Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigen- oder Fremdgefährdung? Der Psychiatertreffpunkt
Ich finde das "State of the Art"-Buch toll. Teilweise etwas zu biologisch-theoretisch, und teilweise zu wenig die in anderen Ländern üblichen Ansätze berücksichtigend, aber in Summe trotzdem eine hervorragende Zusammenfassung des aktuellen Wissensstands.
Shelby Ville
17.01.2025, 14:36
Es gibt ja jetzt wohl auch einen Lernplan von Amboss für die FA-Prüfung, hat da schon jemand Erfahrungen mit gemacht?
Das hatte mich auch verwundert, daher würde es mich interessieren, wie es bei euch an den Amtsgerichten gehandhabt wird und ob bei euch schon mal ein Nichtfacharzt/Assistenzarzt alleine ein Betreungsrechtsgutachten abgegeben hat?
Ich habe in einer allgemeinmedizinischen Praxis einmal mitbekommen, dass der Allgemeinmediziner das Betreuungsgutachten erstellt hat. Das wurde vom Amtsgericht so akzeptiert, nachdem dee Arzt nachweisen konnte, dass er 1,5 Jahre Psychiatrie während der Weiterbildungszeit gemacht hat.
cardiodexter1
03.02.2025, 16:57
Hallo zusammen
eine Frage, die sich auch ein bisschen auf einen anderen Thread (Palliativmedizin) bezieht, aber spezifisch im psychiatrischen Setting: Ich habe mal in der Inneren gearbeitet und war in diesem Rahmen ein dreiviertel Jahr auf einer Palliativstation. Nach meiner lokalen WBO könnte ich jetzt relativ einfach (also mit einem Kurs) die Zusatzbezeichnung erwerben. Andererseits habe ich mich jetzt mittel- und langfristig nicht in einem palliativen Setting gesehen. Kann mir jemand eine Einschätzung geben, bringt die ZB etwas als PsychiaterIn?
P.S.,
Außer: ab Februar soll ich Hintergrund-Dienste machen fürs ganze Haus inkl. somatischem Schwerpunktversorger nebenan. Ich möchte das eigentlich nicht, weil a) eben keine FÄ und b) zu wenig stationäre bzw. akut-Erfahrung (ich soll Notfall-Konsile im benachbarten Schwerpunktversorger machen, ich habe noch nie ein Konsil gemacht in meinem Leben und war 4(!) Monate in der Akutpsychiatrie...). Aktuell fühle ich mich maximal unwohl und das ganze Konstrukt ist doch auch ein bisschen fahrlässig. Mir wurde versichert, dass für mich so eine Art Notfall-Hintergrund (Hintergrund-Hintergrund) eines erfahrenen OA zur Verfügung steht, aber das klingt für mich auch nicht nach einer perfekten Lösung...
Das ganze ist gerade in der Klärung. Es gibt mehr Hürden als ich erhofft habe, aber auch durch die relativ eindeutige Rückmeldung von euch konnte ich meine Position ein wenig mit Argumenten stärken. Ich melde mich nochmal mit einem Ergebnis!
cardiodexter1
09.02.2025, 15:01
Ich habe gerade den Thread zum Thema Palliativmedizin gelesen und würde gerne einmal in diesem Thread fragen:
Ich habe mal ein dreiviertel Jahr in der Palliativmedizin gearbeitet und bin jetzt in der WB Psychiatrie. Ich könnte damit mit vergleichsweise wenig Aufwand die Zusatzbezeichnung erwerben. Lohnt sich das als Psychiater? Bringt das nennenswerte Vorteile in der Niederlassung (von der ich nicht weiß, ob ich sie anstrebe), in der Klinik könnte ich mir vorstellen, dass man da z.B. im Rahmen einer psychoonkologischen Beratung irgendwie wertvoll wäre, aber ich habe keine Ahnung
nystagmus
09.02.2025, 15:29
Ich habe gerade den Thread zum Thema Palliativmedizin gelesen und würde gerne einmal in diesem Thread fragen:
Ich habe mal ein dreiviertel Jahr in der Palliativmedizin gearbeitet und bin jetzt in der WB Psychiatrie. Ich könnte damit mit vergleichsweise wenig Aufwand die Zusatzbezeichnung erwerben. Lohnt sich das als Psychiater? Bringt das nennenswerte Vorteile in der Niederlassung (von der ich nicht weiß, ob ich sie anstrebe), in der Klinik könnte ich mir vorstellen, dass man da z.B. im Rahmen einer psychoonkologischen Beratung irgendwie wertvoll wäre, aber ich habe keine Ahnung
Mit der Zusatzqualifikation dürftest du in der Niederlassung Palliativziffern abrechnen können. Ob sich das lohnt, hängt vom Schwerpunkt der Praxis ab. Da du bereits so weit in dem Bereich bist, wäre es sinnvoll, die Zusatzbezeichnung zu erwerben – schaden kann es nicht, im Gegenteil, es eröffnet dir zusätzliche Möglichkeiten.
Wie verfahrt ihr eigentlich bei chronischen Schmerzpatienten, wenn aufgrund kardialer Begleiterkrankungen das etablierte Amitryptillin kontraindiziert ist? Kann man das dann ersetzen, und falls ja mit was am besten?
SineNomine
09.02.2025, 21:08
die wenigsten ADs sind wirklich super kardiofreundlich - je nach schmerzart kannst du ggf Duloxetin verwenden, aber ich gefühlt helfen die ganzen ADs bei chronischen Schmerzen eher wenig.
Cinnafly
11.02.2025, 14:06
hallo Leute,
Hier gibt es doch sicher auch einige, die auch über die neue Weiterbildungsordnung in Bayern ihren FA machen.
habt ihr die Fassung auch so verstanden, dass tatsächlich nur 24 Monate in der stationär – psychiatrischen Versorgung absolviert werden müssen und der Rest (darunter auch die 12 Monate Neuro) würde theoretisch komplett ambulant gehen? (mal unabhängig davon, ob das so sinnvoll ist...)
cardiodexter1
11.02.2025, 20:28
hallo Leute,
Hier gibt es doch sicher auch einige, die auch über die neue Weiterbildungsordnung in Bayern ihren FA machen.
habt ihr die Fassung auch so verstanden, dass tatsächlich nur 24 Monate in der stationär – psychiatrischen Versorgung absolviert werden müssen und der Rest (darunter auch die 12 Monate Neuro) würde theoretisch komplett ambulant gehen? (mal unabhängig davon, ob das so sinnvoll ist...)
Theoretisch wohl möglich ja, ist ja in vielen Weiterbildungsordnungen explizit so beschrieben. Theoretisch sogar auch möglich, wenn man den Text genau liest wäre es, die 12 Monate Neuro in den stationären Teil zu nehmen, denn z.B. gemäss ÄK Nordrhein und auch Bayern, gerade nachgelesen, werden verlangt "müssen 24 Monate in der stationären Patientenversorgung abgeleistet werden" und nicht 24 Monate psychiatrisch-stationäre Patientenversorgung.
Rudiologe
22.05.2025, 20:09
Hat jemand von den erfahrenen niedergelassenen Kollegen mal ein paar Beispiele, was als EGV Leistungen ausbezahlt wird bzw. zählt im KV-Dschungel?
Hallo zusammen,
bin in der Weiterbildung Psychiatrie. Mag auch die Weiterbildungsinhalte, finde die nur die Balintgruppenarbeit absolut grauenhaft. Habe da original noch nie irgendwas Wertvolles für mich mitgenommen und fühle mich von Psychodynamikern als Geisel genommen, wenn dann plötzlich über frei assoziierte Fantasien schwadroniert wird.
Hat hier jemand Empfehlungen für einen Anbieter, der die geforderten Stunden in einem oder mehreren mehrtägigen Blöcken kurz wegballert, damit man den Mist auf den Müllhaufen seiner Weiterbildung schmeißen kann?
fühle mich von Psychodynamikern als Geisel genommen, wenn dann plötzlich über frei assoziierte Fantasien schwadroniert wird.
YMMD!!! So wahr!
Aber: Du bist wahrscheinlich die Geisel von (Möchtegern)Analytikern, denn Psychodynamiker gibt es auch ganz andere, handfeste, die gute Therapien machen.
Bezüglich Balintgruppen: Es gibt durchaus gute externe Angebote. Ich habe es damals bei einem Gyni gemacht. Dort saßen Kollegen aus ganz verschiedenen Fachgebieten, was sehr spannend war.
Speranza100
26.05.2025, 18:42
Ich musste für meinen FA auch Balintarbeit machen und fand es interessant, aus anderen Fachgebieten Patientenfälle zu hören, die wir auch sehr offen, respektvoll diskutiert haben, wir waren fachlich bunt gemischt, Gynäkologen, Urologen, Anästhesisten, Allgemeinmediziner und vereinzelt Psychiater. Ich hatte aber auch eine sehr humorvolle - wenn auch etwas skurille - Leiterin. Hab es auf jeden Fall als abwechlsungs- und lehrreich in Erinnerung, vielleicht suchst du nochmal etwas interdisziplinäres ;-)
cardiodexter1
28.06.2025, 16:34
Liebe Kollegen, angesichts einer Fortbildung vor kurzem wollte ich mal fragen, wie oft ihr im klinischen Alltag Tianeptin einsetzt? Ich bin damit ehrlicherweise kaum in Berührung gekommen
Bei manchen Patienten mit depressiver Symptomatik und Angstsymptomatik, v.a. im Kontext einer kPTBS (wahrscheinlich wegen seiner Wirkung auf das glutamaterge System), kann es sehr hilfreich sein.
Allerdings ist die drei- bis viermal tägliche Einnahme recht unpraktisch, und manche Patienten beklagen eine ausgeprägte Hypotonie und Schwindel.
In den USA, wo es keine FDA-Zulassung hat, wird es heute sehr kritisch gesehen, wegen Gefahren bei Überdosierung, v.a. in Kombination mit Opioiden, und wegen seines Abhängigkeitspotenzials (es ist ein Agonist an μ-Opioidrezeptoren und auch an δ-Opioidrezeptoren, wirkt an letzteren aber deutlich weniger stark als an ersteren), wird auch als "gas station heroin" bezeichnet. Ich habe in unseren Breiten aber nie von solchen Problemen gehört, sodass ich vermute, dass das nur dann relevant wird, wenn Opioide so häufig wie in den USA verschrieben werden, wenn illegale Opioide, auch höchstpotente, so weitverbreitet wie in den USA sind, wenn die sozialen Rahmenbedingungen so sind wie in Teilen der US-Bevölkerung. (Kann man zusammenfassend, hinsichtlich seines Risikoprofils, also so ähnlich sehen wie bei Pregabalin, wobei ich bei diesem tatsächlich mehr Abhängigkeitspotenzial sehe als bei Tianeptin, obwohl es keine Wirkung an Opioidrezeptoren hat.)
Ich selbst hab es bis dato nur selten verordnet, weil andere Wirkstoffe meist effektiver sind und meist ein besseres Verhältnis von Nutzen zu Risiken haben.
nystagmus
28.06.2025, 17:12
Liebe Kollegen, angesichts einer Fortbildung vor kurzem wollte ich mal fragen, wie oft ihr im klinischen Alltag Tianeptin einsetzt? Ich bin damit ehrlicherweise kaum in Berührung gekommen
Tianeptin habe ich in der Praxis selten beim Patienten gesehen und auch selbst fast nie angesetzt. Gefühlt waren es 3-4 Patienten im Jahr, die meisten von denen waren in einer PIA/Krankenhaus gewesen.
Rudiologe
03.07.2025, 11:32
Gibt es hier niedergelassene Kolleginnen und Kollegen, die die Ziffer 35151 regelmäßig abrechnen? Laut einem Bekannten würde das gehen bei längeren Gesprächen. Vorteile sind nach meiner Recherche auch, dass die Leistung zeitabhängig besser vergütet wird als die 21220, extrabudgetär vergütet wird und nicht in den RLV-Topf fällt. Unklar sind mir die Dokumentationspflicht und Indikation, um die Ziffer anwenden zu können. Reicht ein einfaches Gespräch mit therapeutischem Inhalt, in dem das Zeitkriterium erfüllt ist?
https://diego.one/ebm/35151
https://monkeymed.de/leistungskataloge/ebm/35151
https://diego.one/ebm/21220
https://monkeymed.de/leistungskataloge/ebm/21220
Erstere Ziffer klingt schon sehr spezifisch und sehr psychotherapeutisch - nicht einfach nur psychiatrisch therapeutisch.
Rudiologe
03.07.2025, 20:57
https://diego.one/ebm/35151
https://monkeymed.de/leistungskataloge/ebm/35151
https://diego.one/ebm/21220
https://monkeymed.de/leistungskataloge/ebm/21220
Erstere Ziffer klingt schon sehr spezifisch und sehr psychotherapeutisch - nicht einfach nur psychiatrisch therapeutisch.
Im relativ aktuellen EBM-Abrechnungskommentar steht ebenfalls, dass die Ziffern auch für niedergelassene Psychiater wichtig ist, eben aus den oben genannten Gründen. Ich habe sie nur bislang noch nie benutzt. Der Wortlaut einer Ziffer ist ja auf den ersten Blick auch bei anderen Leistungen oft ein bisschen irreführend (siehe z.B. auch 21230 oder so).
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