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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigen- oder Fremdgefährdung? Der Psychiatertreffpunkt



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Reflex
15.08.2021, 20:36
Das geht nur, wenn Du bereits einen anderen Facharzt besitzt und macht finanziell auch nur Sinn, wenn Du dann nicht planst den Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie zu machen. Denn die suchtmedizinische Grundversorgung ist Bestandteil des Facharztes. In meiner alten Klinik haben das die neurologischen Fachärzte gemacht und dann in den Suchtambulanzen gearbeitet, weil sie dann nicht am regulären Dienstsystem teilnehmen mussten. Die Kosten von 1200€ für die 50 Stunden Seminar übernahm dann die Klinik.

throni
16.08.2021, 19:36
Ach, echt? Wo wird das denn abgedeckt im Rahmen der Facharztweiterbildung? Mit der Suchtrotation, so die denn stattfindet? Hast du eine Idee, was ich dann noch machen müsste, um zu substituieren später? Oder darf man das quasi automatisch als Psychiater? Fände ich fast ein bisschen verrückt, lerne das nämlich so gar nicht in meiner Ausbildung. Und das, obwohl wir eine große Suchtabteilung haben.

Reflex
16.08.2021, 22:15
Das findest Du im Logbuch unter „Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fähigkeiten in der Facharztkompetenz bezogenen Zusatz- Weiterbildung Suchtmedizinische Grundversorgung als integraler Bestandteil der Weiterbildung einschließlich der Substitutionstherapie bei Opiatabhängigkeit„. Du musst um diesen Inhalt erhalten zu können eigentlich eine Weiterbildungsrotation auf einer Suchtstation/-Ambulanz abgeleistet haben. Damit kannst Du dann als Facharzt in einer Ambulanz oder auf einem Psychiatrischen Sitz substituieren. Neben der Facharztanerkennung musst Du ansonsten die Formalitäten erfüllen, die für die Verordnung von BTM im ambulanten Bereich gelten. Ich persönlich finde es nicht erstrebenswert zu substituieren, wenn man nicht regulär in der Suchtmedizin arbeitet/gearbeitet hat.

serratustot
25.08.2021, 09:30
Liebe Kolleginnen und Kollegen
Für euch wahrscheinlich eine triviale Frage, da ihr schon lange im System seid: wie würdet ihr die finanziellen Perspektiven als FA Psychiatrie/PT in Deutschland sehen?

Korrigiert mich, wenn ich falsch liege, aber ich denke an Kliniken bewegt man sich (außer als CA) ja im Tarifvertrag - oder ist da regelhaft als OA auch AT möglich? Wenn ja, wovon hängt das ab? Gibt es da kritische (Zusatz-) Qualifikationen, die so viel wert sind? Ambulant ist die "sprechende Medizin" ja nicht gerade eine Goldgrube, aber das Angebot an Arbeitsplätzen und freien Sitzen scheinbar hoch und steigend (so zumindest der Tenor älterer Kollegen, im konkreten Fall ging es um das südliche BW und Bayern).

Ich bin gerade im letzten Teil meiner Weiterbildung und war dabei bislang nur in Österreich und in der Schweiz. Im Moment erwäge ich verschiedene Optionen, wo es als FA hingehen soll. Ich habe ein Übernahmeangebot unmittelbar als FOA/OA, aber würde mich ungern darauf festlegen und aus familiären Gründen gerne lieber in DE arbeiten. Ich habe noch neben dem Job einen M Sc in Psychologie gemacht und ein paar abgeschlossene Forschungsprojekte - Ersteres war aber nur aus Interesse und letzteres wird wohl außerhalb einer Universität keinen Effekt haben.

P.S., Ich bitte davon abzusehen, mich wegen des finanziellen Aspekts zu verurteilen - bzw. gerne verurteilen, aber am besten leise! Das wäre toll - Ich bin selbstverständlich nur Arzt geworden um Millionär zu werden, andere Menschen sowie mein intrinisches Interesse sind mir dabei völlig gleichgültig!

rafiki
26.08.2021, 14:16
oder ist da regelhaft als OA auch AT möglich? Wenn ja, wovon hängt das ab?

Ja, AT ist auch als OA möglich, vor allen Dingen abhängig von der Marktlage vor Ort, also idR in der Provinz viel besser durchsetzbar, von der überzeugenden Leistungsbereitschaft und Erfahrung (v. a. Breite des Faches und Führungserfahrung) sowie, aber eher nachrangig von Zusatzqualifikationen (z. B. betriebswirtschaftlich, Zweitfacharzt). Irgendwelche reinen Studienabschlüsse oder Forschungen bringen eher nichts.

rafiki
26.08.2021, 14:16
oder ist da regelhaft als OA auch AT möglich? Wenn ja, wovon hängt das ab?

Ja, AT ist auch als OA möglich (und zwar deutlich über Tarif), vor allen Dingen abhängig von der Marktlage vor Ort, also idR in der Provinz viel besser durchsetzbar, von der überzeugenden Leistungsbereitschaft und Erfahrung (v. a. Breite des Faches und Führungserfahrung) sowie, aber eher nachrangig von Zusatzqualifikationen (z. B. betriebswirtschaftlich, Zweitfacharzt). Irgendwelche reinen Studienabschlüsse oder Forschungen bringen eher nichts.

serratustot
29.08.2021, 12:39
Danke, interessant. Kann man so allgemein sagen, welche Vertiefungen besonders gefragt sind? Etwa Geronto oder Sucht oder...? Wie steht es um den in anderen Fächern oft gegangenen Weg, Uni-Laufbahn bis PD als geeigneter Einstieg für LOA oder CA-Posten in der Peripherie?

Aloya
29.08.2021, 14:13
Zum Thema finanzieller Anreiz: Wie sieht es denn aus in Deutschland in einer Praxisniederlassung? Habe hier bis jetzt immer nur gehört dass man im Vergleich zu anderen Fächern vergleichsweise "gering" verdient (sprich: 60-80k Brutto als Facharzt mit eigener Praxis). Ist das wirklich so?

Thomas24
29.08.2021, 15:08
Zum Thema finanzieller Anreiz: Wie sieht es denn aus in Deutschland in einer Praxisniederlassung? Habe hier bis jetzt immer nur gehört dass man im Vergleich zu anderen Fächern vergleichsweise "gering" verdient (sprich: 60-80k Brutto als Facharzt mit eigener Praxis). Ist das wirklich so?

Das wird in anderen Unterforen schon ausgiebig diskutiert. Querlesen hilft.

rafiki
29.08.2021, 15:15
Wie steht es um den in anderen Fächern oft gegangenen Weg, Uni-Laufbahn bis PD als geeigneter Einstieg für LOA oder CA-Posten in der Peripherie?

Besonders gefragt sind natürlich Geronto, Sucht und Forensik. PD ist nicht notwendig für Führungspositionen. Nach meiner Erfahrung fehlt es denen auch oft an klinischem Wissen und Erfahrung, da sie ja hauptsächlich mit ihrem Titel beschäftigt waren.

mitha_dharma
09.09.2021, 19:09
Ich hab ne Frage an die KJPler hier :) :

Wie sieht das bei euch mit der PT-Ausbildung während der Assistenzarztzeit aus, läuft das klinikintern oder macht ihr das an einem Institut? Wie ist das organisiert? Wie sieht es mit Balint, Selbsterfahrung, Supervision etc. aus, müsst ihr euch das eigenständig organisieren und am Wochenende oder in eurem Urlaub absolvieren? Wie ist es mit der Kostenübernahme?
Arbeite an einer Uniklinik KJP (bin eigentlich nur mit Stationsarbeit und Diensten beschäftigt, wollte mal hören, wie das an anderen Kliniken so läuft, ist meine erste Stelle..


Bin dankbar für jede Antwort!
Herzliche Grüße :)

vanilleeis
09.09.2021, 20:01
PT läuft intern. Supervision, Balint, Selbsterfahrung extern. Es gibt ein Institut, dessen Kosten voll übernommen werden, aber schwer, einen Platz zu kriegen. Ansonsten kriegt man den Stundensatz auch für alle anderen Institute bezahlt, den Rest muss man selber zahlen. Freistellungstage sind 5 pro Jahr. Ich bin zufrieden :-)

throni
12.09.2021, 10:41
Hat jemand von euch Erfahrungen mit der Arbeit in Entwöhnungskliniken? Also in der Langzeit? Ich bin nach ein paar Jahren stationärer Psychiatrie immer noch auf der Suche nach Möglichkeiten, die Akutklinik zu verlassen. In den Langzeitklinik kann man vermutlich am ehesten therapeutisch was mitnehen, sonst wahrscheinlich eher wenig nehme ich an.

rafiki
12.09.2021, 12:25
War eine Zeitlang an einer Sucht-Rehaklinik für illegale Drogen tätig. Mangels Ärzten beschränkt sich der Schwerpunkt der Arbeit auf medizinisch-körperliche Aspekte. Das Therapeutische übernehmen überwiegend Psychologen und Sozialpädagogen sowie Ergo- und Arbeitstherapeuten.

Psychotherapeutisch etwas lernen und sinnvoll arbeiten kannst du am ehesten in psychosomatischen Akutkliniken.

Kandra
21.09.2021, 14:58
Hallo zusammen,
es ist nicht ganz die richtige Fachrichtung, aber hier sind auch ein paar Neurologen anwesend hoffe ich ;)
Gibt es bei Erwachsenen, denen als Kind ein ADHS diagnostiziert wurde, die Eltern eine medikamentöse Behandlung aber abgelehnt haben, noch eine Möglichkeit die in Therapie zu bringen? Kennt jemand von euch eine entsprechende Stelle, wo man so jemanden hinschicken könnte (bevorzugt in Bayern)? Die meisten gängigen Medikamente sind meines Wissens ja nur für Kinder zugelassen bzw. man muss es als Kind schon genommen haben um es als Erwachsener weiter nehmen zu dürfen.

rafiki
21.09.2021, 18:30
Weshalb willst du dazu Neurologen befragen?
Ein ADHS ist häufig eine Verlegenheitsdiagnose, die genauestens zu überprüfen ist. Viel häufiger stecken hinter der Symptomatik strukturelle Auffälligkeiten, die ganz anderer Behandlungswege bedürfen. Ansonsten gibt es natürlich Medikamente für Erwachsene mit entsprechenden Beschwerden.

Kandra
21.09.2021, 20:36
Weshalb willst du dazu Neurologen befragen?
Ein ADHS ist häufig eine Verlegenheitsdiagnose, die genauestens zu überprüfen ist. Viel häufiger stecken hinter der Symptomatik strukturelle Auffälligkeiten, die ganz anderer Behandlungswege bedürfen. Ansonsten gibt es natürlich Medikamente für Erwachsene mit entsprechenden Beschwerden.

Ich habe keine Ahnung wer sich bei Erwachsenen damit auskennt, vermutlich psychiater und -wegen der von dir angesprochenen ggfs. abzuklärenden strukturellen Auffälligkeiten- auch neurologen. In diesem Thread finde ich beide.
Gibt es eine Anlaufstelle für eine entsprechende Diagnostik und ggfs Therapie oder kann man dafür zu jedem Psychiater gehen?

roxolana
21.09.2021, 20:42
In Bayern kenne ich mich nicht aus, aber an einigen Unikliniken gibt es Spezialambulanzen für ADHS im Erwachsenenalter.

rafiki
22.09.2021, 05:12
Iwegen der von dir angesprochenen ggfs. abzuklärenden strukturellen Auffälligkeiten- auch neurologen.

Eben nicht. Mit strukturellen Auffälligkeiten sind solche der Persönlichkeitsstruktur gemeint.

Kandra
22.09.2021, 06:58
Eben nicht. Mit strukturellen Auffälligkeiten sind solche der Persönlichkeitsstruktur gemeint.

Ok, dann bin ich hier also komplett richtig, auch gut ;)

@roxolana: danke!