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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigen- oder Fremdgefährdung? Der Psychiatertreffpunkt



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Reflex
25.02.2021, 21:19
Praxen schreiben oft gar nicht aus, weil es immer wieder gerade in Metropolen genügend Anfragen gibt. Viele suchen oft dann schon potentielle Nachfolger. Wenn man das letzte Jahr als Weiterbildung machen möchte, bei der Ärztekammer die Liste der niedergelassenen Weiterbildungsermächtigten durcharbeiten und nach freien Stellen anfragen.

Warum überhaupt Anstellen lassen als Facharzt und nicht selbstständig machen? gerade für Psychiater ist das Risiko überschaubar...

SarahJulia90
26.02.2021, 08:56
Warum überhaupt Anstellen lassen als Facharzt und nicht selbstständig machen? gerade für Psychiater ist das Risiko überschaubar...

Eine Tätigkeit als Einzelkämpfer in der Praxis könnte ich mir aktuell nicht gut vorstellen. In einer Gemeinschaftspraxis sehe ich mich schon eher. Ich bin mir nicht so sicher, wie belastend ich den ganzen organisatorischen Kram finden würde, den eine Praxis mit sich bringt.

Kaas
21.03.2021, 08:15
Mich würde mal interessieren, wie in euren Kliniken das Dienstaufkommen im Nachtdienst in etwa aussieht. Wieviele Patienten seht ihr in etwa in einem normalen Nachtdienst, wieviele in einem stressigen?

Colourful
21.03.2021, 09:28
Okay, bei mir (Maximalversorger in Großstadt, einziger Maximalversorger und sehr, sehr großes Einzugsgebiet): Normal: 2-3 Aufnahmen, 2 ambulante Kontakte, 1-2 Konsile, plus Station. Da hat man nicht unbedingt geschlafen. Viel: 6 Aufnahmen, 3 ambulante Kontakte, Fixierung mit Polizei, 2 Konsile, auf Station drehen alle ab. Ruhig: 1 Aufnahme, 2 ambulante Kontakte, 1 Konsil, etwas Station.

SarahJulia90
21.03.2021, 10:14
Deutsche Großstadt, recht große, aber auch keine riesige Psychiatrie. Für die Stadt eher „harmloses“ Einzugsgebiet: normal ca. 3 Aufnahmen, 3-5 ambulante Fälle, ab und zu ein Konsil und ein bisschen was auf Station. Viel: 6-8 Aufnahmen, dazu 4-6 ambulante Fälle plus Konsile und Station. Polizei, Fixierungen etc. machen es natürlich immer anstrengender. Ruhig: 1-2 Aufnahmen, 1-2 ambulante Fälle, Nachtdienst ohne Schwester Carola und ein gutes Fernsehprogramm.

Colourful
21.03.2021, 10:33
Ist ja doch recht ähnlich.

SarahJulia90
21.03.2021, 10:47
Denke auch. Ich sehne mich trotzdem manchmal nach einer Klinik ohne Versorgungsauftrag. Oder einer Landklitsche, wo ein bis zweimal im 24 Stunden Dienst der RTW vorbeikommt.

Colourful
21.03.2021, 11:20
Psychiatrie ist halt genauso arbeitsintensiv wie andere Fächer auch, muss man realistisch sehen. Und auch wenn wir teilweise weniger Aufnahmen und ambulante Kontakte haben - die dauern halt auch meistens einfach länger. Ich bin ja eher schnell, aber mit Dokumentation und allem drum und dran brauche mindestens 30-45min, das brauchst du in anderen Fächern sicherlich nicht so oft.Klar, wenn man sein Stammklientel hat, die dann im Dienst für ein neues Rezept kommen, das dauert nicht so lange. Aber das macht ja nicht die Hauptarbeit aus.

hoisn12
21.03.2021, 11:46
während meiner noch nicht lange zurückliegenden Zeit in der Psych: kleine Stadt, eher großes Dorf, aber sher große Psychiatrie mit großem Einzugsgebiet, sozusagen ausgelagert aus Großstadt (Uniklinik hat nur eine Akutstation, der Rest kommt) mit ziemlich gleichen Zahlen wir hier genannt.
was ich persönlich immer belastend/nervig finde (und mich interessieren würde, ob es euch ähnlich geht): gefühlt gehts am Ende immer nur um die Zuständigkeit: z.B. RTW ruft an mit Notfall -> Landkreis des Wohnortes, Aufnahme oder nicht; bzw. wehe man nimmt im Dienst einen Pat. auf aus einem anderen Zuständigkeitsbereich. Dann hatten die Stationen (Akut, Depression, Sucht, Forensik, Alter) jeweils unterschiedliche Zuständigkeitsbereiche und und und...

klassiker war zB
RD: Wir haben Suchtpat. mit beginnendem Entzug / Suizidalität
AvD: wo ist der Pat wohnhaft? *schnell Tabelle rauskramen mit Zuständigkeitstabelle*
RD: in XY
AvD: wir sind nicht zuständig, da ist Klinik YZ zuständig
RD ruft dort an, dann: Klinik YZ sagt, sie sind voll, dann seien Sie zuständig
AvD: Dann muss Kinik YZ bei uns um Hilfe beten, am besten über den Hintergrdunddienst. Die zuständige Klinik muss die Aufnahmesteuerung übernehmen

Colourful
21.03.2021, 13:13
Ja, das gehört halt dazu. Im Dienst hast du aber meist weniger Ärger, wenn du die für eine Nacht nimmst und dann verlegst. Und ganz ehrlich, ich finde es auch blöd einen RTW nachts 50km über Land zu schicken.

jijichu
21.03.2021, 14:20
Ich sag meinem Vordergrund immer, im Zweifel nehmen wir auf und verlegen geplant am Tag. Der Patient kann am wenigsten dafür und je nach Erkrankung ist es nicht förderlich quer durchs Bundesland geschickt zu werden, nachts, mit einer zunehmend genervten Besatzung des RTW/KTW/whatever. Außerdem ist es für den AvD (meist) weniger Geschäft, aufzunehmen als ständig irgendwo rumzutelefonieren IMHO.

Colourful
21.03.2021, 14:45
Nee, ist so. Und niemand hat Lust nachts um zwei eine eher unnötige Verlegung zu organisieren.

hoisn12
21.03.2021, 15:10
klaro, stimme zu (ich war ja auch nicht scharf drauf, solche Verlegunsstreits zu führen und hätte immer lieber aufgenommen, aber so war halt damals die Ansage)
Schade ist dann immer nur, wenn sich einige Player mehr an solche kollegialen Spielregeln halten als andere. Wie oft wurden Patienten vollkommen anders verkauft als sie ankamen. Von Psychiatrien im Nachbarlandkreis, die keine Sucht hatten, wurde ein Suchtproblem dazugedichtet, von somatischen Kliniken gerne die Somatik völlig nicht erwähnt (in diesem Falle ging der Patient geradewegs zurück)

Colourful
21.03.2021, 15:38
Ja, da hilft es offen zu kommunizieren. Und denen das ggf. auch mal zu sagen. Aber ich hatte nachts auch schon vollkommen dumme Schwachsinnsverlegungen aus dem Nachbarbezirk, die für niemanden gut waren.

jijichu
21.03.2021, 15:56
klaro, stimme zu (ich war ja auch nicht scharf drauf, solche Verlegunsstreits zu führen und hätte immer lieber aufgenommen, aber so war halt damals die Ansage)
Schade ist dann immer nur, wenn sich einige Player mehr an solche kollegialen Spielregeln halten als andere. Wie oft wurden Patienten vollkommen anders verkauft als sie ankamen. Von Psychiatrien im Nachbarlandkreis, die keine Sucht hatten, wurde ein Suchtproblem dazugedichtet, von somatischen Kliniken gerne die Somatik völlig nicht erwähnt (in diesem Falle ging der Patient geradewegs zurück)

In dem Fall sollten sich die Chefärzte der Kliniken mal unterhalten...

SarahJulia90
05.04.2021, 19:51
Wie seht ihr psychiatrischen Kollegen eigentlich die Möglichkeit, einen Teil (den Rest) der Facharztweiterbildung in einer Praxis zu absolvieren? Ich hab mein Neuojahr schon hinter mir und komme bald in mein viertes Psychiatrie- und damit rechnerisch mein letztes Ausbildungsjahr. Habe die Möglichkeit irgendwie bislang noch nie so richtig in Betracht gezogen. Könnte mir aber sogar vorstellen, dass der Lerneffekt da nochmal ganz gut ist, weil man eine ganz andere Seite des Fachs kennenlernt. Und die Dienste gehen mir auch zunehmend auf den Keks gerade.

Reflex
05.04.2021, 21:50
Ich hab meine letzten 2 Jahre bei 80% Stelle in einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Praxis mit Gruppenpsychotherapeutischen Schwerpunkt verbracht. Dort habe ich dank meiner Weiterbildner und sehr erfahrenen Kollegen erst richtig PT mit Supervision, Fallvorstellungen und Fortbildungen gelernt. Die Lernkurve war zum Ende hin noch einmal enorm und die Arbeitsbelastung war deutlich geringer als in der Klinik und der Verdienst sogar deutlich besser. Und ich hab alles mitbekommen, um in einer eigenen Praxis klar kommen zu können.

SarahJulia90
06.04.2021, 05:50
Das klingt ja wirklich gut, @Reflex. Wie hast du die Praxis denn gefunden? Ich habe schon auf den Seiten der Landesärztekammer recherchiert, dort aber kaum etwas finden können (dort sind trotz Großstadt nur drei ambulante Praxen mit Weiterbildungsbefugnis genannt).

Reflex
06.04.2021, 06:05
Über Vitamin B. Ich hab durch Zufall auf einer Hochzeit einen ehemaligen Kollegen wiedergetroffen, der dort Gesellschafter ist und mich quasi abgeworben hat. Ähnlich lief das auch bei unserer jetzigen Weiterbildungsassistentin. Das ist eine ehemalige Kollegin aus meiner alten Klinik. Es gibt aber zumindest bei der KV Nordrhein einsehbare und detaillierte Listen über Praxen mit Weiterbildungermächtigung.

MissUmbrella
11.05.2021, 11:09
Hallöchen.
Ich habe soeben mitbekommen, dass für das Personalausstattungsgesetz in Psychiatrie und Psychosomatik schon seit 10/2020 konkretere Vorgaben vorhanden sind ( wer nachlesen will: https://www.g-ba.de/themen/qualitaetssicherung/vorgaben-zur-qualitaetssicherung/vorgaben-personalausstattung-psychiatrie-psychosomatik/) . Jetzt habe ich gehört, dass wohl deshalb auch psychosomatische Betten abgebaut werden, da es sich teilweise für die großen Unternehmen nicht mehr "lohnt".
Merkt ihr was davon im Krankenhaus? ich bin zur Zeit ja nicht in der Psychiatrie, aber habe eher das Gefühl, der Bedarf ist noch größer als vor der Pandemie an Assis in der Psychiatrie zumindest...