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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigen- oder Fremdgefährdung? Der Psychiatertreffpunkt



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vanilleeis
16.12.2020, 15:32
Der Beginn auf Akut ist nicht ungewöhnlich, so wirst du schnell dienstfit und bei der Besetzung der Dienste haben alle psychiatrischen Abteilungen, die ich kenne, ein Problem :-)
In Bezug auf diagnostische Kriterien wäre ich entspannt. Wndgültige Diagnosen werden bei uns erst zum Behandlungsende festgezurrt, alles vorher sind Arbeitshypothesen. Was du dir anschauen solltest, wären die jeweiligen Regelungen zum Psych-KG und ein bisschen. Betreuungsrecht in eurem Bundesland. Viel Erfolg!

davo
17.12.2020, 17:46
Auf einer Akutstation / einer geschlossenen Station anzufangen ist der Normalfall. In Deutschland, in Österreich, in der Schweiz, in England, in den USA.

Und das mit den detaillierten Diagnosekriterien ist tatsächlich sekundär. Oder tertiär. Viel wichtiger ist, dass du bei den Aufnahmen auf ganz einfache Dinge achtet. Zum Beispiel, dass du die Telefonnummern von Angehörigen, Betreuer, usw. notierst. Dass du sorgfältig dokumentierst, wer die Rettung gerufen hat, wer veranlasst hat, dass der Patient ins Krankenhaus kommt, ob die Polizei dabei involviert war, ob es im Vorfeld der Aufnahme selbst- und/oder fremdgefährdende Momente gab, wie der Patient ins Krankenhaus kam, ob es während des Transports Probleme gab, wie der psychopathologische Befund zum Aufnahmezeitpunkt war. (Dafür ist es sinnvoll, sich durchzulesen, welche Fragen man für die einzelnen Bestandteile stellen kann. Ein wirklich hervorragendes Buch, das ganz genau schildert, wie Patienten sind, die dieses oder jenes Symptom haben, was sie sagen, was du fragen kannst und sollst, ist "Allgemeine Psychopathologie" von Scharfetter.) Dass du auf Gefährdung achtest, und das auch sorgfältig dokumentierst. Dass du bei jeder Psychose einen Drogenschnelltest und einen Alkoholtest machst. Dass du das Procedere kennst, wenn ein Patient entweicht. Dass du, vor allem bei deliranten, dementen oder psychotischen Patienten, eine Außenanamnese erhebst. Dass du, vor allem bei Patienten mit psychotischer Störung, bipolarer Störung und Borderline-Persönlichkeitsstörung, eine Familienanamnese erhebst. Dass du diagnostisch wichtige Aspekte abfragst, z.B. ob ein depressiver Patient schon einmal eine manische Episode hatte, ob ein psychotischer Patient imperative Stimmen hört, was diese sagen, ob er Ich-Störungen hat, etc.

Sehr viele Angststörungen wirst du in der Akutpsychiatrie nicht sehen, bis auf gelegentliche Panikattacken. Auch Depression wirst du weniger oft haben als du glaubst. Wichtiger für die akute stationäre Behandlung sind Psychosen, Manien, Delir, Alkoholintoxikation, Drogenintoxikation und Borderline-Persönlichkeitsstörung. Oder, allgemeiner, akute Erregungszustände.

Ja, in der Praxis oder auf einer, wie es so schön heißt, "Therapiestation", ist das anders. Aber das kommt dann sinnvollerweise später.

agouti_lilac
20.12.2020, 18:31
Ich hab bis jetzt 3,5 Monate als Arzt in der Akutpsychiatrie gearbeitet (plus einen Monat in der akuten Gerontopsychiatrie).
Sag mal, ich habe dich jetzt in der Allgemeinchirurgie verortet oder liege ich da völlg falsch?

In meiner LÄK wurde jetzt der Quereinstieg zum FA für Öffentliches Gesundheitswesen beschlossen. Man müsste u. A. nur noch 1 Monat Psychatrie nachweisen. Schon verlockend... .

davo
20.12.2020, 23:29
Ich hab in Österreich angefangen, deshalb zunächst einmal die dort verpflichtende Basisausbildung (die man für Allgemeinmedizin und auch für jeden Facharzt braucht, außer für Anatomie) gemacht. Und im Rahmen derer am Anfang ACH/VCH, dann Innere. Stimmt also schon, aber es war nie mein Ziel, auf Dauer ACH/VCH zu machen :-))

agouti_lilac
21.12.2020, 04:34
Ah, danke. :-)

ehem-user-12-02-2021-1343
21.01.2021, 21:21
Hallo, ich wollte mal fragen, ob ihr wisst, ob das verpflichtende Neurojahr unbedingt stationär abgeleistet werden muss. Es steht in der WBO dass 2 Jahre stationär und 2 Jahre ambulant abgeleistet werden können. Ob auch das Neujahr zwingend stationär ist, habe ich nicht gefunden. Und wenn stationär, dann evtl. Rehaklinik?

jijichu
21.01.2021, 21:25
Man kann das Neurojahr auch ambulant machen, derjenige muss halt die Neuro-Weiterbildungsbefugnis haben. Reha Klinik ist auch kein Problem, zumindest war das so nach der alten WBO. Wenn Du Zweifel hast, eine kurze E-Mail an Deine Kammer schicken (dann hast Du eine schriftliche Antwort)

ehem-user-12-02-2021-1343
21.01.2021, 21:33
Man kann das Neurojahr auch ambulant machen, derjenige muss halt die Neuro-Weiterbildungsbefugnis haben. Reha Klinik ist auch kein Problem, zumindest war das so nach der alten WBO. Wenn Du Zweifel hast, eine kurze E-Mail an Deine Kammer schicken (dann hast Du eine schriftliche Antwort)

Vielen Dank! Mich schrecken die Arbeitsbedingungen in der Akutneurologie die ich erlebt habe schon ziemlich ab. Reha sollte besser sein

Schockraum und extrem zeitkritische neurologische Notfälle und die I sind nicht meins, das traue ich mir nicht wirklich zu

Reflex
22.01.2021, 13:45
Einen Weiterbildungsassistenten ohne neurologische Vorerfahrung wird man vermutlich nicht in einer Praxis einstellen wollen, weil der gar nicht selbstständig arbeiten kann ohne klinische Erfahrung.

ehem-user-12-02-2021-1343
22.01.2021, 17:46
Einen Weiterbildungsassistenten ohne neurologische Vorerfahrung wird man vermutlich nicht in einer Praxis einstellen wollen, weil der gar nicht selbstständig arbeiten kann ohne klinische Erfahrung.

Aber in einer Rehaklinik ginge das doch mit dem Neurojahr. Schockraum möchte ich einfach aus persönlichen Gründen nicht machen und die Leute im Fremdjahr werden doch in den Diensten genau so eingesetzt, wie die Euro-Assis? Also auch Schockraum, Strake etc

jijichu
22.01.2021, 17:53
Aber in einer Rehaklinik ginge das doch mit dem Neurojahr. Schockraum möchte ich einfach aus persönlichen Gründen nicht machen und die Leute im Fremdjahr werden doch in den Diensten genau so eingesetzt, wie die Euro-Assis? Also auch Schockraum, Strake etc

Ja, Reha Klinik geht gut als Psychiater imho.
Ich hab halb-halb gemacht, aus diversen Gründen hatte ich nur 6 Monate in der Akut-Neuro gemacht (rückblickend glaube ich, dass ich auch die anderen 6 Monate hin bekommen hätte) und 6 Monate in der Reha. In meinen 6 Monaten im Akuthaus war ich (auch auf eigenen Wunsch) viel auf der Stroke, ich hab keinen einzigen Fuß in den Schockraum gehabt (auch nicht im Dienst), dass war in meiner Klinik anders geregelt

Anne1970
22.01.2021, 18:55
Vielen Dank! Mich schrecken die Arbeitsbedingungen in der Akutneurologie die ich erlebt habe schon ziemlich ab. Reha sollte besser sein

Schockraum und extrem zeitkritische neurologische Notfälle und die I sind nicht meins, das traue ich mir nicht wirklich zu
In einer guten neurologischen Abteilung wird es eine vernünftige Einarbeitung geben und eine Einteilung in Dienste wird den Fähigkeiten entsprechend erfolgen.

ehem-user-12-02-2021-1343
23.01.2021, 03:20
In meinen 6 Monaten im Akuthaus war ich (auch auf eigenen Wunsch) viel auf der Stroke, ich hab keinen einzigen Fuß in den Schockraum gehabt (auch nicht im Dienst), dass war in meiner Klinik anders geregelt

Nur mal aus Interesse: Wenn man in einem Akuthaus ist, hat man ja u.U. in manchen Häusern auch die Intensivstation zu betreuen. Die Neurologen haben ja 6 Monate Intensivpflicht. Wenn ein Psychiatrie-Assi im Dienst in der Neuro auch für die Intensivstation zuständig ist, finde ich das schwierig, weil ihm ja die wertvolle Intensivzeit fehlt. Oder sitzt da noch ein erfahrener Assi? Wie gesagt, mich betrifft das noch nicht, mich interessiert es nur, wie das gehandhabt wird. In meinen Augen sollte ein Intensiv-Asse schon erfahrener sein und nicht 2 Wochen nach Examen in die Intensiv beordert werden, was ja durchaus vorkommen soll.

Reflex
23.01.2021, 08:17
Nur in wirklich großen neurologischen Kliniken gibt es komplett eigene neurologische Intensivstationen, ansonsten sind die meisten interdisziplinär oder unter Führung der Anästhesie. Und in keiner guten neurologischen Klinik wird man weder auf der Stroke Unit noch auf einer Intensivstation Anfänger ohne jegliche Erfahrung und Einarbeitung alleine arbeiten lassen. Übrigens gibt es in neurologischen Rehakliniken auch Beatmungsplätze. Und akutmedizinische Erfahrung ist auch für die Psychiatrie sinnvoll, weil man dann auch bei somatischen Notfällen mit der Erfahrung eloquenter reagiert und uns Situationen auch besser einschätzen kann. So ganz sollte man sich nicht davor drücken...

jijichu
23.01.2021, 09:04
Nur mal aus Interesse: Wenn man in einem Akuthaus ist, hat man ja u.U. in manchen Häusern auch die Intensivstation zu betreuen. Die Neurologen haben ja 6 Monate Intensivpflicht. Wenn ein Psychiatrie-Assi im Dienst in der Neuro auch für die Intensivstation zuständig ist, finde ich das schwierig, weil ihm ja die wertvolle Intensivzeit fehlt. Oder sitzt da noch ein erfahrener Assi? Wie gesagt, mich betrifft das noch nicht, mich interessiert es nur, wie das gehandhabt wird. In meinen Augen sollte ein Intensiv-Asse schon erfahrener sein und nicht 2 Wochen nach Examen in die Intensiv beordert werden, was ja durchaus vorkommen soll.

Die Intensivstation war in meinem damaligen Haus immer separat besetzt (feste Rotation der Neuros), wobei ein großer Teil der Patienten neugochirurgisch war. In meiner Akut-Neurozeit hab ich die Neuro-ITS nur mal betreten, um einen Patienten für die Übergabe an den Arzt zu begleiten.

Ich war da eher im Dienst als Psychiater (nicht während der Neuro-Rotation) konsiliarisch dort.

Bei uns war die Stroke Besetzung durch unerfahrenere Ärzte oder eben auch Psychiater möglich, da der Dienst zusätzlich zum AvD war (bis zu einer bestimmten Uhrzeit, danach war der AvD auch für die Stroke zuständig), d.h. man hatte einen erfahrenen Kollegen in der Nähe ansprechbar.

ehem-user-12-02-2021-1343
23.01.2021, 14:04
Und in keiner guten neurologischen Klinik wird man weder auf der Stroke Unit noch auf einer Intensivstation Anfänger ohne jegliche Erfahrung und Einarbeitung alleine arbeiten lassen. Übrigens gibt es in neurologischen Rehakliniken auch Beatmungsplätze.

Ok, das ist dann natürlich in Ordnung. Intensivmedizin ist halt so gar nicht meins, aber es hilft sicherlich. Ohne gute Einarbeitung würde ich mich da auch nicht hinschicken lassen. Aber man lernt sicherlich schnell

MissUmbrella
23.01.2021, 15:41
Ich arbeite aktuell in einer Neuoreha und habe mich ganz bewusste gegen Akutneurologie entschieden- klar, lerns du da auch wertvolle Dinge, wie Strokes etc. Aber ich habe keine Lust auf massiven Durchlauf mit DRGs und Schichtdienst bzw. auf Akuthaus. Nach 2 Jahren Psychiatrie ist es schön in einem anderen Setting zu sein, Ja, wir hatten jetzt auch viel Fluktuation, Schreibkrams ist leider immer in der Reha, aber ich empfinde das Arbeiten trotzdem insgesamt als befriedigend. Zumal ich Innere mag und zu der Neuroreha viel Allgemeinmedizin/Innere gehört.

Und bei uns gibt es auch eine Frühreha B, die ja als Intensivzeit gilt , da sind keine Psychiater..ich glaube da würde keiner auf die Idee kommen, uns dort einzusetzen:-blush

jijichu
23.01.2021, 19:06
Ich arbeite aktuell in einer Neuoreha und habe mich ganz bewusste gegen Akutneurologie entschieden- klar, lerns du da auch wertvolle Dinge, wie Strokes etc. Aber ich habe keine Lust auf massiven Durchlauf mit DRGs und Schichtdienst bzw. auf Akuthaus. Nach 2 Jahren Psychiatrie ist es schön in einem anderen Setting zu sein, Ja, wir hatten jetzt auch viel Fluktuation, Schreibkrams ist leider immer in der Reha, aber ich empfinde das Arbeiten trotzdem insgesamt als befriedigend. Zumal ich Innere mag und zu der Neuroreha viel Allgemeinmedizin/Innere gehört.

Und bei uns gibt es auch eine Frühreha B, die ja als Intensivzeit gilt , da sind keine Psychiater..ich glaube da würde keiner auf die Idee kommen, uns dort einzusetzen:-blush

Ich war auf der Frühreha B, wurde aber auch vorher gefragt ob ich das machen möchte. Fand ich schon spannend und interessant und ich hab auch viel gelernt

jijichu
23.01.2021, 19:09
Ok, das ist dann natürlich in Ordnung. Intensivmedizin ist halt so gar nicht meins, aber es hilft sicherlich. Ohne gute Einarbeitung würde ich mich da auch nicht hinschicken lassen. Aber man lernt sicherlich schnell

Ohne Dir zu nahe treten zu wollen, aber wenn Du als Psychiater in der Weiterbildung in die Neuro rotierst, wird keiner Dich auf die Intensivstation einteilen. Es ist oft ein Nadelöhr für die neurologischen Kollegen (wurde mir so von denen berichtet, ob's in jedem Haus so ist kann ich natürlich nicht sagen) und wird im Voraus geplant.

Günni Gürtelrose
23.01.2021, 21:18
Einen Weiterbildungsassistenten ohne neurologische Vorerfahrung wird man vermutlich nicht in einer Praxis einstellen wollen, weil der gar nicht selbstständig arbeiten kann ohne klinische Erfahrung.

Zwei ehemalige Kolleginnen haben ihr Neurojahr in jeweils einer großen Praxis gemacht. Es war allerdings am Ende der Ausbildungszeit.