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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigen- oder Fremdgefährdung? Der Psychiatertreffpunkt



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Spriggan
13.11.2022, 19:45
Hallo,

kennt ihr Anbieter oder Therapeuten die Selbsterfahrung noch online als Webinar anbieten? APP Köln hat das dieses Jahr noch gemacht aber die Kurs sind alle ausgebucht. Vielen Dank schonmal :)!

rafiki
13.11.2022, 19:46
Das sehe ich genauso. Das, was für den psychiatrischen FA an Psychotherapie-Weiterbidlung verlangt wird, ist völlig unzureichend für eine entsprechende qualifizierte Arbeit. Wenn du eigenständig psychotherapeutisch arbeiten willst, kannst du entweder nach dem FA noch sehr viel Fortbildungen und Selbsterfahrung machen oder du wechselst direkt in das Gebiet der Psychosomatischen Medizin, wo sehr viel mehr an psychotherapeutischem Können gefordert wird. Aber auch da ist man mit der Facharztprüfung noch keineswegs "reif" für eigenständiges Arbeiten in der Psychotherapie. Es sei denn, man will sich selbst das Leben schwer machen und/oder den Pat. nicht viel anzubieten haben.

@Spriggan: Das ist ungefähr so, als wollte ein Chirurg per Webinar das Operieren lernen.

Spriggan
13.11.2022, 20:19
Danke für deine Antwort. Mir ging es nicht darum wie gut und effizient es online ist (ich habe schon Stunden in Person hinter mir) sondern lediglich um die Beantwortung meiner Frage. Dankeschön.

GloriaSchmidt
13.11.2022, 21:11
@Rafiki
Aber Abraten braucht man ja nicht direkt einem zukünftigen ärztlichen Psychotherapeuten;-)
Natürlich gibt es da vieeeeel zu lernen, aber man kann Psychotherapie auch als Psychiater lernen, nicht nur als Psychosomatiker (vor allem, wenn man VT machen will!)
Es gibt auch ambulante PT Praxen mit WBE und gute Kliniken natürlich auch - grad wenn es einen Schwerpunkt gibt.
Ich denke auch, dass das, was für den Facharzt gefordert wird, sehr wenig ist im Vergleich zu dem, was psychologische PTs lernen müssen. Aber wenn man Interesse hat und gute Ausbilder findet - es gibt vieeeel zu wenig Psychotherapeuten. Ich freue mich aktuell sehr, es anbieten zu können!

fxf90
14.11.2022, 14:10
Hi ihr Lieben, ihr habt ja Recht. Ich WILL auch noch viel Erfahrung sammeln, habe tatsächlich auch damit geliebäugelt, nach dem erforderlichen Psych-Jahr (+/- 2 Jahre) in die Psychosomatik zu gehen @ rafiki. Um psychotherapeutische Erfahrung zu sammeln, hab auch total Lust mich z.B. in Gruppentherapie weiterzubilden. Ich finde ebenso die Grundausbildung zu wenig.
Die Krux ist nur, dass ich von meiner ersten Stelle recht enttäuscht war. Psychotherap. habe ich da nichts gelernt. Die einzige Anforderung war gefühlt, Dienste zu schrubben und Briefe zu schreiben. Es gab keine Supervision, nichts nada. Deshalb meine semi-Begeisterung, weiterhin meine Arbeitskraft diesem System (schreib Briefe, mach Dienste) zur Verfügung zu stellen. Eigentlich wünsche ich mir nur halbsweg passable Arbeitsbedingungen, dann würde ich auch länger in der Klinik bleiben wollen.

rafiki
14.11.2022, 14:48
Die Krux ist nur, dass ich von meiner ersten Stelle recht enttäuscht war. Psychotherap. habe ich da nichts gelernt. Die einzige Anforderung war gefühlt, Dienste zu schrubben und Briefe zu schreiben. Es gab keine Supervision, nichts nada.

Ja, so ist das in unseren Kliniken leider. Ging mir genauso bis zum Abschluss meines ersten FA vor 10 Jahren. Und anscheinend ist es sogar noch schlimmer geworden.


Eigentlich wünsche ich mir nur halbsweg passable Arbeitsbedingungen, dann würde ich auch länger in der Klinik bleiben wollen.

Die wirst du als Assistenzarzt kaum irgendwo finden, da muss man halt durch. Übrigens muss man sich gute PT-Ausbildung, Supervision und sinnvolle Selbsterfahrung suchen, das bedeutet Investition in sich selbst, durchaus auch mit Fehl- und Umwegen. Wenn man wirklich Interesse hat, nichts "von der Stange" nehmen! Billigausbildung führt mittelfristig immer in die Frustration, es sei denn, man ist zufrieden mit Minderqualität.

Die Zukunft hat bereits begonnen und es wird immer mehr in die Richtung geteilter (Psycho)Medizin gehen: Massenversorgung mit entsprechender "Qualität" für Behandler und Patienten und Orte, an denen man gut und sinnvoll therapieren kann, sich wohlfühlt und entsprechend gut honoriert wird.

GloriaSchmidt
14.11.2022, 16:07
Ja, Mist ist das.
In den Praxen sind die Arbeitsbedingungen zwar „netter“ (keine Briefe oder Dienste, zumindest sehr viel weniger), aber Fließband Arbeit ist es schon auch irgendwie.
Zuwendung im Akkord…
Ein rein psychotherapeutischer Sitz wäre bestimmt nett….

voland
07.12.2022, 13:40
Befinde mich gerade ein wenig in einer Sinnkrise...

Mein erstes Ausbildungsjahr zum FA für Psychiatrie/Psychotherapie neigt sich dem Ende zu. Zwangsläufig beschäftigt man sich so langsam mit der psychotherapeutischen Ausbildung. Mein Plan war es bisher immer gewesen, eine tiefenpsychologisch fundierte Ausbildung zu absolvieren. Dort wo ich arbeite, ist das Weiterbildungsangebot allerdings ziemlich mau. Es gibt allerdings ein tiefenpsychologisch orientiertes Institut. Was mich etwas abschreckt sind der zeitliche und finanzielle Aufwand. Um überhaupt aufgenommen zu werden, muss man drei "Bewerbungsgespräche" absolvieren, dann mindestens 600 Theoriestunden und natürlich die Stunden für Supervision, Selbsterfahrung etc. Dazu kommen dann noch mehrere Verlaufsberichte, zwei Prüfungen und dje zeitliche Bindung ans Institut für mindestens 5 Jahre.

Um ehrlich zu sein habe ich keine Ahnung, wie man das neben der normalen Arbeit im Krankenhaus mit Diensten noch bewerkstelligen soll. Klar, gehen wird es schon irgendwie und zu einer guten Ausbildung gehört eben die investierte Zeit mit dazu, aber der Aufwand erscheint mir doch enorm. Aktuell liebäugle ich deshalb mit dem Gedanken eher über VT zu gehen und dann einen bestimmten Bereich zu vertiefen (z.B. IPT, Schematherapie).

Wie habt ihr euch damals entschieden? Tipps? Erfahrungen?

Vielen Dank!

tensun
07.12.2022, 16:22
Vielleicht MBT?

GloriaSchmidt
07.12.2022, 18:46
@voland:

Wie ist es denn intern bei euch geregelt? Ich „musste“ damals, zumindest erstmal auf dem Papier, die Richtung machen (TP in dem Fall) die der Chef und die supervidierdende OÄ nunmal hatten, allein schon um die Voraussetzungen für den Facharzt zu erfüllen (die 240 h supervidierte Einzeltherapie zum Beispiel).
Prinzipiell konnte ich alles klinikintern machen außer die Selbsterfahrung.

Alles was dazu kam war „freiwillig“

rafiki
07.12.2022, 19:20
Dieses Gesamtpaket vor allem mit Bindung an das Institut erscheint übermäßig. Diese Institute sind nicht an die Realität eines Psychiatriearztes angepasst. In einer normalen Assistenzarztzeit hast du allein schon kaum Zeit, um regulär an die Therapiestunden zu kommen. Ich konnte damals sämtliche Bausteine außer SE während der Arbeitszeit an der großen Klinik absolvieren, wobei "Theoriestunden" nicht wirklich notwendig sind, da man sich dies selbst anlesen kann. Eine wirkliche Therapie"bildung" auch mit Blick über den Tellerrand habe ich erst nach FA-Abschluss gemacht, ist auch sinnvoller, da man viele Zusammenhänge vorher einfach kaum versteht bzw. alle Kraft braucht für das harte Geschäft der Versorgungs-, Verwaltungs- und Dienstpsychiatrie.

voland
07.12.2022, 20:04
Intern ist es so geregelt, dass eigentlich alle Assistenten VT machen über das hiesige Institut. Das heißt, vor allem die Selbsterfahrung in Gruppen und als Block - was ich immer sehr fragwürdig fand, aber in Anbetracht der Arbeitsbelastung ist es natürlich zeitlich und vom Aufwand her attraktiv. Supervision und die Therapiestunden geschehen bei uns eher nebenbei bzw. wird die Supervision teilweise durch den leitenden Psychologen gewährleistet. Eine kontinuierliche Betreuung haben wir nicht, vor allem keine psychotherapeutische Supervision durch Oberärzte (mal abgesehen von dem "normalen" Austausch während der Übergabe, Visite, Team etc.).
Allgemein habe ich das Gefühl, dass die Psychotherapie eher Hoheitsgebiet der Psychologen ist, was ich sehr schade finde.

Aktuell fühle ich mich, wie schon ganz richtig beschrieben, eher als Verwalter und Pillenverordner. Sehr frustrierend.

War die Psychotherapie-Ausbildung bei euch in der Klinik straff geregelt oder Privatvergnügen?

GloriaSchmidt
07.12.2022, 21:45
War die Psychotherapie-Ausbildung bei euch in der Klinik straff geregelt oder Privatvergnügen?

Privatvergnügen gar nicht - im Zweifelsfall hätte ich auch nicht einen einzigen Euro dafür ausgeben müssen und keine Freizeit investieren müssen. Aber straff geregelt auch nicht - das Nadelöhr Psychotherapiestation war einfach „the Place to be“, da konnte man dann die supervidierten Therapien machen, Gruppenintervision mit dem therapeutischen Team plus Einzelsupervisionen bei OÄ oder auch oft einer Psychologin gabs dann.
Selbsterfahrung konnte man sich aussuchen wo, wurde bezuschusst und während der Arbeitszeit gemacht (oder als Überstunden sogar 😁)
Aber „gut“ war die PT Ausbildung dadurch nicht! Zumindest aber möglich, immerhin.

Colourful
08.12.2022, 16:38
Ja, bei uns ist das ähnlich, dass soll man alles während der Arbeit und den Diensten in seiner Freizeit machen. Und dann wird noch gemeckert, dass man nicht gut genug arbeitet. Na ja, ist nur irgendwie zu schaffen, aber eben auch nicht gut oder so. Und für mich dauert das dann eben wegen der Kinder noch mal länger. (Bin frustriert, ich weiß.)

pilsatorplatin
22.12.2022, 21:04
Ich habe eine Frage zur Niederlassung mit psychotherapeutischem Kassensitz.
Ich habe einen FA für Psychosomatik mit VT Schwerpunkt. Im Rahmen eines Vortrages beim DGPPN habe ich gehört, dass die KVen teilweise bemängeln, wenn man nicht die gesamte WB unter einem Weiterbilder mit VT Schwerpunkt gemacht hat, wenn man sich als VTler niederlassen möchte.
Angeblich müssen dann noch (trotz Facharzt) Therapiestunden nachgeholt werden, bis man alle geforderten Stunden unter einem Weiterbilder mit VT Schwerpunkt absolviert hat.
Ist da was dran? Hat jemand Erfahrung damit?

Reflex
23.12.2022, 07:20
KV Nordrhein scheint damit kein Problem zu haben, solange man alle notwendigen PT Zeiten in den Zeugnissen nachweisen kann. Wenn man Gruppen PT beantragen möchte, muss man dass ggf. separat nachweisen (wenn es nicht bereits im Zeugnis steht). Nach der alten WBO war das für den Psychiater kein Weiterbildungsinhalt. Meine letzte Weiterbildnerin war aber so geistesgegenwärtig und hat es mir direkt mit ins letzte Weiterbildungszeugnis vor der Facharztprüfung geschrieben, damit ich es dann einfacher habe sobald ich den KV Sitz beantrage.

fxf90
09.01.2023, 11:51
Hallo zusammen,

ich suche Inspiration für Literatur.. gern Nachschlage-Werke von allem "etwas" und/oder zur Psychotherapie (VT). Hab in der Psych 1 Jahr WB hinter mir und habe derzeit Pause vor einer neuen Stelle und Zeit zum nachlesen und vertiefen.

Danke und schöne Woche Euch.

Züschata
09.01.2023, 18:45
Fortschritte der Psychotherapie, ehemals als Blaue Reihe bekannt. Sehr kurzweilig!

Dragonheart
10.01.2023, 13:11
Hallo ihr Lieben,

Ich stecke hier mal vorsichtig die Nase rein :-)
Wenn alles so läuft wie aktuell geplant verschlägt es mich baldauf dem Weg zur Allgemeinmedizin von der Inneren in die Psychosomatik (bzw Chefs mit Weiterbildungsermächtigung für Psychiatrie).
Daher wollte ich mal nachfragen, ob ihr den ein oder anderen Buchtipp für mich hättet. Es sollte sich um ein Buch mit guten Überblick und ggf praktischen Tipps für den Arbeitsalltag handeln. Das Fach ist bisher in der beruflichen Lafbahn absolutes Neuland, bin schon etwas nervös / positiv aufgeregt.

rafiki
10.01.2023, 17:37
Für Psychosomatik: Herzog/Kruse/Wöller: Psychosomatik oder Rudolf/Henningsen: Psychotherapeutische Medizin und Psychosomatik.
Für Psychiatrie: Tölle/Windgassen: Psychiatrie.

Für den Alltag: Man ist wie in anderen Fächern viel mit Organisationskram und als Arzt mit körperlichen Fragen/Konsilen beschäftigt. Lernen kann man am besten, wenn man sich interessiert auf Pat. und deren Probleme einlässt (das ist ein großer Unterschied zur Somatik). Was man sich wirklich zeigen und erklären lassen muss, ist die psychopathologische Befunderhebung, die meist massiv vernachlässigt wird. Diese phänomenologische Befunderhebung ist das "Stethoskop" des Psycho-Arztes: nur so kann man ein handfeste Diagnose stellen. Die hohe Kunst dagegen ist eine psychodynamische Einschätzung, die sehr viel Hintergrundwissen und Selbsterfahrung erfordert, da man dabei (zum Teil) selbst als Untersuchungsinstrument fungiert.