Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigen- oder Fremdgefährdung? Der Psychiatertreffpunkt
Wie teuer ist es wirklich im Vergleich zu "Eigenschaften die deiner täglichen Arbeit in Weg stehen"...
MVP_Rose
30.08.2020, 08:18
Mach einfach ne Therapie über die Kasse. Ich war in der gleichen Situation und habe mich für die offizielle Variante entschieden. Du kannst deine Befürchtungen auch offen thematisieren, es ist ja nicht so, als wären Psychotherapeuten weniger von psychischen Erkrankungen betroffen als die Normalbevölkerung. Alles Gute dir!
Nulllinie
30.08.2020, 09:45
Ich würd´s davon abhängig machen worum es geht und wie die Umstände sich gestalten. Für die Therapie spricht: Kostengünstig für dich, aber mit F-Diagnose versehen. Das heißt, wenn du in näherer Zukunft (5-10 Jahre) in eine Privatversicherung willst oder eine BU-Versicherung abschließen möchtest, wär ich vorsichtig (In Deutschland ist man da bisher nicht wirklich offen). Für die Selbsterfahrung spricht: Sie wird niergens in deinen medizinischen Unterlagen dokumentiert und du kannst sie im Lebenslauf anführen ala "ich habe an mir gearbeitet und wollte über das gängige Kompendium hinaus Erfahrungen sammeln und mich verbessern".
Kannst also letztenendes nur du entscheiden ;)
Nulllinie
30.08.2020, 09:47
Hallo, kann einer von euch Erfahrungen bzgl. der Arbeitsbedingungen in Vitos Kliniken in Hessen mit mir teilen? Vielleicht arbeitet jemand von euch in einer Vitos Klinik, hat da mal gearbeitet oder kennt jemanden? Würde mir sehr helfen bzgl. anstehendem Jobwechsel. Meldet euch gerne auch per privater Nachricht. Danke schonmal.
Gab es denn Erfahrungen? Wäre ebenfalls interessiert :-)
MissUmbrella
03.09.2020, 04:46
........
Hallo!
Im Rahmen meiner Verhaltenstherapieausbildung wird die Selbsterfahrung als Gruppenselbsterfahrung absolviert. Das finde ich auch prima soweit. Nun ist es aber so, dass diese in Blöcken abgehalten wird und eher etwas "schmalspurmäßig" imponiert. Ich habe aber bestimmte Eigenschaften im zwischenmenschlichen Kontakt, die mir bei meiner täglichen Arbeit oftmals im Weg stehen und die ich gerne im Rahmen einer Einzelselbsterfahrung bearbeiten wollen würde. So wie es aussieht müsste das dann über eine "normale" ambulante Psychotherapie laufen. Eine psychiatrische Diagnose habe ich allerdings (ich denke zurecht) nicht und möchte ich mir auch nicht diagnostizieren lassen. Dann wäre der einzige andere Weg ja eine Psychotherapie als Selbstzahler, oder? Das erscheint mit aber recht teuer. Hat jemand vielleicht noch Ideen?
Hast du bei den Lehrtherapeuten deiner Gruppenselbsterfahrung mal nachgefragt?
Manche bieten zusätzliche Einzelselbsterfahrung parallel/im Anschluss an.
Hätte den Vorteil, dass sie dich aus der Gruppe schon kennen und du nicht mit einem neuen Therapeuten wieder "ganz von vorne" beginnen müsstest.
Hallo!
Im Rahmen meiner Verhaltenstherapieausbildung wird die Selbsterfahrung als Gruppenselbsterfahrung absolviert. Das finde ich auch prima soweit. Nun ist es aber so, dass diese in Blöcken abgehalten wird und eher etwas "schmalspurmäßig" imponiert. Ich habe aber bestimmte Eigenschaften im zwischenmenschlichen Kontakt, die mir bei meiner täglichen Arbeit oftmals im Weg stehen und die ich gerne im Rahmen einer Einzelselbsterfahrung bearbeiten wollen würde. So wie es aussieht müsste das dann über eine "normale" ambulante Psychotherapie laufen. Eine psychiatrische Diagnose habe ich allerdings (ich denke zurecht) nicht und möchte ich mir auch nicht diagnostizieren lassen. Dann wäre der einzige andere Weg ja eine Psychotherapie als Selbstzahler, oder? Das erscheint mit aber recht teuer. Hat jemand vielleicht noch Ideen?
Hast du mal direkt bei den Lehrtherapeuten deiner bisherigen Gruppenselbsterfahrung nachgefragt?
Manche bieten parallel bzw. im Anschluss an die Gruppenselbsterfahrung auch noch Einzelsitzungen an.
Hätte den Vorteil, dass sie dich aus der Gruppe auch schon kennen und man nicht "alles von vorn" im Einzel beginnen muss, was dann wieder zeit- und kostenintensiv wird.
SarahJulia90
07.09.2020, 09:28
Hast du mal direkt bei den Lehrtherapeuten deiner bisherigen Gruppenselbsterfahrung nachgefragt?
Manche bieten parallel bzw. im Anschluss an die Gruppenselbsterfahrung auch noch Einzelsitzungen an.
Hätte den Vorteil, dass sie dich aus der Gruppe auch schon kennen und man nicht "alles von vorn" im Einzel beginnen muss, was dann wieder zeit- und kostenintensiv wird.
Das ist ein guter Tipp. Werde ich mal machen!
Ist zugegebenermaßen eine konstruierte Frage, aber egal:
Wie würdet ihr einen akuten Erregungszustand bei einem Patienten mit Myasthenia gravis behandeln?
Am besten mit Reizabschirmung und Talking Down :-oopss
Alles was atemdepressiv oder anticholinerg wirkt, ist damit ja eigentlich raus. Bei einer reinen okulären Myasthenie würde ich mich vielleicht noch trauen vorsichtig Haldol oral oder Mirtazapin SMT (off-Label) unter Monitoring zu geben, was von den Rezeptoraffinitäten und Nebenwirkungen mir vielleicht noch am vertretbarsten erscheint. Aber da ist der rein sedierende Effekt eher mäßig. Bei einer generalisierten Myasthenie oder gar myasthenen Krise (wo wahrscheinlich eh schon die CO2 Narkose einen sedierenden Effekt hat) wäre ich sehr sehr zurückhaltend.
Warum fragst Du denn?
Colourful
13.09.2020, 09:07
Im akuten Notfall eben nur mit Fixierung und wenn medikamentös nötig, dann in der Monitorüberwachung?
Ich würde aber vorher noch mal etwas unretardiertes Quetiapin versuchen, wenn nicht generalisiert. Wirkt aber auch nur mäßig. Und in einem Dienst würde ich (im Notall) fixieren und auf Intensiv verlegen und da etwas Haldol oral geben.
Ansonsten erstmal alles, was nicht medikamentös ist. Da ist alles off label und kontraindiziert. Aber was willst du tun?
Quetiapin hat eine geringe dosisabhängige anticholinerge Wirkung. Da wäre ich vermutlich auch eher zurückhaltend mit. Melperon könnte man auch noch diskutieren. Aber da weiß ich nicht wie weit man auf den Alpha1 Rezeptor Effekt achten sollte.
Colourful
13.09.2020, 09:18
Kommt darauf an wie der Erregungszustand so ist, so richtig gut wirkt Melperon eben auch nicht. Und ich hatte so an 25mg (12,5?) unretardiertes Quetiapin gedacht, aber schön ist das alles nicht.
@Reflex - das weiß ich natürlich auch, aber das ist wohl so eine Situation für die es keine gute Lösung gibt.
Ich finde die Frage aber spannend. Der erste Impuls ist ja: am besten nichts medikamentöses.
Dafür hab ich auch leider schon einige Patienten in der Neurologie gesehen, wo unreflektiertes Geben von Medikamenten völlig schief gegangen ist. Aber außer Tabellen was man auf gar keinen Fall geben darf, gibt es wenig alternative Vorschläge.
Melperon ist nur der rein sedierende Effekt meist besser als beim Haldol.
Die Frage ist wie gesagt konstruiert - hatte zum Glück noch nie so einen Patienten :-)) Aber nachdem ich mich vor kurzem mit ein paar Kollegen bzgl. Antipsychotika bei Parkinson ausgetauscht habe, kam mir dann als noch schwereres Problem Sedierung bei Myasthenia gravis in den Sinn...
Relaxometrie
13.09.2020, 10:06
Antipsychotika bei Parkinson
Das ist einfach. Da darf man Quetiapin geben. Aber soweit wart Ihr in Eurem Gesrpäch bestimmt auch schon :-))
Deine Ursprungsfrage ich aber sehr spannend und man merkt wieder, dass man die Rezeptorenprofile besser nochmal lernen/ wiederholen sollte.
Colourful
13.09.2020, 10:10
Ich habe bei Parkinson die bessere Erfahrung mit Clozapin gemacht - ist natürlich aufwendiger, aber die Ergebnisse und Patientenzufriedenheit sind meist etwas besser. Und ja, natürlich niedrig dosiert.
Und ja, Rezeptorprofile sind wichtig, aber ich mag Psychopharmakotherapie auch echt ganz gern.
vanilleeis
13.09.2020, 10:49
gelöscht
Colourful
13.09.2020, 10:56
Na ja, also ich (?!) mache das nur bei Menschen, wo die Compliance sichergestellt ist. Das kann auch unterschiedlich sein, ich habe schon ein paar junge Patienten gesehen, die krankheitseinsichtig und verständig genug waren, um dann selbst auf die regelmäßige Kontrollen und Einnahme achten konnten. (Das war dann so: "Frau Colour, dann und dann habe ich wieder meine Blutbildkontrolle, das stimmt doch, oder?")
Oder eben Menschen, die im Heim leben, wo dann die Betreuer darauf achten und auch Menschen, wo die Angehörigen darauf achten können und das auch machen. (Das ist ja meist bei Parkinsonpatienten so, da achten dann klassischerweise die Ehefrau oder die Töchter/Schwiegertöchter darauf.)
Wenn das nicht sichergestellt wird, dann gibt es halt kein Clozapin.
Ich bin ja auch Fan von Depotmedikation. Da muss man dann die Menschen nur dazu bekommen, dass sie regelmäßig kommen.
P.S.
Befinde mich gerade in einer Sinnkrise, weil ich immer das Gefühl habe, dass Psychiatrie gar keine richtige Medizin und man dazu kaum etwas wissen muss. Wenn ich jetzt aber so lese, was ich alles so mal eben aus dem FF weiß und kann, dann stimmt das wahrscheinlich nicht.
Stichwort Clozapin: Wie geht ihr damit um, wenn Clozapin bei Psychose eigentlich angebracht wäre (mehrere fehlgeschlagene Medikationsversuche mit Atypika), der Patient aber krankheits- oder konstitutionsbedingt absolut nicht compliant ist? Im Erwachsenenbereich ist es doch sicher häufig so, dass die regelmäßigen BB-Kontrollen eher nicht sicher gewährleistet sind oder?
Kontraindikation für Clozapin oder seht ihr die Verantwortung beim Betreuer?
Das Problem hatten wir letztens noch bei einem F20.0 mit Incompliance und mutiplem Substanzkonsum in der Vorgeschichte. Der war in der Klinik und wurde auf Clozapin eingestellt (vordergründig macht der im Kontakt einen völlig angepassten Eindruck) und hat dann ambulant trotz Pflegedienst mal eben so das Doppelte der verordneten Dosis von jetzt auf gleich eingenommen. Wir haben den dann auch gleich ganz schnell wieder auf sein vorheriges Depot eingestellt, weil uns das zu heiß war.
Compliance muss bei Clozapin schon sicher gestellt sein. Der Betreuer kann da auch oft nur marginal drauf Einfluss nehmen.
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