Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigen- oder Fremdgefährdung? Der Psychiatertreffpunkt
@PaulaBoston: Stimmt beides. Ersteres ist nicht neu. Letzteres ist so demotivierend, dass es auf lange Sicht besser ist, sich Alternativen zu suchen, entweder gute Psychosomatik oder Privatklinik oder Privatpraxis. In diese Richtung jedenfalls geht die Entwicklung, die öffentlichen Kliniken werden gerade zu einer Art Asylum, Kurzzeitverwahranstalt.
_calendula_
09.02.2023, 18:17
Mich hat Psychiatrie zum Beispiel durchaus interessiert. Vermutlich würde mir aber das Somatische fehlen.
Mich würde in der Psychiatrie sehr frustrieren, wie hoch die Hürden für eine akute stationäre Aufnahme sind.
Und ich habe leider habe ich Psychiatrie (im Studium) als in weiten Teile relativ dogmatisch kennengelernt. Das ist abhängig vom Haus und man kann dem in jedem Fach begegnen. Für mich hat das konkret durchaus die Attraktivität verringert, und ich habe mich dann z.B. für ein anderes PJ-Wahlfach entschieden.
Mich hat Psychiatrie zum Beispiel durchaus interessiert. Vermutlich würde mir aber das Somatische fehlen.
Das ist ein seltsames Argument. Es gibt somatisch sehr viel zu tun in der Psychiatrie. Und vor allem: gute Psychiater können noch körperlich so untersuchen, wie es kaum ein spezialisierter Somatiker tut. Und entsprechend komplex denken, weil kaum jemand sich so umfassend Zeit für somatische Fragen nimmt.
Mich würde sehr frustrieren, wie hoch die Hürden für eine akute stationäre Aufnahme sind.
Welche Hürden? Eine notwendige Akutaufnahme ist jederzeit möglich.
Und ich leider habe ich Psychiatrie als in weiten Teile relativ dogmatisch kennengelernt.
Was genau meinst du mit "dogmatisch"?
clyde_frog
14.02.2023, 20:53
Warum das? Wenn die Somatiker das so machen, sollen sie es tun. Ich tue es umgekehrt nicht. Sein eigenes Fach zu schätzen heisst keineswegs über andere zu "lächeln". Wer so etwas nötig hat, ist eher selbstunsicher, und damit eventuell "narcissitisch" (O-Ton clyde_frog mit klassischer Laiendeutung ;.-))
Ich habe eigentlich lang mit die gedanke gespielt meine PJ und vielleicht meine weiterbildung in psychiatrie zu machen, weil ich ersten das fach während die studium sehr interessant gefunden habe und eine sehr gute famulatur von 6 wochen machen konnte. Aber ich habe mich dann aus personliche gründe für eine andere fach entschieden und werde da auch meine facharzt machen (bzw anfangen), weil der chefarzt mir eine stelle angebote hat.
Ich denke von keine Fach, dass es die Königdisciplin ist, sondern jede Fach hat seine eigene Stellenwert und ist großartig und zum Glück findet (fast) jede das Fach das für ihn das beste ist
Ich denke von keine Fach, dass es die Königdisciplin ist, sondern jede Fach hat seine eigene Stellenwert und ist großartig und zum Glück findet (fast) jede das Fach das für ihn das beste ist
Natürlich ist das so und auch gut so, damit jeder sich in seinem Fach wohl fühlt und dort das Beste gibt. Das schließt jedoch nicht aus, dass man das eigene für das "beste" hält. Also: immer Perspektive beachten.
MissUmbrella
18.02.2023, 18:45
Hallöchen,
sagt mal, wo kann man denn noch Gutachten für das Logbuch herbekommen, wenn man nicht mehr in der Klinik arbeitet( und auch nicht mehr möchte)..einfach Gericht anschreiben geht ja nicht ohne Supervision..hat da jemand Erfahrung von euch? Brauche auch keine genaue Anzahl, eins würde schon reichen und die Unterschrift dann.. LG :)
Züschata
18.02.2023, 19:04
Hallöchen,
sagt mal, wo kann man denn noch Gutachten für das Logbuch herbekommen, wenn man nicht mehr in der Klinik arbeitet( und auch nicht mehr möchte)..einfach Gericht anschreiben geht ja nicht ohne Supervision..hat da jemand Erfahrung von euch? Brauche auch keine genaue Anzahl, eins würde schon reichen und die Unterschrift dann.. LG :)
Vielleicht bei einem Niedergelassenen, der selbst gutachterlich tätig ist und dann mit dir den Probanden in einem Zweittermin abschließend begutachtet?
MissUmbrella
18.02.2023, 19:07
aber muss der keine Weiterbildungs -Ermächtigung dazu haben? nicht jeder Niedergelassene, der Gutachten schreibt, hat ja eine WB-Ermächtigung..bzw. haben nur wenige niedergelassen eine.... Gibt ja noch Spdi, Gesundheitsamt und Reha.. Frage mich ob man da Gutachten machen kann die die Ärztekammer anerkennt..
Hallöchen,
sagt mal, wo kann man denn noch Gutachten für das Logbuch herbekommen, wenn man nicht mehr in der Klinik arbeitet( und auch nicht mehr möchte)..einfach Gericht anschreiben geht ja nicht ohne Supervision..hat da jemand Erfahrung von euch? Brauche auch keine genaue Anzahl, eins würde schon reichen und die Unterschrift dann.. LG :)
Ich würde mal in Deiner alten WB Klinik nachfragen, eventuell kannst Du als Externe/r Gutachten anfertigen.
Und Achtung - es kommt durchaus vor, dass die ÄK sich die Gutachten und auch andere Sachen und Nachweise vorgelegt haben möchte - je nach ÄK reicht eben nicht nur eins und die Unterschrift.
Bei der Ärztekammer Nordrhein muss man sogar 7 Gutachten bei der Prüfung mitbringen. Die sollten aus allen Bereichen vorliegen (Forensik, Sozialrecht, Betreungsrecht etc.) Bei Kliniken, die wenig Gutachtenaufträge bekommen, werden aber auch Probegutachten unter Supervision des Weiterbildungsermächtigten anerkannt. Aber Vorlegen muss man die auch. In meiner alten Klinik wäre das auch gar nicht anders möglich gewesen, weil es einfach zu wenig Gutachten für zuviele Assistenten gab und der Chefarzt hat die wenigen rein kommenden Gutachten auf seine OA hat übertragen lassen, weil er selber daran kein Interesse hatte.
MissUmbrella
19.02.2023, 07:17
Danke.. Ich denke ich ruf mal die Ärztekammer an. Ich finde diese ganze wbo nur noch nervig. Viele Kliniken machen keine Gutachten, und es kann ja nicht sein, dass im ambulanten Bereich gar nichts mehr möglich ist...diese sklaverischen Abhängigkeiten sind total nervig
Man muss sich selber frühzeitig um alles proaktiv kümmern und rechtzeitig wechseln. Ich hab den Großteil meiner Gutachten in der Praxis gemacht, weil dass das zweite Standbein Praxis ist. Das war deutlich einfacher als in der Klinik. Hier gibt es einige Praxen mit Weiterbildungermächtigung, die auch Gutachten machen. Das und die deutlich bessere PT Ausbildung war damals für mich der Grund in die Praxis zu gehen.
MissUmbrella
19.02.2023, 08:09
Ich habe mich um alles frühzeitig proaktiv gekümmert. Meine Pt-auabildung auch früh gestartet, dank Corona hat sich dann z. B. das Auch immens verlängert.. Pt- Stunden mache ich auch schon nebenbei. Abgesehen davon, daß ich den Kliniken mehrmals hinterhertelefonieren muss bis die mir das bescheinigen, was ich gemacht habt. Und ambulante praxen mit Wb-ermächtigung gibt es hier extrem wenige komischerweise., ich würde sehr gerne in eine Praxis mit pt und gutachten. ..aber einige haben eine Zusammenarbeit mit Instituten, bei denen ich nicht bin. Ich möchte ja auch wirklich Gutachten erstellen und das lernen.. Aber bei den Gegebenheiten hier bekommt ich nicht mal das Logbuch voll
serratustot
20.02.2023, 19:55
Hallo zusammen, 2 Fragen:
ich bin so grob Anfang/Mitte 3. Jahr in der WB und habe bald einen Ortswechsel (familiär bedingt) und dadurch bedingt automatisch einen Stellenwechsel. War in ner Akutpsych und in der Neuro. Nun ist es so, dass ich Sozialmedizin eigentlich ganz interessant finde (also DRV / Arbeitsfähigkeit usw usw.), und überlege daher, als nächstes in einer psychosomatischen Reha zu arbeiten. Was für mich spontan erstmal dafür spricht:
+ Die haben ja meist 1 Jahr WB-Berechtigung für Psychiatrie
+ ich bilde mir ein, dass da evtl auch noch zeitliche Kapazitäten für Psychotherapie bleiben (mehr als in einer Psychiatrie mit Versorgungsauftrag). Andererseits scheint man ja dort evtl. nur der "Hausarzt" für die von Psychologen betreuten Pat. zu sein (ich weiß, wurde schon oft besprochen).
+ "nur" 1 Jahr wäre gar nicht so verkehrt, da auch Plan, Abschnitte (wenns gut läuft gerne den Rest der WB) in einer Praxis zu machen
Finde die psychosomatische Medizin an sich auch interessant (ohne die Absicht eines FA Psychosomatische Medizin)
So und jetzt noch: Sollte das jemand für einen okeen Plan halten, hat vielleicht jemand noch einen Tipp so ganz grob zwischen Mainz / Koblenz / Bonn? Gern auch per PN
Reha-PSM sind Gutachteninstitute im Auftrag der DRV und haben genauso Personalprobleme wie Psychiatrien. Ärzte machen meist 20 min "Gespräch" pro Woche und Patient, bestenfalls noch eine Gruppe, was aber meist von Psychologen übernommen wird. Ansonsten stehen dort ganz stark die berufliche (Neu)Orientierung der Pat. im Vordergrund und sehr sehr ausführliche seitenlange Briefe, die zugleich eine Art Gutachten sind. Pat. sind lediglich 5 Wochen da, also keine Möglichkeit für "Psychotherapie" (auch deshalb schwierig wegen Widerspruch zwischen Begutachtung und psychotherapeutischer Behandlung), sondern, wie du sagst, "hausärztliche" Versorgung. Was gut ist, sind ruhige Nächte und keine unerwarteten Aufnahmen.
GloriaSchmidt
21.02.2023, 06:25
Ich war in ner Neuro-Reha und für die Praxis hilft es mir SOOO sehr weiter.
Erwerbsunfähigkeit,allgemeiner Arbeitsmarkt,Arbeitsunfähigkeit, DRV ect ist in der Praxis täglich Brot und vor der Reha hatte ich keinen Plan davon - also los :-)
Und das die psychosomatischen Reha Kliniken keine wirkliche PT betreiben, halte ich auch für eine gewagte These und schert alle Kliniken über einen Kamm. Aber wie immer muss man da genau differenziert hinschauen wie die Strukturen und das Personalmanagement vor Ort ist. Es gibt wie überall gute und schlechte Rehakliniken. Ich kenne mehrere ambulante und stationäre psychosomatische Rehakliniken, die gute psychotherapeutische Arbeit machen und einigen Patienten erst einmal überhaupt Zugang zu ihren Problemen ermöglicht haben, woran sie dann ambulant weiterarbeiten konnten. Zudem nutzen einige Kliniken auch die Option auf 7 Wochen zu verlängern. Kollegen, die in Rehakliniken arbeiten und ich näher kenne, waren bislang auch alle zufrieden und hatten auch genügend Möglichkeiten für Psychotherapie. Auch da ist man mitnichten in jeder Klinik nur der Hausarzt oder staatlich geprüfter Formularausfüller als Arzt. Hier direkt in unserem Einzugsbereich gibt es eine ambulante Reha Klinik, die seit Jahren ein festes Team mit wenig Fluktuationen hat. Da beteiligen die Ärzte sich an der ET und GT genau wie die Therapeuten auch. Alle Patienten haben zudem danach eine gute sozialmedizinische Einschätzung und bekommen auch direkt alles mit auf den Weg, was die Patienten an Unterstützung brauchen. Da weiß ich meine Patienten durchweg gut versorgt. Und ich sehe darin keinen Widerspruch als Behandler eine sozialmedizinische Einschätzung zu treffen. Dann dürfte ich ja auch keine Stellungnahmen fürs Versorgungsamt oder Sozialgericht verfassen.
JumpRopeQueen
22.02.2023, 16:50
Ihr Lieben, ich hätte eine Frage an euch. Ich bin aktuell im 1. WBJ Psychiatrie und möchte nach dem Facharzt auf jeden Fall in die Niederlassung, mit evtl. Doppel-FA auch für Psychosomatik.
Nach unserer WBO kann man sich jeweils 1 Jahr PSY und PSO gegenseitig anrechnen. Nun habe ich gehört, dass es für die FA-Prüfung einer Genehmigung des Chefs bedarf. Wenn ich 3 Jahre PSY mache, dann 1 Jahr Neuro und letztendlich 1 Jahr PSO zum Schluss, wo ich dann evtl. bleibe, darf ich mich trotzdem für die FA-Prüfung in Psychiatrie anmelden?
Oder soll ich mir lieber den Stress sparen und gleich nach dem 1. Jahr PSY in die PSO wechseln? Mein Ziel ist eher Psychotherapie zu betreiben, das rein somatische, wie manchmal in Psychiatrie, liegt mir gar nicht.
Ich höre zum ersten Mal, dass man eine explizite Genehmigung des Chefs braucht, um sich für die Facharztprüfung anzumelden. Es muss nur in den Weiterbildungszeugnissen jeweils drin stehen, dass man für den Facharzt geeignet ist, wo man den Weiterbildungsabschnitt absolviert hat. Aber das ist eigentlich Standard und stand auch in meinen Zeugnissen drin, obwohl ich z.B. noch in eine andere Rotation musste. Mit beiden Fachärzten hast Du gerade im ambulanten Bereich mehr Möglichkeiten. Wenn Du es eh geplant hast, dann mache doch beides und ein solides somatisches Wissen ist auch für die Differentialdiagnostik in der Psychosomatik wichtig.
serratustot
23.02.2023, 15:15
Kollegen, die in Rehakliniken arbeiten und ich näher kenne, waren bislang auch alle zufrieden und hatten auch genügend Möglichkeiten für Psychotherapie. Auch da ist man mitnichten in jeder Klinik nur der Hausarzt oder staatlich geprüfter Formularausfüller als Arzt. Hier direkt in unserem Einzugsbereich gibt es eine ambulante Reha Klinik, die seit Jahren ein festes Team mit wenig Fluktuationen hat. Da beteiligen die Ärzte sich an der ET und GT genau wie die Therapeuten auch. Alle Patienten haben zudem danach eine gute sozialmedizinische Einschätzung und bekommen auch direkt alles mit auf den Weg, was die Patienten an Unterstützung brauchen. Da weiß ich meine Patienten durchweg gut versorgt. Und ich sehe darin keinen Widerspruch als Behandler eine sozialmedizinische Einschätzung zu treffen. Dann dürfte ich ja auch keine Stellungnahmen fürs Versorgungsamt oder Sozialgericht verfassen.
Danke, das bestätigt meine Gedanken!
Ich war in ner Neuro-Reha und für die Praxis hilft es mir SOOO sehr weiter.
Erwerbsunfähigkeit,allgemeiner Arbeitsmarkt,Arbeitsunfähigkeit, DRV ect ist in der Praxis täglich Brot und vor der Reha hatte ich keinen Plan davon - also los :-)
Ganz genau, ich war nämlich auch in der Neuroreha und kann mir genau das auch vorstellen.
Ist eigentlich eine dauerhafte Tätigkeit als Facharzt (etwa als OA) in einer psychosomatischen Reha denkbar? Oder ist man da fehl am Platz?
Allgemein müsste ich mir jetzt mal überlegen, wie der weitere Weg zum FA sein soll. Einerseits habe ich nur begrenzte Erfahrungen in einem klassischen Akuthaus mit Notfällen usw. (etwas über 1 Jahr), andererseits interessieren mich für die Zukunft erstens rehabilitative bzw. sozialmedizinische Fragestellungen, zweitens ambulante niedergelassene Tätigkeit deutlich mehr, sodass ich davon gerne soviel wie möglich noch lernen würde in der Weiterbildung.
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