Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : TdL Tarifverhandlungen 2023
Qwert1133
05.10.2023, 19:32
Qwert, warum denkst du spricht Botzlar in dieser cringen Pressemitteilung von “Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen an allen Universitätskliniken”, “enge Tuchfühlung mit den Mitgliedern” sowie einen Appell an die Unterstützung von allen? Unter Inkaufnahme Mitarbeitende der Kliniken zu verhöhnen, wo all das nicht stattgefunden hat, wie bei dir und bei mir?
Klingt wahrscheinlich einfach besser :-nix Tja, am Ende haben du und andere wohl Recht - ich weiß auch nicht warum ich mir das versuche schönzureden. Wishful thinking... Realistisch betrachtet sieht der Fahrplan wohl wie folgt aus:
Ende Oktober, November und Dezember jeweils ein zweitägiges Treffen in Berlin mit Buffet um die Meinungen auszutauschen - im Dezember kommt das erste Angebot von 3.x Prozent über 24 Monate + Einmalzahlung. Wir treffen uns dann also Mitte Januar auf einen Glühwein in Frankfurt zum Warnstreik - Ende Januar folgt die 4te Verhandlungsrunde. Mitte Februar steht nach der 5ten Runde der Kompromiss, dem die GTK unter großen Bauchschmerzen zustimmt:
8.5% lineare Entgelderhöhung, 5% Zuschlag auf Dienstformen zu ungünstigen Zeiten und 2500€ gestückelte Einmalzahlung mit einer Laufzeit von 18 Monaten -> Auslaufen Ende 03/25. Obligatorische Mitgliederinfo: Nach den Tarifverhandlungen ist vor den Tarifverhandlungen - wir wollen mit euch weiter intensiv in Kontakt bleiben, für die nächsten Tarifverhandlungen muss mit etwas großem gerechnet werden.
Zu fantasievoll. :D Nen Warnstreik kann ich mir auch noch vorstellen. Ich lag letztes Mal mit meiner Vorhersage, dass sich der Abschluss im damaligen VKA Bereich befinden wird, daneben. Dass man dieses Mal nicht so weit hinter dem VKA Abschluss bleibt, halte ich für wahrscheinlich. Die TdL hat deutlich gespart mit der Einmalzahlung nach komischen Kriterien in Kombination damit, dass es von Oktober 2021 bis jetzt keine lineare Erhöhung gab.
Endoplasmatisches Reticulum
05.10.2023, 21:43
Die TdL hat deutlich gespart mit der Einmalzahlung nach komischen Kriterien in Kombination damit, dass es von Oktober 2021 bis jetzt keine lineare Erhöhung gab.
Das hast du aber ganz falsch verstanden. Die Einmalzahlung war ein großer Schluck aus der Ampulle und entsprach einer linearen Entgelterhöhung von 10 %. Nach diesem satten Zugeständnis müssen die Ärzte bitteschön erstmal kleine Brötchen backen.
Qwert1133
05.10.2023, 23:42
Das hast du aber ganz falsch verstanden. Die Einmalzahlung war ein großer Schluck aus der Ampulle und entsprach einer linearen Entgelterhöhung von 10 %. Nach diesem satten Zugeständnis müssen die Ärzte bitteschön erstmal kleine Brötchen backen.
Als die Einigung bekannt gegeben wurde hatte ich mit einem Mitglied der Verhandlungskommission gesprochen. Damals klang es so, dass der MB die zu dem Zeitpunkt noch zeitlich befristete Möglichkeit der Steuerfreiheit nutzen wollte, um den ausgezahlten Nettobetrag zu maximieren. Die 4500€ Regelung war für Auszahlungen bis zum 31.12.22 befristet, weshalb die TdL darauf hingewiesen hat, dass der Deal nur zustandekommen kann, wenn JETZT die Zahlungen in die Wege geleitet werden. Deshalb wurde auch auf den sonst obligatorischen Warnstreiktag verzichtet und direkt zugestimmt. Auf den sich jetzt anhäufende Reallohnverlust angesprochen meinte er, dass dafür in den kommenden Tarifverhandlungen entsprechend höhere Entgelderhöhungen gefordert werden.
Retrospektiv war das natürlich mal wieder Wunschdenken, die TdL hat genau die 3.15% für diese Periode festgeschrieben und wird einen Verweis auf die zuletzt deutlich subinflationäre Lohnentwicklung beim letzten Abschluss natürlich nicht anerkennen sondern auf die erst jüngst zurückliegende Erhöhung im September verweisen.
Jetzt wo ich drüber nachdenke steht hier (https://www.bundesregierung.de/breg-de/schwerpunkte/entlastung-fuer-deutschland/inflationsausgleichspraemie-2130190) dass bis Ende 2024 bis zu 3000€ steuerfrei ausgezahlt werden können - die haben wir ja bereits erhalten. Da hier explizit nichts davon steht, dass jährlich 3000€ möglich sind - heißt das, dass (steuerfreie) Einmalzahlungen kein Bestandteil des jetzigen Tarifabschlusses sein können?
Bin da nicht so tief drin. Der MB nennt die Einmalzahlung von letzten Mal "Corona-Sonderzahlung" und es gab in den letzten Jahren zig Steuerentlastungen auf Einmalzahlungen. Corona-Bonus, Pflege-Bonus usw. Würde daher nicht ausschließen, dass die letzte Einmalzahlung unter einem anderen Entlastungspaket vereinbart wurde, als diese 3000 € Inflationsausgleichsprämie. In diesem Negativbereich kann man sowieso schwer aufwerten wie z. B. steuerfreie Einmalzahlung ist besser als versteuerte Einmalzahlung. Null bekommen ist auch besser als draufzahlen.
Endoplasmatisches Reticulum
06.10.2023, 16:51
Das ganze Geseier mit dem angeblichen Zeitdruck zur Auszahlungen irgendwelcher kollektiven Schweigegelder ist eine Farce. Arbeitgeber können immer Sonderzahlungen tätigen, bloß die Steuerfreiheit kommt und geht.
Man wälzt das auf die Arbeitnehmer ab als einmalige Chance, mehr netto vom brutto zu bekommen, aber dahinter steht auch wieder nur der Unwille der Arbeitgeber, zur Not mehr Geld in die Hand zu nehmen. Die halbe Einmalzahlung und dafür die doppelte lineare Lohnerhöhung - na? Ist halt eine Feelgood Lie.
So, Verdi hat wie angekündigt die Forderungen veröffentlicht. https://zusammen-geht-mehr.verdi.de/++co++29546a98-6836-11ee-9b39-001a4a16012a
Insgesamt alles bisschen konkreter, viele schlecht vergleichbare Punkte zu uns, so dass ich mir hier ne Auflistung spare außer 10,5 % oder mind. 500 € Erhöhung, 12 Monate Laufzeit. Drei Verhandlungstermine sind angesetzt, 26.10, 2./3.11., 7./8.12. MB-Mitglieder, bekommt ihr mehr News, als ich als wir Nicht-Mitglieder? Irgendwas mal in der MBZ gewesen oder so?
https://www.tdl-online.de/presse/detail/tdl-vorsitzender-dr-andreas-dressel-wir-stehen-vor-einer-aeusserst-schwierigen-tarifrunde Und TdL hat auf die Verdi Ankündigung auch bereits eine Pressemeldung gemacht.
Endoplasmatisches Reticulum
12.10.2023, 08:47
Die Beschäftigten der Länder leisten hervorragende Arbeit. Dafür verdienen sie Wertschätzung, auch in Form von angemessenen Lohnerhöhungen. Aber Lohnerhöhungen müssen dauerhaft finanzierbar sein und das sind die heute geforderten Steigerungen nicht. Die Forderung blendet die dramatische, sich gerade jetzt zuspitzende Haushaltslage vieler Länder leider aus.
Die TdL forderte den MB in den Gesprächen auf, seine aus ihrer Sicht völlig überzogenen linearen Forderungen zu revidieren, um die Inflation nicht weiter anzuheizen. Erwartungsgemäß halten die Arbeitgeber diese Forderung für weidlich unangemessen und ohne Augenmaß. Alle weiteren Forderungen des MB zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen lehnt die Arbeitgeberseite kategorisch ab. Dafür sei nun nicht nur die falsche Zeit, sondern dafür bestehe auch grundsätzlich kein Bedarf. Die spezifischen Belastungen seien bereits durch die bestehenden Regelungen hinreichend abgebildet, weitere Veränderungen nicht notwendig. Überhaupt wüsste man als Arzt und Ärztin bereits beim Einstieg, worauf man sich einließe. Besondere Belastungen gehörten – anders als bei Finanzbeamten (sic!) – schließlich zum Beruf und müssten nicht durch Zuschläge abgegolten werden. Besonders erstaunlich waren die Einlassungen der Arbeitgeber, als sie von den Ärztinnen und Ärzten forderten, sich solidarisch mit jenen zu zeigen, die durch Krieg und Inflation besonders belastet seien. Zwar bestünde eine hohe Wertschätzung gegenüber der Arbeit der Ärztinnen und Ärzte gerade an den Uniklinika, diese könne sich aber, so die wenig verhohlene Drohung, auch öffentlich schnell in Unverständnis wandeln, sollte an den Forderungen festgehalten werden.
Werd Arzt haben sie gesagt. Ärzte genießen Respekt haben sie gesagt.
Hahaha. Was die TdL zu Verdi hinter verschlossenen Türen sagt, wissen wir ja nicht. Verdi argumentiert damit, dass der ÖD unattraktiv für die von Verdi vertretenen Jobs ist und beziffert auch die unbesetzten Stellen genau. So was wurde im ärztlichen Bereich ja nie sauber erhoben und ohne Personalplanungstool ist das auch nicht möglich. Vorteil für Verdi-Jobs ist, dass diese tatsächlich i. d. R. mobiler sind und ihre Karriereziele im ÖD oder woanders erreichen können. Bei uns gibt es Karriereziele, die uns an einer Uni halten.
Cor_magna
12.10.2023, 14:21
Die TdL forderte den MB in den Gesprächen auf, seine aus ihrer Sicht völlig überzogenen linearen Forderungen zu revidieren, um die Inflation nicht weiter anzuheizen. Erwartungsgemäß halten die Arbeitgeber diese Forderung für weidlich unangemessen und ohne Augenmaß. Alle weiteren Forderungen des MB zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen lehnt die Arbeitgeberseite kategorisch ab. Dafür sei nun nicht nur die falsche Zeit, sondern dafür bestehe auch grundsätzlich kein Bedarf. Die spezifischen Belastungen seien bereits durch die bestehenden Regelungen hinreichend abgebildet, weitere Veränderungen nicht notwendig. Überhaupt wüsste man als Arzt und Ärztin bereits beim Einstieg, worauf man sich einließe. Besondere Belastungen gehörten – anders als bei Finanzbeamten (sic!) – schließlich zum Beruf und müssten nicht durch Zuschläge abgegolten werden. Besonders erstaunlich waren die Einlassungen der Arbeitgeber, als sie von den Ärztinnen und Ärzten forderten, sich solidarisch mit jenen zu zeigen, die durch Krieg und Inflation besonders belastet seien. Zwar bestünde eine hohe Wertschätzung gegenüber der Arbeit der Ärztinnen und Ärzte gerade an den Uniklinika, diese könne sich aber, so die wenig verhohlene Drohung, auch öffentlich schnell in Unverständnis wandeln, sollte an den Forderungen festgehalten werden.
Das ist noch vom letzten Jahr oder? Erinnere mich, das letztes Jahr im Sommer auf der MB Seite gelesen zu haben.
Ich finds ehrlicherweise immer wieder amüsant.
"Besondere Belastungen gehörten bei Ärzten – anders als bei Finanzbeamten (sic!) – schließlich zum Beruf und müssten nicht durch Zuschläge abgegolten werden".
Es geht ums Geld, und die wollen sparen. Dafür ist jede Ausrede recht.
Inflation wird natürlich nicht durch Gelddrucken angeheizt, dass zu Trillionen in den Schattenbanken versackt. Es sind die 10% mehr Lohn für Ärzte an der Uniklinik, die das anheizt.
Politiker und Beamte kriegen ihre Inflationsanpassung komischerweise automatisch. Hexerei.
Thomas24
12.10.2023, 20:36
Die Politik hat auch gegenüber den Niedergelassenen mehrfach klargestellt:
1. Es gibt nicht mehr Personal und 2. Es gibt nicht mehr Geld.
Über alles andere kann man gerne reden :-keks
Endoplasmatisches Reticulum
12.10.2023, 21:08
Einfach kaufmännisch durchreichen. Müssen MFAs halt auch mal Solidarität mit Flüchtlingen, den hämorrhagischen Krankenkassen und Landtagspolitikern am Sozialsuppenausschank zeigen. Und natürlich verzichten, um die Lohnspirale runterzudrehen. Ist ja nicht so, als steckte die bei irgendwem anders im Sektkorken.
Wa, wie? Dann arbeitet keiner mehr?
Wird mal Zeit, die Ausbildungsberufe auf 5 Jahre zu verlängern. Ist ja grässlich ...
Cor_magna
12.10.2023, 23:13
Kennt sich jemand mit der aktuellen Gesundheitsökonomielage oder anderen System in anderen Ländern usw. besser aus als ich? Gibt es überhaupt sowas wie einen Punkt an dem alles so schlecht wird(sowohl für Personal oder auch Patienten) , dass man was ändern MUSS? Ich meine man könnte ja sonst die Durststrecke, also bis sich die Demographische Verteilung wieder einigermaßen entspannt hat und es weniger Alte Menschen zu versorgen gibt, einfach aussitzen. Also jetzt 20 Jahre scheiße und dann möglicherweise langsam besser.
Man wird ja kaum einfach die Krankenkassenbeiträge spontan um 20% erhöhen und sich haufenweise fähige Ärzte und Pfleger klonen können.
Kackbratze
13.10.2023, 09:44
Wann entspannt die sich den wieder? Auch wenn die Demographie besser wird, verändert sich ja die Anzahl und Qualität der Einzahler wieder zum Schlechteren.
Endoplasmatisches Reticulum
13.10.2023, 10:06
Richtig. Wir stehen im krassen Misverhältnis aus Brain Drain zu Massenimport nicht- oder bestenfalls geringqualifizierter Arbeitskräfte. Großteils aus Kulturkreisen, die sich in anderen europäischen Ländern bisher im Wesentlichen als Lebenszeitsteuerkoster gezeigt haben.
Davon ab halte ich die Vorstellung für naiv, bei minimaler Entspannung der demographischen Struktur irgendein Durchreichen ans Gesundheitswesen erwarten zu können. Eher wird die Daumenschraube sofort noch enger angezogen, wenn es neue Einsparpotentiale gibt, und das eingesackte Geld noch am selben Tag in anderen schwarzen Löchern versenkt.
Cor_magna
13.10.2023, 11:23
Wann entspannt die sich den wieder? Auch wenn die Demographie besser wird, verändert sich ja die Anzahl und Qualität der Einzahler wieder zum Schlechteren.
Nun ja, ein Blick auf die Bevölkerungspyramide zeigt ja, dass sich die aktuelle Urnenform in Zukunft dann eher Richtung Glockenform entwicklen wird. Babyboomer sterben, Geburtenrate bleibt konstant bzw die letzten jahre tendenziell leicht steigend. Damit wieder mehr arbeitende junge Bevölkerung gegenüber relativ gesehen weniger Alten. Wobei man natürlich sagen muss, dass die sehr alten Menschen im Vergleich zu heute natürlich deutlich mehr werden, also 80+....
Siehe hier:
https://service.destatis.de/bevoelkerungspyramide/index.html#!y=2070
Endoplasmatisches Reticulum
13.10.2023, 12:27
Du sagst es selbst:
33577
Ich habe jetzt nicht die Muße, die AUCs auszumessen. Aber man sieht mit bloßem Auge, dass sich das Fehlverhältnis sowohl Arbeitender zu Rentnern als auch Steuereinzahler zu Steuerbeziehern in den nächsten 50 Jahren weiter verschärfen wird, nicht entspannen. Und die zunehmende Komplexität der Gesundheitsversorgung ist da noch gar nicht mit eingerechnet. (Die Abszissen sind gleich skaliert.)
Entspannung im Gesundheitswesen zu unserer Lebzeit ohne aktive Gesundheitsreform und massiven Gelderzustrom? Toi, toi, toi.
Qwert1133
13.10.2023, 21:18
Davon ab halte ich die Vorstellung für naiv, bei minimaler Entspannung der demographischen Struktur irgendein Durchreichen ans Gesundheitswesen erwarten zu können. Eher wird die Daumenschraube sofort noch enger angezogen, wenn es neue Einsparpotentiale gibt, und das eingesackte Geld noch am selben Tag in anderen schwarzen Löchern versenkt.
Ja, ja und nochmal ja! Sollte wirklich jemals ein Überschuss in den Kassen sein, damit Ärzten damit Mitarbeiterbenefits geboten werden können, die selber in Ausbildungsberufen in der Wirtschaft der absolute Standard sind, werden im nächsten Jahr die KK Beiträge gesenkt damit wieder eine Mangelverwaltung besteht - wie soll sonst Effizienz und Kosteneinsparung durchgedrückt werden, wenn nicht durch eine ökonomische Zwangslage?
Darauf zu warten dass es sich irgendwann von alleine regelt ist vollkommen naiv. Wir können uns nur selbst helfen. Btw, Gruß aus dem Zug auf dem Rückweg vom selbstbezahlten Kongress (erster dieses Jahr), auf dem ich aktiv meine Forschungsprojekte vorgestellt habe. Ich habe mich sogar schon dabei erwischt bei meinen nicht-ärztlichen Freunden über die Kostenübernahme zu lügen, weil mir das so dermaßen peinlich ist. Aber hey, Montag gehts wieder auf zur nächsten 50h Woche im Schichtdienst. Ich kann das bald nicht mehr vor mir rechtfertigen was ich hier tue -.-
Ein jährliches Fortbildungsbudget xxxx€ wäre auch mal eine feine Idee für einen Streik, bei dem der Kuschel-MB auch darauf verweisen kann dass die Ärzte einfach besser ausgebildet werden wollen. Aber vermutlich kommt das dann im Ausgleich zu einer saftigen Nullrunde über 36 Monate.
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