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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigen- oder Fremdgefährdung? Der Psychiatertreffpunkt



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Züschata
25.07.2023, 14:11
Mal ne andere Frage: was meint ihr, ist es realistisch als frischer FA in der Klinik die höchste Vergütungsstufe einzufordern? Ich finde eine OA Stelle weder inhaltlich noch finanziell attraktiv. Zudem möchte ich keine Dienste mehr machen, das ist aus meiner Sicht was für die (leider abhängigen) Assis.

rafiki
25.07.2023, 16:58
Selbstverständlich, wenn du entsprechende Leistungen bietest und kein anderer FA, der dasselbe bietet, verfügbar ist.

mattieDo
31.07.2023, 13:08
Die psychiatrischen Unikliniken sind von ihrer Größe, Art und Qualität her sehr heterogen.

Manche sind recht klein, haben kaum Spezialstationen, kaum Spezialambulanzen, nur wenig Forschung, wenige Fortbildungen. Manche sind sehr spezialisiert auf ein paar Forschungsthemen. Manche sind sehr groß und wirklich universitär. Usw.

Somit ist es aus meiner Sicht wichtig, zu schauen, wie die beiden Unikliniken, die bei dir geographisch gut passen würden, denn so sind, dort zu hospitieren, mit den Assistenzärzten zu reden, dich zu erkundigen, ob die Oberärzte Interesse an der und Zeit für die klinische Arbeit (und Lehre) haben, usw.

Ok danke schonmal, klingt ja auch logisch und deckt sich mit meiner Recherche. Vermutlich historisch bedingt gibt es ja oft sehr große nicht-universitäre Psychiatrien (z.B. München-Haar oder LVR in NRW) und dementsprechend kleinere und größere Unis.

Noch eine andere Frage: Ich habe noch in der WBO2006 angefangen und somit steht es mir jetzt frei (so habe ich es zumindest verstanden), nach welcher WBO ich den FA mache. Wenn ich in Bezug auf die geforderten Zahlen beide vergleiche, kapiere ich aber gar nichts mehr. Also
- die SE muss in 2020 mit mind. 40h in einer kontinuierlichen Gruppe abgeleistet werden, 2006: keine Einschränkung
- zu Gutachtenzahlen steht 2020 "3", 2006 keine Zahl (?)
- 2020 verlangt 40 Fälle in Liaisondiensten, hier ist 2006 auch nichts geschrieben
- 2020 verlangt 50 x Befunderstellung von standardisierten Testverfahren, 2006: nichts
- 2020 verlangt 300 Fälle Psychiatrische und psychotherapeutische Therapie und 5 Fälle Therapie von Traumafolgestörungen, in 2006 ist überhaupt nicht die Rede von Fällen, nur von einer Anzahl von Stunden... Ebenfalls verlangt 2020 120h Gruppenpsychotherapie, von welchem 2006 ebenfalls nicht die Rede ist. Gibt es vielleicht irgendwo einen Vergleich?

thequeenofcells
15.08.2023, 12:12
Hallo. Ich habe das Studium mit einem mehr oder weniger klaren Ziel angefangen - Psychiatrie, ggf. Rechtsmedizin. Es ahndelt sich bei mir um Zweitstudium, ergo bin ich schon eher eine alte Oldie :)

Nun frage ich mich - wie komme ich an die Ausbildung zur Psychotherapeutin dran? Ich habe noch Zeit, ich bin erst im 2. klinischen Jahr, dennoch bekam ich an der Uni keine so klare Aussage. Es wird, wie man mir sagt, absolut kein Problem sein, eine Stelle in der Psychiatrie zu bekommen (wir sind, finde ich, ganz gut aufgestellt mit 7 Kliniken in der machbaren Nähe), ich würde aber gerne später in einer Praxis arbeiten und auch psychotherapeutisch tätig sein. Wie plane ich am besten, um Leerlauf zu vermeiden?

Danke.

davo
15.08.2023, 12:23
Eine gewisse psychotherapeutische Ausbildung ist verpflichtender Bestandteil der Facharztweiterbildung, siehe Weiterbildungsordnung. Deswegen heißt es ja auch "Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie".

Solange man sich im ersten Jahr der Facharztweiterbildung darum kümmert, gibt es also keinen Leerlauf und keine Verzögerung. Du kannst bis dahin ganz entspannt das Studium genießen.

mockel83
27.08.2023, 13:17
Hi zusammen,
bei mir steht die Facharztprüfung kurz bevor und ich habe ein bisschen zu wenig Lernzeit eingeplant, merke ich gerade :-oopss. Meine nicht pauschal zu beantwortende Frage wäre, für wie wichtig ihr es erachtet, dass man die ganzen ICD-10 Kriterien runterrattern kann. Also klar, die von Schizophrenie, Depression oder Angststörung sollten sitzen. Oder meinetwegen auch die allgemeinen Kriterien einer Persönlichkeitsstörung. Aber sollte man auch z.B. die kompletten Einzelkriterien für jede einzelne Persönlichkeitsstörung parat haben? Oder z.B. die ganzen möglichen somatoformen Beschwerden der somatoformen autonomen Funktionsstörung oder die 18 Symptomkriterien der ADHS? Wie ist da eure Sicht oder Erfahrung aus den Prüfungen?

JumpRopeQueen
28.08.2023, 05:45
Liebe KollegInnen,
Weiß einer von euch, was für Umsatz man mit so einer psychosomatischen Praxis generieren kann? Man wäre ja vermutlich wie ein ärztlicher Psychotherapeut tätig ohne die ganzen Untersuchungen wie Medikamentenspiegel, EEG etc. ,die ein FA für Psychiatrie anbieten/abrechnen kann...
Vielen Dank im Voraus !

Reflex
28.08.2023, 06:55
Das kann man pauschal nicht sagen, weil das von vielen Faktoren abhängig ist. Anteil Privatpatienten/Selbstzahler? Verhältnis von Einzel-und Gruppentherapie? zusätzliche Standbeine? Gutachten? Selbsterfahrung? Supervision? Balintgruppe? BG-Patienten? Das variiert dann von 25000-60000€ pro Quartal je nachdem.

Reflex
28.08.2023, 12:34
BTW: Als ärztlicher Psychotherapeut kannst Du alles machen, was ein Psychiater über einen RLV Sitz auch macht. Also Medikamente verordnen, AU ausstellen etc. Man muss sich nur die Frage stellen, ob man das will und was die konzeptionelle Ausrichtung der Praxis ist. Limitierende Faktoren sind wie bei jedem anderen Sitz die Behandlungsminuten.

Herbstblume90
28.08.2023, 14:43
Ich habe eine Frage an die KJPler:

Ich bin dabei, unsere „Kindervisite“ umzuarbeiten. Bislang war sie recht oh Luchs er der Jugendlichen. Es geht dabei darum, wie die Woche verlief und vor allem um ein Ziel für die Woche zu vereinbaren. Ich würde gerne das visualisieren. Ich kenne eine Klinik, die nennt das „große“ Ziel Leuchtturmziel, hat aber keinen Namen für die Zwischenziele. Nutzt ihr da irgendwas?

Meine Idee war zB mit einem Berg zu arbeiten, das „große“ Ziel als Gipfel o.Ä. Zu bezeichnen und dann die zwischenzielen mit so weg Abschnitten zu vergleichen. Aber ganz überzeugt bin ich noch nicht. Hat ihr noch Ideen?

Speranza100
28.08.2023, 15:53
Meine spontane Eingabe beim Leuchtturm: Sandbänke. zum wieder Boden unter den Füßen gewinnen wenn es mal rutschig ist/Tief bergab geht zum Pause machen. ABer vermutlich ist das zu platt ;-) im doppelten Sinn.
Bin auch kein KJPler. (nur mal für 1 Jahr als Ausflug)

JumpRopeQueen
28.08.2023, 17:47
Vielen Dank, Reflex!
Ich frage mich, warum es denn so wenig Psychosomatiker gibt, wenn man theoretisch auch alles wie ein Psychiater abrechnen kann, wenn man Praxis gründet. Auf meiner Arbeit haben 2 gekündigt, eine will doch ein anderes Fach machen, und der andere ist wohl mit seinem vorhandenen FA auf einem anderen Gebiet doch zufrieden...
Was schreckt die Leute von PSO ab?

Ich bin halt auch aktuell am Überlegen... habe mein Curriculum bekommen und im Koof durchgerechnet, was man alles für Geld in diesen FA investieren muss, wenn eine einzige Stunde Selbsterfahrung 100€ kostet... und ob sich das überhaupt rechnet, denn wenn man eine Praxis haben möchte, was ich möchte, muss man ja auch noch den Sitz kaufen...

rafiki
28.08.2023, 18:05
Hi zusammen,
für wie wichtig ihr es erachtet, dass man die ganzen ICD-10 Kriterien runterrattern kann.

Interessiert überhaupt nicht. Weil es nicht die Qualität eines Psychiaters ausmacht, ob er die ICD-Kriterien "herunterrattern" kann, sondern ob er die Erkrankungen verstanden hat. Und die Erkrankungen und den betroffenen Pat. zu verstehen, kann schon mal deutlich von den ICD-Kriterien abweichen.

Bandwurm
28.08.2023, 18:35
Hi Herbstblume 90. Wir arbeiten mit "Blütenaufgaben. 'Also Kreis und darum die Blätter der Blüte, z.B. Mitpatienten kennenlernen, erste Dienste machen, beim Begrüßen in die Augen schauen. Da kommt dann zum Schluss ein Blumenstrauß zusammen

Reflex
28.08.2023, 19:07
Vielen Dank, Reflex!
Ich frage mich, warum es denn so wenig Psychosomatiker gibt, wenn man theoretisch auch alles wie ein Psychiater abrechnen kann, wenn man Praxis gründet. Auf meiner Arbeit haben 2 gekündigt, eine will doch ein anderes Fach machen, und der andere ist wohl mit seinem vorhandenen FA auf einem anderen Gebiet doch zufrieden...
Was schreckt die Leute von PSO ab?

Ich bin halt auch aktuell am Überlegen... habe mein Curriculum bekommen und im Koof durchgerechnet, was man alles für Geld in diesen FA investieren muss, wenn eine einzige Stunde Selbsterfahrung 100€ kostet... und ob sich das überhaupt rechnet, denn wenn man eine Praxis haben möchte, was ich möchte, muss man ja auch noch den Sitz kaufen...

Ärztliche PT Sitze gibt es immer wieder im Rahmen der Bedarfsplanung kostenlos. Selbst in geschlossenen Planungsbereichen. Selbst in Ballungsgebieten gibt es kaum Mitbewerber. Die Kosten für Räumlichkeiten, IT/TI und Personal sind überschaubar. Warum Ärzte das aus den Psychofächern nicht nutzen? Weil sie falsche Vorstellung von der Niederlassung haben… dabei ist man völlig flexibel und genießt viele Annehmlichkeiten. Aufgrund der Ziffern aus 35er EBM wird Großteil der Psychotherapien als Einzelleistung ohne Budgetierung direkt vergütet. Gerade für einen PT Sitz muss man Minimum 25h pro Woche und eine PT-Sprechstunde pro Woche anbieten. D.h. auch mit einer 75% Stelle kann man einen vollen Sitz bespielen. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen wieder in der Klinik zu arbeiten.

Psychosomatik hat halt das Problem, der einerseits sehr aufwendigen Weiterbildung und andererseits geringeren beruflichen Möglichkeiten. Das denke ich, schreckt einige ab.

JumpRopeQueen
29.08.2023, 05:56
Ärztliche PT Sitze gibt es immer wieder im Rahmen der Bedarfsplanung kostenlos. Selbst in geschlossenen Planungsbereichen. Selbst in Ballungsgebieten gibt es kaum Mitbewerber. Die Kosten für Räumlichkeiten, IT/TI und Personal sind überschaubar. Warum Ärzte das aus den Psychofächern nicht nutzen? Weil sie falsche Vorstellung von der Niederlassung haben… dabei ist man völlig flexibel und genießt viele Annehmlichkeiten. Aufgrund der Ziffern aus 35er EBM wird Großteil der Psychotherapien als Einzelleistung ohne Budgetierung direkt vergütet. Gerade für einen PT Sitz muss man Minimum 25h pro Woche und eine PT-Sprechstunde pro Woche anbieten. D.h. auch mit einer 75% Stelle kann man einen vollen Sitz bespielen. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen wieder in der Klinik zu arbeiten.

Psychosomatik hat halt das Problem, der einerseits sehr aufwendigen Weiterbildung und andererseits geringeren beruflichen Möglichkeiten. Das denke ich, schreckt einige ab.

Vielen Dank für die ausführliche Rückmeldung!
Tja, solche Grundlagen kriegt man leider (bewusst?) nirgendwo beigebracht.
Ist es denn üblich, dass der Arbeitgeber nichts von den WB-Kosten übernimmt? Das war auch in meinem alten Haus so, wohingegen die Psychiater die Hälfte übernommen bekommen haben.

rafiki
29.08.2023, 06:31
Was schreckt die Leute von PSO ab?


Ganz klar die hohen Kosten. Wenn man nur die Niederlassung anstrebt, lohnt es sich nicht. Für hohe Positionen in Psychosomatischen Akutkliniken schon außerordentlich! Allerdings ist ausschließliche Weiterbildung in Psychosomatik klinisch wenig brauchbar. Alle Kollegen, die mir bisher begegnet sind, hatten weder Ahnung von Somatik noch von handfester Psychiatrie einschließlich Pharmakotherapie - woher auch? Im Grunde waren es Psychologen mit ärztlicher Approbation, die durchaus belächelt werden. Psychosomatik als Zweitfach ist geeignet für Psychiater und für Internisten, ggf. noch für wenige andere Erstfächer.

Kaas
29.08.2023, 09:26
Finde es auch seltsam, dass es das Fach Psychosomatik in dieser Form überhaupt gibt in Deutschland. Ist ein bisschen so, als würde man Innere machen aber ohne den Umgang mit den schweren Erkrankungen des Fachs zu lernen und ohne Intensivzeit. Mir ist neulich mal im Wochenenddienst von einem psychosomatischen Facharzt ein Patient akut zuverlegt worden, der "plötzlich psychotisch und aggressiv" geworden sei und in der psychosomatische Reha "nicht mehr führbar" war. Der hatte dann einfach nur 2,5 Promille, das hat man aber schon auf der Liege vom Rettungsdienst gesehen. Und wie rafiki schon geschrieben hat: entgegen der Erwartung haben die somatisch meist deutlich weniger Ahnung als Psychiater (wegen fehlender Geronto-Zeit, weniger somatischer Ausschlussdiagnostik, weniger Kontakt mit den Kollegen der Somatik etc.)

JumpRopeQueen
29.08.2023, 11:44
Danke für eure Meinungen.
Ich habe 6 Monate in Akutpsychiatrie gearbeitet und bin nun in psychosomatischer Reha. Was ich festgestellt habe: ich bin vom Typ her nicht für akutes Setting geschaffen. In der Reha aktuell fällt es mir jedoch auf, dass man 0,0 Teaching hat und nicht wirklich was mit Psychotherapie zu tun hat. Dazu noch habe ich mir die Kosten für die WB angeschaut, sodass ich aktuell eher verzweifelt da stehe und nicht wirklich weiß, was ich machen soll.

Züschata
29.08.2023, 12:59
Danke für eure Meinungen.
Ich habe 6 Monate in Akutpsychiatrie gearbeitet und bin nun in psychosomatischer Reha. Was ich festgestellt habe: ich bin vom Typ her nicht für akutes Setting geschaffen. In der Reha aktuell fällt es mir jedoch auf, dass man 0,0 Teaching hat und nicht wirklich was mit Psychotherapie zu tun hat. Dazu noch habe ich mir die Kosten für die WB angeschaut, sodass ich aktuell eher verzweifelt da stehe und nicht wirklich weiß, was ich machen soll.

Zurück in die Psychiatrie, such dir halt ein Haus mit angenehmeren Diensten. So lernst du doch nix. Psychosomatische Reha ist was für den beruflichen Feierabend, entspricht deinen Erfahrungen. Ich würde dir raten, dass du noch 1-2 Jahre Psychiatrie machst, dein Neurojahr und dann am besten in eine an eine Psychiatrie angebundene Psychosomatik gehst, damit du in den Diensten noch was von der Psychiatrie mitbekommst. Am meisten Sinn würde es sogar machen, als erstes in die Neuro zu gehen. Das härtet ab, dann wird die Akutpsychiatrie auch nix mehr ausmachen. Erfahrungen in der Psychiatrie sind für Psychotherapeuten mMn aus vielen Gründen sehr wichtig, u.a. weil man die Pat. in der Akutphase kennenlernt und auch lernt einzuschätzen, wann Pat. in dieses Setting gehören.