Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Krieg in der Ukraine
Kackbratze
20.09.2022, 18:11
Eine Generalmobilmachung wird zu mehr inneren Problemen führen, da ja der erhoffte Sieg dadurch endgültig nicht "mal eben schnell" als Spezialoperation erreicht wird.
Mangelwirtschaft oder geschönte Nachrichten ist die Bevölkerung ja gewohnt, eine Generalmobilmachung für einen zum scheitern verurteilten Feldzug ist innerpolitisch nochmal eine andere Sache.
Christoph_A
20.09.2022, 19:07
Exakt so sieht es aus. Umso erstaunlicher ist es, daß Russland diese Karte durch die Scheinreferenden wohl ziehen wird. Die Atomdrohung funzt ja auch nicht. Also ist das schon ein deutliches Eingeständnis, daß es nicht läuft.
Ich weiß nicht. Ich kenne keine Russen, aber es gibt viel, was die akzeptieren und was ich nicht verstehe. Guckt mal, wie weit die Deutschen damals Hitler gefolgt sind. Das ist mit gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehbar.
Christoph_A
20.09.2022, 20:14
Dennoch kannst Du die Zeiten nicht miteinander vergleichen. Die Informationsmöglichkeiten sind größer und viele wissen, auch durch persönliche Beziehungen schon ganz gut, was da in der Ukraine abgeht. Es wird halt momentan ausgeblendet. Wenn dann aber immer mehr in Plastiksäcken heimkommen, was sich nicht vermeiden lassen wird, geht das Verdrängen nicht mehr. Zumal ja das Narrativ von der unschlagbaren Armee aufgebaut wurde, welche grade schwer den Hintern voll kriegt. Da wird es sicher brodeln, deshalb wollte das ja Waldemar unbedingt vermeiden.
Kackbratze
20.09.2022, 20:32
Warten wir mal das Statement ab, was da kommen soll. Spannende Zeiten.
Nefazodon
20.09.2022, 20:56
Oh man, die geplanten und überflüssigen Referenden in der Ostukraine verheißen nichts Gutes, oder was meint Ihr?
Ich denke, der Plan dahinter ist, Fakten zu schaffen. Das Abstimmungsergebnis wird natürlich lauten, dass diese Gebiete Teil Russlands sein wollen. Russland wird das annehmen und die Gebiete damit unter seinen nuklearen Schutzschirm stellen, da von da an aus russischer Sicht eigenes Staatsgebiet.
Dann wird die Ukraine trotz der derzeitigen Erfolge diese Gebiete nie konventionell zurückerobern können, da niemand. weder die Ukraine selbst, noch die westlichen Verbündeten, riskieren wird, einen Nuklearkrieg zu provozieren. Und damit hat sich Russland dann zumindest die "Volksrepubliken" im Osten der Ukraine gesichert. Unabhängig vom restlichen Kriegsverlauf.
Christoph_A
20.09.2022, 22:11
Darauf würde ich nicht wetten....und wenn ich Russe wäre, doppelt nicht. Zumal ja Donezk z.B. gerade mal zu etwas über 50% überhaupt unter russischer Kontrolle steht. Und wenn überhaupt, provoziert Russland einen Nuklearkrieg, nicht die Ukraine. Waldemar weiß genau, drückt er als erster auf den Knopf, stirbt er als Zweiter . Das Risiko wird er nicht eingehen.
Nefazodon
20.09.2022, 22:21
Bist Du dir da sicher, Christoph_A? Also ich mir nicht...
Schon klar, dass Russland dann der Schuldige wäre, aber die offizielle Position von Russland wird sein, dass ihr Staatsgebiet angegriffen wurde und sie Atomwaffen nur eingesetzt haben um sich zu verteidigen.
Nehmen wir an, Russland würde, unter dieser Schutzbehauptung, strategische Atomwaffen in sehr begrenztem Ausmaß einsetzen um, sagen wir, einen ukrainischen Kampfverband zu stoppen....denkst Du wirklich der Westen würde darauf mit einer massiven nuklearen Vergeltung antworten? Ich glaube nicht.
Christoph_A
21.09.2022, 06:05
Exakt das glaube ich. Da taktische Atomschläge a) eine unerhörte Eskalation dastellen würden, b) diese wahrscheinlich nuklearen Fallout auch in NATO Staaten ( Polen, Rumänien) tragen würden und c) Waldemar damit eine Blaupause fürs Baltikum geschaffen hätte. Gibt ja da auch große Minderheiten, die heimgeführt werden müssen, nach Russki Mir Doktrin.
Herr Biden hat ihn ja schon eindringlichst (grösste Eskalation seit dem 2. Weltkrieg, tun Sie das nicht) gewarnt. Und die USA sind nicht bekannt dafür, zimperlich zu sein.
Ein Atomwaffeneinsatz ist eine absolute rote Linie und ich denke, im Hintergrund wurde das auch sehr explizit kommuniziert.
Um in Deinem Fall zu bleiben. Glaubst Du wirklich, sollte als Reaktion auf einen taktischen Atombombeneinsatz eind russische Einheit spiegelbildlich taktisch nuklear angegriffen werden, daß der Scheinriese dann die Interkontinentalraketen auspackt?
Russland hat fertig, nukleare Drohungen werden daran nichts ändern.
FirebirdUSA
21.09.2022, 11:55
Dann nimmt er halt C-Waffen ... Russland ist auch klar, dass die endgültige Lösung irgendwann diplomatisch sein wird. Jeder Krieg endet mit Diplomatie oder eben mit einer bedingungslosen Kapitulation. An den zweiten Punkt glaube ich bei der Ukraine im Moment nicht und ich denke auch Putin weiß das. Er wird alles tun um für die ersten Variante möglichst gute Pokerkarten zu haben: Sobald eine Region die Zugehörigkeit zu Russland erklärt, wird es schwierig dies in Verhandlungen rückgängig zu machen... mit der Teilmobilmachung signalisiert er ja auch, ich kann das noch sehr lange so treiben..
Christoph_A
21.09.2022, 20:50
Kann er, der Westen kann länger. Letztes Mal hat es gut 45 Jahre gedauert, bis sie am Ende waren. Diesmal haben sie keinen Warschauer Pakt zum aussaugen, aber ein paar Jahre sind drin. Wenn er es innenpolitisch packt, die Mobilisierung hat er ja nicht unsonst so lange zu umgehen versucht, da brodelts jetzt auch langsam richtig.
Und konventionell militärisch ist der Möchtegern Zar mehr oder weniger nackt. Ma gucken, wie das weitergeht.
Autolyse
22.09.2022, 11:40
Abgesehen davon kann man zwar eine Mobilmachung verkünden, das hilft aber nur, wenn man die Strukturen dafür hat. Damit erhält man zunächst unausgebildetes Kanonenfutter, dessen militärischer Wert gleich Null ist. Die muss man unterbringen, verpflegen, einkleiden, ausrüsten und ausbilden. Und dann braucht man noch Führungspersonal. Die Sowjetarmee war darauf ausgelegt mit massenhaft eingelagertem Material von allem und extrem vielen teilaktiven Einheiten. Die Armee der russischen Förderation beinhaltet dies alles aber nicht mehr und es fehlt damit an allem, insbesondere an Fürungspersonal, weil ein relevanter Teil davon bereits in der Spezialoperation gefallen ist.
piandorable
22.09.2022, 12:03
Es wurde nach ISW-Bericht auch schon ein Teil der Ausbilder an den Militärakademien für den Krieg abgezogen, sodass es schwieriger wird, für alle Nachzügler, die jetzt an die Front geschickt werden, eine entsprechende Ausbildung zu organisieren. Es ist also nur ein verzweifelter Versuch, irgendwie Land zu gewinnen, der diesen Krieg unnötig verlängern und leider auf beiden Seiten viel Leid und Tod verursachen wird.
Nefazodon
22.09.2022, 12:05
@Autolyse: Bei dieser Teilmobilmachung werden allerdings nur Reservisten eingezogen, also Leute die schonmal gedient haben. Es handelt sich also nicht um Soldaten gänzlich ohne Ausbildung.
Trotzdem bin ich bezüglich der generellen logistischen Probleme ganz bei dir. Die 300.000 Soldaten müssen erstmal mobilisiert, ausgerüstet und an die Front gebracht werden. Bis diese Soldaten einen konkreten Unterschied im Feld machen, dürfte es -wenn überhaupt- also dauern.
Auf Spiegel Online gibt es ein kurzes Interview mit Carlo Marsala dazu.
Autolyse
22.09.2022, 14:53
Okay, das ändert das ein klein wenig, aber eben nur marginal. Ich habe auch ein paar Jahre gedient und regelmäßig geübt. Aber was folgt daraus: Kann ich das gute und das böse Ende vom Gewehr unterscheiden und habe ich gewisse taktisce Grundfertigkeiten? Absolut. Kann ich eine Teileineit administrativ im Friedensbetrieb führen? Vermutlich. Um das gleiche auch taktisch zu können bedarf es aber monatelangen Training mit der jeweiligen Teileinheit um die ausreichende Expertise aufzubauen (beispielhaft der Zeitansatz den man braucht um den Stand für eine NRF-Teilnahme zu erreichen). Es fehlt der ausreichende Drill um das Ganze im Gefecht sicher und automatisiert abzurufen und nur dieses Level sichert das eigene Überleben.
Heerestorte
22.09.2022, 15:45
Hier mal ein paar Anekdoten vom ehemaligen Kommandeur US Army Europe, der das Training u.a. von russischen Soldaten miterlebt hat:
https://twitter.com/MarkHertling/status/1572571676524838915
Auf gut Deutsch:
Es werden 300000 "Soldaten" verheizt, die schlecht ausgebildet sind, schlechte Ausrüstung und eine schlechte Führung haben. Katastrophe mit Ansage...
Und wer gedient hat, weiß, dass selbst der beste Plan nur bis zum ersten Feindkontakt hält. Wenn man selbst aber nicht mal einen Plan hat, dann ist es eigentlich ein Himmelfahrtskommando.
Christoph_A
23.09.2022, 10:10
Das ist ja der Punkt, es werden ja wohl auch Leute eingezogen, die seit Jahrzehnten keine Kaserne mehr von innen gesehen haben. Wäre ungefähr so, als würde ich, knapp 25 Jahre nach meinem Wehrdienst und 20 Jahren nach der letzten Besichtigung einer Kaserne von innen im Rahmen einer Wehrübung/Famulatur plötzlich wieder eine Uniform anziehen und an die Front müssen. Meine Ahnung von militärischen Abläufen ist rudimentär. Denke, daß ich mit meinen Skills jetzt nicht wirklich kriegsentscheidend wäre. Und bei den Russen wirds genauso sein.
Interessant wird, wie Waldemar jetzt weiter verfährt, ob er wirklich all in geht oder, wenn es weiter schlecht läuft, einen Sündenbock (Lügen Lawrow oder den Schoigu opfert), um aus der Nummer rauszukommen. Wird auch viel davon abhängen, was ihm die westlichen Nuklearmächte im Hintergrund für den Fall eines taktischen Atomschlags ins Ohr flüstern.
Nun denn, halt noch die nächste Pleite.
Leute einziehen und verheizen, die nicht die Position und die Mittel habe, entweder abzuhauen oder sich anderweitig rar zu machen.
Volltreffer.
Aber was soll man von jemandem erwarten, dessen Leben zeigt, dass es wohl seinem ganzen Umfeld egal war, ob er da war oder nicht.
Was glaubt ihr eigentlich, wer hinter der Sabotage der Gaspipelines steckt? Mir will nicht so richtig in den Sinn, was Russland davon haben sollte :-nix
Yusuf_Abdalluh
30.09.2022, 12:28
Der amerikanische CIA Deepstate wer denn sonst????
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