Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigen- oder Fremdgefährdung? Der Psychiatertreffpunkt
Zwei ehemalige Kolleginnen haben ihr Neurojahr in jeweils einer großen Praxis gemacht. Es war allerdings am Ende der Ausbildungszeit.
Die Frage ist, was die da effektiv gemacht haben (in solchen Praxen betreuen manche dann auch nur die psychiatrischen Patienten ohne jemals Berührpunkte mit Neurologie zu haben) und was der qualitative Anspruch der Praxis ist. Ich kenne auch mindestens eine große Gemeinschaftspraxis, wo das völlig egal ist, weil das Konzept Masse statt Klasse ist. Da werden auch Gynäkologen im Ruhestand als Weiterbildungsassisten eingestellt. Dass das zu Lasten der Qualität der Behandlung geht, ist dem Praxisgründer ziemlich egal. Da passieren dann auch so Dinge, dass man sich wundert, dass eine Alzheimer Patient mit 40mg Memantin Krampfanfälle entwickelt und das behandelt man dann mit Hochdosis Valproinsäure und wundert sich, dass das irgendwann die Leber und das Hirn nicht mehr mitmacht. Oder Hustensynkopen bei Keuchhusten werden als vermeintlich komplexfokale Anfälle mit Carbamazepin behandelt. (ich kann dir da leider genügend negativ Beispiele aufzählen...) Um in einer Praxis selbstständig neurologische Patienten behandeln zu können, sollte man klinische Erfahrung vorweisen und in Neurophysiologie (insbesondere Neurographie und EEG) und den grundlegenden Leitlinien firm sein. Das kann kein Anfänger leisten und begleitetes Teaching wie in der Klinik, wo man jeden Patienten durchspricht und durch einen Oberarzt mit begleitet wird, ist bei der Menge an Patienten, die man in der Regel sieht, nicht realistisch durchführbar. Ja, es gibt Praxen, die das machen. Aber denen ist auch egal, wenn dann der Weiterbildungsassistent für seinen Behandlungsfehler verklagt wird, weil es ja ohne Rücksprache an den Weiterbildner ein Übernahmeverschulden ist...
Anne1970
24.01.2021, 07:34
Das klingt gar nicht gut ...
Günni Gürtelrose
24.01.2021, 10:22
Ja, ok, das hört sich nicht so an, wie es sein sollte.
Hallo ihr Lieben!
Ich werde im Mai meine erste Stelle in der Psychiatrie antreten, frisch approbiert. :)
1. Ich habe ziemlich großen Respekt vor fremdaggressiven Patienten. Wie sind eure Erfahrungen da? Muss man wirklich Angst haben, wie schützt man sich, etc.?
2. Habt ihr manchmal Probleme, euch abzugrenzen?
LG!
1. In bald einem halben Jahr Großstadt-Akutpsychiatrie ist bei mir noch nie etwas ernsthaftes passiert. Natürlich versuchen manche Patienten, einen beim Fixieren zu kratzen, aber das ist ja zu erwarten. Unbekannte oder neu aufgenommene Patienten sieht man immer zu zweit, man besucht idealerweise einen Deeskalationskurs vor dem ersten Dienst, man informiert sich bzgl. Sicherheitsdienst, Polizei und Alarmsystem. Wirklich Angst haben muss man IMHO nicht, auch wenn es natürlich hin und wieder leider dennoch zu schweren Körperverletzungen oder mehr kommt. Aber die sehr große Mehrheit aller psychiatrischen Patienten, auch in der Akutpsychiatrie, ist für die Behandler völlig harmlos.
2. Nein.
Die gebrochenen Nasen und Arme gehören praktisch ausschließlich der Pflege, als Arzt hat man nichts zu befürchten, wenn man sich nicht wie ein Vollidiot anstellt.
Hier mal eine positive Erfahrung zu Neuro in der Praxis als fachfremder Assi, durfte sehr selbstständig arbeiten, hatte kaum rein psychiatrische Patienten und ein bombiges Betreuungsverhältnis, das man so in den meisten Kliniken sicher vergeblich sucht. Viele Patienten sind stabil eingestellt oder kommen mit gut handelbaren Problemen, außerdem gibt es natürlich Überschneidungen zur Psychiatrie. Dazu kommen die ambulant ganz gut aushaltbaren Rahmenbedingungen, man kann eins nach dem anderen abarbeiten, keine Dienste usw. Solange man ein Gespür für seine Grenzen und jederzeit die Möglichkeit zur Rücksprache hat, sehe ich da überhaupt kein Problem und sehe auch keinen Grund dafür, generell vom ambulanten Neurojahr abzuraten.
MissUmbrella
02.02.2021, 20:25
Ich war ein Jahr auf einer Akutpsychiatrie eines Problembezirkes mit viel Aggression etc. Auch mir ist nichts passiert, aber ich bin froh nicht mehr dort zu arbeiten.. Mit mehrmaliger Amtshilfe im Dienst und zig mal Polizei und Fixierung..nein, danke. Ich bin auch kein Sensibelchen, sondern kann einiges ab, aber auch mir war das zu viel. Das liegt aber nicht Psychiatrie an sich, sondern dem Einzugsgebiet meines ehemaligen Krankenhauses. Bin aktuell aber zufrieden in der Neuroreha ... ich hatte im letzten Dienst wirklich die Nacht durchgeschlafen, das kenne ich gar nicht:-))
Und ambulante Neurologie hat mich überhaupt nicht gereizt. Denke, die Lernkurve ist da auch nicht so hoch wie in der Akutneurologie oder auch Reha..
Mal was anderes: Lest ihr psychiatrische Fachzeitschriften ? Hatte überlegt Mitglied des DGPPN zu werden, war auch paar Mal als Studentin auf den Kongressen, aber zu einer Mitgliedschaft konnte ich mich bisher nicht durchringen...
Bandwurm
05.02.2021, 18:43
Na ja, wenn du Fortbildungspunkte benötigst als FÄ ist der DGPPN-Kongress eine tolle Sache mit breiten Angebot. Als Mitglied ist er billiger und du bekommst die Fachzeitschrift gratis, die m.E. insgesamt ganz gut ist, aber halt die gesamte Nervenheilkunde abdeckt und ich so manches nur überblättere.
Das Schöne am DGPPN Kongress sind die State of the Art Symposien. Da bekommt man immer wieder den aktuellen Stand für viele Erkrankungen mit. Den Online Kongress letztes Jahr fand ich wirklich gut gemacht, weil ich erstaunlicherweise mir auch Dinge angesehen habe, die ich sonst in Berlin vermutlich nicht mal eben besucht hätte. Der Kongress in Kombination mit meiner monatlichen Balintgruppe füllt auch so gut mein Punktekonto, dass ich in Fachzeitschriften dann nur Fortbildungen mache, wenn sie mich interessieren.
Hallo zusammen!
Ich würde gerne mal wissen, wie ihr eingearbeitet wurdet als Anfänger und vor allem wie ihr euch dann im Stationsalltag Wissen angeeignet habt?
Ich habe vor wenigen Wochen eine neue Stelle angetreten und fühle mich etwas aufgeschmissen.. es sind viele erfahrene Assistenten gegangen, dementsprechend bin ich mit einer ebenfalls relativ neuen Kollegin auf Station eingesetzt, die Supervision durch Vorgesetzte gibt es fast gar nicht und ich bin sehr auf mich alleine gestellt.. was an sich ja nicht immer negativ auszulegen ist, allerdings lerne ich aktuell nur aus Büchern und eben nicht durch Erfahrung von anderen Kollegen, was man sich ja eigentlich wünscht.. hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und gibt weiß wie man damit umgehen kann?
Was für Wissen fehlt dir denn zum Beispiel?
Es geht gar nicht mal so sehr um die Theorie sondern viel mehr um die Praxis..
Sowas wie Gesprächsführung, wie sehen Kriseninterventionen aus zb bei Borderline-Störungen, wie kann ich Patienten mit Depressionen gezielt im Gespräch helfen oder an die Hand nehmen..
Ich hoffe für Dich, dass Du nicht im Haus mit den drei großen Buchstaben angefangen hast zu arbeiten...
Ich hoffe für Dich, dass Du nicht im Haus mit den drei großen Buchstaben angefangen hast zu arbeiten...
Was bedeutet das?
Es geht gar nicht mal so sehr um die Theorie sondern viel mehr um die Praxis..
Sowas wie Gesprächsführung, wie sehen Kriseninterventionen aus zb bei Borderline-Störungen, wie kann ich Patienten mit Depressionen gezielt im Gespräch helfen oder an die Hand nehmen..
Naja, sowas kann man glaub ich nicht einfach so schnell lernen. Und ist ohne Vorbilder wahrscheinlich auch nicht so einfach. Habt ihr Supervision?
Es geht gar nicht mal so sehr um die Theorie sondern viel mehr um die Praxis..
Sowas wie Gesprächsführung, wie sehen Kriseninterventionen aus zb bei Borderline-Störungen, wie kann ich Patienten mit Depressionen gezielt im Gespräch helfen oder an die Hand nehmen..
Wenn es gute Oberärzte gibt, bekommt man einen Einblick, wenn man denen zuschaut/zuhört, wie sie mit Patienten sprechen und es mit ihnen nachbespricht. Leider gibt es immer weniger gute OÄ, woher sollen die auch kommen, wenn sie selbst nicht entsprechend ausgebildet wurden und dann weder Lust noch Fähigkeit haben, etwas weiterzugeben, möglicherweise nicht ausreichend differenzierte Sprache und Mentalität "können".
SarahJulia90
25.02.2021, 19:04
Habt ihr Erfahrungen oder Kenntnisse, wie einfach es in der Psychiatrie ist, später als Facharzt angestellt in einer Praxis zu arbeiten? In anderen Fächern sehe ich sowas ständig auf den Internetpräsenzen von Praxen oder im Rahmen von Stellenausschreibungen, bei der Psychiatrie irgendwie nie.
Wie es "später" ist, weiß ich nicht. Jetzt ist es sehr, sehr einfach, in Praxen oder MVZ angestellt zu werden.
SarahJulia90
25.02.2021, 20:23
Das klingt gut, finde aber kaum entsprechende Stellenanzeigen. Bin auch örtlich nicht flexibel, wohne aber immerhin in einer deutschen Metropole. Ich werde mich mal langsam umhören später. Eigentlich könnte ich mir gerade sogar gut vorstellen, schon das letzte Jahr meiner Facharztausbildung ambulant zu machen.
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