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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigen- oder Fremdgefährdung? Der Psychiatertreffpunkt



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GloriaSchmidt
29.06.2023, 21:20
Bei uns machen die KJPler und die Psychosomatiker die KJP, Erwachsenen Tagesklinik und die zwei Psychotherapiestationen im Dienst mit (gleiches Gebäude), aber z.B. nicht die Akutpsychiatrie Erwachsene. Die Erwachsenenpsychiater machen die Psychosomatik mit. Man kann sich aber zur Not absprechen, da immer ein Psychosomatiker/ KJPler und ein Erwachsenenpsychiater Dienst haben (2 Gebäude).

Haben wir in der gleichen Klink gearbeitet?! 😂 also - im Ernst! Das wäre ja verrückt!

GloriaSchmidt
29.06.2023, 21:23
Hallo, ich habe eine Frage zur Niederlassung als FA für Psychosomatik. Ich habe 2022 meinen FA nach WBO von 2011 gemacht.
Als therapeutische Grundorientierung habe ich Verhaltenstherapie gewählt. Das kann man am Logbuch und auch am Zeugnis erkennen.
Auf meiner FA Urkunde steht aber kein Therapieverfahren nur "Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie".
Wird von der KV für die Niederlassung und Abrechnung von Verhaltenstherapie noch ein extra Fachkundenachweis über das erlernte Richtlinienverfahren gefordert (analog zu den Psychologen)? Sowas habe ich nämlich nicht und wüsste auch nicht, wie ich es bekommen sollte.
Freue mich über hilfreichen Hinweise.

Bin zwar kein Psychosomatiker sondern Psychiater, aber bei mir war es nicht so, dass die was zusätzliches wollten außer Zeugnis und FA Urkunde. War sehr unkompliziert :)

Reflex
30.06.2023, 07:34
Bei mir hat für die Beantragung der PT und psychosmatischen Grundversorgung der Facharzt mit den Weiterbildungszeugnissen gereicht. Je nach dem welche Selbsterfahrung man gemacht hat, ist das da ja verzeichnet. Es gibt aber auch KVen wie z.B. WL, wenn man da einen ärztlichen PT Sitz beantragt, wird die Psychotherapie als Verfahren direkt mit bewilligt und man muss es gar nicht mehr separat beantragen (was ja eigentlich auch verrückt ist). Bei ärztlichen PT Sitzen machen die KVen eh keinen großartigen Unterschied zwischen Psychosmatikern oder Psychiatern (soweit diese den „neuen“ Facharzt mit PT Ausbildung haben).

Züschata
30.06.2023, 08:13
Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen dem Psychosomatik und dem Ärztlichen PT-Sitz? In NRW werden diese getrennt aufgeführt (auch mit unterschiedlicher Verfügbarkeit).

Obscura
30.06.2023, 11:24
@Obscura: Das klingt wirklich unangenehm. Die meisten KJPler haben von typischen Erwachsenen-Akutsituationen wenig Ahnung, und von Psychopharmakologie noch viel weniger Ahnung.

Ich kenne in meiner Region einige Häuser, an denen es üblich ist, dass die Erwachsenenpsychiatrie im Dienst die Psychosomatik und/oder eine Transitionsstation (Alter 16+) mitbetreut, aber eine Mitbetreuung der Erwachsenenpsychiatrie durch die KJP ist mir nicht bekannt, halte ich auch für recht riskant. (Auch eine Mitbetreuung der KJP durch die Erwachsenenpsychiatrie ist mir nicht bekannt, halte ich ebenfalls nicht für sinnvoll, aber zumindest für weniger riskant.)

Verkauft wird die Pflichtteilnahme in der EP halt als "wertvolle Erfahrung", um den KJP-Horizont um Psychopathologien, die wir nun mal seltener sehen (Psychosen usw.), zu erweitern - kann ich nachvollziehen, keine Frage, und die Dienste, seien es psychiatrische oder somatische Notfälle, helfen mir sicherlich, in gewissen Situationen etwas vorbereiteter zu sein als Kolleg*innen, die ausschließlich in der KJP tätig sind. Die Anspannung und Angst, in dieser Fülle an Aufgaben im Dienst irgendetwas Wichtiges zu übersehen oder Dinge schlicht zu spät zu wissen, weil ich mit ihnen erstmalig nachts allein um 3 Uhr in Berührung komme, bleibt aber. Und die Einschätzung hier scheint ja ähnlich auszufallen, dass es nicht unbedingt an meiner eigenen Inkompetenz liegt, wenn ich mich überfordert fühle...

Herbstblume und vanilleeis, ich schreibe euch eine PN.

Reflex
01.07.2023, 07:09
Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen dem Psychosomatik und dem Ärztlichen PT-Sitz? In NRW werden diese getrennt aufgeführt (auch mit unterschiedlicher Verfügbarkeit).

Im Rahmen der Bedarfsplanung und der Abrechnung spielt das formal eine unterschiedliche Rolle. Aber jeder mit PT Ausbildung kann sich trotzdem auf ärztliche PT Sitze bewerben. Einen konkreten Unterschied macht die KV Nordrhein da inhaltlich aber kaum. Mein Sitz, über den ich derzeit arbeite, war vorher ein psychosomatischer Sitz, den die KV dann formal in einen regulären ärztlichen PT Sitz umgewandelt hat, damit ich ihn als Psychiater auch übernehmen kann.

mbs
01.07.2023, 23:03
Mal eine vielleicht etwas dumm klingende Frage: Wie seid ihr eigentlich darauf gekommen, Psychiatrie oder sogar Psychosomatik zu machen? Nach dem Studium ist das ja nicht gerade das Naheliegendste. Viele assoziieren damit ja keine klassische Arzttätigkeit. Wolltet ihr einfach einen Job, in dem ihr in "zivil" erscheinen dürft und euch nicht so sehr als Rädchen in ein großes Getriebe begeben müsst? Mehr Zeit für die Patienten habt? Oder hattet ihr andere Motivationen?

Reflex
02.07.2023, 04:53
Wenn DU damit keine klassische Arzttätigkeit verbindest, zeigt es mal wieder wie wenig Ahnung Du von der Materie hast. Der Job erfordert neben Authentizität und Empathie sowie der psychotherapeutischen Ausbildung ein umfassendes medizinisches Wissen im somatischen, neurologischen und vor allem psychoharmakologisches Bereich. Wenn man seinen Job gut machen will, ist die Ausbildung zum Psychiater oder Psychosomatiker mit eine der aufwendigsten Facharztausbildungen, die auch mit dem Facharzt nicht endet.

rafiki
02.07.2023, 06:23
@mbs: Stell dir mal vor, ich bin mit dem Wunsch nach diesem Fach ins Medizinstudium gegangen und zwar, weil ich die Psychomedizin als eines der "ärztlichsten" Gebiete betrachte. Ehrlich gesagt, deine Frage "klingt" nicht nur erschreckend dumm und engstirnig, was die Vorstellung von Medizin betrifft.

Bandwurm
02.07.2023, 15:45
Dioto: Recht offen in das Medizinstudium reingegangen und habe gemerkt, dass mir die Psychofächer am Besten liegen und am meisten Spaß machen. Thats it...
Bei Wok Life Balance suchst du dir die passende Stelle mit den Arbeitsbedingungen und den Kollegen, die du für richtig empfindest.

JumpRopeQueen
10.07.2023, 05:07
Liebe KollegInnen, nun bin ich in Psychosomatik in einer Reha-Klinik gelandet und hätte gleich eine Frage an euch.
Ich bin aktuell auf der Suche nach PT-Weiterbildung. Es gibt eine Möglichkeit PT als Gesamtpaket in TP abzuschließen, ich bin jedoch eher an systemischer Therapie interessiert. Hat jemand Erfahrung damit? In meinem Bundesland gibt es keine solche ärztliche weiterbildung, sondern nur in Berlin, aber auch dort nur 100 UE ohne Selbsterfahrung und Balint-Gruppe. Heißt es, dass ich die beiden letzten auch im systemischen Therapieansatz suchen soll?

Und mal anders gefragt: mein Ziel ist, sich nach FA zu niederlassen und Paar- sowie Familietherapie anbieten zu können. Wäre es möglich, dies zu machen, auch wenn ich tiefenpsychologisch ausgebildet bin?

Reflex
10.07.2023, 06:59
Und mal anders gefragt: mein Ziel ist, sich nach FA zu niederlassen und Paar- sowie Familietherapie anbieten zu können. Wäre es möglich, dies zu machen, auch wenn ich tiefenpsychologisch ausgebildet bin?

Ja, das geht. Du kannst Dich ja auch noch nach der Facharztausbildung weiter qualifizieren und das auch in mehreren Bereichen. Mein Kollege ist auch TPler und hat später eine systemische Ausbildung später gemacht. Paartherapie ist ja ansich keine Kassenleistung und muss daher auch nicht anerkannt werden.

Bandwurm
11.07.2023, 13:35
Es gibt auch eine psychoanalytische Paar- und Familientherapie Ausbildung, z.B. in Göttingen. Obwohl sicherlich Systemisch sehr dominiert.

mattieDo
20.07.2023, 15:18
Hallo zusammen
Ich bin jetzt im 2,5. WBJ und demnächst steht familiär bedingt ein Umzug in eine andere Region an. Ich war bisher in einer mittelgroßen bis großen peripheren Klinik (ein ZfP, die es ja in Süddeutschland zuhauf gibt), das war so lala, vor allem fortbildungsmäßig ganz schön schwach.
Nun hatte ich die Überlegung, mich an einer Uniklinik zu bewerben (es gäbe 2, die gut erreichbar sind). Nach meinen Infos würde ich da relativ problemlos eine Stelle bekommen. Das liegt nicht daran, dass ich so ein toller Hecht bin, sondern bekommt man scheinbar auch an Unikliniken in der Psych als der Sprache mächtige Person mit dazu noch ein bisschen klinischer Erfahrung relativ leicht eine Stelle.

Ich habe kürzlich meine experimentelle Diss abgeschlossen und Forschung wäre jetzt kein No-Go und hat schon auch Spaß gemacht. Nun kann ich selbst, da noch nie so gearbeitet, Psych an einer Uniklinik relativ schwer einschätzen. Ist das qualitatitv auf jeden Fall als hochwertiger einzuschätzen, a) in Bezug auf die Karriere und Stellensituation später zB als OA und b) in Bezug auf die klinische Ausbildung? Oder kann man das pauschal gar nicht so richtig sagen?

davo
20.07.2023, 15:33
Die psychiatrischen Unikliniken sind von ihrer Größe, Art und Qualität her sehr heterogen.

Manche sind recht klein, haben kaum Spezialstationen, kaum Spezialambulanzen, nur wenig Forschung, wenige Fortbildungen. Manche sind sehr spezialisiert auf ein paar Forschungsthemen. Manche sind sehr groß und wirklich universitär. Usw.

"Karriere" macht in der Psychiatrie sowieso jeder, einfach weil es viel mehr Stellen gibt als Fachärzte, die bereit sind im stationären Bereich zu arbeiten. Somit bekommt man als Facharzt auch an vielen Unikliniken sehr leicht eine OA-Stelle. Mit einer experimentellen Doktorarbeit bist du da eh schon überdurchschnittlich qualifiziert.

Die klinische Ausbildung ist an großen, forschungsstarken Unikliniken oft schlechter als an nichtuniversitären Psychiatrien (eben weil der Fokus eher auf der Forschung liegt), insbesondere was das sozialpsychiatrische und das (psycho-)therapeutische Arbeiten anbelangt. Kleinere Unikliniken hingegen sind nichtuniversitären Psychiatrien von der klinischen Ausbildung her oft recht ähnlich.

Somit ist es aus meiner Sicht wichtig, zu schauen, wie die beiden Unikliniken, die bei dir geographisch gut passen würden, denn so sind, dort zu hospitieren, mit den Assistenzärzten zu reden, dich zu erkundigen, ob die Oberärzte Interesse an der und Zeit für die klinische Arbeit (und Lehre) haben, usw.

Sternenprinzessin
23.07.2023, 20:39
Hallo! Sagt mal, darf man als Erwachsenenpsychiater in der Kinderpsychiatrie Dienste übernehmen? Also einmal Vordergrunddienste aber vor allem Hintergrunddienste? Ich kann mir das gerade kaum vorstellen, aber an manchen Kliniken wird das wohl so gehandhabt, habe ich von Kollegen in der Psychotherapieweiterbildung gehört. Wie sieht das denn rein rechtlich aus?

Vielen Dank für eure Antworten!

rafiki
23.07.2023, 21:01
Rechtlich gehen Vordergrunddienste in Ordnung, Hintergrund eher nicht, da FA-Standard gegeben sein sollte. Ich würd es nicht machen, ist ein fremdes Fachgebiet. Es sei denn (nur für Vordergrunddienst), man hat viel Erfahrung in dem Bereich (ohne den FA-Titel zu haben). Hintergrund auf gar keinen Fall.

AnkeRazi
24.07.2023, 09:31
Hallo,
ich bin PJlerin, mache mein M3 mündlich Ende des Jahres. Ich bin immer noch recht offen bezüglich meiner Fachrichtung, schwanke zwischen Chirurgie, Innere, Derma oder Psych... Da ich Kinder habe, wären gute Arbeitsbedingungen wichtig für mich. Habe eine Famulatur in der Psychiatrie gemacht, Hälfte Tagesklinik, Hälfte geschützter Bereich. Durchweg waren alle Kollegen zufrieden mit ihren Arbeitszeiten bzw Bedingungen. So, nun meine eigentliche Frage : Was muss ich eigentlich als Anfänger können? Hab das Gefühl, dass man so gut wie nichts im Studium gelernt hat. Medis kann ich, und mit Empathie und Menschenverstand auch sehr gut mit den Patienten reden. Aber da ist nichts fundiertes... Was erwartet man von Neulingen?
Lieben Dank für eure Antworten!

davo
24.07.2023, 10:21
Man erwartet gar nichts von Neulingen. Du musst einfach nur interessiert sein und offen was zu lernen.

Und das mit Empathie und Menschenverstand ist eh die wichtigste Grundlage und leider auch nicht selbstverständlich.

rafiki
24.07.2023, 17:21
mit Empathie und Menschenverstand auch sehr gut mit den Patienten reden.

Dann wärest du vergleichsweise überqualifiziert;-))



Medis kann ich

Das wiederum braucht sehr viele Jahre Erfahrung, um es wirklich zu "können" (viele lernen es nie).