkosten sind im letzten und diesen Jahr zu schnell zu stark gestiegen, so dass viele Farmer eben *nicht* mehr anbauen, da der Abnahmepreis der nächsten Ernte zu ungewiss ist. Erst wenn die Energiekosten, Düngemittelkosten und die Arbeitskosten sich wieder signifikant stabilisieren (wenn auch auf einem höheren Niveau als vor Covid), erwarte ich eine Zunahme des Anbaus. Traditionell würde in einer solchen Situation anstelle von Weizen beispielsweise Mais angebaut werden, aber auch der Maisanbau wird durch den bestehenden Fertilizer Mangel gerade eben nicht ausgeweitet. Evtl. gibt es nächstes Jahr mehr Soja, wir werden sehen. On Top kommen noch populistisch agierende Politiker sich zusätzlich als "Hüter der Interessen des kleinen Mannes" gerieren, matschen diese zusätzlich durch staatliche Maßnahmen wie Preiskontrollen, Exportverbote etc. in die natürlichen Ausgleichsmechanismen ein und verschlimmbessern die Situation noch zusätzlich.
Für die spezifisch ukrainische Situation: der ukrainische Weizen würde über die Hafenstädte am schwarzen Meer exportiert werden, aber mit Ausnahme von Odessa befinden sich alle relevanten Häfen am schwarzen Meer bereits in russischer Hand. Und die Kriegshandlungen konzentrieren sich in den fruchtbarsten/ ertragsreichsten Oblasten.
Wer ist gekniffen? Wenn bei gleichbleibender Nachfrage das Angebot plötzlich verknappt wird, geht das Angebot dahin, wo am meisten geboten wird. Also zu uns Konsumenten in der ersten Welt. Aber du kannst die den FAO Food Price Index mal ansehen- der geht gerade mit einem sehr hohen Rate of Change steil durch die Decke. Das ist ein unschönes Problem für uns- aber extrem kritisch für Länder mit niedrigerer Kaufkraft und hoher Abhängigkeit von externen Nahrungsmittelimporten. Wenn es schlecht läuft, werden die Unruhen nicht nur auf Peru und Sri Lanka begrenzt bleiben, sondern den nahen Osten erfassen.
Genauso ist es mit dem Wahlkampf in Frankreich: Die Rechten waren da schon öfters in der Stichwahl. Das ist alles nix Neues.
Der springende Punkt ist doch der: zunehmende Unsicherheit wird reflektiert durch eine zunehmende Polarisierung des politischen Spektrums. Kriegsführung -und auch ökonomische Kriegsführung hat ja im Regelfall nicht die totale Unterwerfung des Gegners zum Ziel, sondern nur so lange so viele Schmerzen zu bereiten, bis eine Seite nicht mehr bereit ist, diese Verluste zu tragen. Unsere Annahme ist bislang, dass wir -durch Sanktionen etc.- ausreichend Druck auf die russische Wirtschaft aufbauen können, dass Putin gezwungen ist, einzulenken bzw. "beseitigt" wird.
Ich befürchte, dass diese Annahme falsch ist. Wir leben in demokratischen Gesellschaften, die den Überfluss gewohnt sind.
Eine substanzielle Absenkung ihres Lebensstandards (US CPI 8,5%, Inflation Deutschland 7,3%) werden viele Bürger nicht langfristig hinnehmen. Russland hingegen schätze ich als wesentlich leidensfähiger ein, die russische Bevölkerung jenseits der großen Städte ist schon immer einen geringeren Lebensstandard gewohnt gewesen, einen eigenen kleinen Garten zu haben und dort Lebensmittel anzubauen, ist dort völlig Usus. Vor allem Deutschland ist gewohnt, alle innenpolitischen und gesellschaftlichen Konflikte mit großzügigen Sozialleistungen und Wahlgeschenken zu übertünchen. Deutschland ist es nicht gewohnt, den Gürtel enger zu schnallen- das kann hässliche Verteilungskonflikte hervorrufen und auch die derzeitige "Refugees welcome" Attitüde geht dann gleich mit über Bord. Und mittelbar hängt ganz Europa an der wirtschaftlichen Lokomotive Deutschland, gehen hier die Lichter aus, gehen auch woanders die Verteilungskonflikte los.
Ansonsten weiß der Zar ja, wo wir zu erreichen sind, sollte er dann doch in den Kreis der zivilisierten Staaten zurückkehren wollen. Wenn nicht, kann der Westen warten, bis sein Paradies wirtschaftlich kollabiert. Letztes Mal warens ca. 40 Jahre, denke, das geht dieses Mal schneller.
Das eigentlich beängstigende an einem "Regime change" Szenario ist, man weiß nicht, wen man bekommt. Putin gilt innerhalb des Kremls sogar noch als politisch gemäßigt.
Analog gilt das natürlich auch für Weizen. Und hier sprechen wir von einem potentiellen Wegfall von bis zu 25% der Weltjahresproduktion, da der weltgrößte Weizenexporteur der Erde boykottiert wird, und der fünft größte Exporteur der Welt Krieg führt.
Für die spezifisch ukrainische Situation: der ukrainische Weizen würde über die Hafenstädte am schwarzen Meer exportiert werden, aber mit Ausnahme von Odessa befinden sich alle relevanten Häfen am schwarzen Meer bereits in russischer Hand. Und die Kriegshandlungen konzentrieren sich in den fruchtbarsten/ ertragsreichsten Oblasten.
... Wenn es schlecht läuft, werden die Unruhen nicht nur auf Peru und Sri Lanka begrenzt bleiben, sondern den nahen Osten erfassen.
Hier sind auch ein paar falsche Annahmen und Schlussfolgerungen drin, die dann ein "Horrorzukunftsszenario" vorraussagen, das aber so nicht kommt. Vollkommen Recht hast du, dass die Preise steigen werden. Sehr ärgerlich und das kann zu Unmut in manchen Ländern führen. Aber glaubst du ernsthaft in Ägypten oder Algerien kennt man keine Subventionen für Grundnahrungsmittel? So arm sind diese Länder auch nicht. Und auch da ist man sich der Notwendigkeit einer kostengünstigen Grundversorgung bewusst. Agrarsubventionen gibt's in jedem Land.
Wie bereits gesagt: Viele Länder boykottieren Russland nicht. China? Indien? die Türkei? Algerien? Wo sind die Boykotte? Und die Länder machen das aus gutem Grund nicht.
Die Blockade des Schwarzen Meer ist ein Problem. Es gibt jedoch auch Eisenbahnen und Flugzeuge seit geraumer Zeit, natürlich wird dadurch alles teurer.
Und wenn Weizen und Mais teurer wird: Müssen wir das dann massenhaft an Tiere verfüttern? Zahlt dann Hinz & Kunz den deutlich teureren Preis fürs Fleisch. Oder wird Hinz & Kunz sich möglicherweise mit etwas weniger Fleisch begnügen. Tönnies und Co stehen mit dem Rücken zur Wand. Sie haben nicht nur die höheren Futterpreise, nein auch noch normale Gehälter sollen kommen. Womöglich bricht der Fleischkonsum ein und es wird mehr Brot gebacken. Durch den Wegfall der beiden großen Weizenproduzenten, könnte Frankreich wieder die Rolle eines großen Weizenproduzenten für den Nahen Osten einnehmen. Wie es bereits in den 80/90er Jahren der Fall war. Erst mit der wirtschaftlichen Blüte der Landwirtschaft in Russland und in der Ukraine (auch diese Länder haben Agrarsubventionen übrigens), hat sich dies verändert. Ja der Prozess geht nicht von heut auf morgen, aber Unruhen zu fabulieren, bei so vielen Unbekannten und Möglichkeiten einzugreifen. Naja. Lassen wir uns überraschen.
Ich befürchte, dass diese Annahme falsch ist. Wir leben in demokratischen Gesellschaften, die den Überfluss gewohnt sind.
Eine substanzielle Absenkung ihres Lebensstandards (US CPI 8,5%, Inflation Deutschland 7,3%) werden viele Bürger nicht langfristig hinnehmen. ...
großzügigen Sozialleistungen und Wahlgeschenken zu übertünchen.
Ja, aber das ist alles nix Neues. Das Duell LePen (der alte oder die neue) gegen einen anderen Kandidaten gab's bereits öfters. Frankreich hat erhebliche wirtschaftliche Probleme gehabt. Wohlstandsverlust gab's ebenfalls in Europa z.B. ausgeprägt in Großbritannien in den 70er Jahren. Je nach Statistik/Rechenart auch in Deutschland.
Und wie wir uns alle errinnern, mussten wir Ende der 90er Jahre/Anfang der 00er Jahre auch einige Sozialreformen durchführen, sprich sparen und die Wettbewerbsfähigkeit steigern. Auch in diesen Zeiten wirtschaftlicher Schwäche sind nicht alle Lichter ausgegangen. SPD und Grüne haben nach den fetten Jahren einige teure Brocken im Programm, mal schauen ob das jetzt so kommt.
Wir sind auch leicht Off-Topic jetzt. Ich kann die Angst vor Horror und Negativszenarien verstehen, aber ob es dann genauso kommt? Vllt sind wir uns einig, dass wir auf die nächste Wirtschaftskrise zusteuern und sie mit Reformen meistern müssen. Veränderungen können auch positive Aspekte haben.
;-)
Das eigentlich beängstigende an einem "Regime change" Szenario ist, man weiß nicht, wen man bekommt. Putin gilt innerhalb des Kremls sogar noch als politisch gemäßigt.
Richtig. In russischen Talkshows wird ja angeblich bereits ein Atomkrieg in der Theorie diskutiert. Das wäre wirklich das erschreckendste Szenario: Nach dem Motto: Wenn der Donbass mir nicht gehören kann, dann auch niemand sonst. Und 5 Atombomeb fallen. Ein jahrelanger Guerillakrieg wäre auch nicht besonders wünschenswert.
Insgesamt ist es sehr schwer für beide Seiten endlich einen Waffenstillstand hinzubekommen. Echt schade.
Matzexc1
15.04.2022, 08:09
Problem bei Subventionen ist auch immer das etwas da sein muss was man subventionieren kann, bzw man sich diese Subventionen auch leisten können muss.
Ich finde der Vergleich mit den 80ern/90ern hinkt etwas weil ich nicht glaube das die nötigen Anbauflächen schnell wieder auf Weizen umgestellt werden können, bzw. aufgrund der Biolandwirtschaft nicht die Erträge liefern können um das zu ersetzen was uns jetzt fehlen wird und wir seit über 10 Jahren Getreide als Ethanol in unsere Benzintanks kippen.
Die Aussage "mit weniger Fleisch begnügen" finde ich etwas problematisch, ist Fleisch viel zu billig: Ja und die Qualität ist entsprechend schlecht, nur gibt es genug Familien die sich das tolle Biofleisch nicht leisten können und froh sind wenn 1x die Woche was auf den Tisch kommt.
Ich bin auch überrascht wie viele der Bundesregierung Reformen zutrauen, in den letzten 16 jahren waren wir nicht gerade Reformfreudig.
Ich vermute eher auch massive Steuerhöhungen um den Sozialstaat im aktuellen Zustand so alnge wie möglich zu erhalten. Die Bereitschaft die Ärzteversorgung zu "enteignen" war ja im Wahlkampf schon sehr groß.
Aber zurück zum Thema Ukraine:
Die Frage was bei einem Regimewechsel passiert ist schwierig zu beantworten, der nachfolger kann besser oder schlechter sein(je nach blickwinkel). Das Putin an Rückhalt verliert und u.a wegen des verlusts der Moskwa unter Druck gerät ist offensichtlich
Ich finde der Vergleich mit den 80ern/90ern hinkt etwas weil ich nicht glaube das die nötigen Anbauflächen schnell wieder auf Weizen umgestellt werden können, bzw. aufgrund der Biolandwirtschaft nicht die Erträge liefern können um das zu ersetzen was uns jetzt fehlen wird und wir seit über 10 Jahren Getreide als Ethanol in unsere Benzintanks kippen.
Hmm, lieber Putin's Öl nehmen also?
Irgendwie muss die Kiste ja fahren. Die EU und Deutschland haben bei Getreide einen Selbstversorgungsgrad von 100 Prozent. Ukraine und Russland haben die EU abgelöst als Hauptgetreidelieferant im Nahen Osten.
Man muss auch schauen wie lang dieser Krieg dauert, jetzt vieles umstellen und in diesem Jahr gibt's bereits einen Waffenstillstand?
Die Aussage "mit weniger Fleisch begnügen" finde ich etwas problematisch, ist Fleisch viel zu billig: Ja und die Qualität ist entsprechend schlecht, nur gibt es genug Familien die sich das tolle Biofleisch nicht leisten können und froh sind wenn 1x die Woche was auf den Tisch kommt.
Also 500 Gram Gehacktes kriegt man bei Aldi für 1,49 oder 1,99. In jeder Kantine kann man Fleisch essen zu Mittag. An jeder Dönerbude oder Currywurststand sowieso. Und du kommst mit Familien, die sich nur 1x die Woche 1,49 leisten können?
Die Preise für Fleisch sind extrem gering im Vergleich zum EU Ausland.
Ja dann essen wir eben etwas weniger Fleisch, wenn Futtermittelpreise steigen und mal faire Löhne gezahlt werden in der Fleischindustrie. An dem etwas weniger Fleisch werden wir nicht verhungern.
Ich vermute eher auch massive Steuerhöhungen um den Sozialstaat im aktuellen Zustand so alnge wie möglich zu erhalten. Die Bereitschaft die Ärzteversorgung zu "enteignen" war ja im Wahlkampf schon sehr groß.
Naja, wenn du der von dir benannten Familie täglich 500 Gramm Gehacktes für 0.8 Euro oder täglich eine Currywurst für 0,5 Euro zur Verfügung stellen möchtest, damit sie es täglich essen kann, werden wir wohl über Steuererhöhung nicht rumkommen. Am besten dann mit Gutscheinen. Jedoch fraglich sinnvoll.
Steuererhöhung sind in Zeiten, in denen es bei der Wirtschaft nicht so läuft, eher Gift. Der Sozialstaat wird sich also eher etwas einschränken müssen, sonst liefert die Wirtschaft irgendwann nicht mehr die Grundlage für den Sozialstaat.
Ärzteverssorgung, Beamtenpensionen und Sonderrechte sind ein heißes Thema. Ebenso Kirchensteuer. Ausgaben im Gesundheitssystem. Da gäbe es viel zu Sparen. Ich denke wir sind alle dagegen die Ärzteversorgung gegen die Rente einzutauschen, genauso wie die Beamten dagegen sind die Pensionen abzuschaffen (dann müssten sie ja in die Rentenkasse zahlen). Das sind schon harte Bretter.
Aber zurück zum Thema Ukraine:
Die Frage was bei einem Regimewechsel passiert ist schwierig zu beantworten, der nachfolger kann besser oder schlechter sein(je nach blickwinkel). Das Putin an Rückhalt verliert und u.a wegen des verlusts der Moskwa unter Druck gerät ist offensichtlich
Das ist genauso wie Kaffeesatz lesen. Ich glaube er wird leider bleiben.
Ja die Sowjetunion ist zusammengefallen Ende der 80er wegen wirtschaftlichen Bankrott. Möglicherweise ging das heutzutage garnicht mehr mit Indien und China als neuen Kräften. Iran wurde auch jahrzehntelang isoliert, und nix hat sich geändert.
Matzexc1
15.04.2022, 12:42
Komisch das du mit Putins Öl kommst, nach meiner Kenntnis würde das Bioethanol beigemischt um Umweltziele zu erreichen. Mein Problem ist das wir Lebensmittel in Treibstoff umwandeln und gleichzeitig heißt es: "Ihr sollt weniger Fleisch essen"
Das ein geringerer Fleischkonsum zur Hungersnot führt glaube ich nicht eine Sekunde. Und ja, ich kenne Familien die Probleme haben Fleisch auf den Tisch zu bringen.
So einfach ist es übrigens nicht uns als Selbstversorger zu bezeichnen.
Edit:
https://www.agrarheute.com/markt/marktfruechte/hat-deutschland-genug-getreide-um-versorgen-fakten-591301
Deine Vermutung zum Waffenstillstand ist auch reine Kaffesatzleserei, warum sollte Putin daran interessiert sein?
Der Vergleich mit dem Iran passt nicht, Der Rückhalt der Staatsoberhäupter geht von unterschiedlichen Quellen aus.
Nun Deutschland ist Teil des EU Binnenmarkts. Deutschland isoliert zu betrachten macht wenig Sinn, aber selbst da kann es sich allein verosrgen. Der EU-Binnenmarkt kann sich komplett selbst mit Weizen versorgen und auch noch exportieren.
Also man kann soviel Fleisch essen, wie man möchte, das ist mir egal. Aber ein anständiger Preis sollte es dann schon sein. Aktuell "subventioniert" es der Rumäne, der für 3€/h arbeitet bis er nicht mehr kann oder das preiswerte Futtermittel, oder unwürdige Tierhaltung. Während anderswo Leute womöglich nicht wissen, wie sie sich noch Brot leisten können.
Ob sich eine Familie 500 Gramm Hackfleisch nicht 1x die Woche bei den aktuellen Preisen leisten kann, möchte ich arg bezweifeln. Beispielsweise sind Legehennen am Ende ihres Lebens faktisch wertlos. Das früher bekannte Suppenhuhn kauft hier niemand mehr und wird billig nach Afrika verscherbelt, was auch dort wieder zu Problemen führt, wenn die afrikanischen Staaten keine Schutzzölle einführen.
https://www.deutschlandfunk.de/gefrorenes-huehnerfleisch-zerstoert-maerkte-in-afrika-100.html
Also genug Optionen unseren eigenen Markt mit sehr preiswerten Produkten zu beglücken.
Subventionen für Grundnahrungsmittel finde ich grundsätzlich in Ordnung. Aber bei Fleisch sollte man es nicht übertreiben (Grundnahrungsmittel?).
Deine Vermutung zum Waffenstillstand ist auch reine Kaffesatzleserei, warum sollte Putin daran interessiert sein?
Der Vergleich mit dem Iran passt nicht, Der Rückhalt der Staatsoberhäupter geht von unterschiedlichen Quellen aus.
Also ich würde mir einen Waffenstillstand wünschen. Ich glaube aber nicht dran. Putin brauch irgendeine Art Sieg oder Triumph, erst dann gibt es überhaupt eine Chance. Den Rückhalt bzw. das Mitläufertum für Putin schätze ich als hoch ein. Leider.
Es gibt auch das Szenario, dass taktische Atomwaffen eingesetzt werden in der Ukraine. Dann bliebe ja kaum was anderes übrig als einen zeitnahen Waffenstillstand zu akzeptieren zu den Bedingungen Russland.
Autolyse
15.04.2022, 16:31
[...]
Die Frage ist nur, warum in Deutschland die Regierungsparteien ihren uneinigen Weg via Presse und nicht hinter geschlossener Tür einen wollen.
Und sich parallel von einem Botschafter, der mehr was von einem Marktschreier hat, vor sich her treiben lassen bzw. sich die öffentliche Meinung vereinnahmen lassen.
Vermutlich weil Stegner und Konsorten den Ansichten von Wagenknecht, Dagdelen etc. deutlich näher sind als der Realität. Dazu gehört ja auch, dass das 2%-Ziel schon wieder kassiert ist, der Einzelplan 14 hat im Haushaltsentwurf weiterhin nur einen Umfang von 50 Milliarden. Und auf das Sondervermögen schielen schon Projekte zur feministischen Außenpolitik und Kulturpolitik ist ja auch Sicherheitspolitik. Aufgrund der Energiekosten bedeutet das schon ein faktisches Schrumpfen, aber mit Benzinpreissubventionen zur Hauptreisezeit bekommt man eben mehr Wählerstimmen als mit ausreichend Flugstunden um den Combat-Ready-Status überhaupt zu erreichen.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.