Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fragensammlung - Bewerbungsgespräch
Feuerblick
10.12.2010, 12:11
Schon mal an einer Uniklinik gearbeitet, John Silver? Nur um es mal in ein anderes Licht zu rücken: Ich arbeite inzwischen an der zweiten (wenn man mein Exil mitzählt an der dritten) Uniklinik. Forschung KANN man in unserer Fachrichtung machen, muss man aber nicht. Maximal wird man (und das NIEMALS als Anfänger) für Multicenter-Studien eingesetzt, in denen man eine überschaubare Menge an Patienten zu betreuen hat. Das allerdings auch nie alleine... Sprich: Eigenständige Forschung macht in unserem Fachgebiet der, der sich dazu berufen fühlt. Der Rest wird in Ruhe gelassen. Ähnliches gilt übrigens für Vorträge und Poster auf Kongressen... Für diese Multicenter-Studien fallen übrigens wenn überhaupt nur wenig Überstunden an. Und wer keine Forschung machen möchte, der wird auch nicht dazu gedrängt. Irgendwer muss ja schließlich auch die Patienten versorgen...
In Sachen Überstunden kann man auch nicht meckern: Haus 1 hat eine vernünftige Überstundenregelung angeboten plus zusätzlicher Fortbildungstage. Haus zwei (und drei) bieten Abfeiern der Überstunden zeitnah an - und setzen das auch um.
Kurz: Wer pauschal sagt, dass man in Unikliniken forschen MUSS, Überstunden machen MUSS (ich mache meistens zu wenig Überstunden, weshalb ich im Weihnachts-/Silvesterfrei regelmäßig in die Minusstunden rutsche) und niemalsnicht abfeiern kann/bezahlt bekommt, der hat schlicht Unrecht... Es ist auch hier immer vom Chef, vom Haus und von der Fachrichtung abhängig.:-meinung
Kurz: Wer pauschal sagt, dass man in Unikliniken forschen MUSS, Überstunden machen MUSS (ich mache meistens zu wenig Überstunden, weshalb ich im Weihnachts-/Silvesterfrei regelmäßig in die Minusstunden rutsche) und niemalsnicht abfeiern kann/bezahlt bekommt, der hat schlicht Unrecht... Es ist auch hier immer vom Chef, vom Haus und von der Fachrichtung abhängig.:-meinung
Wobei ich den ungehobelten Schatzinselpiraten da mal ausnahmsweise unterstützen muß, für Innere und Chirurgie ist seine Einschätzung schon eher die Regel als das, was Du in der Augenheilkunde erlebst.
Ich kann mich noch an manche Vorlesung erinnern, die ein kleiner Assi zwangsweise und nicht besonders euphorisch halten mußte.
Die Zeiten ändern sich zwar, aber erst nach und nach.
Ich kann Feuerblick nur beipflichten, bei uns läuft es ähnlich ab. Wir werden angehalten, Überstunden aufzuschreiben und bekommen diese bis zu einer gewissen Grenze vergütet. Über der Grenze kann jeder individuell entscheiden, ob er FZA oder weitere Bezahlung wünscht.
Zur Forschung wird bei uns auch keiner verpflichtet. Das hängt schon eher an der eigenen Motivation und wie sehr man sich selbst einbringt.
Sicher gibt es auch Abteilungen, wo es anders läuft (es soll auch bei uns welche geben, wo das Überstunden aufschreiben - laut Klinikdirektor - tabu ist. Sowas wird es aber auch an kleinen Häusern geben. Wer sowas mit sich machen lässt, ist selbst schuld. Ob nun an Uni oder kommunalem Haus.
Feuerblick
10.12.2010, 13:12
Wobei ich den ungehobelten Schatzinselpiraten da mal ausnahmsweise unterstützen muß, für Innere und Chirurgie ist seine Einschätzung schon eher die Regel als das, was Du in der Augenheilkunde erlebst.
Ich kann mich noch an manche Vorlesung erinnern, die ein kleiner Assi zwangsweise und nicht besonders euphorisch halten mußte.
Die Zeiten ändern sich zwar, aber erst nach und nach.Ich sprach von FORSCHUNG und nicht von der Lehre. DIE ist bei uns tatsächlich selbstverständlich... Vorlesungen halte ich quasi seit dem ersten WBJ... und nicht nur ich...:-nix
Ich sprach von FORSCHUNG und nicht von der Lehre.
Ok, mein Fehler.
Find ich aber auch nicht besser ;-)
Feuerblick
10.12.2010, 14:45
Kommt drauf an... bevor ich irgendwas forsche, weil man mich dazu zwingt, halte ich lieber ein paar Vorlesungen. Damit mache ich wenigstens keine sinnlosen Überstunden und kanns mir nachher auch hübsch in den Lebenslauf schreiben :-))
John Silver
11.12.2010, 17:57
Gut, in kleineren Fächern mag es so sein; meine Aussage bezog sich, wie Evil richtig sagte, auf größere Fächer. Ich hatte einige Vorstellungsgespräche an Unikliniken, in denen diese Themen ausführlich besprochen wurden, und ich kenne viele Leute, die an diversen Unikliniken in der Chirurgie und der Inneren arbeiten. Da treffen meine Aussagen uneingeschränkt zu. Vor allem in der Chirurgie ist es einfach Usus, dass man die ersten 2 Jahre den OP nicht von innen zu sehen bekommt. Erstmal muss man 3-4 Papers veröffentlichen. Klar werden die, die an der Forschung eher wenig Interesse haben, nicht unbedingt für 2 Jahre ins Amiland geschickt oder so. Aber nur die wenigsten können es sich wirklich erlauben, sich der Forschung weitgehend zu entziehen. Wenn man in einem größeren Fach an einer Uniklinik arbeiten will, dann sollte man ernsthaft eine Habilitation anstreben - oder sich lieber eine nichtuniversitäre Klinik suchen.
Was die Überstunden betrifft, so kenne ich mittlerweile Insiderberichte aus mindestens 5 Unikliniken (wiederum Chirurgie und Innere), und keiner bekommt Freizeitausgleich in nennenswerter Menge, geschweige denn dass die Überstunden bezahlt würden - das gibt's einfach gar nicht. Meistens werden die Überstunden gar nicht erst aufgeschrieben.
Feuerblick
11.12.2010, 18:08
*schulterzuck* Dann sind die drei Unikliniken (und ja, ich meine Menschen in Chirurgie und Innere), die ich bisher kenne, offensichtlich die große Ausnahme. :-nix
@feuerblick...
schreib doch mal (gern auch per pn) welche das genau sind (so für die weitere lebenszeitplanung) ;-)
danke schonmal.
Was die Überstunden betrifft, so kenne ich mittlerweile Insiderberichte aus mindestens 5 Unikliniken (wiederum Chirurgie und Innere), und keiner bekommt Freizeitausgleich in nennenswerter Menge, geschweige denn dass die Überstunden bezahlt würden - das gibt's einfach gar nicht. Meistens werden die Überstunden gar nicht erst aufgeschrieben.
Gut- ich arbeite zwar nicht in der Chirurgie aber in einem chirurgischen Fach an einer Uni. Kann das für meine Abteilung so nicht bestätigen:
- Überstunden können (zwar nur bis zu einem gewissen Rahmen) aufgeschrieben werden und in FZA abgegolten werden, was auch funktioniert- hatte dieses Jahr alleine 2 Wochen nur aus FZA frei.
- Was die Forschung angeht wird keiner gezwungen, allerdings ist es schon so, dass wenn man dort weiter kommen möchte man schon auch auf diesem Sektor was machen sollte
- Vorlesungen werden bei uns erst auf OA-Ebene gehalten oder zu Spät-Assi Zeiten
- Op von innen hab ich in meinen fast nun 3 Jahren schon einige Male- könnte zwar immer mehr sein (aber für welchen chir. Weiterbildungs-Assi gilt das nicht?), objektiv ist es aber sicherlich eine ordentliche und anständige Zahl und zwar auch was die eigenständig durchgeführten Eingriffe angeht
Sicherlich gibts auch bei meiner Arbeitsstelle Kritikpunkte und Dinge über die ich mich aufrege, aber die wird es auch woanders geben und das wird nicht zwangsläufig am Arbeitgeber Uniklinik liegen!
John Silver
19.12.2010, 12:02
Chirurgie und "chirurgisches Fach" sind offenbar wesentlich unterschiedlicher in diesen Belangen, als ihr meint.
Mir geht es nicht darum, Unikliniken durch den Kakao zu ziehen. Es ist m.E. einfach nur wichtig, dass insbesondere Anfänger zumindest orientierend wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie Chirurgie an einer Uniklinik machen wollen. Zeigt mir mal eine Uni-Abteilung für Chirurgie (Chirurgie, nicht für ein "chirurgisches Fach", was auch immer das sein soll - vermutlich ein operatives Fach, aber dazu zählen sich die Dermatologen ja auch), in der man auf die Forschung pfeiffen kann, seinen Katalog auch nur annähernd in der Regelzeit tatsächlich operiert und auch noch viele Überstunden abfeiern darf. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, aber nach allem, was ich bisher erlebt habe, halte ich die Existenz einer solchen Abteilung für ein Gerücht. Wenn man an einer Uniklinik in der Chirurgie Karriere machen will, dann muss man dafür einen bestimmten Preis bezahlen. Man wird ein PD, später evtl. auch ein Prof. und Chefarzt an einem großen Haus, aber dafür muss man eben Freizeit und, zumindest in den ersten Jahren, auch operative Erfahrung opfern (die man erst als Oberarzt wirklich nachholt). Ob es ein fairer Tausch ist, muss jeder für sich selbst wissen.
Mit chirurgischem Fach war Orthopädie (und das ist im stationären Bereich zu 95% chirurgisch) gemeint. Für die ACH kann ich nicht wirklich sprechen, da hab ich zu wenig Insiderwissen. Für die UCH solls nach Kollegenberichten ähnlich wie in meiner Abteilung laufen, aber da frag mich in einem Jahr nochmal, dann weiß ich das definitiv genauer;-)
Mir gehts auch nicht darum die Unis toll zu reden, sondern einfach nur darum, dass es nicht überall gleich sein muss. Aber vielleicht ist die ACH auch wirklich nocheinmal ein komplett anderes Blatt Papier?
Vroni173
31.12.2010, 14:00
Also, dann berichte ich auch mal meine Uniklinikerfahrung: überstunden dürfen theoretisch aufgeschrieben werden und werden dann bezahlt, praktisch machen das eher wenige, eher die alteingesessenen Assistenten. Forschung ist ein absolut zentrales Thema, dem Chef ist das super wichtig, jeder muss mindestens 6 Monate, meistens aber ein Jahr Vollzeit forschen und dann, wenn das Vollzeitforschen vorbei ist, dauerhaft neben der normalen Arbeit weiterforschen. Ergo: wer schnell den Facharzt machen will, ist bei uns total falsch aufgehoben und wer nicht gerne forscht, ebenso. Die Forschungszeit wird ja - zumindest offiziell- nicht als Weiterbildungszeit anerkannt. Ich kann dies auch so von anderen Abteilungen, wo Freunde arbeiten, bestätigen. Kenne aber auch Leute, die an der Uni arbeiten, als Anfänger, und kein bisschen forschen müssen. Hängt halt davon ab, wie wissenschaftsbegeistert der Chef ist.
StreuselKuchen
28.03.2011, 12:01
Wunderbar! Ein feiner Thread!
Ich bin zwar noch im Studium, aber ich lese ab und zu mal hier herein, um mich zumindest mental ein wenig auf den Bewerberdschungel vorzubereiten.
Wie sieht es denn bei euch mit der Dr.-Arbeit und den Chancen aus? War das schonmal ein Ablehnungsgrund irgendwo?
Und was ist mit der Examensnote? Reicht die Approbationsurkunde?
Das mit den Psychofragen ist wirklich primitiv, aber bei einigen Suchgesprächen hinsichtlich der Diss habe ich das nicht anders erlebt.:-kotz
Also: Wie gut oder schlecht standen eure Chancen ohne Dissertation? Hätte ich Chancen, diese noch im Berufsleben an diesem Haus zu machen, oder verlangen Unis u.a. Maximalversorger gleich das Komplettpaket?
Ich habe mich nämlich vorerst dazu entschieden, mein Studentenleben nicht mehr vollzukleistern und mich meinen Hobbies zu widmen. :-dance
Es geht defintiv auch ohne Diss., zumindest kann ich das aus eigener Erfahrung safen, denn ich hab zum 1.7. ne Stelle an nem Max.-Versorger bekommen. War nicht ein einziges Mal das Thema, weder bei der Hospitation noch beim Vorstellungstermin
Blauer Engel
13.05.2011, 05:54
Habe mich auch dank dieser Fragensammlung auf Vorstellungsgespräche vorbereitet....
Diese Frage hier kam dennoch für mich überraschend:
Warum wollen Sie von ihrem alten Haus weg?
Die anderen Fragen waren das übliche...
Flauscheding
03.06.2011, 08:29
Huhu,
ich hätte da auch mal eine Frage: ich hab in der Vorklinik ein bisschen was an zusätzlichen Semestern gesammelt, weil ich u.a. aus gesundheitlichen Gründen viele Semester aussetzen mußte.
Klinik hab ich dann in "Regelstudienzeit" durchziehen können.
In meinem Lebenslauf hab ich es kurz dazu geschrieben (Studium mußte aus gesundheitl. Gründen mehrmals unterbrochen werden).
Wenn ich nun gebeten werde, etwas über mich zu erzählen, dann muß ich das sinnvollerweise ja auch anschneiden. Soweit so gut.
Aber wie ist das jetzt? Ich hab ne chron. Erkrankung, die mich zu Beginn echt rausgehauen hat, aber mit der ich gut klar komme, die mich also nicht beeinträchtigt und dadurch bin ich auch nicht weniger leistungsfähig und genauso belastbar wie jemqnd "gesundes" auch.
Wie verpack ich das am besten? Ich möchte dem CA ggü. ja klar machen, dass ich heute top fit bin.
Und was ist, wenn er fragt, was ich habe? Muß ich ihm das sagen?
Waren es wirklich so viele Semester?
Sonst würde ich das einfach gar nicht näher erklären, nicht wenige Leute haben die Vorklinik intensiver genossen *g*.
Ich finde es immer schwierig, unbekannte Leute von der eigenen Gesundheit überzeugen zu müssen - lieber fange ich gar nciht an, diese zu erwähnen, wenn sie die letzten Jahre eh problemlos war.
Heißt, ich würde es in der Bewerbung selber wohl nicht erwähnen und nur auf Nachfrage beim Gespräch darauf antworten.
Viel Erfolg!
Flauscheding
03.06.2011, 09:40
Ja, waren ziemlich viele, die auch eindeutig auffallen. Nichts dazu zu schreiben, käme noch blöder mMn. Aber ich möchte schon das Signal setzen: Ja, es gab gesundheitl. Probleme, aber die sind heute nicht mehr da.
Und selbst wenn ich es nicht anspreche, dann wird garantiert nachgefragt. Also was sag ich dazu? Und muß ich die Erkrankung benennen?
Kinderwunschfragen sind ja im Grunde auch nicht zulässig. Wie ist das mit Erkrankungen?
Keine Ahnung, wie das mit Erkrankungen ist, tut mir leid!
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