Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigen- oder Fremdgefährdung? Der Psychiatertreffpunkt
vanilleeis
22.09.2021, 09:37
Also ausschlaggebend für die Verordnungsfähigkeit bei Erwachsenen ist, ob die Diagnose ADHS schon im Kindes-/Jugendalter gestellt wurde, nicht, ob mit Stimulantien mediziert wurde. Und das wird ja vermutlich durch alte Befunde nachweisbar sein.
PaulaBoston
22.09.2021, 11:46
Das ist ganz klar ein psychiatrisches Krankheitsbild. Leider häufig unbeliebt in psychischer Praxis wegen BTM. In München gibt es zum Beispiel die Praxis Dr Rothfelder, spezialisiert auf ADHS bei Erwachsenen. Oder Ambulanz in Haar
husthust
23.09.2021, 22:01
Hallo zusammen,
es ist nicht ganz die richtige Fachrichtung, aber hier sind auch ein paar Neurologen anwesend hoffe ich ;)
Gibt es bei Erwachsenen, denen als Kind ein ADHS diagnostiziert wurde, die Eltern eine medikamentöse Behandlung aber abgelehnt haben, noch eine Möglichkeit die in Therapie zu bringen? Kennt jemand von euch eine entsprechende Stelle, wo man so jemanden hinschicken könnte (bevorzugt in Bayern)? Die meisten gängigen Medikamente sind meines Wissens ja nur für Kinder zugelassen bzw. man muss es als Kind schon genommen haben um es als Erwachsener weiter nehmen zu dürfen.
Dass man bereits ein Kind ADS/ADHS diagnostiziert bekommen haben musste um als Erwachsener Methylphenidat o.ä. verordnet bekommen muss ist glaube ich so eine Legende aus dem Volksmund. Dennoch glaube ich, dass ADS/ADHS aus verschiedenen Gründen unterdiagnostiziert und somit die medikamentöse Therapie trotz guter Wirksamkeit auch unterverordnet wird. Häufig wird es bei Erwachsenen gar nicht erst in Betracht gezogen weil oft eher affektive Symptome, Suchtproblematik und Verhaltensstörungen zu einer Vorstellung führen, oftmals werden Leute auch je nach Ausprägung jahrelang als bipolar oder Borderline "abgestempelt" und falsch behandelt. Problematisch ist, dass die Testung ziemlich lange dauert, also über mehrere Termine geht, dafür eine sehr ausführliche Fremdanamnese benötigt wird sowie im Idealfalle die Schulzeugnisse (inklusive der aus der Grundschule mit vom Lehrer persönlich verfasster Beschreibung des Kindes). In Verbindung mit der geringen Anzahl von Experten auf dem Gebiet ist es für viele Erwachsene die darunter leiden und im worst case bereits knietief in einem Haufen Probleme und wohmöglich fehldiagnostiziert und -behandelt sind sehr schwierig die Krankheit noch seriös diagnostiziert zu bekommen. Deswegen scheuen sich Ärzte in allgemein psychiatrischen Kliniken davor bei klinischem Verdacht das zu verordnen. In unserer Klinik war das erst vor kurzem Thema eine Fortbildung (kommunaler Maximalversorger, Abteilungspsychiatrie), dort wurde unter anderem auch geäußert, dass man aufgrund des für Suchterkrankungen bekannte Klientel im Ballungsraum nicht anlocken möchte wenn bekannt wird dass wir quasi Amphetamine bzw. -derivate regulär verordnen. Zu deiner Frage, in Aschaffenburg gibt es einen Prof. Trott der sich damit auskennen soll, der wohl aber selbst auch ein etwas spezieller Typ ist, sodass viele die Testung bei ihm gar nicht erst durchhalten ;)
husthust
23.09.2021, 22:10
Oh sorry, wurde ja schon diagnostiziert :-blush dann sollte es tatsächlich nicht ganz so schwierig sein die Verordnung zu bekommen, auch von nicht darauf spezialisierten Psychiatern, je nachdem wie ausführlich die damalige Diagnostik und die Berichte darüber waren. Glaube übrigens mich aus der Fortbildung zu erinnern, dass die first-line Therapie im Kindesalter sowieso Ergotherapie und Verhaltenstherapie sind und nicht Medikamente, aber da kann eine:r der hoffentlich mitlesenden KJPler:innen vielleicht noch mehr zu erzählen :-))
vanilleeis
24.09.2021, 05:37
Dass man bereits ein Kind ADS/ADHS diagnostiziert bekommen haben musste um als Erwachsener Methylphenidat o.ä. verordnet bekommen muss ist glaube ich so eine Legende aus dem Volksmund. Dennoch glaube ich, dass ADS/ADHS aus verschiedenen Gründen unterdiagnostiziert und somit die medikamentöse Therapie trotz guter Wirksamkeit auch unterverordnet wird. Häufig wird es bei Erwachsenen gar nicht erst in Betracht gezogen weil oft eher affektive Symptome, Suchtproblematik und Verhaltensstörungen zu einer Vorstellung führen, oftmals werden Leute auch je nach Ausprägung jahrelang als bipolar oder Borderline "abgestempelt" und falsch behandelt. Problematisch ist, dass die Testung ziemlich lange dauert, also über mehrere Termine geht, dafür eine sehr ausführliche Fremdanamnese benötigt wird sowie im Idealfalle die Schulzeugnisse (inklusive der aus der Grundschule mit vom Lehrer persönlich verfasster Beschreibung des Kindes). In Verbindung mit der geringen Anzahl von Experten auf dem Gebiet ist es für viele Erwachsene die darunter leiden und im worst case bereits knietief in einem Haufen Probleme und wohmöglich fehldiagnostiziert und -behandelt sind sehr schwierig die Krankheit noch seriös diagnostiziert zu bekommen. Deswegen scheuen sich Ärzte in allgemein psychiatrischen Kliniken davor bei klinischem Verdacht das zu verordnen. In unserer Klinik war das erst vor kurzem Thema eine Fortbildung (kommunaler Maximalversorger, Abteilungspsychiatrie), dort wurde unter anderem auch geäußert, dass man aufgrund des für Suchterkrankungen bekannte Klientel im Ballungsraum nicht anlocken möchte wenn bekannt wird dass wir quasi Amphetamine bzw. -derivate regulär verordnen. Zu deiner Frage, in Aschaffenburg gibt es einen Prof. Trott der sich damit auskennen soll, der wohl aber selbst auch ein etwas spezieller Typ ist, sodass viele die Testung bei ihm gar nicht erst durchhalten ;)
https://www.kvwl.de/arzt/verordnung/arzneimittel/info/invo/methylphenidat_erwachsene_verordnung.pdf
Vielleicht erstmal recherchieren....
husthust
24.09.2021, 07:01
https://www.kvwl.de/arzt/verordnung/arzneimittel/info/invo/methylphenidat_erwachsene_verordnung.pdf
Vielleicht erstmal recherchieren....
Da steht ja das was ich gesagt habe, dass die Diagnose im Erwachsenenalter nur nach ausfürhlicher Untersuchung gestellt werden kann....dass die "Erkrankung im Kindesalter bestanden haben muss" bedeutet m.E. nicht dass die Diagnose im Kindesalter gestellt worden sein muss, bzw. dass die Medikation schon im Kindesalter schon verordnet werden musste. Oder verstehe ich da was falsch?
YouMeAndTavor
27.09.2021, 17:07
Ich fange Ende der Woche mein Neurojahr nach 1,5 Jahren Akutpsychiatrie an. Ich werde in einer Neuro-Reha (Phase B) arbeiten und mir wird immer mehr klar, wie wenig Ahnung ich von Neuro habe :-nix
Deshalb die Frage an diejenigen, die das Neurojahr schon hinter sich haben: Gibts Tipps und Tricks um das Neurojahr bestmöglichst zu überstehen? Wie habt ihr euch in die Neurologie eingelesen?
MissUmbrella
28.09.2021, 17:49
Ich bin aktuell in der Neuroreha ( Phase C vorwiegend, keine B) und bald schon mit meinem Jahr rum. Ehrlich gesagt, habe ich mich gar nicht vorbereitet für den Start. Habe auch keine Probleme, v.a. Neurorehabilitation hat ja eher weniger akute Dinge und auch viel Innere ( was ich persönlich mag). Ich würde mir daher nicht allzu sehr einen Kopf machen, sondern einfach starten.
Schwerpunkt in der Frühreha sind i.d.R. Hirninfarkt, Hirnblutung (SAB/ICB), Schädel-Hirn-Trauma mit traumatischen Blutungen (tSDH,tSAB, KOntusionsblutungen), CIP/CIM (Critical-illness-neuropathie/-myopathie)
Allen Pat. ist gemeinsam, dass sie oft Hypertonie, D.m. COPD, KHK, Herzinsuffizienz mitbringen.
Achso das Delir, aber da hast Du dann als angehender Psychiater die Nase vorn :-)
Neurologische Untersuchung sollte sitzen
Frührehabilitation heißt ein Pat. ist noch nicht rehafähig z.B. bzgl. Belastbarkeit, Kommunikation Überwachungspflichtigkeit, etc. Hier kann durchaus akuter Behandlungsbedarf gegeben sein. Pleuraergüsse, Pneumonien, akutes Nierenversagen, Harnwegsinfekte, je nach Klinik Weaning, Highflow, O2-Therapie, Monitoring.
Lernpartner Psychiatrie / Psychosomatik gesucht!
Hallo Zusammen!
Ich schreib es einfach mal hier rein in der Hoffnung jemanden interessierten zu finden ;-)
Da ich gerade so drin mit dem Lernen für meinen Facharzt Allgemeinmeinmedizin, würde ich einfach gerne den "Flow" nutzen und gemeinsam mit (einem oder mehreren) Mitstreitern weiterlernen.
Nach meiner Zeit in der Allgemeinmedizin habe ich vor ca einem halben Jahr in der Psychiatrie / Psychosomatik angefangen und würde gerne gleich von Anfang an up-to-date bleiben und im Lernen zu bleiben. Für mich war es nach den Jahren jetzt nämlich echt streng wieder rein zu kommen.
Um das besser und gesellig umzusetzten hatte ich an eine Lerngruppe (entweder in "Präsenz" Osten/Südosten von München oder online) gedacht. Häufigkeit ganz nach Bedarf/Wünschen, aber maximal 1x/Woche falls du/ihr das wünscht, ich dachte eher alle 14d oder auch nur 1x/Monat.
Vielleicht hat ja wer Interesse ? :knuddel:
Würde mich riesig freuen!
Herbstblume90
01.10.2021, 18:39
Hat heute zufällig noch jemand am Curriculum Psychopharmakotherapie KJP teilgenommen?
vanilleeis
02.10.2021, 12:46
Nein, aber es klingt gut :)
Ich würde mir die Veranstaltung gerne merken, hast Du einen Link o.ä. dazu?
Colourful
02.10.2021, 16:02
Ich bin aktuell in der Neuroreha ( Phase C vorwiegend, keine B) und bald schon mit meinem Jahr rum. Ehrlich gesagt, habe ich mich gar nicht vorbereitet für den Start. Habe auch keine Probleme, v.a. Neurorehabilitation hat ja eher weniger akute Dinge und auch viel Innere ( was ich persönlich mag). Ich würde mir daher nicht allzu sehr einen Kopf machen, sondern einfach starten.
Ich bin seit mittlerweile 1,5 Jahren in der Neuroreha unterwegs und finde auch, dass man das neurologisch Relevante da schnell lernt, aber die Dinge, die wirklich akut sind, das ist hauptsächlich Innere. Ich muss auch sagen, dass ich super viel gelernt habe, ich kann sogar rudimentär mit dem Sonogerät umgehen und Blase und Nieren orientierend schallen. (Unsere Patienten haben ja oft Harnverhalt etc...)
Aber so richtig Neurologie lerne ich nicht, ich würde gerne noch mal richtig lernen wie man Parkinson, ED, und auch verschiedene Epilepsien richtig gut behandelt, aber dafür brauche ich dann irgendwann einen Doppelfacharzt. Na ja, ich bin noch jung und meine Kinder sind noch klein... ;-)
Herbstblume90
04.10.2021, 03:14
Nein, aber es klingt gut :)
Ich würde mir die Veranstaltung gerne merken, hast Du einen Link o.ä. dazu?
Link nicht, aber Flyer und email… ich schreibe dir mal eine PN!
Nessiemoo
05.10.2021, 12:10
Hab die umgekehrte Frage: in paar Monaten wechsele ich in die Psychiatrie für das Jahr in Rahmen des Neuro FA und habe schon jetzt Bammel davor... habt ihr Empfehlungen für Vorbereitung/ Einlesen? Danke :)
Kein Grund zur Sorge.
Ich würde dir den Benkert&Hippius - kompendium der psychiatrischen pharmakotherapie in der aktuellen (13.)Auflage empfehlen.
Wenn du auf eine allgemeinpsychiatrische Akutstation gehst schmöcker in die Kapitel 1-4,7 und 12.
Dann weisst du wo du später was findest, wenn du es brauchst.
Hallo an alle, ich bin auch seit kurzer Zeit in einer großen Neuro Reha-Klinik. Phase C, im ländlichen Bereich für meinen FA Psych. Ich bin, gelinde gesagt, sehr erstaunt bzgl. den Arbeitsbedingungen, die mir in der Hospitation anders dargelegt worden sind. Die Assis sind insgesamt überlastet, viele bleiben bis 18-19 Uhr täglich, unbezahlt. Es dürfen überhaupt keine Überstunden aufgeschrieben werden, auch nicht wenn z.B. die Neuaufnahme spät kam (wird nicht an Dienstarzt abgegeben). Zudem ist die Besetzung schlecht und es werden (unbezahlt) 25 statt 24h Dienste abgeleistet.
Ich überlege mir zeitnah was neues zu suchen. Eure geschätzte Einschätzung würde ich gerne hören. Viele Grüße
Meinen Segen hast du. ;-)
Es kommt auf die Perspektive an: Ich arbeite streng 40 Wochenstunden, für mich käme es nicht in die Tüte, abends regelhaft/häufig/unbezahlt bis 18-19 Uhr zu arbeiten.
Die Leute, mir denen ich eng zusammenarbeite, machen dies im Übrigen auch nicht.
Und 25h-Dienst Konstrukte sind auch nicht zulässig, gerade in einer Rehaklinik sollte es möglich sein, morgens zum Dienst später zu kommen o.ä.
Nicht erlaubte Überstunden: Dann solltest du knallhart pünktlich gehen. Es sperrt dich ja keiner in der Klinik ein.
Ob eine andere (neurologische) Klinik in eurer Region unbedingt besser ist, also eher die aktuelle Klinik „optimieren“.
Nefazodon
14.10.2021, 14:42
@fxf90: Ich würde gern noch wissen unter welchem Tarifvertrag Du arbeitest....wenn es VKA ist, sollte Zeiterfassung ja Pflicht sein...
Das was Du beschreibst, hört sich grausig an. Ich würde als erstes mal klären, dass ich nach einem 24h-Dienst pünktlich gehen kann. Das MUSS möglich sein.
Wenn sich das nicht ändern lässt, würde ich ehrlich gesagt nach Gründen suchen, möglichst wenig Dienste zu machen. Du kommst aus der Psychiatrie, Du brauchst noch Zeit etc...
Auch die Überstunden sind ein ziemliches Unding. Wenn man von einem 42h-Vertrag ausgeht, müsstet ihr bis 17 Uhr arbeiten...
Wenn ihr bis 18-19 Uhr arbeitet, bedeutet das jeden Tag 1-2 Überstunden. Warum sind die notwendig?
Da würde ich als nächstes klären, warum Aufnahmen in der Rehaklinik, die ja geplant sein sollten, so spät erfolgen, und ob die nicht doch der Dienst machen kann/soll.
Wieviele Betten habt ihr eigentlich? Und wieviele Assistenten?
Ich würde versuchen, mit den Kollegen über die Arbeitsbedingungen zu sprechen und ob man nicht gemeinschaftlich was ändern will. Will man das nicht, würde ich an deiner Stelle gut überlegen, ob ich da bleibe. Einerseits ist es nur ein Jahr, andererseits sind die Bedingungen wirklich schei#e.
Gibt es in deiner Gegend noch andere Optionen? Viel schlechter könnte es auch in einer Akutklinik nicht sein...
Danke ihr lieben, für euren Input, sehe es ähnlich.
Es sind im Dienst etwa 500 Betten zu betreuen. Es gibt keinen Tarifvertrag! Ich vermute, die Kollegen bleiben wegen schlechter Organisation länger, um noch Ultraschall zu machen oder Angehörigen Gespräche. Ich bin die ganze Woche super pünktlich gegangen, die Oberärztin hat eh keinen Kontakt zu mir gesucht. Manches hat sie der Pflege gesagt (z.B ein ausstehendes Konsil), das ist eine Art der Kommunikation, die ich nicht nachvollziehen kann. Es hinterlässt ein schales Gefühl bei mir, wenn sich die Betreuung/ Kontakt auf 10sec am Tag beschränkt. Insbesondere wenn man neu ist und die Abläufe noch nicht kennt.
Ich werde versuchen die Station zu wechseln und beim Chef ansprechen, warum die Assistenten 25h Dienste machen. Ich denke es liegt an den blöden Blutentnahmen morgens.
Wenn ein Wechsel nicht geht, werde ich voraussichtlich gehen. Ich merke einfach wie unzufrieden mich die Situation jetzt schon macht und überhaupt keine Anfangseuphorie mitschwingt. Habe 2 andere Kliniken in der Region angeschrieben, ob Stellen grade frei sind. Es ist schade, ich habe es mir natürlich anders vorgestellt ohne einen Wechsel. Fühle mich nicht so toll damit.
Liebe Grüße
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