Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fragensammlung - Bewerbungsgespräch
koegixkili
18.08.2020, 09:36
Guten Morgen,
ein kleiner Student aus dem 5. Semester hier!
Wie essentiell ist der Studienort/Universität, sei es nun hier, im deutschsprachigen Ausland oder generell in der EU für spätere Karriere-und Berufschancen? Sei es nun ein kleines Haus oder eine Uniklinik. Spielen Noten eine wichtige Rolle bei der Bewerbung? Und eine Frage, die wie die beiden anderen schon oft bestimmt hier durchgekaut wurde (finde in der SuFu leider nichts :/): Öffentlich, halbstaatlich-halbverprivatet, oder komplett Privatuni, wie wichtig ist das für die spätere Reputation und Karrierechancen?
Ich habe es bisher so angesehen, dass man als deutsschprachiger Arzt immer sehr gute Chancen hat, egal welches Fach und Haus, solang die Eigenmotivation und die Persönlichkeit stimmt und der Rest eher sekundär, wenn nicht sogar drittrangig ist, wo man studiert hat usw., solange man die Approbation hat (EU halt klar) und manchmal eine gute Portion Vitamin B.
Vielleicht kann jemand ja seine Erfahrungen und Meinung teilen.
LG
pashtunwali
18.08.2020, 13:14
Ich habe es bisher so angesehen, dass man als deutsschprachiger Arzt immer sehr gute Chancen hat, egal welches Fach und Haus, solang die Eigenmotivation und die Persönlichkeit stimmt und der Rest eher sekundär, wenn nicht sogar drittrangig ist, wo man studiert hat usw., solange man die Approbation hat (EU halt klar) und manchmal eine gute Portion Vitamin B.
LG
so schauts aus.
Wenn man nicht gerade spezielle Fächer machen möchte, wie zB Derma (da ist es teilweise wichtig, dass man PJ und DR Arbeit in der Derma gemacht hat +gute Noten hat)
Ich würde das auch so sagen. Bei mehreren Bewerbungen in verschiedenen Fächern hatte ich mehrere Stellenangebote, obwohl keine Dr.Arbeit bisher und PJ nur teilweise in dem betreffenden Fach. Hatte mich allerdings bisher auch nicht an Unikliniken beworben, wobei ich von mindestens einer in meinem Fach (Pädiatrie) weiß, dass die dringend suchen und auch Leute eingestellt haben, die nur schlecht Deutsch sprechen (im Ruhrgebiet).
Ausnahmen sind halt sehr beliebte Städte (Köln z.B., eigene Erfahrung), da kriegst du dann auch einfach nur ne Mail-Absage, wobei man ja sonst meist eingeladen wird. Oder sehr beliebte/kleine Fächer wie schon geschrieben, Auge oder Derma z.B.. Eine Freundin hat aber auch ohne Dr eine ganz gute Stelle in der Derma bekommen und das noch nicht mal ewig weit weg. Also alles möglich, wenn man nicht auf Stadt X festgenagelt ist.
Melina93
20.08.2020, 18:24
Hab jetzt mein Bewerbungsgespräch an dem Schweizer Uni Haus gehabt. Mir war schon klar, dass die jetzt nicht euphorisch sein werden, aber wie kann man denn als leitender Oberarzt auf seinem Handy spielen beim Bewerbungsgespräch? Und der Chef ist eher der klassische Fall von narzisstischem Vollproll, der einen auf dicke Hose macht- meinte, er schaue sich ja noch zwei Wochen jetzt Bewerber an,aber für eine frisch aus dem Studium habe ich mich ja angeblich gut geschlagen. Die Stelle ist seit 6 Wochen auf der Homepage ausgeschrieben, ich hatte nach meiner Online Bewerbung innerhalb von 24 Stunden einen Termin für ein Bewerbungsgespräch. Also so dolle begehrt kann das Ganze nicht sein? Oder hab ich da irgendwie falsche Vorstellungen?
Wollte natürlich wissen wo ich mich noch beworben habe und wann ich denn da Bescheid bekommen würde (?).
Keine Ahnung, was ich jetzt davon halten soll.
Roadkiller
20.08.2020, 18:32
Schön wenn sich potenzielle Vorgesetzte schon so früh disqualifizieren. Spart man sich die Probezeit.
Feuerblick
20.08.2020, 18:53
Sehe ich ähnlich. Desinteressierter LOA, prolliger Chef, der meint, die Krone der Schöpfung zu sein... Danke, aber NEIN danke :-))
Die meisten Chefärzte und leitenden Oberärzte ertragen die Vorstellung nicht, nur einer von vielen zu sein. Deshalb haben viele das Gefühl, einem den Eindruck vermitteln zu müssen, dass die Stelle wahnsinnig begehrt ist, und man nur einer von einer Vielzahl von top qualifizierten Bewerbern ist - auch wenn die Realität oft ganz anders aussieht. Wie du richtig sagst - wenn die Stelle so beliebt wäre, wäre sie nicht noch immer offen, hätten sie dich nicht so schnell eingeladen.
Der nächste Punkt, der IMHO wichtig ist: In vielen Abteilungen hat man mit dem Chefarzt und dem leitenden Oberarzt im Alltag herzlich wenig zu tun. Es kann also durchaus sein, dass es völlig egal ist, wie sympathisch oder unsympathisch die sind. Hängt von der Größe der Abteilung, vom Fach und von vielen anderen Faktoren ab. Ich würde die Stelle also nicht a priori abschreiben, nur weil dir dort zwei weniger angenehme Gestalten aufgefallen sind.
Hängt natürlich alles auch, logisch, davon ab, wo du dich sonst noch beworben hast, welchen Eindruck du von den anderen Abteilungen hast bzw. bekommen wirst, wie du die Stellen reihen würdest, wo du überall ein Angebot bekommen wirst.
Einfach mal abwarten und schauen.
Melina93
20.08.2020, 19:28
Meine Hauptmotivation ist die Forschung dort. Das habe ich auch benannt, ich war ja auch viel in der Lehre tätig und das kann man beides dort sehr gut machen.
Ein gewisses Maß an gutem Arbeitsklima ist mir aber schon wichtig. Darauf kam nur ein "Wir sind Uni, bei uns gibt es Konkurrenzkampf" zurück und das mündete in eine eher abstrakte Diskussion, was jetzt Harmonie am Arbeitsplatz sei. Fand ich trotz geringer Erwartungen schon absurd, dass er das nicht einmal für sein Haus schönreden wollte.
Ich glaube am meisten hat mich gestört, dass er mich nicht wie eine erwachsene Frau behandelt hat, sondern eher wie ein kleines Kind, was sich dahin verirrt hat. Am Ende meinte er noch so "Wissen Sie überhaupt WIEVIEL Sie bei uns verdienen können?"und ratterte ganz stolz das Gehalt nach Jahren +/- Quellensteuer runter. Darauf fiel mir dann auch nur noch ein "Ja, ist mir bekannt, ich war ja im PJ länger hier" ein.
Ich hab mich noch an nicht universitären Häusern beworben, mal sehen was da bei rumkommt. Habe aber schon den Eindruck, dass es aktuell als Einsteiger nicht ganz so einfach ist. Werde, falls ich eine Zusage bekomme, aber wirklich überlegen, ob ich mir diese Leute da gebe.
Ich würde spontan auf das USZ tippen :-))
Ich kann das eh nachvollziehen, dass dir das wichtig ist. Mir auch. Ich wollt einfach nur darauf hinweisen, dass es manchmal vielleicht gar keine große Relevanz hat. Obwohl so ein Gehabe wahrscheinlich eher Falken als Tauben anziehen wird, und deshalb dann wahrscheinlich auch viele Kollegen ähnlich sein werden.
Aber wie schon geschrieben: im Moment ist es eh noch zu früh, sich darüber Gedanken zu machen. Einfach mal abwarten, was bei den anderen Bewerbungen rauskommen wird, einfach mal abwarten, was bei dieser Bewerbung rauskommen wird. Dann kannst du es dir überlegen. Bis dahin sind diese Überlegungen eh noch verfrüht.
Bei mir war es z.B. so, dass ich von einer Abteilung, an der ich mich beworben hatte, wo es auch hieß, dass sie die Entscheidung erst nach ein paar Wochen treffen werden können, am nächsten Tag einen Anruf mit einem Stellenangebot bekommen hab. Nicht alles, was in Bewerbungsgesprächen gesagt wird, ist wahr. Manches wird glaub ich nur gesagt, um zu testen, wie man reagiert.
Feuerblick
20.08.2020, 19:43
Ernsthaft... bei einem solchen verhaltensoriginellen Chefarzt würde ich nur anfangen, wenn ich wirklich ernsthafte, riesige, maximale Karriereambitionen hätte und bereit wäre, mein Leben der Klinik zu opfern sowie sämtliche Ellenbogen einzusetzen, die mir zur Verfügung stehen.
Selbst wenn man mit dem nicht viel zu tun hat. Ein Chefarzt, der mich wie ein unmündiges Kind behandelt und mir die Welt erklären möchte, der wird das auch im Rahmen der Weiterbildung tun - wann immer man zusammentrifft (Beispiel: Chefvisite). Für kein Geld der Welt würde ich mir so einen Knilch antun!
Pampelmuse
20.08.2020, 19:49
@ Melina: So ein Gespräch hatte ich auch mal, auch Unispital in der Schweiz... :-))
Roadkiller
21.08.2020, 00:58
Der Fisch stinkt immer vom Kopf... Meiner bisherigen Erfahrung nach hat die Persönlichkeit sowie der Führungsstil einschließlich des allgemeinen Menschenbildes seitens der Chefetage einen maßgeblichen Einfluss auf eine Abteilung. Einerseits durch die Selektion des entsprechenden Personals, welches sich in dem System etabliert, andererseits durch Führungsverhalten direkt. Manche Exemplare schaffen es, tatsächlich ein hochgradig malignes Klima zu erschaffen, da wird einem übel.
GelbeKlamotten
21.08.2020, 07:02
Am Ende meinte er noch so "Wissen Sie überhaupt WIEVIEL Sie bei uns verdienen können?"und ratterte ganz stolz das Gehalt nach Jahren +/- Quellensteuer runter. Darauf fiel mir dann auch nur noch ein "Ja, ist mir bekannt, ich war ja im PJ länger hier" ein.
Wie viel war es denn? Und welche Fachrichtung in welchem Haus? Gerne per PN! Danke!
Pampelmuse
23.08.2020, 11:53
"Wissen Sie überhaupt WIEVIEL Sie bei uns verdienen können?"und ratterte ganz stolz das Gehalt nach Jahren +/- Quellensteuer runter. Darauf fiel mir dann auch nur noch ein "Ja, ist mir bekannt, ich war ja im PJ länger hier" ein. .
Das wird auch immer als Argument genommen in der Schweiz, egal wie besch... die Arbeitsbedingungen, die Weiterbildung usw. dann sind, und natürlich erwartet, dass man als AusländerIn dann ganz begeistert um einen Job bettelt. :-)) Dabei ist es ja dann- wenn man sich die Lebenshaltungskosten in den Großstädten v.a. anschaut- gar nicht so ein Riesenberg Geld. ;-)
Aber Deine Antwort finde ich gut. Kam aber sicher auch nicht gut an... :-))
Melina93
23.08.2020, 12:16
Das wird auch immer als Argument genommen in der Schweiz, egal wie besch... die Arbeitsbedingungen, die Weiterbildung usw. dann sind, und natürlich erwartet, dass man als AusländerIn dann ganz begeistert um einen Job bettelt. :-)) Dabei ist es ja dann- wenn man sich die Lebenshaltungskosten in den Großstädten v.a. anschaut- gar nicht so ein Riesenberg Geld. ;-)
Aber Deine Antwort finde ich gut. Kam aber sicher auch nicht gut an... :-))
Der Chef ist selber kein Schweizer, das hat man mehr als deutlich gehört ;)
Letztlich ist es mir fast egal wie was ankam. Ich glaube eh, dass die dort so vakant sind, dass ich sowieso irgendeine Stelle angeboten bekomme, die ich dann höchstwahrscheinlich eh ablehnen werde.
Alleine diese Gier in seinen Augen zu erfahren wo ich mich noch beworben habe und wann ich denn da Bescheid bekommen würde, hat mir echt gereicht. Ich bin nun wirklich nicht mehr naiv was Hierarchien oder Persönlichkeiten auf der Chefarztebene betrifft, aber man kann wenigstens versuchen seinen ekligen Charakter etwas zu kaschieren.
GelbeKlamotten
24.08.2020, 17:57
Ich finde es wesentlich angenehmer, wenn es den Leute ganz pragmatisch ums Geld geht und nicht vorrangig um ihr Ego und ihren Drang sich wichtig und toll vorzukommen.
Melina93
26.08.2020, 10:10
Ich habe die Stelle tatsächlich bekommen...
Ich habe sie jetzt auch erst einmal zugesagt, denn bisher ist ja nichts unterschrieben und das wird noch eine Weile so bleiben. Auch wenn ich eigentlich noch auf eine andere Zusage hoffe. Wobei, die vielleicht auch- denn meine Stelle ist immernoch ausgeschrieben. Finde ich auch etwas suspekt. Ach, ich traue denen überhaupt nicht über den Weg. Ich sollte auf euch hören und die in den Wind schießen -.-
Das ist IMHO überhaupt nicht "suspekt". Wie ich schon in meinen vorigen Beiträgen geschrieben habe: erstens ist die Stelle anscheinend nicht so begehrt, wie sie gerne hätten (die goldenen Zeiten sind auch für Schweizer Unikliniken schon lange vorbei), und zweitens wird in Bewerbungsgesprächen manches einfach nur gesagt, um die Reaktion zu testen.
Dass die Stelle noch immer ausgeschrieben ist, sagt deshalb IMHO überhaupt nichts aus - mein Arbeitgeber braucht manchmal viele Wochen, bis er die angegebenen Mitarbeiter oder die ausgeschriebenen Stellen aktualisiert. Krankenhäuser sind halt laaangsam. Außerdem kann es ja durchaus sein, dass sie in Wahrheit mehr als einen zusätzlichen Arzt einstellen wollen, aber die Stellenanzeige nur im Singular formuliert haben, damit die Situation nicht verzweifelt wirkt. Und außerdem, der wahrscheinlich wichtigste Punkt - du hast ja noch nicht unterschrieben. Die wissen ja genauso gut wie du, dass du noch abspringen könntest. Vielleicht war die Stelle auch genau deshalb schon so lange ausgeschrieben - weil ihnen immer wieder Leute im letzten Moment abgesprungen sind. Bis der Vertrag aufgesetzt ist, bis du diesen bekommst, bis du diesen retournierst, bis sie dann einen neuen Kandidaten zum Bewerbungsgespräch eingeladen haben, können leicht vier Wochen vergehen.
Einfach mal abwarten und schauen. Kann durchaus sein, dass du die andere Stelle auch noch bekommst.
Herzlichen Glückwunsch auf jeden Fall - ich würde die Stelle nicht so schnell abschreiben wie manch anderer. Dass man in einem kompetitiven Umfeld auf viele Narzissten trifft, ist jetzt nicht wirklich überraschend.
Wurde vor kurzem in einem Bewerbungsgespräch gefragt, ob ich (knapp 2 Jahre Berufserfahrung) in der Lage sei, Viggos zu legen und Blut abzunehmen (war so ein standardisierter Fragebogen, der dann mündlich vom Chef abgearbeitet wurde).
Wenn ich mehrmals nach meiner Motivation gefragt wurde, nach einem anderen Berufsweg noch Ärztin zu werden (ich bin noch keine 55+ und selbst das würde nix rechtfertigen), nervt das auch zunehmend.
Hätte ich das direkt nach dem Abi gemacht, vielleicht hätte ich die Antwort geben sollen: "Ich hatte den NC für Medizin und will reich werden." (Ironie an, Ironie aus) :-top:-top:-top
Dann noch auf einer Punkteskala von 1-10 bewerten zu müssen, wie gut man die Abteilung findet, wie gern man da arbeiten würde (nach einem halben Tag Hospitation....)
Stärken und Schwächen benennen....gähn. Ob man Teamarbeit mag (klar sagt man da nein, haha).
Dann nannte der Chef noch ein verwandtes Fach und meinte, ob das nichts für mich wäre ("Nein, sonst hätte ich mich dort ja beworben.").
Manchmal bedaure ich echt, dass keine professionellen Personaler bei den meisten Bewerbungsgesprächen sitzen.
Kam mir wie im Kindergarten vor.
Dergenthiner
12.11.2020, 18:44
In einem anderen Forum habe ich Beiträge zum Thema "Vorstellungsgespräch" gelesen.
Da haben sich viele junge Ärzte aufgeregt, dass sie Fragen zu den einfachsten Skills bekommen haben. Oder "ob sie Amoxizillin kennen" (da musste man nur "ja" sagen)
Ich (aus meiner Berufserfahrung als MTA) habe Erfahrung gemacht, wenn im VG viele komische Frage gestellt werden, wollen sie dich mehr als Persönlichkeit testen. Wie benimmt man sich, wenn man genervt wird. Oder wenn man nett bei doofen Fragen bleiben soll.
Also nicht ernst nehmen, sondern versuchen das Gespräch auf einem angenehmen Ton zu beenden.
Manche zeigen irgendwelche inadequate Reaktionen auf Fragen.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.