Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : TdL Tarifverhandlungen 2023
Qwert1133
16.11.2023, 20:02
Das heißt, auf dem Boden der schwebenden Lohnentwertung der Vorrunde hat der MB bewusst eine Kapitalumverteilung von AiWs hin zu Fach- und Oberärzten angestrebt.
Kleine Korrektur: EG3 sind die Oberärzte, EG4 die leitenden OÄ :-/ Fachärzte zählen zum Fußvolk…
Endoplasmatisches Reticulum
16.11.2023, 20:05
Recht hast du. Keine Ahnung, warum ich gedanklich auch bei Fachärzten war.
Siehste mal, selbst in meinen Rants überschätze ich den MB noch :D
Was ist eigentlich EG? Leitende OÄ an Unis sind doch i d R W2-Professor*innen und sollte es nur wenige geeignete Habilitierte geben sogar auf W3-Professuren, wie die CÄ und Direktor*innen.
Salatsultan
16.11.2023, 20:50
Hallo Salatsultan,
toll, dass du Teil der Verhandlungsteams bist und hier ein wenig deine Eindrücke teilst. Da hätte ich schon ein paar Fragen an einen Insider wie du es einer bist:
Hat das denn stattgefunden? Bei uns gab es wirklich außer einer Zoomkonferenz direkt nach dem enttäuschenden Abschluss im letzten Jahr garnichts mehr. Zum Abschluss meine Herr Botzlar noch, diese Treffen werden jetzt regelmäßiger geplant, leider war danach nichts mehr von ihm zu hören. Hatte ich da einfach nur Pech?
Wir haben bei uns eine Zoomkonferenz abgehalten, es gab als Info durch den LandesMB an seine Mitglieder, eine persönliche Email meinerseits an > 1000 Ärztinnen unser Klinik und das eine oder andere persönliche Gespräch eine (im Vergleich zu anderen „Treffen“ dieser Art) hohe Teilnehmerzahl von in Spitze 27 primär schweigenden Leuten. Aus diesen Treffen nehm ich ehrlich gesagt wenig neues mit, aber sie sind ein wichtiger Rahmen damit sich Leute einbringen können. Danach hab ich einigen Dank erhalten für mein Engagement aber selber was tun hat halt quasi niemand Bock drauf. Ich hab mal dran gedacht ein weiteres Treffen abzuhalten aber dies ist primär an wenig Zeit und anderen beruflichen und ehrenamtlichen Prioritäten sowie meinem Privatleben gescheitert. Ausser mir engagiert sich an der Klinik niemand (!) aktiv. Da ist Verdi fundamental über Personalrat usw. anders aufgestellt. Wie es woanders aussieht kann ich nicht sagen. Aber ohne Leute in den Kliniken wird es schwierig. Diese Erklärungen wurden in der Vergangenheit hier als „Ergebnisse sind so schlecht weil sich keiner engagiert“ gejammer und Rechtfertigung ausgelegt, aber ein wenig Henne/Ei spielen wir in dem Kontext sicherlich.
In diesem Thread wurde Berlin als positives Beispiel genannt, aber dort ist halt an der Basis was passiert und aufgebaut worden bis der MB nicht drumherum gekommen ist und die Leute einbinden musste. Der Weg sollte mögliches Beispiel sein, aber eine kritische Menge organisiert sich halt nicht so leicht.
Das habe ich jetzt schon häufiger gelesen - ist es wirklich so, dass die TdL einen Kostenrahmen präsentiert und i.R des Verhandlungsteams wird dann beraten, wie man den am ehesten nutzt? Das hat ja dann wirklich kaum noch was mit TarifVERHANDLUNGEN zu tun, wenn die Arbeitgeberseite von vornherein sagt so viel und keinen Cent mehr und die Gewerkschaft akzeptiert dieses Verhalten ohne Rückfragen. Und das haben wir jetzt seit 2006 auf diese Art und Weiße durchgezogen, ohne das über einen Streik nachgedacht wurde um die, und da sind wir uns doch alle einig, menschenverachtenden Arbeitsbedingungen in den Kliniken grundlegend zu verbessern?
Um das genau zu wissen müsste man Teil der Gegenseite sein, aber es ist anzunehmen das es einen gewissen Handlungsrahmen gibt. Die einzelnen Forderungen kosten dann Teile dieses Verhandlungsrahmen der unbekannt bleibt. Zusätzlicher Urlaubstag kostet was, Zuschläge kosten was, 2h weniger Wochenarbeitszeit nochmal X Prozent usw. Andere Forderungen werden kategorisch abgelehnt und dann verhandelt man Details und versucht einen realisierbaren Kompromiss zu schnüren. Am Ende müssen die Forderungen gegenfinanziert werden und ich glaub wir wissen alle das Bund und Länder nicht im Geld schwimmen - das zeigen nicht zuletzt die Probleme der aktuellen Haushaltsfinanzierung.
Jeder hat halt seine Erwartungen wie man ja auch hier im Forum deutlich sieht, manche werden nie zufrieden sein, andere fanden auch glaubhaft den letzten Abschluss nicht toll aber waren sehr glücklich über die Einmalzahlung. Man findet für alles Stimmen, nicht alle äußern sich und die Mehrheit liegt mutmaßlich irgendwo in der Mitte.
Und zu guter letzt:
Es wird ja immer auf das Delta zu den anderen Tarifverträgen verwiesen - ich hoffe das erfolgt nicht nur in absoluten Zahlen, sondern auch in Relation zu unserer höheren Arbeitszeit?
Da ist bisher noch keiner drauf gekommen!
Salatsultan
16.11.2023, 20:55
Bei der OA Stufe geht es darum eine weitere Stufe der Gehaltsentwicklung nach der Stufe die mit 6 Jahren Zugehörigkeit gilt einzuführen. Was manche in ihrer Empörung übersehen, ist das es bei Fachärzten und auch Assistenten schon deutlich mehr Stufen gibt. In der Vergangenheit lag der Fokus darauf gerade die jungen Kolleginnen und Kollegen besser abzubilden.
Ä3 Stufe 4 und Ä4 Stufe 4? Also Aufstiege für beispielsweise Ä3 analog zu Ä2 ab 9. Jahr auf Stufe 4 etc? Das betrifft dann in Bezug zur gesamten tarifbeschäftigten Ärzteschaft echt nur nen mini Teil. Ä4 Stufe 4 noch weniger. An Unis sind es doch wirklich i. d. R. Univ.-Profs und außertariflich? Ach, was soll’s, ich stalke Mal die Innere und die VCH meiner Heimat A-Stadt sowie meiner Berufs C-Stadt.
Edit: in der VCH sind tatsächlich nur ca. 50% Profs in der A-Stadt. Der Rest PD und 1-2 nicht habilitiert. Innere war ne Kackidee. Bei den 1000 internistischen Kliniken nicht vergleichbar. Bei der Flaggschiff Inneren meiner A Stadt allermeisten Profs, wenige apl. Prof., wenige PDs. In der C Stadt deutlich weniger Profs. in VCH und in der am besten vergleichbaren Inneren.
Nefazodon
16.11.2023, 21:27
.....
Salatsultan
16.11.2023, 21:40
So macht halt jeder seine Erfahrung. Ich glaube nicht das man diese verallgemeinern kann - das ich Teil der Verhandlungskommission bin liegt mit Sicherheit nicht an meiner jahrelangen engagierten Mitarbeit sondern auch an einem Mangel an Alternativen. Aber ich Stimme dir zu, wie in vielen Bereichen brauch es auch beim MB Modernisierung, Mitgliederorientierung usw. Verbandstrukturen haben immer den Charme zu verkrusten, sie müssen aber auch eine gewisse Resilienz aufweisen. Und das Mitglied der Kammer, wo war der Mitglied? Jeder hat halt seinen Verband mit seinen Partikularinteressen und ist im Zweifel auf die anderen weniger gut zu sprechen.
Endoplasmatisches Reticulum
16.11.2023, 21:47
Die höheren Stufen steigen langsamer. Ob man 6 Stufen auf 6 Jahre hat oder 3 Stufen auf 7 Jahre mit doppelt so hohem Anstieg je Stufe, ist jetzt nicht der allergrößte Unterschied.
Wie hoch ist der prozentuale Anteil der MB-Mitglieder, die seit > 10 Jahren Oberarzt bzw. leitender Oberarzt sind?
Darum geht es doch. Der MB kann so tun als ob er etwas wichtiges fordert, obwohl jedem klar ist, dass es unterm Strich den Arbeitgeber fast nichts kostet.
Viel, viel wichtiger wäre es, Ä2 endlich mal anzuheben. Der Unterschied zwischen Assi 6. Jahr und FA ist ein schlechter Witz. Aber das würde für die Unis richtig viel Geld bedeuten, bei der Maße an FÄ.
Endoplasmatisches Reticulum
16.11.2023, 22:10
Das gilt aber in beide Richtungen. Der Arbeitgeber kann so tun, als würde er durch Nachgeben in diesem Punkt Eingeständnisse machen, die er dann anderswo verrechnet. Diese Forderung des MB ist schlichtweg Unsinn, ebenso wie ihre Begründung.
Ja, is nur ein Bruchteil auf die gesamte Klinik gesehen. Und dann auch heterogen verteilt. In den forschungsstarken, kompetitiven Bereichen hat da niemand was von. Ich bin trotzdem etwas zwiegespalten. Ich selbst würde zwar auch zusehen möglichst selbsttätig und zügig aus dem Dunstkreis dieser Forderung rauszukommen (Alter, stellt euch mal vor, ihr müsstet im 10. Jahr Vollzeit einfach nur OÄ sein, wirst ja total bekloppt) aber auf der anderen Seite kann man eine Gruppe nicht einfach ständig unter den Tisch fallen lassen, nur weil sie wenige sind, und zum anderen motiviert man vielleicht in den forschungsschwächeren Mangelbereichen damit doch noch Leute, in der Klinik zu bleiben.
Wer Mitglieder befragt, muss daraus Konsequenzen ziehen. Das kann der MB, so wie er aufgestellt ist, nicht leisten. Wer gut informiert und Mitarbeit einfordert kann dann gewisse Pseudoargumente nicht mehr anbringen und nebulöse Andeutungen machen. Ich habe es hier schon mal geschrieben, dass es bei mir an der Uni sogar ne relativ große MB Gruppe gibt, die auch in ihrem Auftreten präsent ist. Von dem Netzwerktreffen, das bei uns stattgefunden hat, hatte ich berichtet.
Endoplasmatisches Reticulum
16.11.2023, 22:43
Jain. Ich sehe, was du meinst. Man muss aber bedenken, dass diese Gruppen
1. verschwindend geringe Repräsentanz im MB haben, mithin den geringsten Repräsentanzanspruch besitzen,
2. ein viel besseres Standing besitzen und sich selbst völlig problemlos ein multiplikatives Tabellenentgelt aushandeln können, mithin das geringste gewerkschaftliche Schutzbedürfnis haben, und
3. deutlich höhere Grundgehälter beziehen und damit je Individuum monetär von jeder linearen Tabellensteigerung ohnehin bereits überproportional profitieren.
Ob man im Krankenhaus bleibt, entscheidet sich wohl meistens während der Facharztzeit. Aber nehmen wir Mal als Beispielszenario ein hypothetisches Ä3.4 mit derselben Steigerung wie Ä3.3, 12 Jahre als OA und davor eine 5jährige Facharztzeit.
Ab Facharzt bis OA 12. Jahr ohne A3.4: 1.681.190,16 €
Ab Facharzt bis OA 12. Jahr mit Ä3.4: 1.705.903,44
Differenz: 24.713,28 €
Durch Spitzensteuersatz bleiben also knapp 12.000 € mehr Einkommen nach 17 (!) Jahren.
Also wer innerhalb der ersten 17 Jahre als Facharzt in der Uniklinik mit der Idee liebäugelt, in die Niederlassung zu gehen, den wird das locker davon abhalten. Oder?
Salatsultan
17.11.2023, 07:14
Die höheren Stufen steigen langsamer. Ob man 6 Stufen auf 6 Jahre hat oder 3 Stufen auf 7 Jahre mit doppelt so hohem Anstieg je Stufe, ist jetzt nicht der allergrößte Unterschied.
Wie hoch ist der prozentuale Anteil der MB-Mitglieder, die seit > 10 Jahren Oberarzt bzw. leitender Oberarzt sind?
Die Frage müsste konkret sein wieviele davon an UKs, ltd. OÄ sind es insgesamt ziemlich wenige. Oberärzte > 6 Jahre wüsste ich alleine in meiner Abteilung einige. Warum möchtest du Gehaltsgruppen gegeneinander ausspielen?
Salatsultan
17.11.2023, 07:16
Darum geht es doch. Der MB kann so tun als ob er etwas wichtiges fordert, obwohl jedem klar ist, dass es unterm Strich den Arbeitgeber fast nichts kostet.
Viel, viel wichtiger wäre es, Ä2 endlich mal anzuheben. Der Unterschied zwischen Assi 6. Jahr und FA ist ein schlechter Witz. Aber das würde für die Unis richtig viel Geld bedeuten, bei der Maße an FÄ.
Was "fast" nichts kostet wird dann auch weniger Problemlos zu verhandeln sein. Bisher war es eher, dass der Preis zu hoch war und man sich dafür entschieden hatte mehr Prozent bei der linearen Erhöhung zu nehmen damit auch untere Gehaltsgruppen partizipieren.
Endoplasmatisches Reticulum
17.11.2023, 08:17
Warum möchtest du Gehaltsgruppen gegeneinander ausspielen?
Au contraire. Das ist dein Fazit meiner Kritik (https://www.medi-learn.de/foren/showthread.php?109488-TdL-Tarifverhandlungen-2023&p=2272009&viewfull=1#post2272009)? Albern ...
Bisher war es eher, dass der Preis zu hoch war und man sich dafür entschieden hatte mehr Prozent bei der linearen Erhöhung zu nehmen damit auch untere Gehaltsgruppen partizipieren.
Demnach ist das in dieser Runde anders herum. Danke für die Bestätigung.
Warum möchte der MB Gehaltsgruppen gegeneinander ausspielen?
Salatsultan
17.11.2023, 16:06
Du hast dich bei mir endgültig für jeden weiteren Diskurs disqualifiziert. Irgendwer muss halt auch eine Rolle wie deine einnehmen, danke dafür.
Endoplasmatisches Reticulum
17.11.2023, 17:27
......
FirebirdUSA
17.11.2023, 20:14
Naja, bei uns hat gerade die OHL uns auf Einsparungen im größeren Mio Betrag eingeschworen, Bauprojekte gestoppt, etc. Ich denke ohne Streik wird es nicht gehen... bei uns nimmt außer Anästhesie aber ein Großteil nicht Teil. Ich kann also den MB schon verstehen, fordern tun alle, aber sich einbringen, simelbst bei Streik Lohnverlust hinnehmen, etc aber irgendwie nur wenige...
Und Einmalzahlungen gehören ganz schell abgeschafft..
Ich denke ohne Streik wird es nicht gehen... bei uns nimmt außer Anästhesie aber ein Großteil nicht Teil. Ich kann also den MB schon verstehen, fordern tun alle, aber sich einbringen, simelbst bei Streik Lohnverlust hinnehmen, etc aber irgendwie nur wenige...Wie kommt das, dass das bei euch so genau erhoben und mitgeteilt wurde? Dein MB ist völlig anders als unsere Betriebsgruppe oder der gesamte Landesverband oder der Bundesverband. Die Forderungen von Beschäftigten oder wenigsten Mitgliedern wurde hier nie erhoben und man ist auch nicht im internen Kreis willkommen.
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