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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigen- oder Fremdgefährdung? Der Psychiatertreffpunkt



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GloriaSchmidt
16.04.2022, 21:37
An die angestellten Psychiater (Praxis, MVZ): Wieviel verdient ihr? Wie sieht euer Arbeitsalltag aus?

Interessiert mich auch!
Als Facharzt VZ hörte ich von einem Angebot um 90k für 40h in einer Praxis ;-)

Züschata
16.04.2022, 22:46
Gar nicht mal so reizvoll..

GloriaSchmidt
17.04.2022, 06:47
Och, als frischer Facharzt mal eben Einstiegs Oberarzt Gehalt - ohne Oberarzt sein zu müssen… geht schon

Colourful
17.04.2022, 06:49
Ja, und das ist auch z.B. in Teilzeit 32h dann immer noch echt gut.

anignu
17.04.2022, 23:30
ohne Oberarzt sein zu müssen
Was würde dich denn daran stören Oberarzt zu sein?

Reflex
18.04.2022, 06:06
Weil es deutlich weniger Arbeit macht, selbstverantwortlich zu Arbeiten, als wenn man noch Verantwortung für mehrere Assistenten trägt, wo man oft nur wenig bis gar keinen Einfluss auf deren Weiterbildung hat. Kaum hast Du jemanden adäquat eingearbeitet, ist er wieder weg. dazu kommen die beratungsresistenten und lernunwilligen. Und wenn man Pech hat, darf man noch Assistentenarbeit zusätzlich kompensieren, weil zu wenig Personal vorhanden ist. Im System Krankenhaus und gerade in der Psychiatrie ist OA sein, wenig attraktiv...

Colourful
18.04.2022, 06:24
Wenn ich mir so die Arbeitsbedingungen meiner OÄ und mir anschaue, dann mache ich wirklich lieber meinen Job. :-meinung
Klar, sie bekommt mehr Geld, aber arbeitet auch viel mehr und hat bekommt noch Druck, dass die Zahlen nicht stimmen, etc.
Ich denke allerdings nicht, dass ich zu den lernunwilligen und beratungsresistenten Assistenten gehöre. ;-)

Reflex
18.04.2022, 06:35
Das glaube ich auch nicht. Aber meiner Erfahrung nach gehen die guten Assistenten irgendwann in der Psychiatrie, weil sie einfach viele Optionen haben. Die Graupen bleiben oft eher pappen und genau für die hätte ich keine Lust den Kopf hinzuhalten. Ich hab schon einfach soviel Mist mit anderen Kollegen erlebt, dass ich da keine Lust hätte die Verantwortung tragen zu müssen. In der Niederlassung ist es anders, weil ich als Chef mehr Einfluss drauf habe, wer kommt und wie er ausgebildet wird. Es gibt bei uns ein internes Weiterbildungscurriculum mit Fallvorstellungen, Supervision und Fortbildungen sowie gemeinschaftlichen DGPPN Besuch. Da kann mehr selber Einfluß daraufnehmen und muss nicht damit Leben, was oder wen ich vorgesetzt bekomme. Weiterbildungsassistenten bleiben bei uns in der Regel auch die vollen zwei Jahre.

Colourful
18.04.2022, 07:26
Ja, das ist sicherlich anders in der Niederlassung. Momentan finde ich meine Arbeit ganz gut, bin jetzt allerdings auch in einem Projekt und mache keine klassische Stationsarbeit mehr, das würde ich auch nicht mehr lange machen.

throni
18.04.2022, 10:45
Das glaube ich auch nicht. Aber meiner Erfahrung nach gehen die guten Assistenten irgendwann in der Psychiatrie, weil sie einfach viele Optionen haben.

Du bist ja einer der erfahreneren psychiatrischen Kollegen hier, oder? Meinst du damit, dass die guten Assistenten irgendwann die Klinik als Arbeitsplatz verlassen? Und was genau meinst du mit viele Optionen? Für mich war die Psychiatrie eigentlich immer ein Fach, in dem der Verbleib in der Klinik noch halbwegs attraktiv ist, weil der Verdienst im ambulanten Bereich weniger gesteigert werden kann als in anderen Fächern und weil die Arbeitsbedingungen teils noch halbwegs in Ordnung sind. Die niedergelassenen Psychiater, die ich persönlich kenne (2) arbeiten beide extrem viel, machen teils Sprechstunde bis spätabends und sehen die Patienten extrem enggetaktet. Andere ambulante Alternativen (SPD) kämen bei mir auf Grund des niedrigen Verdienstes nicht in Frage.

Reflex
18.04.2022, 18:26
Ich meine nicht nur den Wechsel in die Niederlassung, sondern allgemein die Bereitschaft zu gehen/zu wechseln, weil es genügend alternative Stellen gibt. Der Personalmangel und die überalterte Ärzteschaft, die in den nächsten Jahren in Rente geht, spielt gerade jungen und guten Ärzten enorm in die Hände sich attraktiv verkaufen zu können, egal ob Klinik, Niederlassung, MVZ etc. Und gerade als Psychiater hat man viele Handlungsoptionen: Karriere in Klinik, ambulanter Psychiater, ärztlicher Psychotherapeut oder Gutachter.

throni
18.04.2022, 19:30
Das stimmt schon, dass man gesucht wird. Gerade in der Psychiatrie finde ich die ambulanten Optionen aber irgendwie mau im Vergleich zu vielen anderen Fachrichtungen. Vor allem ist die Option, sich attraktiv zu verkaufen, doch gerade in der Psychiatrie begrenzt, weil es kaum besondere Fähigkeiten oder Qualifikationen gibt, mit denen man für einen Arbeitgeber interessanter wird bzw. schwer zu ersetzen wäre. Fast jeder Facharzt kann, rein abrechnungstechnisch, im Grunde durch fast jeden anderen Facharzt ersetzt werden. Das ist nicht wie in der Inneren, wo man Spezialist im Endoskopieren sein kann, oder in der Radiologie, wo man vielleicht ein Crack sein kann in der kardiovaskulären Bildgebung, oder in der Augenheilkunde, wo man vielleicht super gut Lasern kann oder so. Ich rede jetzt nicht von der Qualität der Patientenversorgung. Die variiert natürlich erheblich. Aber damit kann man ja im Bewerbungsgespräch kaum punkten, weil man das an kaum was festmachen kann, wenn einen der potentielle Arbeitgeber nicht kennt.

Nefazodon
18.04.2022, 21:00
Das stimmt schon, dass man gesucht wird. Gerade in der Psychiatrie finde ich die ambulanten Optionen aber irgendwie mau im Vergleich zu vielen anderen Fachrichtungen. Vor allem ist die Option, sich attraktiv zu verkaufen, doch gerade in der Psychiatrie begrenzt, weil es kaum besondere Fähigkeiten oder Qualifikationen gibt, mit denen man für einen Arbeitgeber interessanter wird bzw. schwer zu ersetzen wäre.

Hmmm...weiß nicht ob ich dem in Gänze zustimmen würde....
Sicherlich können sich Chirurginnen, die irgendwelche speziellen OP-Techniken beherrschen, besser verkaufen,
aber...

Zusatzqualifikationen gibt es auch in der Psychiatrie....
Beispiele wären spezielle Therapieverfahren wie DBT, CBASP, Traumatherapie....
oder auch die Doppelqualifikation tiefenpsychologisch und verhaltenstherapeutisch orientierte Verfahren zusammen...

sicherlich nicht so gesucht wie ein Urologe, der mit dem DaVinci operieren kann, aber dennoch wertvoll...
und ich glaube es GIBT Arbeitgeber die sehen das...

throni
18.04.2022, 21:15
Ich meinte eher den ambulant-psychiatrischen Bereich als den psychotherapeutischen. Wobei man übrigens auch in der ambulanten Psychotherapie als Angestellter trotz zahlreicher Zusatzqualifikationen kaum Spielraum bei Gehaltsverhandlungen hat.

Reflex
18.04.2022, 21:59
Da habe ich deutlich andere Erfahrungen gemacht. Es gibt Praxen, die sind durchaus an einem guten Ruf interessiert und der lebt von qualifiziertem Personal. Aber wenn man langfristig als ambulanter ärztlicher PT arbeiten will, lohnt es eh eher direkt über eine reine Privatpraxis nachzudenken oder sich um einen der meist sogar offenen ärztlichen PT Sitze sich zu bemühen. Denn im Gegensatz zu den psychologischen PT werden die Sitze den Ärzten sogar kostenlos hinterher geworfen.Da gibt es eigentlich keine Notwendigkeit sich anstellen zu lassen. Investitionskosten und Risiko sind da noch wesentlich überschaubarer als in vielen anderen Fachrichtungen.

throni
19.04.2022, 08:45
Danke für die Antworten, aber nochmal: mir geht es um das ambulant-psychiatrische Arbeiten, das sich von der ambulanten Psychotherapie ja schon wesentlich unterscheidet.

GloriaSchmidt
19.04.2022, 17:04
Danke für die Antworten, aber nochmal: mir geht es um das ambulant-psychiatrische Arbeiten, das sich von der ambulanten Psychotherapie ja schon wesentlich unterscheidet.

Wenn du noch ein paar Monate Geduld hast, kann ich dir Infos aus erster Hand geben 😉
Bis jetzt kann ich nur sagen, dass alle Kollegen (und es waren viele), die aus der Klinik in die Praxis „geflüchtet“ sind, den Schritt nicht bereut haben!

Reflex
19.04.2022, 20:55
Danke für die Antworten, aber nochmal: mir geht es um das ambulant-psychiatrische Arbeiten, das sich von der ambulanten Psychotherapie ja schon wesentlich unterscheidet.

Jein, es kommt halt darauf an, wie man seine Arbeit gestalten möchte. Das fängt bei der Patiententaktung, PT-Sprechstunde, Termin Service Stellen Terminen, Konsilen, Heimversorgung an und hört bei Schwerpunkten wie Gruppenpsychotherapie/Einzeltpsychotherapie auf. Zusätzlich gibt es ja auch viele Möglichkeiten außerhalb der KV- Versorgung ärztlich tätig zu sein (z.b. Balintgruppe, Supervision, Selbsterfahrung, Gutachten, Hausarztzirkel etc.) Als Einzelkämpfer ist es natürlich schwerer sich breit aufzustellen, als in einer Gemeinschaftspraxis mit mehreren Ärzten, in der man Psychiatrische und PT-Sitze mit einander kombinieren kann.

Gerolf
06.05.2022, 11:28
Hallo zusammen,
hiermit oute ich mich als neuer Kollege und wollte einmal hallo sagen. Ich bin im 4. Monat nun meiner Weiterbildung zum FA Psychiatrie aus NRW, nach einem kurzfristigen Fachwechsel und freue mich auf die neue Herausforderung.
VG Gerolf

rafiki
07.05.2022, 11:20
Hallo Gerolf,
frische Männer braucht die Psychomedizin :-)
Wie sind deine bisherigen Erfahrungen?
Gruß, rafiki