Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : TdL Tarifverhandlungen 2023
Siehste Henni, du liegst falsch. Die Einmalzahlung ist in eine tabellenwirksame Änderung umgesetzt worden, lol. :-peng
Endoplasmatisches Reticulum
28.03.2024, 11:06
Das ist aber auch ein altes Thema. Verbesserungen an den Rahmenbedingungen sind nur sehr bedingt tariflicher Einflussnahme zugänglich, weil sie sich im Schatten abspielen. Du kannst keinen Hebel an Dingen ansetzen, die es "gar nicht gibt". Das kennen wir alles von den kommunalen Häusern. Elektronische Zeiterfassung wird uminterpretiert als Excel-Tabellen zur Genehmigung beim Oberarzt. Institutionalisierten Arbeitszeitbetrug durch die Arbeitgeber deflektiert die Gewerkschaft nicht ganz zu Unrecht in die Justiz. Da die Ärzte aber mannigfaltig abhängig sind im Zuge ihrer Weiterbildung, sind Regelungen, die der Arzt selbst gegenüber dem Arbeitgeber einklagen muss, völlig ineffizient.
Das schlechte Standing der Ärzte rührt nicht nur von unserer fehlenden Bissigkeit her, sondern ist auch dem Umstand geschuldet, dass das gesamte ärztliche Aus- und Weiterbildungssystem ebenso wie die ärztliche Selbstverwaltung, das Gesundheitssystem, und die Struktur der Kliniken ein eng verzahntes Machwerk aus einseitiger Autorität und Abhängigkeit schafft. Rüttle an einem beliebigen Mechanismus, um etwas zu verbessern, und er wird durch fünf Andere in Stellung gehalten.
Wo ich Salati allerdings mal zustimmen muss: Eine Einmalzahlung wäre eine Farce gewesen. Das kann man dem MB nun wirklich nicht vorhalten, dass er da einmal auf die Basis gehört hat.
Salatsultan
28.03.2024, 11:13
Ich vertrete weiterhin die Meinung, dass das Hauptproblem an den Kliniken in den Fächern der akuten Patientenversorgung die Arbeitsbedingungen sind.
Selbst bei einem guten Tarifabschluss (monetär gesehen) , wären die Ärzte dort auf Dauer unzufrieden, eben weil man ausgebeutet wird und die Arbeitsverdichtung pro Arzt weiter steigt und der Job sich MASSIV auf das Privatleben auswirkt. Klar, mehr Geld für Leibeigenschaft ist nett, aber die Grundprobleme sitzen woanders, den Scheiß wollen sich viele junge und auch erfahrene Ärzte einfach nicht mehr antun.
Daran ändern auch voller Inflationsausgleich nichts, die Bedingungen werden schlechter, und beim aktuellen mittelfristigen Ausblick bzgl der nächsten 5-10 Jahre erwarte ich da keine Besserung in der Personalstruktur (weil mal ehrlich, genau das bräuchten wir: Mehr Ärzte pro Patient oder eher für den ganzen Bürokratieaufwand).
Das ist natürlich keine Ausrede für das jetzige Abschneiden in der Tarifverhandlung, ich gebe nur zu bedenken, dass sich die Unzufriedenheit aller Wahrscheinlichkeit nicht durch mehr Gehalt beheben lässt. Höchstens etwas mildern.
Der MB beurteilt die Verhandlungen, die Mitglieder die Situation im Gesundheitssystem - ich glaube an diesem Satz den ich vorhin gehört habe, ist sehr viel dran. Ich bin ja auch in der Lage die Situation im Gesundheitssystem zu sehen - und habe auch der versammelten TdL und Frau Heinold in einem ausführlichem Monolog die Arbeitsrealität an den Uniklinika plastisch und umfassend geschildert was sie Monate später nochmal in einer Rede aufgegriffen hat. Aber am Ende macht auch die TdL ihren Job und wir haben uns in den Versammlungen (leider) nicht versammelt um die Probleme der Beschäftigten an den UKs zu lösen.
Der Abschluss ist ja nach den Meinungen hier sehr schlecht, da hätte eine Einmalzahlung für das eh schon Vergangene nicht geschadet mMn.
Natürlich ist es nicht sinnvoll, aber in den letzten Runden war das den Verhandlern ja auch nicht so wichtig.
Endoplasmatisches Reticulum
28.03.2024, 11:18
Doch. Einmalzahlungen sind kategorisch abzulehnen. Das sind unsolidarische Blendleckerlis zur Ruhigstellung und es ist ein Unding, dass die während Corona jemals Einzug in Tarifabschlüsse gehalten haben. Dass der MB sie jetzt (anscheinend) endlich kategorisch ablehnt, ist wichtig und richtig!
Cor_magna
28.03.2024, 11:19
Der MB beurteilt die Verhandlungen, die Mitglieder die Situation im Gesundheitssystem - ich glaube an diesem Satz den ich vorhin gehört habe, ist sehr viel dran. Ich bin ja auch in der Lage die Situation im Gesundheitssystem zu sehen - und habe auch der versammelten TdL und Frau Heinold in einem ausführlichem Monolog die Arbeitsrealität an den Uniklinika plastisch und umfassend geschildert was sie Monate später nochmal in einer Rede aufgegriffen hat. Aber am Ende macht auch die TdL ihren Job und wir haben uns in den Versammlungen (leider) nicht versammelt um die Probleme der Beschäftigten an den UKs zu lösen.
Da hast du natürlich völlig Recht. Das war nur eine Anmerkung meinerseits, will dir auch für deinen Einsatz bei diesen ganzen Dingen danken.
Bonnerin
28.03.2024, 11:34
Die Große Tarifkommission hat die negativen und positiven Aspekte dieser Tarifeinigung ausführlich abgewogen und ihr letztlich aber wenn auch mit nicht wenigen Gegenstimmen zugestimmt.
Zitat aus der Mitglieds-Info-Mail. Das wäre doch der Moment gewesen, zu sagen, "jo, wir lassen da jetzt auch die Basis abstimmen."
Dieses Gequatsche von wegen man bekommt ja de facto mehr Geld durch die Stundenreduktion zum 01.01.26 ist doch lächerlich...das hat doch kaum jemanden gestört mit den 42h, jetzt werden es im schlimmsten Fall Überstunden, die dann gestrichen werden.
Endoplasmatisches Reticulum
28.03.2024, 11:37
Nahaaain. Lies doch mal richtig!
Die Arbeitgeber haben zugesichert, dass geleistete Arbeit bezahlt wird.
:o)
Meine alten Kollegen sind richtig sauer. Haben sogar eine Petition erstellt: https://chng.it/vqzWBvQww9
Der Abschluss ist leider inakzeptabel.
Edit: Sie wünschen sich auch eine Umbezeichnung in Marburger Schund
Top! Unbedingt teilen, damit viele unterschreiben!
Ich bin auf die Ausarbeitung und Umsetzung der angekündigten Veränderungen gespannt. Prinzipiell begrüße ich die Anpassung auf 40 h und wenn man das gescheit macht, dann braucht es auch die knapp 2 Jahre Vorlauf. Man benötigt zunächst ein Konzept, wie ein Personalaufbau in den nächsten 2 Jahren gestaltet wird, und dann kann das Personal auf 40 h runter.
Endoplasmatisches Reticulum
28.03.2024, 12:26
Welcher Personalaufbau? Das ist eine Reduktion der Arbeitszeit um 4.76 % und ergibt damit eine zusätzliche Stelle je 21 Assistenzärzte. Das Management wird argumentieren, es wurde hier und da mal eine Stelle weniger gekürzt, als es sonst zwingend nötig gewesen wäre.
Im einfachsten Fall direkte Verrechnung mit der Entgeltsteigerung. Oder weitgehend verdeckt durch Umformung von Planstellen in Drittmittelstellen. Einjahresbefristung, here we go.
Salatsultan
28.03.2024, 12:35
Nahaaain. Lies doch mal richtig!
Die Arbeitgeber haben zugesichert, dass geleistete Arbeit bezahlt wird.
:o)
Korrekt ist im Tarifvertrag steht jetzt das elektronisch erfasste Zeit (erfasst nicht dokumentiert) als Arbeitszeit gilt und bezahlt werden muss. Diese Regelungen stammt teilweise aus dem Tarifvertrag der BG Kliniken und führt nach meiner Info zu Stechuhren. Andere Erfassungsmethoden gehen mutmaßlich auch. Die Landesregierung NRW hatte bereits verfügt, dass bis Jahresende bei uns gestempelt werden muss.
Endoplasmatisches Reticulum
28.03.2024, 12:55
Ich bin zu lange auf Tuchfühlung mit dem Gesundheitswesen gewesen, um noch an Märchen zu glauben. Wenn ich es eines Tages mit eigenen Augen sehe - toll! Bis dahin gehe ich von derselben Nebelkerze wie die Klausel im VKA-Vertrag aus. Excel-Tabelle ist "elektronisch erfasst", oder halt ausstempeln um spätestens X Uhr und selbstverständlich trotzdem bleiben. Und wenn das jemandem so nicht passt, muss er halt klagen oder kann ja kündigen. Same procedure as every year, James.
Würde das konsequent umgesetzt werden, dürften sich die ärztlichen Personalausgaben der Unikliniken nicht um 10 % über zweieinhalb Jahre erhöhen, sondern instantan um vermutlich mindestens 50%. Das können die Kliniken überhaupt nicht leisten und so blöd kann auch die TdL nicht sein.
Salatsultan
28.03.2024, 14:34
Ich bin zu lange auf Tuchfühlung mit dem Gesundheitswesen gewesen, um noch an Märchen zu glauben. Wenn ich es eines Tages mit eigenen Augen sehe - toll! Bis dahin gehe ich von derselben Nebelkerze wie die Klausel im VKA-Vertrag aus. Excel-Tabelle ist "elektronisch erfasst", oder halt ausstempeln um spätestens X Uhr und selbstverständlich trotzdem bleiben. Und wenn das jemandem so nicht passt, muss er halt klagen oder kann ja kündigen. Same procedure as every year, James.
Würde das konsequent umgesetzt werden, dürften sich die ärztlichen Personalausgaben der Unikliniken nicht um 10 % über zweieinhalb Jahre erhöhen, sondern instantan um vermutlich mindestens 50%. Das können die Kliniken überhaupt nicht leisten und so blöd kann auch die TdL nicht sein.
Da ist natürlich viel Wahrheit dran, ich bin nach über zwei Jahrzehnten Gesundheitssystem auch nicht mehr naiv. Aber da drehen wir uns wieder weil der Tarifvertrag nicht alles regeln kann was im Spannungsfeld von Umsetzung, Abhängigkeit, Ausnutzung usw. passiert.
In einem Bundesland hat die Landesregierung tatsächlich gesagt "elektronische Erfassung geht nicht, das muss erst im Tarifvertrag stehen"..
Das ist echt nicht gut als Ergebnis vorallem, die 6 Monate Nullrunde, die Laufzeit und die "tolle" Lösung mit den 40h in 2026... Die Kommunitation des MB und die fehlende Abstimmung an der Basis macht das ganze noch unschöner, aber eine Abstimmung wollte man vermutlich aus gutem Grund nicht. Passend dazu ist auch die Änderung des WisszeitVg eine Verschlimmbesserung. Spannend wird es wenn es doch noch zu einer Lockerung der Tarifsperre kommen sollte, ob es der MB dann mal schafft unsere Belange durchzusetzten, aber wahrscheinlich können wir das den AG dann nicht zumuten mehr unbefristet anzustellen. Also bleibt alles wie es ist: take it or leave it...
Der Abschluss muss revidiert werden. Ganz einfach.
https://www.openpetition.de/petition/online/revision-des-tarifabschlusses-2023-2024-tdl-mb
Haha, wie auf Instagram jetzt gerudert wird. Göttlich.
Salatsultan
28.03.2024, 17:03
Meine alten Kollegen sind richtig sauer. Haben sogar eine Petition erstellt: https://chng.it/vqzWBvQww9
Der Abschluss ist leider inakzeptabel.
Edit: Sie wünschen sich auch eine Umbezeichnung in Marburger Schund
Mega, endlich Engagement statt nur zu meckern. Natürlich Anonym.
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