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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigen- oder Fremdgefährdung? Der Psychiatertreffpunkt



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erdbeertoertchen
16.05.2019, 17:55
Ich hatte beides Gruppe, allerdings unterschiedliche Gruppen und 10 Std Einzeln. Für eine Stunde Einzelselbsterfahrung sollte man mindestens mit 80€ rechnen.

Herbstblume90
16.05.2019, 21:37
Und ich fürchte, dass das als Teilzeit arbeitende Mama meinen Rahmen sprengen wird... obwohl ich es eigentlich gut fände. Die Gruppen auf Station finde ich immer irgendwie schwierig... ist das prinzipiell ähnlich?

jijichu
16.05.2019, 22:05
Kommt stark auch auf den Leiter der Gruppe an. Meine war echt gut, ich schick Dir spätestens morgen dazu mal eine PN

Herbstblume90
17.05.2019, 04:12
Sehr gerne!

Miri_Ka
17.05.2019, 16:41
Mal eine andere Frage zum Thema PsychKG mit folgendem fiktivem Szenario: Pat. wird desorientiert eingeliefert mit RTW und PsychKG, Richter kommt am nächsten Tag, spricht mit Pat., sieht keine Eigengefährdung, hebt den Beschluss auf. Pat. will auch nicht freiwillig bleiben, wird also vom Arzt entlassen mit Brief, alles ist so dokumentiert. Pat. geht nach Hause, läuft unterwegs desorientiert vor einen Bus (oder so) und wird verletzt. Haftet dann der Richter oder wer oder niemand? Bin ich als Arzt dann da raus rechtlich? Ethisch ist es ja nochmal eine andere Frage...

WackenDoc
17.05.2019, 16:53
Zwischen desorientiert/nicht in der Lage am normalen Straßenverkehr teilzunehmen (dazu gehören auch Fussgänger) und Eigengefährdung ist ja nochmal ein Unterschied. Wenn jemand so desorientiert ist, dass er vor nen Bus läuft, wird der Richter wohl auch nicht seinen Segen geben.

"Dran" ist im Zweifel sogar gar niemand. Wie immer ist eine sehr ausführliche Dokumentation wichtig. Je strittiger irgendwelche Entscheidungen, umso detaillierter.

throni
18.05.2019, 13:26
Wenn Du einen Unterbringungsantrag stellst und der Richter genehmigt diesen nicht, bist Du aus der Verantwortung raus. In dem Moment wäre ja eine weitere Zurückhaltung des Patienten Freiheitsberaubung. Außer, es hat sich zwischen Anhörung und Entlassung des Patientin nochmal irgendwas grundlegendes verändert am klinischen Zustandsbild.

WackenDoc
18.05.2019, 13:45
Der Knackpunkt ist ja meist nicht Orientierungslosigkeit, sondern Einsichtsfähigkeit und das Ausmaß der Selbstgefährdung.

Wir hatten in der Stadt ne Weile eine Dame, die auch bei kalten Temperaturen barfuß und nur mit Rock und Poloshirt bekleidet durch die Gegend gezogen ist. Hat irgendwas von Jesus erzählt (evtl. religiöser Wahn). Einige besorgte Mitmenschen haben den RD gerufen, aber die konnten nicht viel machen. Letztendlich wurde der Kontaktbeamte der Polizei los geschickt. Ein Problem war nämlich, dass durch die Aktion der Notruf blockiert war. Machen konnte man nichts. Begründung: sie merkt ja, dass es kalt ist und geht deswegen immer wieder in die Geschäfte um sich etwas zu wärmen. Ist ein freies Land und wenn sie so durch die Gegend laufen will, kann sie das gerne tun. Sie stand wohl auch schon öfter vorm Betreuungsrichter und der hat entschieden, dass das ausmaß der Selbstgefährdung nicht ausreicht für ne Einweisung. Später hat sie wohl immer wieder bei Leuten geklingelt und sie belästigt und dann ist sie irgendwie verschwunden.

Dafür hab ich eine Einweisung durch bekommen bei einer älteren Dame im Altersheim, die nicht verstanden hat, warum sie ihre Medikamente gegen Herzinsuffizienz nehmen soll. Also schlichtweg den Zusammenhang zwischen der zunehmenden Dyspnoe und der erforderlichen Medikamenteneinnahme nicht verstanden. Das blöde war, dass sie noch nicht soo dyspnoeisch war, dass eine akute Gefahr für Leib und Leben gegeben war, für wildes Rumzetern hat´s noch gereicht. Und die Pflege halt am Ende mit ihren Nerven. Betreuer am WE natürlich nicht erreichbar. Der Richter hat´s dann abgesegnet. Die aufnehmende Klinik war dann total begeistert. Man kann nämlich nach PsychKG nur in geschlossene psychiatrische Einrichtungen einweisen, nicht auf internistische Stationen (zumindest in dem Bundesland).

WackenDoc
18.05.2019, 13:47
Achso- in dem Fall mit der Desorientierung bleibt zu hoffen, dass es im Zweifel Passanten auffällt, bevor derjenige vor den Bus läuft und die den Notruf wählen. Dann hat man neue Anhaltspunkte und muss den Richter neu entscheiden lassen.

ninakatharina
19.05.2019, 10:10
Hallo liebe psychiatrische Kollegen, hat von euch/ eurem Bekanntenkreis jemand Erfahrungen mit außerklinischer/"patientenferner Tätigkeit? Ich frage für einen Facharzt, der sehr engagiert, aber auch müde ist von seiner Tätigkeit in der Akutpsychiatrie ist und gerade nach Alternativen schaut.

rafiki
19.05.2019, 12:21
Hallo liebe psychiatrische Kollegen, hat von euch/ eurem Bekanntenkreis jemand Erfahrungen mit außerklinischer/"patientenferner Tätigkeit? Ich frage für einen Facharzt, der sehr engagiert, aber auch müde ist von seiner Tätigkeit in der Akutpsychiatrie ist und gerade nach Alternativen schaut.

Das sind ja eigentlich zwei verschiedene Fragen. Außerhalb der Akutpsychiatrie gibt es ja sehr viele Möglichkeiten der klinischen Tätigkeit im Fachgebiet.

Wenn es außerklinisch sein soll, dann a. e. Gutachtentätigkeit, z. B. DRV, MDK oder private Gesellschaften, oder auch Gesundheitsämter.

WackenDoc
19.05.2019, 12:32
Gesundheitsämter brauchen gute Psychiater als Amtsärzte.

Was sich auch anbietet- zusammen mit einer Weiterbildung "Organisationspsychologie" in die Unternehmensberatung/Betriebsmedizin. Als Arzt könnte man das gut kombinieren.

ninakatharina
19.05.2019, 12:50
Lieben Dank schon einmal für eure Antworten!


Das sind ja eigentlich zwei verschiedene Fragen.



Es war ungünstig formuliert, sorry. Ich meinte Patientenfern. Dass es außer Akutpsychiatrie noch andere Möglichkeiten in der Klinik und in der Patientenversorgung gibt, ist eh klar.

Reflex
19.05.2019, 15:59
https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&wo=17&typ=16&aid=207288&s=Antidepressiva

Nette Übersichtsarbeit bzgl. Absetzphänomen bei Antidepressiva

MVP_Rose
21.06.2019, 21:49
Hallo ihr Lieben,
ich hatte heute 2 Vorstellungsgespräche (kommunal jeweils) in einer Stadt in die ich unbedingt hinziehen will und muss ;)

a) kleineres Haus mit Diagnose-spezifischen Stationen, überwiegend elektive Aufnahmen, in den Diensten (4-5x) müssen die angeschlossenen Wohnheime und die KJP mitbetreut werden. Wohl keine oder nur teilweise Bezahlung der PT-Ausbildung, bin mir nicht ganz sicher. Keine Zusage für ne Stelle, die brauchen früher jemanden als ich zur Verfügung stehen kann, deswegen wohl eher unwahrscheinlich.

b) großes Haus mit fast 280 Betten, Abteilung Allgemeinpsychiatrie mit 120 Betten. Auch hier Diagnose-spezifisch. Laut OAs der Klinik a) wohl sehr anstrengende Dienste (3-4x). Bei den 24h Diensten kommt man wohl morgens, geht mittags wieder, kommt dann um 5. Von 5 bis 8 abends ist ein zweiter Kollege da, den Rest ist man alleine. Man betreut das gesamte Haus, da frag ich mich ernsthaft wie das gehen soll ohne sich selbst zu teilen? Hat man dann 3 Telefone? Und was dann noch finanziell vom Dienst übrig bleibt, wenn man mittags für ein paar Stunden weggehen darf? Das Einzugsgebiet umfasst so 330.000 Menschen, teilt man sich wohl mit der Uni. Achja: PT-Ausbildung wird vollständig bezahlt. Der Chef ist sehr nett und die Abteilung soll auch nett sein, ersterer geht zum Jahresende aber. Ich hab das Gefühl, dass ich hier viel lernen kann, würde aber auch ne ruhigere Kugel schieben. Plan wäre 80% Teilzeit, was wohl auch ginge.

Was meint ihr? V.a. das mit den Diensten in Klinik b) würde mich interessieren. Arbeitet ihr zufällig in ähnlich großen Kliniken und könnt mir dazu ne Einschätzung geben?

rafiki
22.06.2019, 06:04
Man betreut das gesamte Haus, da frag ich mich ernsthaft wie das gehen soll ohne sich selbst zu teilen?

In meiner Assistentenzeit habe ich zeitweise ein 400-Betten-Haus plus angeschlossene Wohnheime allein betreut. Ist möglich, wenn man jung, gut strukturiert und hochmotiviert ist.

Kaas
22.06.2019, 13:40
Arbeite in einem ähnlich großen Haus in der Psychiatrie. Wir haben zwei Dienstärzte und ein Dienstsystem mit Spät- und Nachtdienst. Unser Haus alleine für 24 Stunden abzudecken wäre schlicht die Hölle bzw. oft überhaupt nicht machbar.

MVP_Rose
22.06.2019, 14:42
In meiner Assistentenzeit habe ich zeitweise ein 400-Betten-Haus plus angeschlossene Wohnheime allein betreut. Ist möglich, wenn man jung, gut strukturiert und hochmotiviert ist.

Hm, okay. Ich glaub irgendwo gibts auch Grenzen. Mehrere RTWs gleichzeitig mit Polizei, angespannter Pat. auf Station, Anrufe von extern, Pat. mit nächtlichem Entlasswunsch.. so kanns bei uns laufen, und das bei 70 stat. Betten (mit 50 teilstat.). Kann es mir noch nicht vorstellen, insbesondere wenn dann 8-12 Aufnahmen eintrudeln. Ein ambulanter Kontakt allein kostet ja schon mindestens eine halbe Stunde.

MVP_Rose
22.06.2019, 14:48
Nachtrag: also ich könnte mir das nur vorstellen, wenn man die Aufnahmen quasi schnell abfertigt. Heißt: Kurzes Aufnahmegespräch, Rechtsgrundlage festlegen, Zielstation finden und Pat. hochschicken. Blutentnahme etc durch die Pflege, körperliche Untersuchung allenfalls grob, Medis anordnen und der nächste.

Anne1970
23.06.2019, 08:22
Was soll im Dienst denn auch sonst laufen? Ausführliche Gespräche?