Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigen- oder Fremdgefährdung? Der Psychiatertreffpunkt
necrobiosislipoidica
05.06.2023, 20:05
Stimmt es das Psychiatrie in D wieder etwas vermehrt ärztlichen Nachwuchs bekommt? Hat sich die vergleichsweise gute Work-Life Balance und die ganzen Jobmöglichkeiten (Großstädte) rumgesprochen? In den USA ist die Psychiatrie nach den Match-Statistiken schon richtig kompetitiv geworden.
Wäre ich nicht in ein somatisches Fach gegangen, dann wärs wahrscheinlich Psych. geworden. Fand die Arbeit als Student schön vielfältig (Adoleszenz-, Sucht- und Gerontopsychiatrie).
Bandwurm
05.06.2023, 20:50
Also in der Erwachsenenpsychiatrie merke ich noch nicht von einer Erholung, es gibt Kliniken -und nicht nur einzelne- da gibt es keine Assistenzärzte mehr, nur noch Honorarärzte, die den Lagen schmeißen. In der KJP sieht es etwas besser aus, aber da immer noch KJP Kliniken entstehen und auch der Niedergelassenenbereich noch recht düster aussieht: Auch Nein.
Stationäre Psychiatrie mag sich keiner mehr antun unter den immer schlimmer werdenden Bedingungen, außer Uni-Kliniken, dort kümmert man sich ja hauptsächlich um paper. Ertragen lässt sich das nur durch "Honorar"arbeit (auf allen Hierarchiestufen), dort ist es kompetetiv in dem Sinne: wer schlägt die höchsten Stundensätze heraus? Psychosomatik ist deutlich angenehmer, mindestens genauso Personalmangel, weil viele Studenten/Kollegen das Fach nicht auf dem Schirm haben.
Cor_magna
06.06.2023, 13:26
Stationäre Psychiatrie mag sich keiner mehr antun unter den immer schlimmer werdenden Bedingungen, außer Uni-Kliniken, dort kümmert man sich ja hauptsächlich um paper. Ertragen lässt sich das nur durch "Honorar"arbeit (auf allen Hierarchiestufen), dort ist es kompetetiv in dem Sinne: wer schlägt die höchsten Stundensätze heraus? Psychosomatik ist deutlich angenehmer, mindestens genauso Personalmangel, weil viele Studenten/Kollegen das Fach nicht auf dem Schirm haben.
Mir wurde von Neurologen immer gesagt in der Psychiatrie sei es deutlich angenehmer und dass viele angehende Neurologen in ihrem Psychiatrie Fremdjahr in der Psychiatrie "hängen bleiben".
Aber schlechte Bedingungen sind natürlich immer relativ.
Ich meine nicht die allgemeinen schlechten Bedingungen, wie sie fast überall anzutreffen sind, sondern die psychiatriespezifischen, die ständig grauslicher werden.
Davon abgesehen hätte ich auch nichts von einem derartigen Neurologie-Boom gehört, dass man hieraus überschwappend die Psychiatrie mitabdecken könnte.
Moinsi ihr Lieben!
Bin auf der Suche nach guten Büchern zur Übersicht Psychosomatik und kognitive Verhaltenstherapie. Werde in 3 Monaten meine erste Stelle in dem Bereich antreten und will nicht ganz unvorbereitet da auftauchen...
Cinnafly
27.06.2023, 16:25
Moinsi ihr Lieben!
Bin auf der Suche nach guten Büchern zur Übersicht Psychosomatik und kognitive Verhaltenstherapie. Werde in 3 Monaten meine erste Stelle in dem Bereich antreten und will nicht ganz unvorbereitet da auftauchen...
Also ich mache zwar Psychiatrie, habe aber das Buch "Einführung in die Psychosomatik und Psychotherapie: Ein Arbeitsbuch für Unterricht und Eigenstudium (von Ermann et al.)" von meinen Eltern "geerbt" und finde es auch für unsere Therapeuten-ausbildung ganz gut. Ist halt nicht nur VT.
Hat auch der Gruppenleiter unserer Balint-Gruppe immer wieder empfohlen.
Apropos Therapeuten-ausbildung: Ich Rotiere demnächst auf eine Station, in welcher der Personalschlüssel gewählt ist, dass ich ganze ärztliche Therapiestunden durchführen "muss".
Ich würde demnach jetzt ganz gern die Zeit nutzen, um den Therapeuten-teil schon einmal zu machen, bevor ich *endlich* auf meine lang erwartete Psychose-Station rotieren darf.
Die Balintgruppe habe ich schon recht früh starten können. Da hat mich der Gruppenleiter gefragt, ob ich auch bei ihm Supervision machen möchte, da müsste ich mich halt automatisch in die "TP-Schiene" begeben.
Grundsätzlich ist es mir so lang wie breit, ob VT oder TP (am Ende kann man ja eh nicht klar Trennen, s. 3.Welle VT), ich habe aber Bedenken, dass es bei TP dann schwieriger wird, die Selbsterfahrung zu organisieren, die ich ja nicht auch noch bei ihm machen kann.
Vielleicht ist das jetzt nur subjektives Empfinden, aber kann es sein, dass es dafür viel weniger Angebot gibt, wenn dann nur für Einzel-Selbsterfahrung (und demnach wesentlich teurer) und es weniger gern flexibel (hab tatsächlich von online-Kursen gehört) oder in Blöcken angeboten wird?
Komme aus Bayern, falls das eine Rolle spielt. Hat da zufällig jemand einen Tipp für ein gutes Institut, das recht breite Möglichkeiten anbietet und keine allzu langen Wartezeiten (Preis ist nicht erstrangig) hat (VT sowie TP)?
Züschata
27.06.2023, 17:05
Moinsi ihr Lieben!
Bin auf der Suche nach guten Büchern zur Übersicht Psychosomatik und kognitive Verhaltenstherapie. Werde in 3 Monaten meine erste Stelle in dem Bereich antreten und will nicht ganz unvorbereitet da auftauchen...
Ich habe heute das Buch Psychosomatische Medizin von Uexküll bekommen, das sieht ganz empfehlenswert aus und soll auch Standardwerk sein. Aber Achtung: das Ding ist gewaltig, hat über 1000 Seiten.
Interessehalber: Wie sind in euren Häusern, in denen es sowohl erwachsenen- als auch kinder- und jugendpsychiatrische Stationen gibt, die Dienste verteilt? Ich als KJPlerin decke in den Bereitschaftsdiensten alle Bereiche (KJP, Allgemeinpsychiatrie, Geronto, Forensik, Psychosomatik - die Klinik hat mehrere hundert Betten) ab und fühle mich oftmals fachlich hart überfordert, eben weil mein Tagesgeschäft, was Akutsituationen, Medikation usw. betrifft, ein gänzlich anderes ist und ich quasi nur im Dienst (ärztlich zu zweit vor Ort, jeweils für Haus und Aufnahme zuständig) in der Erwachsenenpsychiatrie Erfahrung sammeln kann, was halt trotz Hintergrund-OA weit weg ist von wirklicher fachärztlicher Anleitung...
Komme aus Bayern, falls das eine Rolle spielt. Hat da zufällig jemand einen Tipp für ein gutes Institut, das recht breite Möglichkeiten anbietet und keine allzu langen Wartezeiten (Preis ist nicht erstrangig) hat (VT sowie TP)?
Suchst du wirklich ein Institut oder einen Selbsterfahrungstherapeuten? Falls du an intensiver TP mit echter SE Interesse hast, könnte ich dir welche nennen.
vanilleeis
27.06.2023, 19:11
Interessehalber: Wie sind in euren Häusern, in denen es sowohl erwachsenen- als auch kinder- und jugendpsychiatrische Stationen gibt, die Dienste verteilt? Ich als KJPlerin decke in den Bereitschaftsdiensten alle Bereiche (KJP, Allgemeinpsychiatrie, Geronto, Forensik, Psychosomatik - die Klinik hat mehrere hundert Betten) ab und fühle mich oftmals fachlich hart überfordert, eben weil mein Tagesgeschäft, was Akutsituationen, Medikation usw. betrifft, ein gänzlich anderes ist und ich quasi nur im Dienst (ärztlich zu zweit vor Ort, jeweils für Haus und Aufnahme zuständig) in der Erwachsenenpsychiatrie Erfahrung sammeln kann, was halt trotz Hintergrund-OA weit weg ist von wirklicher fachärztlicher Anleitung...
No way für mich. Bei uns gibt einen AVD für die Erwachsenen und einen bei uns (KJP). Sind zwei komplett getrennte Abteilungen ohne Schnittpunkt im Alltag, jeweils anderer Chef und so.
Danke für die Rückmeldung. Auch hier hat's verschiedene Chefs. Die Teilnahme der KJP am EP-Dienstsystem liegt wohl v.a. am dortigen Personalmangel, wobei viele KJP-Kolleg*innen sich inzwischen (durch Atteste oder anderweitig, das weiß ich nicht genau) vom Bereitschaftsdienst haben befreien lassen. Ich bin vor jedem 20-h-Dienst und auch danach maximal fertig, weil das Gefühl von Überforderung bleibt und auch das Arbeitsaufkommen im Dienst extrem ist, zudem fehle ich am nächsten Tag bei meinen eigentlichen Patient*innen... Meine KJP-Abteilung finde ich super, aber die Dienste bringen mich momentan echt an meine Grenzen und lassen mich überlegen, mir eine Klinik zu suchen, in der ich auch nur KJP-Dienste abdecken muss.
Herbstblume90
27.06.2023, 20:23
Bei uns mache ich nur die KjP Dienste, das sind allerdings so Pseudo Rufbereitschaften, bei denen man in 90% der Fälle aber rein muss, mit dem Nachteil, das man am nächsten Tag auch wieder arbeiten muss..
Bei uns machen die KJPler und die Psychosomatiker die KJP, Erwachsenen Tagesklinik und die zwei Psychotherapiestationen im Dienst mit (gleiches Gebäude), aber z.B. nicht die Akutpsychiatrie Erwachsene. Die Erwachsenenpsychiater machen die Psychosomatik mit. Man kann sich aber zur Not absprechen, da immer ein Psychosomatiker/ KJPler und ein Erwachsenenpsychiater Dienst haben (2 Gebäude).
Bin ehrlich froh, dass ich keine KJP Dienste machen muss. Wüsste da auch keine Medis etc.
Es gibt ein Buch "mein erster Dienst Psychiatrie", das ist ganz nett zum mal reingucken
vanilleeis
28.06.2023, 09:36
Bei uns machen die KJPler und die Psychosomatiker die KJP, Erwachsenen Tagesklinik und die zwei Psychotherapiestationen im Dienst mit (gleiches Gebäude), aber z.B. nicht die Akutpsychiatrie Erwachsene. Die Erwachsenenpsychiater machen die Psychosomatik mit. Man kann sich aber zur Not absprechen, da immer ein Psychosomatiker/ KJPler und ein Erwachsenenpsychiater Dienst haben (2 Gebäude).
Bin ehrlich froh, dass ich keine KJP Dienste machen muss. Wüsste da auch keine Medis etc.
Es gibt ein Buch "mein erster Dienst Psychiatrie", das ist ganz nett zum mal reingucken
Das könnte ich mir ja noch am ehesten vorstellen als KJPler, aber akute Erwachsene?? Ne... da fehlen mir einfach die Grundlagen aus dem Tagdienst, um da vertretbar Dienste machen zu können.
Wo kommst Du denn her, Obsura? Gerne per PN. Ich muss dazu aber sagen, dass unsere Dienste deswegen auch maximal schlecht bezahlt werden (BD-Stufe 1 nach VKA, also 70 % der BD-Stunde wird angerechnet), was aber auch gerechtfertigt ist.
@Obscura: Das klingt wirklich unangenehm. Die meisten KJPler haben von typischen Erwachsenen-Akutsituationen wenig Ahnung, und von Psychopharmakologie noch viel weniger Ahnung.
Ich kenne in meiner Region einige Häuser, an denen es üblich ist, dass die Erwachsenenpsychiatrie im Dienst die Psychosomatik und/oder eine Transitionsstation (Alter 16+) mitbetreut, aber eine Mitbetreuung der Erwachsenenpsychiatrie durch die KJP ist mir nicht bekannt, halte ich auch für recht riskant. (Auch eine Mitbetreuung der KJP durch die Erwachsenenpsychiatrie ist mir nicht bekannt, halte ich ebenfalls nicht für sinnvoll, aber zumindest für weniger riskant.)
Herbstblume90
28.06.2023, 18:02
Ich würde mich auch freuen, von euch zu hören, in welcher KJP ihr seid :)
vanilleeis
28.06.2023, 18:36
Bei mir weißt du oder? Sonst schick ich dir ne PN
pilsatorplatin
28.06.2023, 20:11
Hallo, ich habe eine Frage zur Niederlassung als FA für Psychosomatik. Ich habe 2022 meinen FA nach WBO von 2011 gemacht.
Als therapeutische Grundorientierung habe ich Verhaltenstherapie gewählt. Das kann man am Logbuch und auch am Zeugnis erkennen.
Auf meiner FA Urkunde steht aber kein Therapieverfahren nur "Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie".
Wird von der KV für die Niederlassung und Abrechnung von Verhaltenstherapie noch ein extra Fachkundenachweis über das erlernte Richtlinienverfahren gefordert (analog zu den Psychologen)? Sowas habe ich nämlich nicht und wüsste auch nicht, wie ich es bekommen sollte.
Freue mich über hilfreichen Hinweise.
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