Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigen- oder Fremdgefährdung? Der Psychiatertreffpunkt
Hat jemand eine Buchempfehlung für deeskalierende Kommunikation bzw. deeskalierendes Verhalten? Ich merke, dass ich mich auf der Akutstation häufig sehr unwohl fühle bei fremdaggressiven, oftmals psychotischen Patienten. Ich bräuchte da konkrete Anweisungen, in der Hoffnung mit solchen Situationen souveräner umgehen zu können. Vielen Dank!
Für sowas gibt es keine "Anweisungen", sondern das schaut man sich in der Regel von erfahrenen Ober/Chefärzten ab. Ansonsten immer: Ruhig bleiben, keine Angst haben (das erhöht die Aggressivität der Pat. und die nie erforderliche, auch verbale, Gegenaggressivität des Personals) und freundlich, aber bestimmt erklären, was du vorhast zu tun. Und dann besonnen handeln mit der Hilfe des Pflegepersonals.
Mach ein Deeskalationstraining. Wenn deine Klinik sowas nicht anbietet (was auch bei psychiatrischen Kliniken leider vorkommen soll), such dir eine andere Klinik, die sowas anbietet und lass dich dafür freistellen.
Bei uns konnte man das auch über die Akademie des Landschaftsverbandes machen. Das war recht gut. Unsere Klinik hat das aber auch als interne Fortbildung immer mal wieder gemacht. Leider war der OA der geschlossenen Stationen und der CA selten präsent. Da konnte man selten bis wenig was lernen, wenn es zu Konflikten kam.
Cinnafly
02.07.2022, 20:48
Hallo zusammen,
dieses Jahr werde ich (hoffentlich) meine Approbation in der Tasche haben und die WB zur Psychiaterin ist von einem Kindheitstraum zu einem Erwachsenentraum gereift. Das Wahltertial war ein voller Erfolg, vor allem der Teil in Zürich, weswegen es mich in die Schweiz zieht. Gibt es da Empfehlungen (bzw. Seiten mit Erfahrungsberichten)?
Bisher kenne ich nur Zürich und Lausanne (dort aber nur vom Pflegepraktikum).
Liebe Grüße :)
Die genannten Orte sind sicher keine schlechten Möglichkeiten. Für DL könnte ich dir einen Standort empfehlen, wenn du richtig gute Psychiatrie lernen willst.
Ich kann Münsterlingen empfehlen. Tolle Lage am Bodensee, direkt an der Uni Stadt Konstanz. Man kann dort sowohl den Schweizer als auch den deutschen FA machen. Alle Rotationen und Schwerpunkte sind möglich. Sie machen EKT und Therapie mit Psychodelika. Es gab wie ich dort war, tolle Fortbildungen. Sie zahlen 5000 SFR/Jahr für deine Weiterbildungszeit und 10 Tage extra frei. Nachtdienst nur wenn man will. Zeiterfassung (46h/Woche) mit Kompensation. Wohheime vor Ort. Wenn man motiviert ist, kann man bereits früh in der Fortbildung OA werden. Das Fremdjahr in Neuro kann man vor Ort machen, es kommt ein FA Neurologie auf die Demenzstation.
Ich kann es voll empfehlen.
Falls du noch Fragen hast, kannst du mir gerne auch eine PM schicken.
Cinnafly
03.07.2022, 12:40
Vielen Dank für eure schnellen Antworten!
Münsterlingen wäre tatsächlich auch auf meiner Interessenliste, allerdings war ich auch da weder in der Stadt, noch im Krankenhaus.
In Zürich haben viele Ärzte Hospitationen gemacht. Wie lange im Voraus sollte man sich dafür denn Bewerben? Und an welchen Standorten wird so etwas angeboten?
Relaxometrie
03.07.2022, 13:42
Für DL könnte ich dir einen Standort empfehlen, wenn du richtig gute Psychiatrie lernen willst.
Wo ist das? Ich bin mal wieder auf Stellen- und Sinnsuche und -nachdem ich einige Fächer durch habe-, kann ich mir auch vorstellen, wieder in das Fach zu gehen, in dem ich nach dem Studium begonnen habe: nämlich Psychiatrie. Habe das damals nur verlassen, weil ich "somatische Erfahrungen" sammeln wollte. So langsam muss ich mal überlegen, in welchem Fach ich langfristig bleibe :-))
Blaulicht86
03.07.2022, 17:03
Ich habe mich gerade mit einer Bekannten unterhalten, welche in die Psychiatrie gewechselt ist.
Habe nun eine Frage an die Psychiater unter euch: was kostet die Weiterbildung zum Facharzt für Psychiatrie u. Psychotherapie?
(Z.B Selbsterfahrung, Balint und was man sonst noch alles dafür brauch …). Ohne evtl. Zuschuss vom Arbeitgeber.
@Relaxometrie: hast ne PN.
Würde mich auch interessieren @rafiki.
Deeskalationstraining wird bei uns intern 2x pro Jahr angeboten. Dauert nur leider noch etwas bis zum nächsten Termin... Aber danke für die Tipps!
GloriaSchmidt
04.07.2022, 19:57
Ich habe mich gerade mit einer Bekannten unterhalten, welche in die Psychiatrie gewechselt ist.
Habe nun eine Frage an die Psychiater unter euch: was kostet die Weiterbildung zum Facharzt für Psychiatrie u. Psychotherapie?
(Z.B Selbsterfahrung, Balint und was man sonst noch alles dafür brauch …). Ohne evtl. Zuschuss vom Arbeitgeber.
Bei uns wurde alles davon über den Arbeitgeber angeboten oder bezahlt. Ohne Zuschuss vom Arbeitgeber würde es teuer… Selbsterfahrung wären glaub ich irgendwas 1800-3000€ oder so gewesen, 35 Doppelstunden Balint à 50-70€. Wenn man dann noch diese ganzen Seminarstunden über ein Institut machen würde (100 Stunden Seminar Psychotherapie, 16 Stunden Entspannungstechniken….) wäre es sehr teuer.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Kliniken gibt, die nichts davon selbst anbieten oder bezuschussen :-)
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Kliniken gibt, die nichts davon selbst anbieten oder bezuschussen :-)
Gibt es leider genügend. Kosten hängen davon ab, ob es Einzel- oder Gruppenselbsterfahrung ist (Einzel zwischen 12-15T und Gruppenselbsterfahrung je nach Anbieter zwischen 4.5-6T). Balint-Gruppe ist ebenfalls vom Anbieter abhängig.
Meine aktuelle Klinik bezuschusst pro Jahr jeden Weiterbildungsarzt/-ärztin mit €2000 über 4 Jahre, für die Balint-Gruppe kommt jemand externes ins Haus.
GloriaSchmidt
04.07.2022, 20:35
Oh je - das ist krass… hab nochmal nachgesehen, meine Selbsterfahrung hat 3600€ gekostet. Das wurde bezuschusst ich glaub mir so 2k, hätte aber auch „intern“ für lau gemacht werden können…
Blaulicht86
04.07.2022, 21:01
Danke für die antworten. Das ist ja einiges an Geld. Meine Bekannte meinte, dass es gar nicht so einfach mit dem Zuschuss ist. Dieser zb zurück gezahlt werden muss, wenn man vor dem Facharzt die Klinik verlässt und auch nicht bei allen Kliniken mit einem Zuschuss zu rechnen ist.
Also kostet Selbsterfahrung und Balint. Was ist denn mit dem Rest? (Supervision und so..)
Kostet das auch noch was?
Züschata
05.07.2022, 06:00
Ich würde nirgendwo arbeiten, wo ich auch nur einen Cent der Ausbildungskosten tragen würde. Bei uns wird alles übernommen, die Rechnung an den Arbeitgeber adressiert. In der Psychiatrie muss das nun echt nicht sein.
Herbstblume90
05.07.2022, 07:20
Wir zahlen Balint und Selbsterfahrung selber, der Rest Wird übernommen. Wobei die beiden ja die größten Posten sind…
GloriaSchmidt
05.07.2022, 16:53
Danke für die antworten. Das ist ja einiges an Geld. Meine Bekannte meinte, dass es gar nicht so einfach mit dem Zuschuss ist. Dieser zb zurück gezahlt werden muss, wenn man vor dem Facharzt die Klinik verlässt und auch nicht bei allen Kliniken mit einem Zuschuss zu rechnen ist.
Also kostet Selbsterfahrung und Balint. Was ist denn mit dem Rest? (Supervision und so..)
Kostet das auch noch was?
Wegen Supervision: Es muss ja (zumindest nach alter WBO) ich glaub ich jede 4(?) der PT Stunden (240?) supervidiert werden - in den meisten Kliniken ist es glaub ich so, dass dies heißt, dass man regelmäßig mit dem Oberarzt/Therapeuten der Station über die Patienten/Therapiestunden spricht.
Dann gibt es noch diese ganzen Seminarstunden - da braucht man bei der FA Prüfung keine Einzelnachweise, bei uns gab es regelmäßig interne Fortbildungen und welche über einen Weiterbildungsverband, die man gratis besuchen konnte (bzw 10€ pro Semester oder so)… man kann natürlich auch extern Kurse/Psychotherapieseminare besuchen, das würde auch kosten.
Dann gab es noch das AMDP Seminar, das waren auch ein paar Euro (unter 100€ glaub ich, ist ein paar Jahre her bei mir)
Blaulicht86
05.07.2022, 20:05
Danke Gloria.
Also sind es (vorausgesetzt man macht Gruppen und keine Einzelseminare) schon so 5.000€ die man einkalkulieren sollte, sofern man sich nicht sicher ist ob man in der Klinik alt wird / diese die Kosten übernimmt…
GloriaSchmidt
06.07.2022, 06:17
Danke Gloria.
Also sind es (vorausgesetzt man macht Gruppen und keine Einzelseminare) schon so 5.000€ die man einkalkulieren sollte, sofern man sich nicht sicher ist ob man in der Klinik alt wird / diese die Kosten übernimmt…
Also wenn die die Klinik nichts anbietet und nichts fördert wahrscheinlich schon :-) Aber das wäre mir bei der Wahl der Klinik schon wichtig - das können die ruhig mal zahlen!
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